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Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht?

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Banken-Skyline in Frankfurt

Was hat Markus Krall mit Immobilien und Sparkassen zu tun? Dazu gleich noch mehr. Wir erinnern uns. Was hatte Yves Mersch von der EZB vor einer Woche kund getan? Dass man sich einer tatsächlich höheren Inflation bewusst ist (sinngemäß zusammengefasst). Die offiziell berechnete Inflation wäre wohl um 0,2-0,5 Prozentpunkt höher, wenn die Preise für das selbstgenutzte Wohneigentum mit in den Warenkorb für die Inflationsberechnung mit einbezogen werden würde – was man in den USA, Japan und Schweden schon so mache. So weit die Worte von Yves Mersch. Und was tut sich aktuell? Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat heute für alle angeschlossenen Sparkassen in der Region die Geschäftszahlen für das letzte Jahr veröffentlicht. Und abseits von den Zahlen ist die Rede der Verbandschefin Prof. Dr. Liane Buchholz sehr interessant. Hier ein kleiner, aber entscheidender Auszug aus ihrer Rede.

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In den 28 EU-Ländern gab es im vergangenen Jahr eine Inflationsrate von 1,5 %. Experten rechnen damit, dass sie unter Einbeziehung der Immobilienpreise um bis zu 0,5 % steigen würde. 1,5 plus 0,5 sind 2. Die Europäische Zentralbank hätte dann ihr selbstgestecktes Inflationsziel in Höhe von 2 % erreicht. Um es einmal klar und deutlich zu sagen: Sobald die Entwicklung der Immobilienpreise bei der Inflationsberechnung berücksichtigt wird, hat der Null- und Minuszins der Europäischen Zentralbank keine Existenzberechtigung mehr.

Warum wird die EZB hier in die Ecke gedrängt? Ja, gewiss, es ist etwas übertrieben formuliert. Aber wir wollen ja die Dinge mit griffigen Formulierungen klar beim Namen nennen! Alle wissen es, aber niemand sagt es. Die Europäische Zentralbank hält die Zinsen auf Null, damit Länder wie Italien über die Runden kommen – und vor allem, damit die Zombieunternehmen (hier die Begriffserklärung), die nur dank Nullzins noch leben, weiter existieren können. Nur mal angenommen: Passen die Statistiker von Eurostat die Berechnung der Inflation an (Einbeziehung der Immobilien wie gewünscht), und erhöht die EZB ihr Inflationsziel nicht nach oben, müsste man eigentlich sagen: Leute, das 2%-Inflationsziel ist erreicht, wir müssen daher die Zinsen anheben. Aber ja, dann wüsste man, dass Zombies und Staaten wie Italien über die Wupper gehen. Also, darf man auch in Zukunft heilfroh sein, dass die Statistiker die Immobilienpreise womöglich NICHT stärker in die Inflationsberechnung einbeziehen? Wie gesagt… falls doch, hätte die EZB ein echtes Argumentationsproblem, wenn sie ihre Nullzinspolitik dann nicht aufgibt. Und die gute Frau vom regionalen Sparkassen-Verband treibt Eurostat und EZB hier in die Enge. Aber man bedenke, dass die EZB mit Yves Mersch diese Baustelle jüngst selbst aufgemacht hat!

Hat Markus Krall recht?

Sie kennen die Thesen des Bankexperten und Degussa-Chefs Dr. Markus Krall noch nicht? (hier eines seiner Erklär-Videos bezüglich seiner These) Ende 2020 oder Anfang 2021 werde es laut seinen Berechnungen (fundiert erklärt!) zur Kreditkontraktion kommen. Da das (für die Kreditvergabe benötigte) Eigenkapital der Banken schrumpfen werde, komme irgendwann der Punkt, wo sie weniger Kredite vergeben können, was zuerst den Zombieunternehmen die Kreditbasis entziehe, und letztlich zur großen Krise in der Real- und Finanzwirtschaft führen soll. Ob es genau so kommt, wissen auch wir natürlich nicht. Es ist die Theorie von Markus Krall, die er aber fundiert bis ins Detail schlüssig begründen kann (Markus Krall Buch Verzockte Freiheit: Wie die Hybris unserer Eliten die Zukunft unseres Kontinents verspielt).

