Der S&P 500 setzt seine Rekordjagd fort – und JPMorgan sieht noch weiteres Potenzial. Nach starken Unternehmensgewinnen und ersten Belegen dafür, dass sich die milliardenschweren KI-Investitionen auszahlen, hebt die US-Großbank ihr Kursziel erneut an. Auch die zunehmende Marktbreite stärkt die Rally an der Wall Street. Doch ausgerechnet jetzt erreichen Euphorie und bullische Positionierung Extremwerte, während die Fed zwischen hartnäckiger Inflation und einem schwächeren Arbeitsmarkt steckt.
JPMorgan sieht 8.000 Punkte im S&P 500
Wie Bloomberg berichtet, haben die Strategen von JPMorgan ihre Prognose für den S&P 500 innerhalb von zwei Monaten bereits zum zweiten Mal angehoben. Das Team um Dubravko Lakos-Bujas erwartet den US-Leitindex nun bei 8.000 Punkten. Gegenüber dem Schlussstand vom Freitag entspricht das einem Potenzial von rund 3 %. Erst im Juni hatte die Bank ihr Kursziel von 7.600 auf 7.800 Punkte erhöht.
Hinter dem Optimismus stehen vor allem die starken Unternehmensgewinne und die Entwicklung im KI-Sektor. Die Berichtssaison liefert JPMorgan zufolge zunehmend Belege dafür, dass sich die enormen Investitionen der Hyperscaler in künstliche Intelligenz tatsächlich monetarisieren lassen. Insbesondere Amazon und Microsoft haben mit starkem Cloud-Wachstum gezeigt, dass die hohe Nachfrage zunehmend in Umsätze mündet.
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„Während die hohen Auftragsbestände zunehmend als Umsätze verbucht werden, dürfte das Wachstum im Cloud-Geschäft weiterhin gut unterstützt bleiben und damit die steigenden Investitionsausgaben für KI bestätigen“, erklärten die JPMorgan-Strategen. Künstliche Intelligenz dürfte in diesem Jahr bereits deutlich mehr als die Hälfte der insgesamt rund 1,5 Billionen Dollar schweren Investitionsausgaben der S&P-500-Unternehmen ausmachen.

Die Rally im S&P 500 wird breiter
Für die Bullen spricht zudem die verbesserte Marktbreite. Lange Zeit waren vor allem die großen Technologie- und KI-Aktien für die Kursgewinne verantwortlich. Inzwischen beteiligen sich deutlich mehr Aktien an der Rally.
Das zeigt der S&P 500 Equal Weight, in dem alle Indexmitglieder gleich gewichtet sind. Seit Jahresbeginn liegt er 14,83 % im Plus und damit sogar vor dem klassischen S&P 500 mit 12,8 %. Die Rally steht somit auf einem breiteren Fundament.
Auch Strategen von Citigroup, Deutsche Bank und Goldman Sachs bleiben optimistisch. Im Durchschnitt erwarten die von Bloomberg befragten Strategen den S&P 500 zum Jahresende bei 7.845 Punkten. Das entspricht allerdings nur noch rund 1 % Potenzial.
Euphorie wird zum Risiko
Die jüngste Rally hat aber auch eine Kehrseite. Während sich die fundamentalen Argumente verbessert haben, ist die Euphorie am Aktienmarkt enorm. Der Bull & Bear Indicator der Bank of America stieg zuletzt auf 9,7 Punkte und befindet sich damit tief im „Extreme Bull“-Bereich.
Auch am Optionsmarkt zeigt sich die Risikofreude. Zuletzt wurden mehr als vier Millionen Call-Kontrakte auf den S&P 500 gehandelt – ein Rekord. Die Rally trägt damit zunehmend Züge von FOMO, der Angst, weitere Kursgewinne zu verpassen. Solche Extremwerte kündigen nicht zwangsläufig eine Korrektur an, können aber als Kontraindikator dienen: Je mehr Optimismus eingepreist ist, desto anfälliger wird der Aktienmarkt für Rücksetzer.
Fed steckt in der Zwickmühle
Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist die US-Konjunktur. Der überraschend schwache Arbeitsmarktbericht vom Freitag hat die Erwartungen an die September-Sitzung der Fed deutlich verschoben. Eine Zinspause gilt inzwischen wieder als wahrscheinlicher – zunächst eine gute Nachricht für Aktien.
Doch der schwächere Arbeitsmarkt erhöht zugleich die Konjunkturrisiken, während die Inflation hartnäckig bleibt. Auch der Anleihenmarkt sendet derzeit ein Warnsignal. Die Renditen bleiben angesichts der Inflationsrisiken und der hohen US-Staatsverschuldung unter Aufwärtsdruck. Damit stellt sich einmal mehr die Frage, welcher Markt das bessere Signal liefert – der euphorische Aktienmarkt oder der deutlich skeptischere Bondmarkt.
Für die Fed verschärft das die Zwickmühle. Strafft sie weiter, könnte sie die Wirtschaft zusätzlich belasten. Bleibt sie untätig, könnte der Preisdruck hartnäckig bleiben. Die am Mittwoch anstehenden US-Inflationsdaten werden deshalb zur nächsten Bewährungsprobe für die Zinserwartungen.
Wie viel Luft bleibt am Aktienmarkt?
Steigende Gewinne, die zunehmende Monetarisierung der KI-Investitionen und die breitere Rally am Aktienmarkt sprechen für weitere Kursgewinne. JPMorgans Ziel von 8.000 Punkten erscheint daher durchaus erreichbar.
Doch extreme Euphorie, eine aggressive Positionierung und die Unsicherheit über Konjunktur und Fed erhöhen zugleich die Gefahr von Rücksetzern. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, ob der S&P 500 die 8.000 Punkte erreicht – sondern wie viel Optimismus die Kurse bereits vorweggenommen haben.
FMW/Bloomberg
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Wenn die Notenbanken sich endlich raushalten würden….. würde man sehen was Dow und Co wirklich wert sind…
Aber so….?
Die Märkte sind verzerrt und bilden nicht die wirkliche Wirtschaft wider…die Realwirtschaft….