Folgen Sie uns
  • Beste App für den Handel, capital.com
  • marketsx
  • Täglich Handelssignale für den DAX

Allgemein

Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht?

Avatar

Veröffentlicht

am

Banken-Skyline in Frankfurt

Was hat Markus Krall mit Immobilien und Sparkassen zu tun? Dazu gleich noch mehr. Wir erinnern uns. Was hatte Yves Mersch von der EZB vor einer Woche kund getan? Dass man sich einer tatsächlich höheren Inflation bewusst ist (sinngemäß zusammengefasst). Die offiziell berechnete Inflation wäre wohl um 0,2-0,5 Prozentpunkt höher, wenn die Preise für das selbstgenutzte Wohneigentum mit in den Warenkorb für die Inflationsberechnung mit einbezogen werden würde – was man in den USA, Japan und Schweden schon so mache. So weit die Worte von Yves Mersch. Und was tut sich aktuell? Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat heute für alle angeschlossenen Sparkassen in der Region die Geschäftszahlen für das letzte Jahr veröffentlicht. Und abseits von den Zahlen ist die Rede der Verbandschefin Prof. Dr. Liane Buchholz sehr interessant. Hier ein kleiner, aber entscheidender Auszug aus ihrer Rede.

In den 28 EU-Ländern gab es im vergangenen Jahr eine Inflationsrate von 1,5 %. Experten rechnen damit, dass sie unter Einbeziehung der Immobilienpreise um bis zu 0,5 % steigen würde. 1,5 plus 0,5 sind 2. Die Europäische Zentralbank hätte dann ihr selbstgestecktes Inflationsziel in Höhe von 2 % erreicht. Um es einmal klar und deutlich zu sagen: Sobald die Entwicklung der Immobilienpreise bei der Inflationsberechnung berücksichtigt wird, hat der Null- und Minuszins der Europäischen Zentralbank keine Existenzberechtigung mehr.

Warum wird die EZB hier in die Ecke gedrängt? Ja, gewiss, es ist etwas übertrieben formuliert. Aber wir wollen ja die Dinge mit griffigen Formulierungen klar beim Namen nennen! Alle wissen es, aber niemand sagt es. Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf Null, damit Länder wie Italien über die Runden kommen – und vor allem, damit die Zombieunternehmen (hier die Begriffserklärung), die nur dank Nullzins noch leben, weiter existieren können. Nur mal angenommen: Passen die Statistiker von Eurostat die Berechnung der Inflation an (Einbeziehung der Immobilien wie gewünscht), und erhöht die EZB ihr Inflationsziel nicht nach oben, müsste man eigentlich sagen: Leute, das 2%-Inflationsziel ist erreicht, wir müssen daher die Zinsen anheben. Aber ja, dann wüsste man, dass Zombies und Staaten wie Italien über die Wupper gehen. Also, darf man auch in Zukunft heilfroh sein, dass die Statistiker die Immobilienpreise womöglich NICHT stärker in die Inflationsberechnung einbeziehen? Wie gesagt… falls doch, hätte die EZB ein echtes Argumentationsproblem, wenn sie ihre Nullzinspolitik dann nicht aufgibt. Und die gute Frau vom regionalen Sparkassen-Verband treibt Eurostat und EZB hier in die Enge. Aber man bedenke, dass die EZB mit Yves Mersch diese Baustelle jüngst selbst aufgemacht hat!

Hat Markus Krall recht?

Sie kennen die Thesen des Bankexperten und Degussa-Chefs Dr. Markus Krall noch nicht? (hier eines seiner Erklär-Videos bezüglich seiner These) Ende 2020 oder Anfang 2021 werde es laut seinen Berechnungen (fundiert erklärt!) zur Kreditkontraktion kommen. Da das (für die Kreditvergabe benötigte) Eigenkapital der Banken schrumpfen werde, komme irgendwann der Punkt, wo sie weniger Kredite vergeben können, was zuerst den Zombieunternehmen die Kreditbasis entziehe, und letztlich zur großen Krise in der Real- und Finanzwirtschaft führen soll. Ob es genau so kommt, wissen auch wir natürlich nicht. Es ist die Theorie von Markus Krall, die er aber fundiert bis ins Detail schlüssig begründen kann (Markus Krall Buch Verzockte Freiheit: Wie die Hybris unserer Eliten die Zukunft unseres Kontinents verspielt).

Er ist der Meinung, dass jedes Jahr, wo die EZB den Geschäftsbanken durch den abgeschafften Zins die Haupteinnahmequelle streitig macht, die Zinsüberschüsse immer weiter schrumpfen, weil die Banken mangels Zinsmarge und dank Geldschwemme der EZB gezwungen werden ihren Kreditkunden immer niedrigere Zinsen anzubieten. Dadurch würden die Zinsüberschüsse der Banken immer weiter schrumpfen, und schrumpfen, und schrumpfen. Selbst nach umfangreicher Bilanzkosmetik sei irgendwann der Punkt erreicht, an dem das Eigenkapital der Banken anfange zu sinken, und dann setze sich die Katastrophe in Bewegung.

Wird es so kommen? Schauen wir uns dazu auch die heutigen Aussagen des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe an. Sozusagen der Blick auf die deutsche Bankenlandschaft im Kleinformat. Man kann die Aussagen so zusammenfassen. Das starke Volumenwachstum federt den strukturellen Ertragsrückgang ab. Also: Obwohl die Zinsmarge schrumpft, kann man „noch“ mit halbwegs soliden Zahlen da stehen, weil das Geschäftsvolumen gestiegen ist, und aus dieser höheren Umsatzmasse auch bei geringerer Marge noch ein akzeptabler Ertrag herausgezogen werden kann. Zitat aus dem Bericht des Verbands:

Der Bestand an Kundenkrediten erreichte insgesamt einen Wert von 97,5 Mrd. € (+4,2 %). Auch bei den Einlagen legten sie zu – um 4,6 % auf 103,6 Mrd. €. Trotz dieses Wachstums sank das Betriebsergebnis vor Bewertung der westfälisch-lippischen Sparkassen von 0,92 % auf 0,87 % der durchschnittlichen Bilanzsumme. Das waren 32 Mio. € weniger als im Vorjahr. Hauptursache waren die geldpolitisch bedingten Einbußen beim Zinsüberschuss (Rückgang um 74 Mio. € bzw. 3,1 %). Die Sparkassen konnten aber die Provisionsüberschüsse wie im Vorjahr erneut um 46 Mio. € bzw. 5,2 % steigern und damit 62 % des wegbrechenden Zinsüberschusses kompensieren.