Er ist der Meinung, dass jedes Jahr, wo die EZB den Geschäftsbanken durch den abgeschafften Zins die Haupteinnahmequelle streitig macht, die Zinsüberschüsse immer weiter schrumpfen, weil die Banken mangels Zinsmarge und dank Geldschwemme der EZB gezwungen werden ihren Kreditkunden immer niedrigere Zinsen anzubieten. Dadurch würden die Zinsüberschüsse der Banken immer weiter schrumpfen, und schrumpfen, und schrumpfen. Selbst nach umfangreicher Bilanzkosmetik sei irgendwann der Punkt erreicht, an dem das Eigenkapital der Banken anfange zu sinken, und dann setze sich die Katastrophe in Bewegung.

Wird es so kommen? Schauen wir uns dazu auch die heutigen Aussagen des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe an. Sozusagen der Blick auf die deutsche Bankenlandschaft im Kleinformat. Man kann die Aussagen so zusammenfassen. Das starke Volumenwachstum federt den strukturellen Ertragsrückgang ab. Also: Obwohl die Zinsmarge schrumpft, kann man „noch“ mit halbwegs soliden Zahlen da stehen, weil das Geschäftsvolumen gestiegen ist, und aus dieser höheren Umsatzmasse auch bei geringerer Marge noch ein akzeptabler Ertrag herausgezogen werden kann. Zitat aus dem Bericht des Verbands:

Der Bestand an Kundenkrediten erreichte insgesamt einen Wert von 97,5 Mrd. € (+4,2 %). Auch bei den Einlagen legten sie zu – um 4,6 % auf 103,6 Mrd. €. Trotz dieses Wachstums sank das Betriebsergebnis vor Bewertung der westfälisch-lippischen Sparkassen von 0,92 % auf 0,87 % der durchschnittlichen Bilanzsumme. Das waren 32 Mio. € weniger als im Vorjahr. Hauptursache waren die geldpolitisch bedingten Einbußen beim Zinsüberschuss (Rückgang um 74 Mio. € bzw. 3,1 %). Die Sparkassen konnten aber die Provisionsüberschüsse wie im Vorjahr erneut um 46 Mio. € bzw. 5,2 % steigern und damit 62 % des wegbrechenden Zinsüberschusses kompensieren.

Also, hat Markus Krall recht? (Markus Krall Buch Der Draghi-Crash: Warum uns die entfesselte Geldpolitik in die finanzielle Katastrophe führt) Das Kerngeschäft (der Zinsüberschuss) bringt weniger Geld ein, und man konnte mit höheren Gebühren und mehr Geschäftsvolumen den Einbußen nur teilweise entgegenwirken. Dies stützt grundsätzlich das Szenario von Markus Krall. Auch hat die Bundesbank heute im Rahmen ihres frisch veröffentlichten Monatsberichts Datenmaterial zu den Kreditkonditionen in Deutschland veröffentlicht. Obwohl der Leitzins der EZB wie angenagelt bei 0,00% liegt, sinken die Zinsen für die Endkunden bei den Banken weiter. Wir möchten dazu sagen: Dies dürfte daran liegen, dass die EZB die Banken mit -0,50% Strafzins belegt, wenn sie das Geld nicht verleihen, sondern bei der EZB bunkern. Und die EZB flutet die Märkte oben drauf noch mit jeder Menge Geld.

Dadurch gibt es insgesamt gesehen einen enormen Druck auf die Banken, den Kunden Kredite aufzudrücken. Und wie wird man seine Produkte (Kredite) los, bei ständig steigendem Angebot, während die Nachfrage nicht mit ansteigt? Richtig, in dem man die Preise senkt, in dem Fall den Zins. Auch das würde das von Markus Krall beschriebene Szenario stützen. Immer weniger Zinsmarge und Zinsertrag für die Banken, und ab einem bestimmten Punkt schrumpfendes Eigenkapital, und von da an schrumpfende Kreditvergabe? (weil geringe Mengen an Eigenkapital als Sicherheit für alle vergebenen Kredite notwendig sind) Nochmal: Wir wissen nicht, ob Markus Krall am Ende wirklich recht hat, oder ob aufgrund zu vieler Variablen in seiner Theorie am Ende alles ganz anders kommt. Aber die Lage bei den Banken scheint sich derzeit weiter zu verschlechtern.

