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S&P 500: War das der Start der Jahresendrally?

S&P 500 - Jahresendrally?

Wieder einmal erleben wir eine Situation, in der sich Ungemach für die Aktienmärkte wie den S&P 500 ankündigte: eine Korrektur erfolgte, aber auch eine starke Erholung, wie aus heiterem Himmel. Wieder einmal ist das Negativszenario bekannt, Stichwort Tapering in verschärfter Form. Und wieder einmal stellt sich die Frage: Hat dies der Markt schon eingepreist, weil es allgemein erwartet wird? Schockierend ist ja stets das Neue, wie Omikron vor einer Woche. Sorgt zum Jahresende einmal mehr der Anlagenotstand für einen versöhnlichen Jahresausklang?

S&P 500: Schon wieder die Saisonalität?

War der Einbruch des S&P 500 und anderer Indizes nach Thanksgiving die vorgezogene Dezemberkorrektur, die bei Umschichtungen von Fonds stets zu Monatsbeginn im Dezember stattfindet? Da ist sicherlich etwas dran, aber der Markt war in seinen technischen Faktoren einfach reif für eine Korrektur – und dann kam Omikron. Sehr viel Zufall, aber die Umschichtung in den großen Depots erfolgte nach Angabe von Goldman Sachs in einer derartigen Heftigkeit, wie es diese schon über eineinhalb Jahren nicht mehr gegeben hat. Euphorie wechselte beim Fear&Greed Index in beginnende Panik, übergroße Call-Spekulation drehte sich in große Absicherung mit Put-Optionen.

S&P 500 Saisonalität Jahresende historisch

Es wäre eigentlich angerichtet für weiter positive Handelstage beim S&P 500, wenn da nicht die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise am Freitag wäre und zur Wochenmitte darauf die groß erwartete Fed-Sitzung mit dem Statement von Jerome Powell zum Szenario des Taperings, einschließlich seiner Projektion für kommende Zinsanhebungen.

Der Weg des größten Schmerzes…

..oder warum es so schwierig ist, mit aktivem Aktienhandel dem Markt zu folgen, oder ihn gar zu schlagen. Davon können viele Hedgefonds in diesem Jahr ein Lied singen, zum Beispiel jene, die im Frühjahr angesichts „explodierender“ Inflationsraten auf steigende Kapitalmarktzinsen gesetzt hatten. Oder die aktiven Publikumsfonds, von denen vor ein paar Wochen die Hälfte hinter der Benchmark und den passiven Indexfonds hinterherrannten.

Für mich war dies seit Wochen das Totschlagargument, warum zumindest ein versöhnlicher Jahresausklang nur mit externen Schocks noch verhindert werden kann. Performance-Druck, oder FOMO, Fear of Missing out. Solche Hiobsbotschaften kamen jüngst mit Omikron und einer hawkishen Wende bei der Fed. Ersteres hat schon sehr an Schrecken verloren und bei Letzterem kommt es zunächst auf die nächsten Inflationsdaten an (CPI). Das Momentum der Unsicherheit, sollte es tatsächlich einen Sprung auf 6,7 Prozent geben, andererseits aber auch ein möglicher Entspannungsfaktor, sollte sich Peak Inflation herausstellen.

Ohne ausufernde Daten dürften die Börsen nicht mehr zu überraschen sein, denn wie viele Spezialisten (Ökonomen, Mathematiker, Informatiker) sitzen vor ihren Hochleistungsrechnern, in Kenntnis der verfügbaren Daten, um bei „Überraschungen“ zu reagieren oder auch zu überreagieren. „Für‘s Gehabte gibt‘s nichts“, oder was erwartet wird, hat zumeist seinen Börsenschrecken verloren.

Was war der Auslöser für die gestrige Rally? Zunächst einmal die Wirtschaftsdaten aus China in Kombination mit den Stimuli der dortigen Zentralbank und die nachlassende Besorgnis um die Gefährlichkeit der neuen Virusvariante Omikron. Dann kam wieder vieles zusammen: Die zahlreichen Absicherungen der Investoren und das Abprallen vom 50-Tage-Durchschnitt beim S&P 500, der im Verlauf des Jahres schon neun Mal als Unterstützung gehalten hat. Wie viele Anleger hatten beim Fall an diese Linie 2021 schon an eine Korrektur geglaubt? Der gestrige Tag hat beim S&P 500 gleich fünf schwache Börsentage auf einmal wettgemacht.