Also, hat Markus Krall recht? (Markus Krall Buch Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt) Das Kerngeschäft (der Zinsüberschuss) bringt weniger Geld ein, und man konnte mit höheren Gebühren und mehr Geschäftsvolumen den Einbußen nur teilweise entgegenwirken. Dies stützt grundsätzlich das Szenario von Markus Krall. Auch hat die Bundesbank heute im Rahmen ihres frisch veröffentlichten Monatsberichts Datenmaterial zu den Kreditkonditionen in Deutschland veröffentlicht. Obwohl der Leitzins der EZB wie angenagelt bei 0,00% liegt, sinken die Zinsen für die Endkunden bei den Banken weiter. Wir möchten dazu sagen: Dies dürfte daran liegen, dass die EZB die Banken mit -0,50% Strafzins belegt, wenn sie das Geld nicht verleihen, sondern bei der EZB bunkern. Und die EZB flutet die Märkte oben drauf noch mit jeder Menge Geld.

Dadurch gibt es insgesamt gesehen einen enormen Druck auf die Banken, den Kunden Kredite aufzudrücken. Und wie wird man seine Produkte (Kredite) los, bei ständig steigendem Angebot, während die Nachfrage nicht mit ansteigt? Richtig, in dem man die Preise senkt, in dem Fall den Zins. Auch das würde das von Markus Krall beschriebene Szenario stützen. Immer weniger Zinsmarge und Zinsertrag für die Banken, und ab einem bestimmten Punkt schrumpfendes Eigenkapital, und von da an schrumpfende Kreditvergabe? (weil geringe Mengen an Eigenkapital als Sicherheit für alle vergebenen Kredite notwendig sind) Nochmal: Wir wissen nicht, ob Markus Krall am Ende wirklich recht hat, oder ob aufgrund zu vieler Variablen in seiner Theorie am Ende alles ganz anders kommt. Aber die Lage bei den Banken scheint sich derzeit weiter zu verschlechtern.

Bundesbank Statistik über Zinsen für Kredite

33 Kommentare

33 Comments

  1. Avatar

    Katja Wohmann

    17. Februar 2020 18:23 at 18:23

    Frage an die EZB ist, was ich mit dem überschüssigen Geld machen sollte. Ich habe nun Jahrelang die Gratiskredite der EZB zu riesigen Aufkäufen vieler Immobilien genutzt. Vermieten tun wir die Wohnungen wie andere Investoren auch, schon lange nicht mehr. Allein die Preiexplosionen bringen wesentlich mehr, als sich mit der Verwaltung der Mieter abzumühen – davon abgesehen, die meisten diese hohen Mieten sowieso sich nicht mehr leisten können.
    Nun die Frage an die EZB: Immer mehr Verkäufer der Immobilien wollen als Bedingung des Vertrages, dass ich den Kaufbetrag für sie wegen den Negativzinsen aufbewahre und sie sind sogar bereit, dafür etwas zu bezahlen. Damit bin ich in der Klemme, denn ich könnte nun wiederum beliebig alles aufkaufen habe aber soviel schon gratis erworben, dass mir die Lust vergangen ist. Was soll ich mit den Tonnen von Euroscheinen nun tun? Eine Halle bauen oder bei den Chinesen einsteigen?

    • Avatar

      Bullhead

      17. Februar 2020 21:09 at 21:09

      Sehr geehrte Frau Wohmann, in Sinne Ihres sehr ironisch-zynisch-sarkastischen Kommentars erlauben wir als allmächtige EZB uns, Ihnen zu antworten:
      Wir haben Ihre Bedenken verstanden. Und auch die Bedenken von 500 Millionen weiteren Bürgern. Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, jedem alles recht zu machen. Wir als EZB sorgen für Kurs-Stabilität, hohe Teuerung, zu niedrige Inflation, einen gerechten Nord-Süd-Ausgleich.

      Kaufen oder bauen Sie doch am BER ein Terminal oder eine Landebahn, sicher wird sich demnächst herausstellen, dass das eine oder andere kleine Detail vergessen wurde. Versickert im komplexen Projektmanagement bei Design, Planning, Controlling, Monitoring, Executing, Acceptance auf all den Ebenen von CEOs, COOs, CFOs, CMOs und CIOs, den Senior und Junior [im folgenden SuJ] Vice Presidents, den SuJ Directors, Head ofs, SuJ Managers, bevor es am Ende bei den SuJ Associates ankam und an die Handwerker und Bauarbeiter weitergeleitet werden konnte.

      Unser Tipp: Bauen Sie eine zukunftsträchtige Einbahn-Startbahn ohne Landebahn für Unerwünschte. Hinaus immer, hinein nimmer. Investieren Sie in eine 34-Meter-hohe Sicherungsmauer entlang der altbewährten Visegrád-Gruppen-Grenzen.

      Hochachtungsvoll, Ihr Björn-Adolf Wohl-Ständer

    • Avatar

      der Schäfer

      18. Februar 2020 12:54 at 12:54

      Gold kaufen !!!

      • Avatar

        Columbo

        18. Februar 2020 23:54 at 23:54

        @Der Schäfer

        Richtig, der kluge Anleger kauft am Hoch.

        • Avatar

          sabine

          19. Februar 2020 10:58 at 10:58

          Haha, am Hoch. Gold ist im Keller, im Vergleich einerseits zum realen Geldwert und andererseits zu den gestiegenen Aktien und Immobilien. Wenn der Crash kommt, haben wir ein Hoch. Dann ist es zu spät. Aber dann nützt in dem Chaos Gold auch nicht mehr viel. Dann gehts ums Überleben.
          @goldsilbershop schreibt dazu: Realer Gold- bzw. Silberpreis Inflationsbereinigt: Deflationiert man den Goldpreis mit dem CPI, entspricht das nominale Hoch von 1980 (850 US-$) einem heutigen realen Goldpreis von 2.300 US-$ je Feinunze Gold, …
          https://www.goldsilbershop.de/historische-entwicklung-goldpreis-silberpreis.html

          • Avatar

            Columbo

            19. Februar 2020 15:56 at 15:56

            @Sabine

            Wer schreibt das? Ah, ein Goldladen? Ich verstehe. Ich lese manchmal die Goldseiten. Kennst Du sicher. Jedesmal, wenn die schreiben, der Goldpreis steige auf 5000 Dollar, kaufe ich, wie wild geworden, Gold, weil ich dann besser schlafe, weil die das ja geschrieben haben.

