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S&P 500 und Nasdaq: Ballung der Belastungsfaktoren!

S&P 500 und Nasdaq April

Die Befürchtungen habe sich bewahrheitet, die Aktienkurse an den Weltbörsen haben jüngst weiter gegen Süden gedreht, insbesondere der technologielastige Nasdaq, aber auch der Leitindex S&P 500 fiel deutlich. Es hat sich eine Gemengelage entwickelt, mit Gegenwind von allen Seiten – und die Anleger versuchen die Risiken einzupreisen. Deshalb stellt sich kurzfristig die Frage: Wie weit wird die Angst den Abverkauf in den Indizes S&P 500 und Nasdaq noch treiben, bis es wieder zu einer Bärenmarkt-Rally kommen wird?

Börsen in West und Ost – Under pressure

Es gibt übergeordnet derzeit drei ganz große Belastungsfaktoren für die Börsen, die man auch noch regional unterscheiden kann.

In den USA werden die Aktienmärkte bedrängt durch eine aggressive Fed – zumindest in ihrer Ankündigungsrhetorik – sowie einer Inflation, die auf Konsumenten- und Produzentenebene noch keine Topbildung vollzogen hat. Die Zeit eilt bis zu den Midterm Elections im November, die aktuelle Regierung steht gewaltig unter Druck.

In Europa beeinträchtigt der Ukrainekrieg die Wirtschaft von Tag zu Tag mehr, insbesondere ausgelöst durch die Energie- und Rohstoffsituation, die die Industrie sowie den Konsumenten immer stärker unter Druck bringt. Die Geldpolitik der EZB lässt den Kurs des Euro weiter fallen – die in Dollar frakturierten Rohstoffe werden hierdurch auch immer teurer.

Die dritte Region ist China, wo die Wirtschaft sichtlich an Fahrt verliert, was durch die Zero-Covid-Politik durch Xi Jinping immer extremer wird. Sollte sich der Lockdown weiter fortsetzen, wird die ganz große Wachstumslokomotive der Welt in Schwierigkeiten geraten müssen. Man darf nicht vergessen, dass Chinas Wachstum in der letzten Dekade bis zur Hälfte die Weltwirtschaft befeuert hat. China macht etwa 12 Prozent des Welthandels aus, aber die Covid-Beschränkungen haben Fabriken und Lager stillgelegt, Lkw-Lieferungen verlangsamt und Staus bei Containern verschärft. Im chinesischen 22 Billionen-Dollar-Handel liegen hunderte Schiffe vor den Häfen und warten auf Abfertigung, die Lieferengpässe könnte sich global in diesem Jahr noch einmal dramatisch verschlechtern.

Börsenmonat April 2022: ein echter Ausreißer für Nasdaq und S&P 500

Die skizzierte Belastungssituation hat die Aktienbörsen in den Korrekturmodus (S&P 500) oder sogar in den Bärenmarkt (Nasdaq) getrieben, der Börsen-Wonnemonat April ist in diesem Jahr nicht der beste Börsenmonat des Jahres, sondern – so wie es derzeit aussieht – der schlechteste April seit Jahrzehnten. S&P 500 und Nasdaq fallen bereits die vierte Woche in Folge. Was also zählen Statistiken im Jahr der großen monetären Wende?

Die Statistik der Saisonalität beim S&P 500 mit ihrem aktuellen Scheitern:

S&P 500 und Nasdaq Saisonalität

Die Amerikaner haben auch für die Jahre mit Midterm Elections Statistiken, welche historisch normalerweise einen guten Verlauf genommen haben, wie die Übersicht von LPL Research aufzeigt. Extrem gute Aktienjahre folgten, aber die Jahrestiefs lagen in der Regel nicht im ersten Quartal.

S&P 500 und der Nasdaq

Die US-Berichtssaison

Sicherlich gibt es derzeit viele Ausreißer nach unten, aber in Summa schneiden die Unternehmen des S&P 500 nicht so schlecht ab, wie man angesichts der aktuellen Lage hätte erwarten können. Auch sind die Ausblicke infolge der Teuerungsraten weniger schlecht, als man annehmen könnte.

