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S&P 500 und Goldpreis mit Rekorden kurz vor Fed – Euphorie pur – Obacht!

S&P 500 und Gold rennen von Rekord zu Rekord. Viel zu viel Fed-Zinseuphorie wird "eingepreist"? Obacht. Ein Überblick.

Fed-Chef Jerome Powell. Foto: Federal Reserve

Seit wie vielen Tagen rennen S&P 500 und Goldpreis zu immer neuen Rekorden? Und stets die selbe Begründung von Anlegern und Analysten: Die Fed wird ja am 17. September die Zinsen um 0,25 Prozentpunkte senken, das preisen die Märkte ein. Aber wie ich im Newsletter sinngemäß schrieb: Wie oft kann diese Euphorie die Kurse denn noch hoch pushen? Oder andersrum formuliert: Die Chance, dass ab Mittwoch Abend, wenn die Fed wie erwartet senkt, der Aktienmarkt in den Modus „Sell on good news“ schaltet, ist doch real vorhanden. Denn das Ereignis wurde von S&P 500 und Nasdaq 100 doch schon massiv über-eingepreist!


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S&P 500 und Goldpreis mit Rekord

Der Goldpreis erreichte heute Nacht mit 3.689 Dollar ein neues Allzeithoch. Am letzten Freitag waren es noch 3.633 Dollar. Der S&P 500 erreichte gestern mit 6.619 Punkten einen neuen Rekord – Mitte letzter Woche waren es noch 6.518 Punkte. Neben dem Zinsthema dürfte gestern auch geholfen haben, dass sich Donald Trump positiv zu den Zollgesprächen mit China geäußert hat! Je tiefer die Zinsen bei Anleihen, desto weniger Zinsverlust bedeutet es für Anleger, das zinslose Gold zu halten. Und je tiefer die Kreditkosten für Verbraucher und Unternehmen, desto mehr vermuten Anleger ein Ankurbeln der Wirtschaft ein einigen Quartalen – was man stets sofort einpreist, weil die Börse die Zukunft handelt. Und schließlich machen sinkende Anleiherenditen Aktien im Vergleich auch attraktiver! Im Chart sehen wir seit Anfang 2024 die deutlich fallende zweijährige US-Anleiherendite (rot), obwohl die Fed den Leitzins noch gar nicht gesenkt hat. In negativer Korrelation zur fallenden Rendite sehen wir in blau den S&P 500 in blau, der auf immer neue Rekorde steigt.

Chart vergleicht S&P 500 Verlauf mit Anleiherenditen aus den USA

Analystenkommentar

Ganz frisch kam dieser Analystenkommentar „auf den Tisch“: Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Swissquote Bank, schreibt (auszugsweise, in kursiv): Die Kombination aus starkem Gewinnwachstum und der Aussicht auf niedrigere Zinsen ist für Anleger einfach zu verlockend, als dass sie aus einem laufenden Bullen springen könnten. Was die Fed und Zinssenkungen angeht, erwarten viele insgesamt 100 Basispunkte in den nächsten vier Sitzungen.


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Wenn Sie also der Meinung sind, dass es eine Diskrepanz zwischen den Aussichten für den S&P 500 und der allgemeinen US-Wirtschaft sowie den Aussichten der Fed gibt, sind Sie nicht allein. Das liegt daran, dass der S&P 500 nicht die US-Wirtschaft repräsentiert. Etwa ein Drittel des Index besteht aus Big Tech. Allein Nvidia macht etwa 8 % des Referenzindexes aus. Diese Unternehmen verfügen über große finanzielle Reserven und unterstützen sich gegenseitig in ihrem Geschäft. Dieses Ökosystem hat in Verbindung mit der weltweiten Nachfrage nach US-Technologie dafür gesorgt, dass die wichtigsten US-Indizes – insbesondere der S&P 500 und der Nasdaq – trotz Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwäche in anderen Bereichen weiterhin gefragt sind. Für den Rest des S&P 500 lag das Gewinnwachstum im letzten Quartal bei etwa 3–4 %. Diese Divergenz lässt sich am gleichgewichteten S&P 500 beobachten, der weiterhin hinter der marktkapitalisierungsgewichteten Version zurückbleibt.

Die schwachen Wirtschaftsaussichten und der sich verschlechternde Arbeitsmarkt sind für die US-Big-Tech-Unternehmen nicht unbedingt ein Grund zur Sorge, aber die Aussicht auf niedrigere Zinsen ist eindeutig positiv, da sie die Bewertungen attraktiver erscheinen lassen – einfache Mathematik. So begann die Woche mit neuen Rekordhochs für den S&P 500, während die Rendite 2-jähriger US-Anleihen – die die Erwartungen der Fed widerspiegelt – weiterhin unter Druck stand. Google legte um mehr als 4 % zu und erreichte eine Bewertung von 3 Billionen US-Dollar, angetrieben durch die Nachricht (Anfang dieses Monats), dass das Unternehmen seinen Chrome-Browser nicht verkaufen muss. Dies, kombiniert mit der Dynamik der KI, treibt Google mit einer leichten Verzögerung nach oben.