  2. Avatar

    Anna

    17. Februar 2020 19:23 at 19:23

    Ich habe mal eine ganz einfache Frage: Warum brauchen wir den Euro? Kann mir das irgendjemand hier schlüssig erklären? Und jetzt kommen SIe mir nicht mit dem saudummen Argument „man muss nicht mehr umrechnen“. Mein Gott, addieren und subtraieren (für Sie privat)- das schaffen Sie sogar, wenn Sie bei uns in Düsseldorf Abitur gemacht haben.

    • Avatar

      Michael

      17. Februar 2020 22:54 at 22:54

      @Anna, ich habe auch eine ganz einfache Frage. Was wäre die Alternative zum Euro? Was hätten Sie gerne als Alternativwährung, wie sähe Ihre Idee eines Euro-freien Deutschlands aus?

      • Avatar

        sabine

        19. Februar 2020 11:10 at 11:10

        Wenn niemand den Euro braucht, weder die Dänen, noch die Briten, noch die Polen, noch wir, warum braucht es dazu dann eine Alternative? Für nichts braucht man keine Alternative.
        Ich brauch weder Cola, noch Whiskey, Porsche, Kreuzfahrt, (Fußball, Handball, Schirennen, Formel I…) Sport-der-Anderen-zuschauen, Olympia, Mondlandung oder Fernseher. Was ist dann meine Alternative? Thema verfehlt.
        Gegen eine Währungsunion, womit man uns anfangs diese Verbots-Eu-Diktatur verkauft hat, hat niemand etwas. Aber davon sind wir lichtjahre entfernt. Was ist mit dem Shengenabkommen? Geschichte. Die Stabilitätskriterien des Euro? Lachnummer. Geheime Schuldenübernahme durch die Nordländer? Realität.
        Griechenland wurde gar nicht gerettet, sondern die faulen Kredite der Griechen, somit die Banken. Und wurde die Bilanzfälschung der Griechen durch eine große Bank juristisch verfolgt? Nie und nimmer.

    • Avatar

      Petkov

      18. Februar 2020 01:19 at 01:19

      Also erst mal wäre die richtige Rechenart bei Währungsumrechnungen nicht Addieren, sondern Multiplizieren. So rein theoretisch… Aber ich habe auch nur eine ausländische Abitur, die Düsseldorf buchstäblich nicht das Wasser reichen kann. Echt trocken bei uns.
      Soo, zum € bzw. zur EZB können wir am besten Droghis Marketingbot Marko befragen, aber falls er gerade nach einer Flasche Finlandia leicht hängt, muss ich wohl einspringen.

      Der € hatte das Ziel, konsumfreudige Südeuropäer durch für sie paradiesisch niedrige Zinsen zu noch mehr Konsum zu bewegen. Der Norden erfreute sich dabei eines witzigen Nebeneffekts: die südliche Konkurrenz war zunehmend kein Thema mehr, da ihre Produkte in Euro zu teuer für die Qualität waren und Letztere zu erhöhen ist „escht anstrengend Aldder“, außerdem gar nicht solidarisch.

      Solidarisch dagegen sind Transferzahlungen, auf denen die Eurozone de facto basiert. Manchen kommt in den H.W. Sinn, die Masche, bei der ich Ihnen Güter verkaufe, Ihren Kredit mit meinem Gewinn finanziere und den Kredit dann auf gefühlt 100 Jahre strecke, Target Salden zu nennen. Klingt irgendwie geiler als „die Streber da im Norden verarschen“. Aber die Streber wählen halt immer entsprechend aufstrebende Parteien, die glaubhaft versichern, dass sie Europa, die Welt, Mittelerde und die Wale retten und auch Nemo finden. Ein politisches All Inclusive also. Wer da nicht bucht ähhhh wählt, ist selber schuld.

      • Avatar

        Anna

        18. Februar 2020 12:50 at 12:50

        Düsseldorf ist noch viel trockener, Herr Petkov. Mit Mühe und Not schaffen Sie es- vielleicht-die Währungskurse umzurechnen. Ansonsten gefällt mir Ihr Beitrag sehr. Da ist was dran.

        • Avatar

          Michael

          18. Februar 2020 19:11 at 19:11

          @Anna, bitte lassen Sie sich von Petkov nicht aufhetzen und von seiner persönlichen Abneigung und wie immer beleidigenden Art nicht anstecken. Er meint, mich zu kennen und zu wissen, wen oder was ich wähle, obwohl er in Wirklichkeit keinen Schimmer davon hat. Wie Sie ja selber sehen, habe ich Ihnen nur eine harmlose und neutrale Frage gestellt.

          • Avatar

            Petkov

            18. Februar 2020 21:41 at 21:41

            Abneigung? Schmarrn, ich hab dich doch voll gern. Kann mir mein FMW-Forumsalltag ohne dich gar nicht vorstellen. Jaaa, ich weiß, dass du keine vorgehaltenen Spiegel magst. Aber diesmal war ich unschuldig. Ich hatte nur meine Skibrille an. 😁

        • Avatar

          Claudia

          18. Februar 2020 19:53 at 19:53

          „ Also erst mal wäre die richtige Rechenart bei Währungsumrechnungen nicht Addieren, sondern Multiplizieren. So rein theoretisch…“

          Und andere haben einen „unreflektierten Oberlehrerdrang“?! Sehr aufschlussreich…

        • Avatar

          Petkov

          18. Februar 2020 21:28 at 21:28

          Ganz genau erfasst, Claudia. Ich störe mich an unreflektierten Oberlehrern, wobei die semantische Betonung auf dem Adjektiv liegt. Denn allen anderen Lehrern zolle ich generell höchsten Respekt. Ich glaube aber nicht, dass Anna Ihren Schulhofschutz braucht. Als Ingenieurin hat sie Differenzialgleichungen und Systeme davon vermutlich auf einer Frühstücksserviette gelöst und zwar in unterschiedlichen Zahlenräumen. Meine augenzwinkernd gemeinte Bemerkung zwecks Aufheiterung hat am Granit ihres mathematischen Selbstbewusstseins sicherlich keine Spuren hinterlassen.
          Und wenn doch, dann hätte auch ohne Ihre geschätzte Unterstützung eine marginale Wahrscheinlichkeit bestanden, das erschütternde Eklat außergerichtlich zu klären.