Wir befinden uns in der Woche der Wahrheit mit den Berichten der großen Big Five, Alphabet, Microsoft, Meta, Amazon und Apple. Unternehmen, die mit ihrer gigantischen Marktkapitalisierung fast doppelt so schwer „waren“ wie alle Werte im Russel 2000 zusammen.

Aber: Bisher sind die Umsätze der Unternehmen im ersten Quartal 2022 um 11,6 % gewachsen, die Gewinne um 6,7 Prozent, also alles gar nicht so schlimm? Könnte man meinen, wenn man den Ausblick von Visa in Augenschein nimmt, die noch von keiner Zurückhaltung der US-Konsumenten in ihrem Kaufverhalten berichtet. Was aber auffällt ist, dass die Kursbewegungen auch bei Übertreffen der Erwartungen sehr bescheiden ausfallen. Bei den Trends lassen sich folgende Auf- und Abstufungen erkennen:

Aufwärts: Energie, Fluggesellschaften, regionale Banken
Abwärts: Höherwertige Konsumgüter, Informationsdienste, Technologie

Derzeit wird das Wirtschaftsgeschehen sehr stark von Ereignissen dominiert. Und von persönlichen Entscheidungen einzelner Personen, für die wirtschaftliche Aspekte nicht Top Priority haben.

Von woher könnten positive Überraschungen für S&P 500 und Nasdaq kommen?

Wie immer in längeren Abwärtsphasen, stellen sich Anleger auf die Lage ein, aus einem „Himmelhoch jauchzend“ wird rasch ein „Zu Tode betrübt“. Die Stimmung geht in den Keller, die Investitionsquote sinkt und die Absicherungen, erkennbar am Put/Call-Ratio, werden nach oben gefahren.

Damit liegt aber jederzeit eine heftige Gegenbewegung in der Luft. Es wurde schon öfters angesprochen und erfahrene Anleger haben es sicherlich oft auch leidvoll erfahren müssen: desto stärker die Einbrüche, desto heftiger fallen die Rallys aus – in einem Bärenmarkt. Nur ist der Zeitpunkt stets die große Unbekannte. Es genügt bei großem Pessimismus oft nur eine kleine Hoffnungsmeldung, um bei einer „Short Squeeze“ technisch bedingte Käufe auszulösen. Könnte uns so etwas in Kürze wieder blühen?

Zwei Belastungsfaktoren verschwinden in diesen Tagen. Zum einen ist der große Frühjahrstermin abgearbeitet, an dem die US-Bürger ihre Steuern auf Aktiengewinne zu entrichten haben – immerhin in diesem Jahr 75 Prozent höher als im Vorjahr. Als Zweites endet langsam die Blackout-Period, in der die Unternehmen aus S&P 500 und Nasdaq keine eigenen Aktien zurückkaufen konnten. So enttäuschte der Riese Alphabet vorgestern zwar mit seinen Quartalszahlen, aber gleichzeitig wurde das Aktienkaufprogramm auf 70 Milliarden Dollar angehoben – wie es viele andere US-Unternehmen immer noch tun, trotz sich verschlechternder Finanzierungsbedingungen.

Fazit

Derzeit scheinen sich die Negativfaktoren geradezu zu ballen, wie gestern die neuesten Entwicklungen im Energiesektor. In jeder Woche werden die großen Belastungsfaktoren noch immer stärker, denn für einige braucht es gewisse zeitliche Vorläufe bis zur Auswirkung, wie zum Beispiel ein Preisauftriebseffekt endgültig beim Verbraucher angekommen ist oder bis Steigerungen der Kapitalmarktzinsen die Budgets der Marktteilnehmer stärker in die Knie zwingen.

Enttäuschend auch gestern der Kursverlauf bei S&P 500 und Nasdaq. Nach vier Tagen mit großen Verlusten kam es am Mittwoch zunächst zu deutlichen Kursgewinnen, die aber in der Schlussstunde von “Smart Money“ wieder abverkauft wurden. Kein gutes Zeichen, eher ein Zeichen von Schwäche. Es scheint, dass sich der Markt mit dem großen Snapper nach oben noch etwas Zeit lässt.

Heute kommen nachbörslich die Zahlen von Apple, dem größten Unternehmen der Welt und dem nicht wenige Analysten der Wall Street geradezu überirdische Bedeutung beimessen: make or break – auch charttechnisch für die Aktie von Apple..



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