Bundesbank Statistik über Zinsen für Kredite

33 Kommentare

33 Comments

  1. Avatar

    Katja Wohmann

    17. Februar 2020 18:23 at 18:23

    Frage an die EZB ist, was ich mit dem überschüssigen Geld machen sollte. Ich habe nun Jahrelang die Gratiskredite der EZB zu riesigen Aufkäufen vieler Immobilien genutzt. Vermieten tun wir die Wohnungen wie andere Investoren auch, schon lange nicht mehr. Allein die Preiexplosionen bringen wesentlich mehr, als sich mit der Verwaltung der Mieter abzumühen – davon abgesehen, die meisten diese hohen Mieten sowieso sich nicht mehr leisten können.
    Nun die Frage an die EZB: Immer mehr Verkäufer der Immobilien wollen als Bedingung des Vertrages, dass ich den Kaufbetrag für sie wegen den Negativzinsen aufbewahre und sie sind sogar bereit, dafür etwas zu bezahlen. Damit bin ich in der Klemme, denn ich könnte nun wiederum beliebig alles aufkaufen habe aber soviel schon gratis erworben, dass mir die Lust vergangen ist. Was soll ich mit den Tonnen von Euroscheinen nun tun? Eine Halle bauen oder bei den Chinesen einsteigen?

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      Bullhead

      17. Februar 2020 21:09 at 21:09

      Sehr geehrte Frau Wohmann, in Sinne Ihres sehr ironisch-zynisch-sarkastischen Kommentars erlauben wir als allmächtige EZB uns, Ihnen zu antworten:
      Wir haben Ihre Bedenken verstanden. Und auch die Bedenken von 500 Millionen weiteren Bürgern. Es ist jedoch nicht unsere Aufgabe, jedem alles recht zu machen. Wir als EZB sorgen für Kurs-Stabilität, hohe Teuerung, zu niedrige Inflation, einen gerechten Nord-Süd-Ausgleich.

      Kaufen oder bauen Sie doch am BER ein Terminal oder eine Landebahn, sicher wird sich demnächst herausstellen, dass das eine oder andere kleine Detail vergessen wurde. Versickert im komplexen Projektmanagement bei Design, Planning, Controlling, Monitoring, Executing, Acceptance auf all den Ebenen von CEOs, COOs, CFOs, CMOs und CIOs, den Senior und Junior [im folgenden SuJ] Vice Presidents, den SuJ Directors, Head ofs, SuJ Managers, bevor es am Ende bei den SuJ Associates ankam und an die Handwerker und Bauarbeiter weitergeleitet werden konnte.

      Unser Tipp: Bauen Sie eine zukunftsträchtige Einbahn-Startbahn ohne Landebahn für Unerwünschte. Hinaus immer, hinein nimmer. Investieren Sie in eine 34-Meter-hohe Sicherungsmauer entlang der altbewährten Visegrád-Gruppen-Grenzen.

      Hochachtungsvoll, Ihr Björn-Adolf Wohl-Ständer

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      der Schäfer

      18. Februar 2020 12:54 at 12:54

      Gold kaufen !!!

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        Columbo

        18. Februar 2020 23:54 at 23:54

        @Der Schäfer

        Richtig, der kluge Anleger kauft am Hoch.

        • Avatar

          sabine

          19. Februar 2020 10:58 at 10:58

          Haha, am Hoch. Gold ist im Keller, im Vergleich einerseits zum realen Geldwert und andererseits zu den gestiegenen Aktien und Immobilien. Wenn der Crash kommt, haben wir ein Hoch. Dann ist es zu spät. Aber dann nützt in dem Chaos Gold auch nicht mehr viel. Dann gehts ums Überleben.
          @goldsilbershop schreibt dazu: Realer Gold- bzw. Silberpreis Inflationsbereinigt: Deflationiert man den Goldpreis mit dem CPI, entspricht das nominale Hoch von 1980 (850 US-$) einem heutigen realen Goldpreis von 2.300 US-$ je Feinunze Gold, …
          https://www.goldsilbershop.de/historische-entwicklung-goldpreis-silberpreis.html

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            Columbo

            19. Februar 2020 15:56 at 15:56

            @Sabine

            Wer schreibt das? Ah, ein Goldladen? Ich verstehe. Ich lese manchmal die Goldseiten. Kennst Du sicher. Jedesmal, wenn die schreiben, der Goldpreis steige auf 5000 Dollar, kaufe ich, wie wild geworden, Gold, weil ich dann besser schlafe, weil die das ja geschrieben haben.