  3. Pingback: Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht? – My WordPress Blog

  4. Avatar

    jori

    18. Februar 2020 08:45 at 08:45

    Basierend auf seiner professionellen Erfahrung hat Markus Krall natürlich schön längst gesehen wo de Hase hinläuft: ab in die Pfanne. Die Politiker wissen es auch denn Alice Weidel hat das Thema Bankencrash in einer Rede (Generaldebatte: Rede von Alice Weidel am 11.09.19, Zähler 7:00) im Bundestag beschrieben, während die zuhörende Politiker in den Zeitungen oder im Handy herumblättern. Man könnte Teile dieser Rede gleich mit Copy/Paste ins künftige Geschichtsbuch übernehmen.

    Interessant sind die Kommentare zu “Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht?”, die sich nur noch im Bereich „Comedia“ befinden, als ob man die Ernst der Lage bereits hinter sich gelassen hat und nur noch erstarrt die Kaninchenaugen auf die anstürmende Katastrophe fixiert. Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.

  5. Pingback: Aktuelles vom 18.02.2020 | das-bewegt-die-welt.de

  6. Avatar

    Adrian

    18. Februar 2020 12:01 at 12:01

    Hallo Claudio,

    ich wollte Ihne einfach Danke sagen für solch toll aufbereitete Artikel! Danke dafür!

    Beste Grüße
    Adrian

  7. Avatar

    Anna

    18. Februar 2020 12:46 at 12:46

    Michael,

    gut, ich möchte das beantworten. Ich bin Ingenieurin, aber Geld, Finanzen und diese Themen haben mich schon immer interessiert. Weshalb ich ein Problem mit dem Euro habe?
    1. Das Gebilde ist zu groß. Je größer und komplexer ein System, desto schwieriger wird es, es zu verstehen und zu „beherrschen“. Tritt irgendwo ein Fehler auf, so sind hier in der Eurozone gleich viel mehr Länder betroffen als wenn wir nur unsere lokalen Währungen hätten. Verstehen Sie, was ich meine? Eine eigene Währung wirkt wie eine Brandmauer- oder, sagen wir, sie schützt zumindest. Unerteilung in kleinste Einheiten. Bundesländer, Kreise, Kommunen – kein schwachsinniger Zentralstaat
    mit einem überforderten Präsidenten, der jeden Tag einen anderen Plan („Strategie“) hat.

    • Avatar

      Petkov

      18. Februar 2020 22:10 at 22:10

      Anna, Ihr letzter Hauptsatz ist echt grenzwertig. Ein EU-Ratspräsident (oder meinen Sie doch die EU-Kommission?) soll einen Plan haben und das auch noch jeden Tag anders, d.h. sie unterstellen implizit eine gewisse Kreativität… Das geht mir echt zu weit 😁😂😉

      Übrigens wird das €-Raum-Gebilde nicht aufgrund seiner Größe implodieren. Das tut der Dollarraum auch nicht und er ist größer. Aber Der €-Raum wird zunehmend planwirtschaftlich „beherrscht“. Und das ist sicher kein stabiles Gebilde.

      • Avatar

        Quintus

        19. Februar 2020 07:11 at 07:11

        @ Petkov
        Anna hat aus der Sicht eines Ingenieurs Recht, konnte dies aber nicht ausreichend genug begründen und sie somit auch nicht hinreichend überzeugen, deshalb möchte ich dies mit der Unterscheidung von komplex und kompliziert näher erläutern:
        Komplexität wird durch die Anzahl von Einflussfaktoren und deren gegenseitiger Abhängigkeit (Vernetzung und „unsichtbare Fäden„) bzw. Interaktion beeinflusst. Je mehr Interdependenzen (wechselseitige Abhängigkeiten) ein System enthält, desto komplexer ist es. Der Begriff „komplex“ ist dabei vom Begriff „kompliziert“ zu differenzieren – auch wenn beide oft fälschlicherweise äquivalent benutzt werden. Ein KOMPLIZIERTES System kann man vereinfachen, ohne die interne Struktur des Systems zu zerstören (Beispiel: ein unübersichtlicher mathematischer Bruch wird durch Kürzen vereinfacht). Ein KOMPLEXES System hingegen wird zerstört bzw. es entsteht etwas Neues, wenn man versucht, dieses zu vereinfachen – z.B. durch Zerlegen

        • Avatar

          Petkov

          19. Februar 2020 11:14 at 11:14

          Vielen Dank, Quintus. Wunderbar erklärt, aber die Anna hat mich ebenfalls durchaus überzeugt und ich stimme ihr größtenteils auch zu. Es war nicht als Gegenargument oder gar Kritik gemeint, sondern als Ergänzung in etwa: Ja, liebe Anna, Sie haben Recht mit der schlechten Beherrschbarkeit, aber selbst wenn die Eurozone beherrschbar bliebe, hätten wir das Problem, dass sie sich strategisch in Richtung Planwirtschaft entwickelt.

          Übrigens fällt es mir sehr leicht, Techniker zu verstehen, auch wenn die Argumente und Erklärungen nicht ganz so kristallklar sind wie beispielsweise Ihre. Und komplexe Systeme sind sowieso meine große Leidenschaft :-)
          Nochmal danke für Ihre Diskussionsbeteiligung.

          Schöne Grüße

        • Avatar

          Ex-Doktor zu Guttenberg

          19. Februar 2020 14:39 at 14:39

          @Quintus, ein Zitat sollte auch als solches gekennzeichnet sein. Nicht, dass noch Plagiatsverdacht oder der Vorwurf des Sich-mit-fremden-Federn-schmücken in den Raum gestellt wird:

          https://www.saurugg.net/hintergrundthemen#vernetztes-denken
          (Hier auf VUCA klicken, dann der dreitte Listenpunkt „Komplexität (complexity)“)

          https://www.vuca-welt.de/woher-kommt-vuca-2/
          (Abschnitt „VUCA ist ein Akronym“, 4. Absatz, „Komplexität (complexity)“)

          • Avatar

            Quintus

            19. Februar 2020 17:18 at 17:18

            Erwischt! Die Gänsefüßchen wurden von mir tatsächlich vergessen. Auf den Verfasser hätte ich aber aus Unkenntnis nicht mehr verweisen können. Nun bin ich allerdings froh, daß mir dieser Fehler unterlaufen ist und sie mich darauf hingewiesen haben, da ich sonst nicht auf diesen interessanten Link von Herrn Herbert Saurugg geführt geworden wäre.
            Seine Ausführungen zu einem großflächigen Blackout sind hochinteressant und zugleich erschreckend. Herr Saurugg macht einen kompetenten Eindruck, seine Ansicht und seine Ausführungen zum Thema scheinen nicht übertrieben zu sein.
            Vielen Dank
            Quintus

          • Avatar

            Ex-Doktor zu Guttenberg

            19. Februar 2020 20:39 at 20:39

            @Quintus, gern geschehen. Die Faszination von Blackouts, Crashes und Untergangsszenarien ist nach wie vor kaum zu toppen.