Aber gleichzeitig müssten noch viele Investoren vorsichtig sein, denn der Fear&Greed-Index steht trotz der Rally noch bei 35 Punkten – tief im Angstbereich.

Noch gibt es die Inflationsdaten und die Fed-Sitzung, aber sollten schlechte Nachrichten ausbleiben, könnte sich der Anlagenotstand ein weiteres Mal bemerkbar machen. Wie es LPL Research vor einer Woche in einer Übersicht aufgezeigt hat, was nach einem starken Jahr bis November am Markt recht wahrscheinlich ist – mit jedem Tag wächst die Wahrscheinlichkeit:

S&P 500 Jahresende

Nicht einmal gestiegene Renditen konnten den Aufwärtsdrang am gestrigen Tag stoppen, ob bei den 10-jährigen US-Staatsanleihen (1,47 Prozent) oder bei den 2-Jährigen (0,69 Prozent), die gleich um neun Prozent gegenüber dem Vortag gestiegen waren. Die Zinskurve verflacht sich, damit dürften Investoren das Tapering schon stark eingepreist haben.

Der gestrige Handelstag

War dieser Tag wieder ein Beispiel dafür was passiert, wenn sich zu viele Marktteilnehmer auf eine Korrektur eingestellt haben, aber kaum einer verkaufen will?

Eine tiefgrüne Tafel beim S&P 500, aber nicht nur dort.

Aktien Performance gestern

Nasdaq und S&P 500 hatten mit plus 3,0 und 2,1 Prozent gleich ihren besten Börsentag seit März diesen Jahres. Der Dow Jones radierte alle Verluste seit dem Auftauchen von Omikron aus, der Nebenwerte-Index Russell 2000 sprang um 2,28 Prozent nach oben und der Dow Jones Transport-Index verzeichnete bereits den vierten Anstiegstag in Folge.

Das Volatilitätsbarometer VIX sank gleich um 19 Prozent auf 22 Punkte, man könnte glauben die US-Notenbank hätte die Liquiditätszufuhr erhöht, dabei wird in 8 Tagen gerade das Gegenteil der Fall sein.

Es muss wieder massenhaft Anleger am falschen Fuß erwischt haben – oder ist es schon wieder FOMO?

Fazit

Noch elf Börsentage bis Weihnachten, war das gestern nur eine gigantische Überreaktion auf die Panik der letzten Woche, eine große Eindeckungssause auf die Absicherungsgeschäfte oder doch schon der Beginn der Jahresendrally? Sicherlich kann dies keiner seriös beantworten, außer er wäre im Besitz der kommenden Inflationsdaten und Zeuge bei internen Fed-Beprechungen.

Kann es am nächsten Mittwoch beim Fed-Meeting tatsächlich noch zu einer großen Überraschung kommen, wo doch alle Welt vom Tapering spricht? Wie war das vor drei Jahren? Erinnert sich Jerome Powell nicht noch sehr genau an seine Zinsanhebung am 21. Dezember, dem letzten Börsentag vor Weihnachten, bei der er sich den Kommunikationsgau mit dem Vergleich mit einem Autopiloten geleistet hatte? Worauf er beim Stand des S&P 500 von 2398 Punkten am 27. Dezember, 19,78 Prozent vom Hoch entfernt und kurz vor dem Eintritt in einen Bärenmarkt, die dovishe Wende vollziehen „musste“?

Damals hatte selbst Donald Trump die Amerikaner aufgefordert Aktien zu kaufen. Wo stehen wir heute? Bei fast 4700 Punkten im S&P 500 und die Fallhöhe ist um einiges größer. Mr. Powell wird sich seine Worte dreimal überlegen, das Tapering aber, auch das beschleunigte hingegen dürfte eine beschlossene Sache sein. Wahrscheinlich doch keine „stade Zeit“, die Vorweihnachtszeit 2021.



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