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    Anna

    17. Februar 2020 19:23 at 19:23

    Ich habe mal eine ganz einfache Frage: Warum brauchen wir den Euro? Kann mir das irgendjemand hier schlüssig erklären? Und jetzt kommen SIe mir nicht mit dem saudummen Argument „man muss nicht mehr umrechnen“. Mein Gott, addieren und subtraieren (für Sie privat)- das schaffen Sie sogar, wenn Sie bei uns in Düsseldorf Abitur gemacht haben.

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      Michael

      17. Februar 2020 22:54 at 22:54

      @Anna, ich habe auch eine ganz einfache Frage. Was wäre die Alternative zum Euro? Was hätten Sie gerne als Alternativwährung, wie sähe Ihre Idee eines Euro-freien Deutschlands aus?

      • Avatar

        sabine

        19. Februar 2020 11:10 at 11:10

        Wenn niemand den Euro braucht, weder die Dänen, noch die Briten, noch die Polen, noch wir, warum braucht es dazu dann eine Alternative? Für nichts braucht man keine Alternative.
        Ich brauch weder Cola, noch Whiskey, Porsche, Kreuzfahrt, (Fußball, Handball, Schirennen, Formel I…) Sport-der-Anderen-zuschauen, Olympia, Mondlandung oder Fernseher. Was ist dann meine Alternative? Thema verfehlt.
        Gegen eine Währungsunion, womit man uns anfangs diese Verbots-Eu-Diktatur verkauft hat, hat niemand etwas. Aber davon sind wir lichtjahre entfernt. Was ist mit dem Shengenabkommen? Geschichte. Die Stabilitätskriterien des Euro? Lachnummer. Geheime Schuldenübernahme durch die Nordländer? Realität.
        Griechenland wurde gar nicht gerettet, sondern die faulen Kredite der Griechen, somit die Banken. Und wurde die Bilanzfälschung der Griechen durch eine große Bank juristisch verfolgt? Nie und nimmer.

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      Petkov

      18. Februar 2020 01:19 at 01:19

      Also erst mal wäre die richtige Rechenart bei Währungsumrechnungen nicht Addieren, sondern Multiplizieren. So rein theoretisch… Aber ich habe auch nur eine ausländische Abitur, die Düsseldorf buchstäblich nicht das Wasser reichen kann. Echt trocken bei uns.
      Soo, zum € bzw. zur EZB können wir am besten Droghis Marketingbot Marko befragen, aber falls er gerade nach einer Flasche Finlandia leicht hängt, muss ich wohl einspringen.

      Der € hatte das Ziel, konsumfreudige Südeuropäer durch für sie paradiesisch niedrige Zinsen zu noch mehr Konsum zu bewegen. Der Norden erfreute sich dabei eines witzigen Nebeneffekts: die südliche Konkurrenz war zunehmend kein Thema mehr, da ihre Produkte in Euro zu teuer für die Qualität waren und Letztere zu erhöhen ist „escht anstrengend Aldder“, außerdem gar nicht solidarisch.

      Solidarisch dagegen sind Transferzahlungen, auf denen die Eurozone de facto basiert. Manchen kommt in den H.W. Sinn, die Masche, bei der ich Ihnen Güter verkaufe, Ihren Kredit mit meinem Gewinn finanziere und den Kredit dann auf gefühlt 100 Jahre strecke, Target Salden zu nennen. Klingt irgendwie geiler als „die Streber da im Norden verarschen“. Aber die Streber wählen halt immer entsprechend aufstrebende Parteien, die glaubhaft versichern, dass sie Europa, die Welt, Mittelerde und die Wale retten und auch Nemo finden. Ein politisches All Inclusive also. Wer da nicht bucht ähhhh wählt, ist selber schuld.