            Wegen der „vergessenen“ Gänsefüßchen und der Unkenntnis der Quelle müssen Sie sich nicht grämen. Mindestens einem der beiden Autoren in den von mir genannten Links ist dieser Fauxpas ebenfalls unterlaufen. Unkenntnis, Vergessen und Gedächtnislücken wurden durch hochrangige Leistungsträger in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen schließlich salonfähig gemacht. Nur einmal zum Verständnis: Sie kopieren sich für Sie relevante und interessante Zitate bzw. Textpassagen zusammen, ohne auch die Quelle zu kopieren oder zumindest als Favorit im Internetbrowser zu speichern?

            Zurück zur Komplexität und Kompliziertheit:
            „Ein Uhrwerk ist für mich kompliziert, ein Auto auch und ein Flugzeug sowieso und die Reparatur dieser Dinge dann eben auch. Das liegt aber nicht in der Natur dieser Dinge, sondern in erster Linie an mir und meinem fehlenden Wissen über sie. Für einen Uhrmacher ist das Uhrwerk nicht kompliziert. Umgekehrt sind für mich als Informatiker Computer und Computerprogramme nicht so kompliziert wie für jemand der nicht Informatik studiert hat. Kompliziert ist also keine inhärente Eigenschaft von etwas, sondern beschreibt nur wie ich bzw. mein Wissen sich in Bezug darauf verhält. Kompliziertheit kann ich also durch den Erwerb von entsprechendem Wissen reduzieren“.
            https://fuehrung-erfahren.de/2019/07/komplex-oder-kompliziert/

            Anna bezeichnet die Eurozone als komplexes System, das gemäß Ihrer Definition nicht vereinfacht werden kann, ohne zerstört oder völlig transformiert zu werden. Vielleicht wurden aber beim Entwurf dieses Systems einfach zu viele fehleranfällige und komplizierte Faktoren eingebaut, die erst zu dieser Komplexität geführt haben? Um dies zu verhindern, hätte man auch einfach auf diesen ursprüglichen Kriterien bestehen können und sollen, wie Sabine etwas unbeholfen, aber dennoch zurecht ins Felde führt (Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen).

            Am Ende sollte man nicht alles verteufeln. Die praktische Umsetzung einer guten Idee ist nicht gelungen. Vereinfachung und Transformation sind ohne Zweifel notwendig, Austritt, Crash, Zerschlagung erscheinen mir angesichts massiver wirtschaftspolitischer Blockbildungen in USA, China und mit Abstrichen Russland eher ungeeignet.

            Mit besten Grüßen
            Ihr Karl-Theodor

          • Avatar

            Quintus

            19. Februar 2020 21:30 at 21:30

            Sehr geehrter Karl Theodor“von und zu Guttenberg“
            Ich bin begeistert ob ihrer Ausführungen.. Die praktische Umsetzung dieser einen „guten“ Idee ist leider zu verneinen, da sie nie bestand. Im KONTEXT der damaligen Zeit darf diese aber so verstanden werden. Es ist das Wesen komplexer Systeme, daß diese im Laufe der Zeit Fehler akkumulieren, somit aber irgendwann nicht mehr korrigierbar sind.
            „Komplizierheit“ ist in Teilbereichen immer vorhanden, Komplexität allerdings ein schleichender „faustischer“ Prozess.
            Mit freundlichen Grüßen
            Quintus

          • Avatar

            Ex-Doktor zu Guttenberg

            19. Februar 2020 22:53 at 22:53

            @Quintus, ich erlaube mir zu zitieren: „Es ist das Wesen komplexer Systeme, daß diese im Laufe der Zeit Fehler akkumulieren, somit aber irgendwann nicht mehr korrigierbar sind“.

            Übertragen auf das komplexeste System, welches der Wissenschaft derzeit bekannt ist, nämlich das menschliche Gehirn, würde das die von mir bevorzugte These unterstützen: Darwin hat sich am Ende geirrt oder stocherte von Haus aus auch nur im Nebel herum. Der weit verbreitete sehnliche Wunsch nach disruptivem Untergang und reaktionärer Vernichtung basiert auf einer irreversiblen und fehlgeleiteten Ansammlung emotionaler Ängste und indoktrinierter Instinkte, dem Wunsch nach einer gleichsam historisch-romantischen Einfachheit und vorgetäuschter Geborgenheit vergangener Jahrhunderte.

            Wem das alles zu kompliziert wird, der frage einen leidenschaftlichen Spezialisten für komplexe Systeme.

          • Avatar

            Lausi

            20. Februar 2020 01:38 at 01:38

            @Quintus: Dank Ihrer Ausführungen verstehe ich jetzt endlich warum ich unter meinen Kommplexen so leide (Stichwort: faustische Akkumulation)! ;-) Was den Euro betrifft, so würde ich sagen, dass schlicht und einfach nicht die Voraussetzungen für eine funktionierende Währungsunion gegeben waren – und auch nach wie vor nicht gegeben sind. Das kann bei komplexen Systemen natürlich böse ins Auge gehen.

      • Avatar

        sabine

        19. Februar 2020 11:19 at 11:19

        „planwirtschaftlich beherrscht“.
        Hallo Herr Petkov, vielen Dank für diesen vortrefflichen Schuß ins Schwarze. Genau das ist es. Die EU will mit Ihren ganzen Heermassen von Bürokraten eine Planwirtschaft. Nicht weniger und nicht mehr! Und genau das wollen die Briten und Dänen nicht. Natürlich im Gegensatz zu den Sozialisten in England!
        Wir müssen es leider wollen, weil wir zu doof sind. Echt Mist.
        Und es ist völlig egal, was die Befürworter der EU mit ihren Jammer-Argumenten erzählen. Wir sind lost ohne die schützende Stabilität der EU. Der Witz des Jahrtausends.