Rekorde vor der Fed-Sitzung

Bloomberg News berichtet aktuell wie folgt: Aktien setzen ihre Rekordrally fort und Gold kletterte auf ein neues Hoch, da Anleger auf eine Zinssenkung durch die US-Notenbank in dieser Woche setzten. Der MSCI All Country World Index stieg am zehnten Tag in Folge um 0,1 % und verzeichnete damit die längste Gewinnserie seit mehr als vier Jahren. Asiatische Aktien legten um 0,7 % auf ein Rekordhoch zu und stehen vor ihrer besten Serie seit fast fünf Jahren. Die Kontrakte für den S&P 500 stiegen um 0,1 %, nachdem der Index auf seinem höchsten Stand aller Zeiten geschlossen hatte. Auch die Futures für europäische Aktien legten leicht zu.

Der Goldpreis stieg auf ein neues Rekordhoch, während der Dollar-Index den zweiten Tag in Folge leicht nachgab. Die US-Staatsanleihen stabilisierten sich, da die Anleger die für Dienstag erwarteten US-Einzelhandelsumsätze abwarteten. Der Yen legte gegenüber dem Dollar zu, was zum Teil auf den Eintritt des japanischen Landwirtschaftsministers Shinjiro Koizumi in das Rennen um den Vorsitz der regierenden Liberaldemokratischen Partei zurückzuführen war.

Jüngste Daten, die auf eine Abschwächung des US-Arbeitsmarktes hindeuten, und keine größeren Überraschungen bei den Inflationszahlen haben die Erwartungen für eine Zinssenkung um einen Viertelpunkt durch die Fed am Mittwoch verstärkt. Händler halten diesen Schritt für so gut wie sicher, auch wenn sich die Debatte nun darauf verlagert, wie schnell die Zentralbank darüber hinaus ihre Politik lockern könnte, da die Inflation weiterhin über dem Zielwert der Fed von 2 % liegt.

Die Zentralbank versucht, akkommodierend zu sein, indem sie „das tut, was die Regierung von ihr erwartet, ohne die Glaubwürdigkeit der Fed zu beeinträchtigen”, sagte Gordon Tsui, Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Fixed Income bei Ping An of China Asset Management (HK), im Bloomberg TV. „Ich denke, das ist das ultimative Ziel der Fed-Vertreter.”

Ein US-Berufungsgericht hat den US-Präsidenten daran gehindert, Gouverneurin Lisa Cook aus ihrem Amt zu entlassen, während ihre Klage gegen die Entlassung noch anhängig ist. Außerdem wird Trumps Wirtschaftsberater Stephen Miran dem Vorstand der Zentralbank beitreten, nachdem der Senat ihn für dieses Amt bestätigt hat.

Eine Senkung um einen Viertelpunkt gilt als sicher, wenn die Fed am Mittwoch ihre geldpolitische Entscheidung bekannt gibt (FMW: Schon längst im S&P 500 eingepreist), wobei angesichts der Anzeichen für eine rasche Verlangsamung des Beschäftigungswachstums in den USA auch eine Senkung um einen halben Punkt möglich ist.

Die Finanzmärkte neigen allgemein dazu, den Beschäftigungsausblick als vorrangig anzusehen und davon auszugehen, dass die Fed einen gemäßigten Ton anschlagen wird. Die Zentralbanker werden auch ihre vierteljährliche Aktualisierung der Wirtschafts- und Zinsprognosen veröffentlichen – bekannt als Dot Plot. Im Juni sprachen sich die Fed-Vertreter knapp für zwei Senkungen um jeweils einen Viertelpunkt im Jahr 2025 aus.

Was Bloomberg-Strategen sagen: Die Steilheit der Zinsstrukturkurve wird einen zusätzlichen Schub erhalten, obwohl Anleihehändler damit gerechnet hatten, dass Stephen Miran bei der Fed-Sitzung in dieser Woche dabei sein würde. Die Händler müssen nun mit dem Risiko rechnen, dass Miran eine sehr niedrige Dot-Plot-Prognose abgibt, die noch nicht vollständig eingepreist ist.
—Mark Cranfield, Stratege bei Markets Live.

„In der kommenden Sitzung werden wir uns mit den US-Einzelhandelsumsätzen befassen, was ein gewisses Risiko für die Märkte darstellt“, schrieb Chris Weston, Forschungsleiter bei der Pepperstone Group, in einer Mitteilung. „Da jedoch die Fed-Sitzung in der folgenden Sitzung bevorsteht, dürfte es einer überaus großen Überraschung bei den Einzelhandelsumsätzen bedürfen, um das Risiko wirklich zu beeinflussen.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Nach unten ist immer schwierig wenn alle massiv im Gewinn sind und nicht mehr nachkommen den SL im Gewinn nachzuziehen. Da ist dann nichts zu holen für die Wallstreet.

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