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        Anna

        18. Februar 2020 12:50 at 12:50

        Düsseldorf ist noch viel trockener, Herr Petkov. Mit Mühe und Not schaffen Sie es- vielleicht-die Währungskurse umzurechnen. Ansonsten gefällt mir Ihr Beitrag sehr. Da ist was dran.

        • Avatar

          Michael

          18. Februar 2020 19:11 at 19:11

          @Anna, bitte lassen Sie sich von Petkov nicht aufhetzen und von seiner persönlichen Abneigung und wie immer beleidigenden Art nicht anstecken. Er meint, mich zu kennen und zu wissen, wen oder was ich wähle, obwohl er in Wirklichkeit keinen Schimmer davon hat. Wie Sie ja selber sehen, habe ich Ihnen nur eine harmlose und neutrale Frage gestellt.

          • Avatar

            Petkov

            18. Februar 2020 21:41 at 21:41

            Abneigung? Schmarrn, ich hab dich doch voll gern. Kann mir mein FMW-Forumsalltag ohne dich gar nicht vorstellen. Jaaa, ich weiß, dass du keine vorgehaltenen Spiegel magst. Aber diesmal war ich unschuldig. Ich hatte nur meine Skibrille an. 😁

        • Avatar

          Claudia

          18. Februar 2020 19:53 at 19:53

          „ Also erst mal wäre die richtige Rechenart bei Währungsumrechnungen nicht Addieren, sondern Multiplizieren. So rein theoretisch…“

          Und andere haben einen „unreflektierten Oberlehrerdrang“?! Sehr aufschlussreich…

        • Avatar

          Petkov

          18. Februar 2020 21:28 at 21:28

          Ganz genau erfasst, Claudia. Ich störe mich an unreflektierten Oberlehrern, wobei die semantische Betonung auf dem Adjektiv liegt. Denn allen anderen Lehrern zolle ich generell höchsten Respekt. Ich glaube aber nicht, dass Anna Ihren Schulhofschutz braucht. Als Ingenieurin hat sie Differenzialgleichungen und Systeme davon vermutlich auf einer Frühstücksserviette gelöst und zwar in unterschiedlichen Zahlenräumen. Meine augenzwinkernd gemeinte Bemerkung zwecks Aufheiterung hat am Granit ihres mathematischen Selbstbewusstseins sicherlich keine Spuren hinterlassen.
          Und wenn doch, dann hätte auch ohne Ihre geschätzte Unterstützung eine marginale Wahrscheinlichkeit bestanden, das erschütternde Eklat außergerichtlich zu klären.

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    jori

    18. Februar 2020 08:45 at 08:45

    Basierend auf seiner professionellen Erfahrung hat Markus Krall natürlich schön längst gesehen wo de Hase hinläuft: ab in die Pfanne. Die Politiker wissen es auch denn Alice Weidel hat das Thema Bankencrash in einer Rede (Generaldebatte: Rede von Alice Weidel am 11.09.19, Zähler 7:00) im Bundestag beschrieben, während die zuhörende Politiker in den Zeitungen oder im Handy herumblättern. Man könnte Teile dieser Rede gleich mit Copy/Paste ins künftige Geschichtsbuch übernehmen.

    Interessant sind die Kommentare zu “Sparkasse drängt EZB in die Ecke – und hat Markus Krall recht?”, die sich nur noch im Bereich „Comedia“ befinden, als ob man die Ernst der Lage bereits hinter sich gelassen hat und nur noch erstarrt die Kaninchenaugen auf die anstürmende Katastrophe fixiert. Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.

  5. Pingback: Aktuelles vom 18.02.2020 | das-bewegt-die-welt.de

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    Adrian

    18. Februar 2020 12:01 at 12:01

    Hallo Claudio,

    ich wollte Ihne einfach Danke sagen für solch toll aufbereitete Artikel! Danke dafür!