      • Avatar

        Petkov

        19. Februar 2020 11:35 at 11:35

        Da mich Quintus indirekt auf den ggfs. missverständlichen Sarkasmus im ersten Absatz hingewiesen hat, hier die sachliche Version:
        1. Die Anna hat Recht.
        2. Die EU Kommission ist meistens planlos.
        3. Ich weiß nicht, welchen Präsidenten die Anna gemeint hat… Bestimmt die Lagarde (EZB-Präsidentin), die aber keineswegs politisch unabhängig agiert, sondern wie ihr Vorgänger dazu verdonnert ist, politische Fehlplanungen und Missstände am Leben zu halten. Deswegen der Verweis auf die EU-Kommission.

  8. Avatar

    Quintus

    19. Februar 2020 12:47 at 12:47

    @Anna
    Ihre Emotionen sind nicht zielführend. Herr Petkov stimmt ihnen bei den relevanten Punkten ihrer Ausführungen zu.
    In einem Punkt möchte ich sie jedoch korrigieren: Die EU muß keine Planwirtschaft WOLLEN, sie hat sie bereits installiert. Auch wenn sie dies nach Außen hin noch anders kommuniziert.

    • Avatar

      itutfel

      19. Februar 2020 22:16 at 22:16

      @Quintus
      Ist doch OK, man muss noch die Planwirtschaft in den Köpfen installieren (da sind wir ja gut im Plan) und dann haben wir unser real existierenden Sozialismus wieder.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Immobilien: Nach der Coronakrise wird es einen Gewinner geben!

Avatar

Veröffentlicht

am

Mieter von gewerblichen Immobilien sind wohl die Gewinner nach der Krise

Alle Bereiche des Lebens und der Wirtschaft sind derzeit von der Coronakrise betroffen, so auch die Immobilien. So hört man die letzten Tage, dass zahlreiche gewerbliche Großmieter wie Adidas, Deichmann und Co einfach Mietzahlungen für ihre Ladengeschäfte aussetzen. Aber wie wird die Lage bei Immobilien nach der Coronakrise aussehen? Wird alles weitergehen wie bisher? Ich möchte hier ein Szenario besprechen, dass nicht mit hundertprozentiger Garantie so eintreten muss. Aber die im folgenden Text beschriebene Auswirkung der Coronakrise auf die Branche scheint mir logisch.

Die Lage am Markt für Immobilien wird sich nach der Krise ändern

Bislang war es so: Die Eigentümer von Immobilien waren die Gewinner. Egal ob gewerblich oder privat, wer besitzt und vermietet, konnte jahrelang immer höhere Mieten kassieren. Und die jahrelange Flutung der Märkte mit Notenbankgeld und die abgeschafften Zinsen trieben Assets wie Aktien und Immobilien immer weiter nach oben. Die Käufer von Wohnungen und Projektentwickler von Gewerbeimmobilien mussten immer höhere Grundstückspreise und Erstellungskosten zahlen – und waren somit gezwungen die Mietpreise immer weiter hochzuschrauben, wenn sie denn noch eine nennenswerte Rendite auf ihren Kapitaleinsatz erzielen wollten. Aber jetzt wird sich einiges ändern. Womöglich nicht für private Mieter.

Aber die Mieter von Gewerbeimmobilien im Bereich Einzelhandel und in der Gastronomie, die werden nach der Coronakrise die großen Gewinner sein. Natürlich meine ich diejenigen Mieter, die diese aktuelle Durststrecke finanziell überleben werden, und auch danach ihre Cafes, Restaurants und Bekleidungsgeschäfte weiter betreiben. Bisher war es so: Der Immobilien-Eigentümer konnte bei Auslauf des Mietvertrags für den nachfolgenden Zeitraum stets kräftige Mietpreissteigerungen verlangen. Aber was passiert jetzt? Selbst nach gigantischen Rettungspaketen und KfW-Kreditprogrammen werden zahlreiche Gastronomen und Bekleidungsgeschäfte nicht überleben. By the way… viele kleine Unternehmer werden diese Kredite wohl gar nicht erhalten (mehr dazu hier). Entweder gehen zahlreiche Unternehmer in den nächsten Monaten pleite, oder dank der KfW-Kredite werden sie vielleicht erst in einem Jahr überschuldet aufgeben und ihren Laden dicht machen.

Angebot und Nachfrage

Dadurch, dass zahlreiche dieser Mieter aus dem Markt ausscheiden, verschiebt sich das Machtgefüge zwischen Mietern und Vermietern bei Immobilien im gewerblichen Bereich. Es wird viel Leerstand geben. Die Entwicklung hatte ja schon vor der Coronakrise in Innenstädten und Einkaufszentren eingesetzt. Zu viel Fläche, zu hohe Ladenmieten und immer mehr Online-Konkurrenz machen den Mietern schon seit Jahren zunehmend das Leben schwer. Nach und nach gaben einige auf und machten ihre Läden dicht. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise massiv beschleunigt werden. Der Leerstand wird deutlich zunehmen. Und die Eigentümer der Flächen werden auf einmal den bestehenden Mietern entgegenkommen. Ja, diese Prognose wage ich, auch wenn ich selbst kein Experte für Immobilien bin. Es geht um das Grundprinzip von Angebot und Nachfrage.

Mieter werden nach Auslauf der Verträge womöglich günstigere Anschlussverträge aushandeln können, weil die Vermieter sehen, wie links und rechts schon Flächen leer stehen. Da hat man Angst seinen noch vorhandenen Bestandsmieter zu verlieren, denn der hat nun die freie Auswahl. Und ganz schnell werden wohl auch die Neuvermietungspreise für Flächen im gewerblichen Bereich purzeln. Wer also die Coronakrise finanziell überlebt, und/oder wer nach der Krise ganz neu mit einer Geschäftsidee im Einzelhandel oder in der Gastronomie startet, der wird womöglich spürbar geringere Mietkosten erwarten dürfen, oder aushandeln können! Vielleicht noch nicht Ende April oder im Mai. Aber wohl in sechs Monaten, wenn nach und nach andere Gewerbemieter pleite gehen und ihre Läden dicht machen. Die letzten Tage haben Restaurantketten wie Maredo und Vapiano bereits Insolvenz angemeldet. Ob und wie viele dieser Läden fortbestehen werden nach einer möglichen Restrukturierung? Unklar, aber die Pleitewelle wird wohl kommen. Was man jetzt in Einzelfällen sieht, ist erst der Anfang.

weiterlesen

Allgemein

Schwellenländer drohen durch die Pandemie im Chaos zu versinken

Avatar

Veröffentlicht

am

Christus-Statue in Rio - Schwellenländer hart getroffen durch Pandemie

Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung schauen die Märkte zur Zeit vor allem auf die dramatischen Entwicklungen in den USA und Europa. Doch für die Schwellenländer, die bereits vor der Pandemie angeschlagenen waren, droht nun der ökonomische Super-GAU.

