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US-Berichtssaison als Stunde der Wahrheit S&P 500: Kampf um den Abwärtstrend – Entscheidung naht

S&P 500 Abwärtstrend Entscheidung

Ab Dienstag dieser Woche beginnt die US-Berichtssaison so richtig an Fahrt aufzunehmen – große Untenrehmen aus dem S&P 500 wie Microsoft, Tesla, Visa und viele Zykliker berichten. Dabei wird man genau darauf achten, wie stark der Zinsanstieg und die hohen Kosten auf die Margen drücken. Denn die Wall Street geht beim S&P 500 immer noch von durchschnittlich 224 Dollar Gewinn pro Aktie im Jahr 2023 aus. Bei Enttäuschungen müssten die Aktienbewertungen korrigiert werden, die Kurse deutlich fallen, so wie es Mike Wilson von Morgan Stanley schon seit Wochen ankündigt. Aber, warum sind die Kurse bisher noch nicht gefallen? Warum nähert sich der S&P 500 immer wieder seinem mittelfristigen Aufwärtstrend an? Hier könnte es demnächst eine Entscheidung geben, mit ganz seltsamen Konsequenzen.

S&P 500: Ende der nächsten Bärenmarktrally, oder Durchbruch nach oben?

Es ist wohl der bedeutsamste Chart der Welt. Der mit Abstand größte Index der Welt (der S&P 500 hat deutlich über 30 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung) befindet sich seit Januar 2022 im Abwärtstrend, immer wieder mit Rallys diesen Trend testend. Bisher vergeblich. Auch im Januar 2023 ist es (noch) nicht gelungen, diesen Abwärtstrend zu überwinden:

Tweet zerohedge Abwärtstrend S&P 500

Hier müsste es bald eine Entscheidung geben. Denn wohl jedes Investmenthaus kennt diese technische Lage, man dürfte sich entsprechend positioniert und abgesichert haben.

S&P 500: Gewinnrückgänge versus Zinshoffnung

Da werde einer schlau daraus, könnte man ausrufen! Wegen der Anleihemärkte, oder den Frühindikatoren, die so deutlich wie selten signalisieren, dass die USA vor einer Rezession stehen. Gleichzeitig hebt die Notenbank weiter die Zinsen an, um den straffen Arbeitsmarkt zu bändigen und schlussendlich die inflationstreibende Nachfrage zu begrenzen. Die einen blicken auf die „Lagging Indicators“, die anderen auf die „Leading Indicators“. Rückwärts gegen vorwärts.

Die Aktienmärkte unter „Führung“ des S&P 500 hingegen spielen ein Soft Landing der Wirtschaft, zugleich hat man eine Zinswende im Blick.

Die Aktienmärkte sind so etwas wie die erste Ableitung auf die Wirtschaft, für viele unverständlich, die lautstark einen Gleichlauf von Wirtschaft und Börse einfordern. Aber der Markt blickt eben neun bis zwölf Monate in die Zukunft und hier könnte sich tatsächlich eine Zinswende abspielen. Wie bereits x-fach erwähnt: Der monetäre Faktor (also die Versorgung der Wirtschaft mit günstigen Krediten) ist der wichtigste Faktor an den Börsen. Auch wenn die Öffnung Chinas derzeit wieder etwas Leben in die Rohstoffmärkte bringt, die aber in Summa gewaltig eingebrochen waren. Damit könnten gleich wieder neue Inflationsgedanken aufkommen.

Die Anleihemärkte, die für gewöhnlich etwas zielgenauer prognostizieren als die spekulativen Aktienmärkte, fokussieren sich anscheinend auf die Auswirkungen der Zinspolitik der Federal Reserve. Ständig wird über das „Timelag“ der Zinsanhebungen und der wirtschaftlichen Auswirkungen gesprochen, man ist aber anscheinend nicht bereit, die zwölf Monate Mindestabstand abzuwarten. Wann kam es zur ersten Minute Zinsanhebung von 0,25 Prozent? Ende März 2022.

Hier ein paar Charts, die anzeigen, was Zinsanhebungen von bald fünf Prozent in einem Jahr anrichten werden.