    Beste Grüße
    Adrian

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    Anna

    18. Februar 2020 12:46 at 12:46

    Michael,

    gut, ich möchte das beantworten. Ich bin Ingenieurin, aber Geld, Finanzen und diese Themen haben mich schon immer interessiert. Weshalb ich ein Problem mit dem Euro habe?
    1. Das Gebilde ist zu groß. Je größer und komplexer ein System, desto schwieriger wird es, es zu verstehen und zu „beherrschen“. Tritt irgendwo ein Fehler auf, so sind hier in der Eurozone gleich viel mehr Länder betroffen als wenn wir nur unsere lokalen Währungen hätten. Verstehen Sie, was ich meine? Eine eigene Währung wirkt wie eine Brandmauer- oder, sagen wir, sie schützt zumindest. Unerteilung in kleinste Einheiten. Bundesländer, Kreise, Kommunen – kein schwachsinniger Zentralstaat
    mit einem überforderten Präsidenten, der jeden Tag einen anderen Plan („Strategie“) hat.

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      Petkov

      18. Februar 2020 22:10 at 22:10

      Anna, Ihr letzter Hauptsatz ist echt grenzwertig. Ein EU-Ratspräsident (oder meinen Sie doch die EU-Kommission?) soll einen Plan haben und das auch noch jeden Tag anders, d.h. sie unterstellen implizit eine gewisse Kreativität… Das geht mir echt zu weit 😁😂😉

      Übrigens wird das €-Raum-Gebilde nicht aufgrund seiner Größe implodieren. Das tut der Dollarraum auch nicht und er ist größer. Aber Der €-Raum wird zunehmend planwirtschaftlich „beherrscht“. Und das ist sicher kein stabiles Gebilde.

      • Avatar

        Quintus

        19. Februar 2020 07:11 at 07:11

        @ Petkov
        Anna hat aus der Sicht eines Ingenieurs Recht, konnte dies aber nicht ausreichend genug begründen und sie somit auch nicht hinreichend überzeugen, deshalb möchte ich dies mit der Unterscheidung von komplex und kompliziert näher erläutern:
        Komplexität wird durch die Anzahl von Einflussfaktoren und deren gegenseitiger Abhängigkeit (Vernetzung und „unsichtbare Fäden„) bzw. Interaktion beeinflusst. Je mehr Interdependenzen (wechselseitige Abhängigkeiten) ein System enthält, desto komplexer ist es. Der Begriff „komplex“ ist dabei vom Begriff „kompliziert“ zu differenzieren – auch wenn beide oft fälschlicherweise äquivalent benutzt werden. Ein KOMPLIZIERTES System kann man vereinfachen, ohne die interne Struktur des Systems zu zerstören (Beispiel: ein unübersichtlicher mathematischer Bruch wird durch Kürzen vereinfacht). Ein KOMPLEXES System hingegen wird zerstört bzw. es entsteht etwas Neues, wenn man versucht, dieses zu vereinfachen – z.B. durch Zerlegen

        • Avatar

          Petkov

          19. Februar 2020 11:14 at 11:14

          Vielen Dank, Quintus. Wunderbar erklärt, aber die Anna hat mich ebenfalls durchaus überzeugt und ich stimme ihr größtenteils auch zu. Es war nicht als Gegenargument oder gar Kritik gemeint, sondern als Ergänzung in etwa: Ja, liebe Anna, Sie haben Recht mit der schlechten Beherrschbarkeit, aber selbst wenn die Eurozone beherrschbar bliebe, hätten wir das Problem, dass sie sich strategisch in Richtung Planwirtschaft entwickelt.

          Übrigens fällt es mir sehr leicht, Techniker zu verstehen, auch wenn die Argumente und Erklärungen nicht ganz so kristallklar sind wie beispielsweise Ihre. Und komplexe Systeme sind sowieso meine große Leidenschaft :-)
          Nochmal danke für Ihre Diskussionsbeteiligung.