Schwellenländer leiden bereits unter dem Abzug von Kapital

Wie wir schon vor der Pandemie berichteten, bewegten sich wichtige Schwellenländer bereits vor der Pandemie in schwerem Fahrwasser. Einige Länder, wie Argentinien, Brasilien, die Türkei, Venezuela, Südafrika oder Chile haben bereits Schlagseite. Die sich jetzt bereits in Ansätzen abzeichnenden globalen Verwerfungen drohen diese Staaten ökonomisch zum Kentern zu bringen. Die Schwellenländer sind besonders abhängig von Mittelzuflüssen aus den Industriestaaten und reagieren in einer Krise wie jetzt sehr sensibel auf eine Umkehr der Kapitalströme. Doch genau das passiert bereits, wie das Institute of International Finance (IIF) berichtet: Seit Ende Januar 2020 sind 95 Mrd. USD aus Aktien und -Anleihen der Emerging-Markets von ausländischen Investoren abgezogen worden.

Damit sind in dieser relativ kurzen Zeitspanne deutlich mehr Gelder rapatriiert worden als in der Finanzkrise ab September 2008. Die Kapitalflucht der Investoren aus Nordamerika und Europa aus den Schwellenländer-Märkten ist in weltweit unruhigen Zeiten ein bekanntes Phänomen. Gerade dann stellen stark überschuldete und politisch instabile Länder ein besonderes Verlustrisiko dar, das es zu meiden gilt. Kommt es zeitgleich zu Turbulenzen an den großen Finanzmärkten in New York, Tokio und London, wird die Liquidität dringend zu Hause benötigt, um Vermögenslöcher zu stopfen oder Margin-Calls zu bedienen.

Für eine Pandemie schlecht gewappnet

Im speziellen Fall der COVID-19-Pandemie befürchten die Investoren wahrscheinlich zu Recht, dass die Gesundheits- und Sozialsysteme einiger Schwellenländer mit der Seuche überfordert sein könnten. Eine Befürchtung, die in Indien bereits Realität ist. Dort sind soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden, das Gesundheitssysteme ist extrem fragil und die Bevölkerungsdichte sehr hoch. Die jetzt eingeleiteten Maßnahmen zum Schutz der Menschen verursachen Chaos im indischen Verkehrssystem und bringen die Menschen ohne jeden Schutz noch dichter zusammen. In Brasilien, wo das Virus mittlerweile ebenfalls angekommen ist, folgte die Regierung um Präsident Jair Bolsonaro zunächst der Strategie Londons und Washingtons und verharmloste das Virus. Jetzt rudert die Staatsführung in Brasília zurück, wahrscheinlich wie in den USA und England viel zu spät.

Die bereits getätigten und sich aktuell verstärkenden Kapitalabflüsse werden die fiskalpolitischen Möglichkeiten in den Schwellenländern stark beeinträchtigen. Zum einen wird weniger Geld für die Seuchenbekämpfung und zur Abmilderung der ökonomischen und sozialen Folgen mobilisiert werden können. Zum anderen steigen die Kosten für die Kreditaufnahme ausgerechnet jetzt deutlich an. Gleichzeitig schwinden auch die Devisenreserven, die nicht nur für die hohen Zinslasten der zum Teil hoffnungslos in US-Dollar überschuldeten Länder benötigt werden, sondern auch für den Ankauf von Schutzkleidung, Test-Kits und teuren medizinischen Geräten. Staaten wie Venezuela, Brasilien, Südafrika oder Argentinien sind zudem wichtige Rohstofflieferanten. Die Preise für natürliche Ressourcen waren in den letzten Wochen stark rückläufig, was die Ökonomien dieser Staaten zusätzlich belastet. Außerdem müssen viele Förderstätten zum Schutz der Arbeiter vorübergehend stillgelegt werden. In Südafrika für mindestens drei Wochen. Es ist daher zu befürchten, dass die Schwellenländer die Pandemie noch schwerer werden bewältigen können als die Industriestaaten.

Schwellenländer bekommen den Stress im Finanzsystem zu spüren

Seit Mitte März bekommen die Schwellenländer die Krise bereits an den Finanzmärkten zu spüren. Die Zinsaufschläge, die Entwicklungsländer aktuell gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen zahlen müssen, sind seitdem stark angestiegen. Besonders hart trifft es die Ukraine. Der osteuropäische Pleitestaat muss nun statt 400 Basispunkten Zinsaufschlag über 1.200 Basispunkte mehr bezahlen. Der Risikoaufschlag türkischer Staatsanleihen hat sich von 352 Anfang März auf aktuell über 700 erhöht. Russland steht trotz des Ölpreisverfalls mit 350 Basispunkten aufgrund der niedrigen Staatsverschuldung von lediglich 12,5 Prozent des BIP noch vergleichsweise gut da. Deutlich dramatischer stellt sich die Lage für den afrikanischen Ölproduzenten Nigeria dar, der nach einer Verdreifachung der Zinsaufschläge nun ebenfalls bei über 1.200 Basispunkten Zinsaufschlag gegenüber US-Anleihen angekommen ist. Auch Südafrika ist mit in den Aufwärtssog bei den Renditen geraten und muss aktuell 1.120 Basispunkte Zinsaufschlag bezahlen. Argentinien, dass seinen Schuldendienst bereits ausgesetzt hat, ist sogar gezwungen, für seine stark ausfallgefährdeten Anleihen (S&P-Rating: CCC-) Mehrkosten in Höhe von 2.640 Basispunkten am Kapitalmarkt zu akzeptieren. Das Land ist bereits de facto bankrott.