Zunächst der Tweet von Lance Roberts, der aufzeigt wie viele der Unternehmen im Russel 2000 zuletzt unprofitabel waren, damit nicht einmal die Zinskosten hereinarbeiten. 800 von 2000.

Tweet Roberts Unprofitable Companies

Das dürfte demnächst dramatisch werde. Denn Anleihen haben eine begrenzte Laufzeit und müssen umgeschuldet werden: Von sehr billig auf recht teuer. Hier im Tweet von The Short Bear die Fälligkeit von Unternehmensanleihen. Hier könnte eine Lawine ausgelöst werden:

Tweet The Short Bear Maturity of Bonds

Und nicht zu vergessen die US-Staatsanleihen der mit 31,4 Billionen Dollar verschuldeten USA!

Auch hier laufen Langläufer aus der Niedrigzins-Ära aus. Der Anteil von aktuell 3,2 Prozent am US-Haushalt, der nur für Zinszahlungen ausgegeben wird, dürfte in Zukunft deutlich nach oben gehen. Neue Haushaltsverhandlungen in einer Zeit, wohnest bald um die Präsidentschaftswahlen in den USA geht. Das dürfte auch Präsident Biden nicht gefallen.

Dieser Chart aus einem Tweet von Charlie Bilello ist schon nicht mehr ganz aktuell, Tendenz stark steifend.

Bilello US-Zinszahlungen Government

Mit der Aussicht eines auf Dauer stabilen US-Arbeitsmarkts dürfte es auch nicht mehr so weit her sein. Nicht wegen der knapp 100.000 Entlassungen im Hightech-Sektor, der noch nicht zu Ende sein dürfte. Das ist nicht sehr wirksam angesichts der Tatsache, dass in den USA nur drei Prozent der Beschäftigten in der Tech–Branche arbeiten. Auch wenn es sich um höchstbezahlte Angestellte handelt.

Aber aus dem Umfeld der Notenbank selbst kommt die nächste Grafik, präsentiert von Liz Sonders. Wie die Philadelphia-Fed selbst prognostiziert: Der Ausblick für den US-Arbeitsmarkt zeigt nichts mehr von einem sticky Labor Market.

Tweet Sonders Employment Outlook S&P 500

Fazit

Es ist für jeden etwas dabei, für Bullen und Bären. Die eine Seite stützt sich auf einen absehbaren Zins-Pivot, die Gegenseite auf die erwartbaren Rückgänge bei den Unternehmensgewinnen, ausgelöst durch Margendruck.

Eine Entscheidung beim S&P 500 steht an: Ein weiteres Eintauchen in den Bärenmarkt, oder der Ausbruch nach oben, der gerade die großen US-Investoren in den Markt zurückzwänge. Haben sie sich doch so stark aus dem US-Aktienmarkt zurückgezogen. Die Entscheidung dürfte bald fallen, schließlich haben wir nur noch sieben Handelstage im Monat Januar. Ein starker Jahresauftakt bedeutete einen weiteren Punkt für die Optimisten, auch wenn die Saisonalität nicht überbewertet werden sollte.



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3 Kommentare

  1. Krisen Mänätscher

    Herr Müller ist hintergründig immer noch ein kleiner Fed-Fighter. Aber bitte bedenken, Zinsen und Inflation bewegen sich wellenartig .
    Bei vielen Produkten machen die Lohnkosten einen grossen Teil des Verkaufspreises aus.Die Lohnkosten und höheren Kosten beim Gesundheitswesen sind nachlaufend und werden erst ab Januar 23 wirksam. ( Prämien- und Lohnerhöhungen)
    Die Lohn/ Preis Spirale ist erst am Anfang und der übliche Zweitrunden Effekt wird noch nachwirken.Auch der Basiseffekt von Öl und Gas wird wieder zunichte gemacht wenn die von vielen erwarteten Preise wider steigen.
    Kurz und gut , eine zwanzigjährige Übertreibung wird nicht so schnell verschwinden.Aussage des Bosses des NORWEGISCHEN STAATSFONDS.

  2. Stefan Riße: Warum 2023 ein neuer Börsencrash droht.

    https://www.youtube.com/watch?v=OmvNjD4pO7E

  3. Toller Artikel über die tickende Zeitbombe „Schulden“, und wie diese mit Verzögerung zuschlagen wird.

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