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Anstieg auf 8.000 Punkte, bevor der Absturz ansteht S&P 500: „Größte Blase in der Geschichte der Menschheit in Endphase“

Ein Vermögensverwalter sieht den S&P 500 erst noch auf 8.000 Punkte klettern. Danach seien Abstürze von 80 % möglich.

New York Stock Exchange
New York Stock Exchange. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Ein US-Vermögensverwalter sagt, dass sich „die größte Blase in der Geschichte der Menschheit“ nun in ihrer Endphase befinde. Der US-Aktienmarkt habe aber erst einmal noch gut Luft nach oben. In diesem Jahr werde der S&P 500 Index erstmal noch weiter ansteigen, bevor es zum Absturz anstehen soll.

Universa sieht S&P 500 vor dem Einbruch auf 8.000 Punkte ansteigen

Der jahrelange Anstieg der US-Aktien ist noch lange nicht vorbei – zumindest vorerst, so sagt es Mark Spitznagel, Chief Investment Officer und Gründer von Universa Investments, laut Bloomberg. Weiter wird berichtet: Für das kommende Jahr werden die Märkte laut Spitznagel in einer „Goldilocks-Zone“ bleiben – mit sinkender Inflation und sinkenden Zinsen, einer sich abkühlenden, aber nicht zu langsamen Konjunktur und einer Stimmung, die in Euphorie umschlägt – begleitet von einem anhaltenden Anstieg und einem endgültigen Blow-off bei Aktien, wie er kürzlich in einem Brief an Investoren schrieb. Er fügte jedoch hinzu, dass sich „die größte Blase in der Geschichte der Menschheit“ nun in ihrer Endphase befinde.

Spitznagel, dessen fast 20 Jahre alter Hedgefonds sich auf Tail-Risk-Hedging spezialisiert hat, also den Schutz der Portfolios von Anlegern vor dem nächsten großen Crash, sagte, solange die Wirtschaft widerstandsfähig bleibt, werden die Aktien weiter steigen – eine Ansicht, die er seit Ende 2022 vertritt. Die Begeisterung am Markt könnte den S&P 500 auf 8.000 Punkte oder sogar noch höher treiben – bevor es zu einer dramatischen Umkehr kommt, sagte er in einem Interview. Der Index notierte gestern Abend zum Schluss bei 6.843 Punkten.

Die Sorge ist: Wenn die Federal Reserve die Zinsen über einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau hält, werden Unternehmen Schwierigkeiten haben, Kapital zu beschaffen. Während die Wirtschaft widerstandsfähig erscheint, wirkt die Geldpolitik mit einer Verzögerung, und die US-Notenbank hinkt hinterher, indem sie sich auf nachlaufende Indikatoren wie die Inflation konzentriert, so Spitznagel.

Verlauf des S&P 500 in den letzten zwölf Monaten

Szenario

„Die Fed hält sich zurück, der Markt wird weitere Lockerungen erwarten, da sich die Wirtschaft allmählich verschlechtert”, sagte er. Vor diesem Hintergrund werden die Aktienkurse in Erwartung weiterer Zinssenkungen steigen, bevor sie bei einer Konjunkturabschwächung rapide fallen. „Irgendwann wird die Fed nicht mehr genug tun können, genau wie 2007 und 2008.“

Letztendlich könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen aggressiv zu senken, um eine Rezession abzuwenden, da eine sich abkühlende Konjunktur angesichts der hohen Bewertungen einen starken Ausverkauf an den Märkten auslösen könnte. „Die Fed lässt eine Blase platzen, und das hat einen Verzögerungseffekt“, sagte er.

Universa Investments, zu dessen renommierten Wissenschaftlern Nassim Taleb, Autor von „The Black Swan“, zählt, hat laut dem Investorenbrief in den letzten ein, zwei und fünf Jahren sowie seit seiner Gründung auf Gesamtportfolioebene besser abgeschnitten als konkurrierende risikomindernde Portfolios. Die jüngsten Marktschwankungen – verursacht durch geopolitische Risiken, Anleihevolatilität und Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Handels mit künstlicher Intelligenz – waren gut für defensive Strategien, die auf einmalige Schocks vorbereitet sind.

Dennoch stellen Kritiker von Tail-Risk-Fonds in Frage, ob sie ihren Preis wert sind, insbesondere wenn die Strategien nicht mithalten können, wenn der Aktienmarkt kontinuierlich steigt.

Rückgänge von 80 % denkbar?

Spitznagel fragt sich jedoch, ob Anleger nach Jahren zweistelliger Gewinne auf einen Rückgang von 80 % oder mehr vorbereitet sind. „Man muss auf extreme Umstände vorbereitet sein, die unserer Meinung nach möglicherweise alle im selben Jahr eintreten können“, sagte er. Spitznagel ist skeptisch, dass sichere Häfen wie Gold, dessen Preis in den letzten 12 Monaten um etwa 70 % gestiegen ist, bei einem breit angelegten Ausverkauf Schutz bieten können. Er steht auch Diversifizierungsstrategien kritisch gegenüber.

„Man muss aufpassen, dass man nicht bei hohen Kursen eingekauft und bei niedrigen Kursen verkauft wird“, sagte er. „Experten, die vor drei Jahren noch pessimistisch waren und jetzt optimistisch sind, sollte man um jeden Preis ignorieren.“

FMW/Bloomberg



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Diversifizieren und Gold lehnt er also ab, was ist mit Absicherung? Nur in Cash gehen? Das bedeutet für die Masse der privaten Investoren Transaktionskosten und in Deutschland vernichtende Steuerabzüge. Das wäre dann auch wie ein Crash.

    Ich finde die Einschätzung des Marktes zwar gut vertretbar, aber die Grundregel zum Vermögenserhalt ist breite Diversifizierung. Aus guten Gründen.

    Liest sich für mich wie Werbung für sein eigenes Produkt.

    1. Wenns mal wirklich zu einem heftigen Abverkauf kommt, muss sich zeigen, was am Ende Bestand hatte. Für eine wenige Tage dauernde Crashphase wäre wohl auch Cash einfach nur Cash.

      Nur wie will man denn einen Crash vorhersagen und für einen kurzen Zeitraum Cash halten. Wenn man über Jahre Cash hält, frisst sich der Inlfationsnager durch. Und in der Rechnung ist auch keine Zentralbank dabei, die evtl. die Liquidität stellt, die dann fehlen könnte.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Lassen die Notenbanken überhaupt noch ernsthafte Crashs zu… ?

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