Die Kapitalflucht und die steigenden Risikoprämien werden auch in den Währungsentwicklungen der Schwellenländer sichtbar. Seit der verstärkten Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus Anfang Februar über die Landesgrenzen Chinas hinaus, kam es auch an den Devisenmärkten zu heftigen Bewegungen. Der mexikanische Peso verlor seitdem 23 Prozent, der russische Rubel über 20 Prozent (was übertrieben scheint), der argentinische Peso von niedrigem Niveau aus nochmals 5 Prozent und der südafrikanische Rand 16 Prozent.

Fazit und Möglichkeiten der Stabilisierung

Die bereits sichtbaren Folgen für die Schwellenländer sind wahrscheinlich nur der Beginn schwerer ökonomischer, sozialer und politischer Verwerfungen. In den kommenden Wochen und Monaten könnten sich die Turbulenzen infolge der Rezession in den USA und Europa, der zunehmenden Anzahl von COVID-19-Fällen auch in den Schwellenländern, einer fortschreitenden Unterbrechung der Lieferketten und einer sinkenden Nachfrage nach Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen noch vergrößern. Der für viele Entwicklungsländer als Devisenquelle enorm wichtige Tourismus ist bereits weitgehend kollabiert.

Ein Großteil der Schwellenländer hat keine ausreichenden Rückstellungen oder fiskalischen Spielräume, um die heimische Wirtschaft mit großen Konjunkturpaketen á la USA oder Deutschland zu unterstützen. Würde die Zentralbank Argentiniens vergleichbar der US-Notenbank Fed eine staatliche Schuldensause von 10 Prozent des BIP durch Gelddrucken finanzieren, würde sich der Restwert des argentinischen Peso in Luft auflösen. Der makroökonomische Handlungsspielraum der Schwellenländer ist generell im Vergleich zu fortgeschrittenen Volkswirtschaften aufgrund der begrenzten Glaubwürdigkeit ihrer Währungen stark limitiert. Selbst Staaten mit niedriger Verschuldung, wie Russland, bekommen dies bereits durch die massive Abwertung ihrer Währung zu spüren. Daher sind die Schwellenländer auf externe Hilfe mittels harter Devisen angewiesen.

Die Fed hat diesem Bedürfnis bereits Rechnung getragen und ihre Dollar-Swap-Linien geografisch stark ausgeweitet und bietet nun auch Entwicklungsländern über diesen Weg einen Zugang zu US-Dollar-Liquidität. Bereits 80 Länder haben zudem den Internationalen Währungsfonds (IWF), gemäß dessen Direktorin Kristalina Georgiewa, um finanzielle Hilfe gebeten. Der supranationalen Institution stehen zur Zeit dafür 1 Billion US-Dollar zur Verfügung. Dieser Betrag muss dringend in Anbetracht der Vielzahl der Hilfegesuche aufgestockt werden.

Auf Ebene der G20-Staaten wurde beim jüngsten virtuellen Sondergipfel ebenfalls über Hilfen für Entwicklungsländer diskutiert – allerdings sehr abstrakt. So sollen Handelsbeschränkungen abgebaut und die Entwicklungshilfe ggf. aufgestockt werden. Dem Rest der Welt sollten die Schwellenländer nicht egal sein. Wenn diese im Zuge der jetzt bevorstehenden Weltrezession noch tiefer in finanziellem Chaos versinken, würde dies für die gesamte Weltwirtschaft einen zusätzlichen Schock bedeuten. Eine schnelle wirtschaftliche Erholung exportorientierte Länder wie Deutschland nach dem Abebben der Pandemie wäre dann unwahrscheinlich.

weiterlesen

Allgemein

Dirk Müller über die dramatischen Folgen der Corona-Krise

„Unser Finanzsystem hat fertig“

Avatar

Veröffentlicht

am

Die Corona-Krise nimmt immer dramatischere Foolgen für die Wirtschaft an – der Einbruch ist heftiger als in der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929, sagt Dirk Müller. Eigentlich sollte „Mr. Dax“ bei einer Finanzmesse auftreten – aber da das aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, hielt Dirk Müller seinen Vortrag von zuhause aus per Video.

Corona-Krise schlimmer als Weltwirtschaftskrise 1929

Der Crash der Aktienmärkte passierte sogar schneller als in der Weltwirtschaftskrise der Jahre 1929 (und folgende). Und das wird bedeuten, dass da viele Finanz-Player erwischt wurden – daher sind viele Pleiten im Finanzsektor wahrscheinlich, von denen wir in den nächsten Wochen und Monaten erfahren werden. Das gilt auch und vor allem für Banken – Dirk Müller erwartet daher Banken-Pleiten. Wenn aber Banken pleite gehen, werden auch die Gelder auf deren Konten in Gefahr sein, sagt Dirk Müller – denn faktisch ist ein Kontoguthaben bei einer Bank eine Art Kredit, den man der Bank gibt.

Dirk Müller über den Crash des Kreditsystems

„Unser Finanzsystem hat fertig“, so Dirk Müller – wir erleben jetzt einen reset des Systems. Das Coronavirus sei nur der Auslöser für diesen reset – und die Ausrede zugleich, warum eben dieser „reset“ nun vermeintlich nötig sei. Bisher haben die Notenbanken es nicht geschafft, die Märkte zu beruhigen, was aber eigentlich durch das „plunge protection team“ der Amerikaner möglich gewesen, aber eben nicht erfolgt sei, meint Dirk Müller.

Das eigentliche Problem könnten die Notenbanken so oder so nicht lösen, so „Mr. Dax“: den „Credit Crunch„. Alle brauchen nun Liquidität, um Kredite und Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. Cash ist King im deflationären Schock.

Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Gesellschaft

Was fast noch schlimmer ist: die Menschen haben Angst um ihre Jobs und damit um ihre Zukunft. Dazu kommt noch die Angst um die Gesundheit der eigenen Familie – Müller spricht daher von einer so noch nie dagewesenen „Angstkombination“, die massive und bisher unkalkulierbare Auswirkungen auf die psychische Verfassung der Gesellschaft haben dürfte. Es könne daher zu sehr häßlichen Szenen kommen, die wir bisher nicht für möglich halten. Diese „Angstkombination“ in der Gesellschaft verstärke dann die Neigung der Menschen, Sündenböcke zu suchen – vielleicht die Flüchtlinge, die mit der einheimische Bevölkerung etwa um Arztbesuche konkurrieren?

Sehen Sie hier das Szenario von Dirk Müller über die Auswirkungen der Corona-Krise:

Dirk Müller über die Folgen der Corona-Krise

weiterlesen

Werbung

Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

ico Capital.com
Capital.com CFD Trading App
Kostenfrei