          Schöne Grüße

        • Avatar

          Ex-Doktor zu Guttenberg

          19. Februar 2020 14:39 at 14:39

          @Quintus, ein Zitat sollte auch als solches gekennzeichnet sein. Nicht, dass noch Plagiatsverdacht oder der Vorwurf des Sich-mit-fremden-Federn-schmücken in den Raum gestellt wird:

          https://www.saurugg.net/hintergrundthemen#vernetztes-denken
          (Hier auf VUCA klicken, dann der dreitte Listenpunkt „Komplexität (complexity)“)

          https://www.vuca-welt.de/woher-kommt-vuca-2/
          (Abschnitt „VUCA ist ein Akronym“, 4. Absatz, „Komplexität (complexity)“)

          • Avatar

            Quintus

            19. Februar 2020 17:18 at 17:18

            Erwischt! Die Gänsefüßchen wurden von mir tatsächlich vergessen. Auf den Verfasser hätte ich aber aus Unkenntnis nicht mehr verweisen können. Nun bin ich allerdings froh, daß mir dieser Fehler unterlaufen ist und sie mich darauf hingewiesen haben, da ich sonst nicht auf diesen interessanten Link von Herrn Herbert Saurugg geführt geworden wäre.
            Seine Ausführungen zu einem großflächigen Blackout sind hochinteressant und zugleich erschreckend. Herr Saurugg macht einen kompetenten Eindruck, seine Ansicht und seine Ausführungen zum Thema scheinen nicht übertrieben zu sein.
            Vielen Dank
            Quintus

          • Avatar

            Ex-Doktor zu Guttenberg

            19. Februar 2020 20:39 at 20:39

            @Quintus, gern geschehen. Die Faszination von Blackouts, Crashes und Untergangsszenarien ist nach wie vor kaum zu toppen.

            Wegen der „vergessenen“ Gänsefüßchen und der Unkenntnis der Quelle müssen Sie sich nicht grämen. Mindestens einem der beiden Autoren in den von mir genannten Links ist dieser Fauxpas ebenfalls unterlaufen. Unkenntnis, Vergessen und Gedächtnislücken wurden durch hochrangige Leistungsträger in Politik, Wirtschaft und Finanzwesen schließlich salonfähig gemacht. Nur einmal zum Verständnis: Sie kopieren sich für Sie relevante und interessante Zitate bzw. Textpassagen zusammen, ohne auch die Quelle zu kopieren oder zumindest als Favorit im Internetbrowser zu speichern?

            Zurück zur Komplexität und Kompliziertheit:
            „Ein Uhrwerk ist für mich kompliziert, ein Auto auch und ein Flugzeug sowieso und die Reparatur dieser Dinge dann eben auch. Das liegt aber nicht in der Natur dieser Dinge, sondern in erster Linie an mir und meinem fehlenden Wissen über sie. Für einen Uhrmacher ist das Uhrwerk nicht kompliziert. Umgekehrt sind für mich als Informatiker Computer und Computerprogramme nicht so kompliziert wie für jemand der nicht Informatik studiert hat. Kompliziert ist also keine inhärente Eigenschaft von etwas, sondern beschreibt nur wie ich bzw. mein Wissen sich in Bezug darauf verhält. Kompliziertheit kann ich also durch den Erwerb von entsprechendem Wissen reduzieren“.
            https://fuehrung-erfahren.de/2019/07/komplex-oder-kompliziert/

            Anna bezeichnet die Eurozone als komplexes System, das gemäß Ihrer Definition nicht vereinfacht werden kann, ohne zerstört oder völlig transformiert zu werden. Vielleicht wurden aber beim Entwurf dieses Systems einfach zu viele fehleranfällige und komplizierte Faktoren eingebaut, die erst zu dieser Komplexität geführt haben? Um dies zu verhindern, hätte man auch einfach auf diesen ursprüglichen Kriterien bestehen können und sollen, wie Sabine etwas unbeholfen, aber dennoch zurecht ins Felde führt (Stabilitäts- und Wachstumspakt, Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen).

            Am Ende sollte man nicht alles verteufeln. Die praktische Umsetzung einer guten Idee ist nicht gelungen. Vereinfachung und Transformation sind ohne Zweifel notwendig, Austritt, Crash, Zerschlagung erscheinen mir angesichts massiver wirtschaftspolitischer Blockbildungen in USA, China und mit Abstrichen Russland eher ungeeignet.

