Die Unternehmen im S&P 500 übertreffen die Gewinnprognosen deutlich, doch die Anleger zeigen sich davon unbeeindruckt und reagieren mit den schlechtesten Kursentwicklungen seit Beginn der Daten-Erhebung. Wie Bloomberg berichtet zeigt das, dass die Aussichten für 2026 unklar sind.
S&P 500: Selbst Aktien, die Erwartungen übertreffen werden abverkauft!
Es ist zwar noch früh in der Berichtssaison, aber laut Daten von Bloomberg Intelligence haben bisher etwa 81% der S&P-500-Unternehmen die Gewinnerwartungen für das vierte Quartal übertroffen. Dennoch blieben ihre Aktien im Durchschnitt um 1,1 Prozentpunkte hinter dem Referenzindex zurück – die schlechteste relative Performance seit 2017.
Unter den Aktien, die enttäuschten, fiel die Aktie von 3M am Dienstag um 7%, obwohl das Unternehmen die Gewinnprognosen übertraf, da sich die Anleger stattdessen auf die düsteren Aussichten konzentrierten. State Street fiel um 6,1%, da die schlechteren Aussichten für die Nettozinserträge die besser als erwarteten Quartalsergebnisse überschatteten. Netflix verlor nach einer enttäuschenden Prognose am Mittwoch im vorbörslichen Handel ebenfalls etwa 6%.
Dieser Trend unterstreicht, wie hoch die Erwartungen an die Unternehmensgewinne in diesem Quartal sind, nachdem US-Aktien zu Jahresbeginn Rekordhöhen erreicht haben. Dadurch sind die Bewertungen über den langfristigen Durchschnitt gestiegen, während Analysten ihre Gewinnprognosen vor der Berichtssaison nach unten korrigiert haben.
„Das Übertreffen der Konsensprognosen ist derzeit nicht die Hürde. Die Hürde besteht darin, die Zukunftsaussichten so weit anzuheben, dass die bereits hohen Bewertungen in einem Markt gerechtfertigt sind, der nach wie vor empfindlich auf Zinsen und politische Unsicherheiten reagiert“, sagte Aneeka Gupta, Direktorin für makroökonomische Forschung bei WisdomTree. „In diesem Umfeld wird ein über den Erwartungen liegendes Ergebnis ohne starke Prognosen zu einem Anlass zum Verkauf.“
Trump und die unsicheren Aussichten
Die Anleger werden noch kritischer, da Präsident Donald Trump mit Drohungen, neue Zölle gegen europäische Länder zu verhängen, erneut Sorgen über einen Handelskrieg schürt. Seine Äußerungen lösten diese Woche einen Ausverkauf an den globalen Aktienmärkten aus und rückten die unsicheren Aussichten für das Wirtschaftswachstum wieder in den Fokus.
Während Marktprognostiker weitgehend davon ausgehen, dass die Unternehmensgewinne vorerst stabil bleiben dürften, werden Anleger die Kommentare der Führungskräfte genau beobachten, um Hinweise auf die Gesundheit der Verbraucher zu erhalten. Anzeichen einer schwächeren Nachfrage würden wahrscheinlich schlecht aufgenommen werden, da der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 22 über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 19 gehandelt wird.
Unternehmen, die in diesem Quartal die Erwartungen verfehlten, blieben am Tag der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse laut BI-Daten um durchschnittlich 3 Prozentpunkte hinter dem S&P 500 zurück.
Bei Edmond de Rothschild warnte Nicolas Bickel, Leiter des Bereichs Investment Private Banking der Gruppe, dass es noch zu früh sei, um endgültige Schlussfolgerungen aus den Kursreaktionen zu ziehen, da erst 9% der Unternehmen, die die Marktkapitalisierung des S&P 500 ausmachen, ihre Ergebnisse veröffentlicht hätten.
„Trotz dieses volatilen Starts in die Quartalsberichtssaison bleiben wir gegenüber den US-Märkten konstruktiv eingestellt”, sagte Bickel. „Die Fundamentaldaten könnten bis zum Ende der Saison die geopolitischen ‚Störgeräusche’ überlagern.”
Dennoch deutet ein Index der Citigroup darauf hin, dass mehr Analysten ihre Gewinnprognosen vor den Ergebnissen des vierten Quartals nach unten korrigiert haben. Das schafft zwar die Voraussetzungen für ein weiteres Quartal mit starken Ergebnissen, bedeutet aber auch, dass die Unternehmen sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnschätzungen übertreffen müssen, um zu beeindrucken, sagte Morgan-Stanley-Stratege Michael Wilson.
„Die Berichtssaison ist wahrscheinlich eher ein eigenständiges Ereignis und weniger ein wichtiger Index-Treiber“, schrieb Wilson in einer Mitteilung.
FMW/Bloomberg
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