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S&P 500: Meta Platforms (Facebook) und das zweite Gesicht der Börse

Die Börse versucht oftmals eine möglichst große Anzahl von Anlegern aufs Glatteis zu führen

S&P 500 - das zweite Gesicht

Wer geglaubt hat, mit dem Ende des Januars ein Ende der großen Schwankungen erlebt zu haben, dürfte am gestrigen Tage eines Besseren belehrt worden sein: Die enttäuschenden Quartalszahlen und vor allen Dingen die Aussichten von Meta Platforms (Facebook) und die am gleichen Tag aufkommenden Spekulationen auf eine Zinswende in Europa, beendeten eine viertägige Erholung des S&P 500 und der Börsen insgesamt – und bestätigen einen schon erkennbaren Trend: Hohe Bewertungen werden 2022 abgestraft, ein künftig höheres Zinsniveau lässt auch die Dickschiffe an den Börsen erbeben.

S&P 500: Das Kursdebakel von Facebook

Die nachbörslichen Kurse von Meta am Mittwoch haben es schon erahnen lassen – der gestrige Donnerstag dürfte ein rabenschwarzer Börsentag werden. Schließlich hat das Mitglied der Big Five alleine schon einen Anteil von zwei Prozent im S&P 500 und gleich deren fünf im Nasdaq. So gab es am gestrigen Tag eine abrupte Wende in der Erholung der Börsen, mit dem größten Kursrutsch beim Nasdaq 100 seit September 2020 (minus 4,2 Prozent) und einem Einbruch beim marktbreiten S&P 500 um 2,4 Prozent.

Aber die Verluste des Facebook-Konzerns Meta zeigten am gestrigen Tag den ganzen Gigantismus, der durch den über 1000 Prozent-Anstieg beim Nasdaq in der letzten Dekade entstanden ist. Facebook verlor über 26 Prozent seines Börsenwerts, der größte Tagesverlust in den USA ever, mit einer Schrumpfung des Titels um über 220 Milliarden Dollar.

Damit erwischte es auch den Gründer des Konzerns, Mark Zuckerberg, der immerhin 12,8 Prozent der Aktien an dieser Firma sein eigen nennt:

Minus 29 Milliarden Dollar an einem Tag, wie Forbes sofort berichtete, so schrumpfte das Vermögen des erst 37-Jährigen auf 85 Milliarden Dollar, der Ultrareiche rutschte deutlich aus den Top 10 der Rangliste der vermögendsten Menschen. Angesichts der großen Probleme von Facebook auf vielen Feldern (Regulierung durch Behörden, Geschäftsmodell, Konkurrenz, Datenschutz) ist es mehr als fraglich, ob sich der Wert von diesem historischen Einbruch rasch erholen wird; ein Buy-the-Dip könnte hier zur Falle werden.

Ein blutroter Börsentag für den S&P 500

Wie es die Schautafel des Weltleitindex aufzeigt, geriet wieder einmal Tech unter die Räder. Die Aussichten auf höhere Kapitalmarktzinsen befeuern die Rückkehr zum Mittelwert in punkto Bewertung (Mean Reversion).

S&P 500 Schautafel Headmap

Eine Vollbremsung bei der Erholung

Der Überblick über die elf Sektoren im S&P 500 zeigt, dass es am gestrigen Tag genau die Bereiche „erwischt“ hat, die in der letzten Woche am stärksten gestiegen waren: Kommunikationswerte und Technologie:

S&P 500 Sektoren Überblick

Dann kam nachbörslich Amazon

Es dürfte in punkto Volatilität nicht ruhiger werden, denn die Quartalszahlen von Amazon brachten, wie schon bei Alphabet und Apple erlebt, großes Gewinnwachstum. FMW hat bereits nachbörslich über die überraschenden Gewinnzahlen berichtet.

Die Aktie war im Zuge der allgemeinen Marktschwäche tagsüber um neun Prozent gefallen, die Quartalszahlen ließen den Kurs nachbörslich aber bereits wieder um 15 Prozent nach oben schnellen.

Wie werden S&P 500, Nasdaq und die anderen US-Inidzes am heutigen Tag reagieren? Schon wieder eine kleine Short Squeeze im Bereich der „geshorteten“ Nasdaq-Werte, oder doch weitere Zurückhaltung vor den heutigen großen Arbeitsmarktdaten in den USA?

Fazit

Im Dezember wurde von vielen Seiten ein volatiles Jahr 2022 prognostiziert, was nach den Worten von Finanzmathematiker Dr. Beck zynisch so gedeutet werden könnte: Wir haben keine Ahnung darüber, was kommt. Aber die Gemengelage für dieses Jahr könnte genau diese Prognose zur Realität werden lassen. Wie hartnäckig werden sich Inflation und Lieferengpässe gebärden, wie stark werden die Notenbanken auf die Bremse treten?

Was geschieht mit den Kapitalmarktzinsen, wird die Zinskurve bei den Kursen der kurzen und langen US-Zinsen invers – und was macht dann die US-Konjunktur? Könnte diese nicht schon wieder eine Milderung der Abkehr der Notenbank verursachen von einer Verschärfung der Finanzierungsbedingungen in den USA (Kreditbelastung), vor allem sollte es den US-Konsumenten vor den US-Zwischenwahlen im November stark ans Portemonnaie gehen? Was machen die erheblichen geopolitischen Risiken (Ukraine-Krise), die sich in vielerlei Hinsicht auswirken könnten (Rohstoffmärkte und, und, und..).

Aber es sollte sich auch eines herausstellen: Wer glaubt diese Schwankungen bei S&P 500 & Co timen zu können, dürfte das ein oder andere Mal bös erwischt werden, im Sinne der Metapher: „Weg des größten Schmerzes“ oder auch im Sinne der zynischen Bemerkung – die Börse versucht oftmals eine möglichst große Anzahl von Anlegern aufs Glatteis zu führen.



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