            Mit besten Grüßen
            Ihr Karl-Theodor

          • Avatar

            Quintus

            19. Februar 2020 21:30 at 21:30

            Sehr geehrter Karl Theodor“von und zu Guttenberg“
            Ich bin begeistert ob ihrer Ausführungen.. Die praktische Umsetzung dieser einen „guten“ Idee ist leider zu verneinen, da sie nie bestand. Im KONTEXT der damaligen Zeit darf diese aber so verstanden werden. Es ist das Wesen komplexer Systeme, daß diese im Laufe der Zeit Fehler akkumulieren, somit aber irgendwann nicht mehr korrigierbar sind.
            „Komplizierheit“ ist in Teilbereichen immer vorhanden, Komplexität allerdings ein schleichender „faustischer“ Prozess.
            Mit freundlichen Grüßen
            Quintus

          • Avatar

            Ex-Doktor zu Guttenberg

            19. Februar 2020 22:53 at 22:53

            @Quintus, ich erlaube mir zu zitieren: „Es ist das Wesen komplexer Systeme, daß diese im Laufe der Zeit Fehler akkumulieren, somit aber irgendwann nicht mehr korrigierbar sind“.

            Übertragen auf das komplexeste System, welches der Wissenschaft derzeit bekannt ist, nämlich das menschliche Gehirn, würde das die von mir bevorzugte These unterstützen: Darwin hat sich am Ende geirrt oder stocherte von Haus aus auch nur im Nebel herum. Der weit verbreitete sehnliche Wunsch nach disruptivem Untergang und reaktionärer Vernichtung basiert auf einer irreversiblen und fehlgeleiteten Ansammlung emotionaler Ängste und indoktrinierter Instinkte, dem Wunsch nach einer gleichsam historisch-romantischen Einfachheit und vorgetäuschter Geborgenheit vergangener Jahrhunderte.

            Wem das alles zu kompliziert wird, der frage einen leidenschaftlichen Spezialisten für komplexe Systeme.

          • Avatar

            Lausi

            20. Februar 2020 01:38 at 01:38

            @Quintus: Dank Ihrer Ausführungen verstehe ich jetzt endlich warum ich unter meinen Kommplexen so leide (Stichwort: faustische Akkumulation)! ;-) Was den Euro betrifft, so würde ich sagen, dass schlicht und einfach nicht die Voraussetzungen für eine funktionierende Währungsunion gegeben waren – und auch nach wie vor nicht gegeben sind. Das kann bei komplexen Systemen natürlich böse ins Auge gehen.

      • Avatar

        sabine

        19. Februar 2020 11:19 at 11:19

        „planwirtschaftlich beherrscht“.
        Hallo Herr Petkov, vielen Dank für diesen vortrefflichen Schuß ins Schwarze. Genau das ist es. Die EU will mit Ihren ganzen Heermassen von Bürokraten eine Planwirtschaft. Nicht weniger und nicht mehr! Und genau das wollen die Briten und Dänen nicht. Natürlich im Gegensatz zu den Sozialisten in England!
        Wir müssen es leider wollen, weil wir zu doof sind. Echt Mist.
        Und es ist völlig egal, was die Befürworter der EU mit ihren Jammer-Argumenten erzählen. Wir sind lost ohne die schützende Stabilität der EU. Der Witz des Jahrtausends.

      • Avatar

        Petkov

        19. Februar 2020 11:35 at 11:35

        Da mich Quintus indirekt auf den ggfs. missverständlichen Sarkasmus im ersten Absatz hingewiesen hat, hier die sachliche Version:
        1. Die Anna hat Recht.
        2. Die EU Kommission ist meistens planlos.
        3. Ich weiß nicht, welchen Präsidenten die Anna gemeint hat… Bestimmt die Lagarde (EZB-Präsidentin), die aber keineswegs politisch unabhängig agiert, sondern wie ihr Vorgänger dazu verdonnert ist, politische Fehlplanungen und Missstände am Leben zu halten. Deswegen der Verweis auf die EU-Kommission.

  8. Avatar

    Quintus

    19. Februar 2020 12:47 at 12:47

    @Anna
    Ihre Emotionen sind nicht zielführend. Herr Petkov stimmt ihnen bei den relevanten Punkten ihrer Ausführungen zu.
    In einem Punkt möchte ich sie jedoch korrigieren: Die EU muß keine Planwirtschaft WOLLEN, sie hat sie bereits installiert. Auch wenn sie dies nach Außen hin noch anders kommuniziert.

    • Avatar

      itutfel

      19. Februar 2020 22:16 at 22:16

      @Quintus
      Ist doch OK, man muss noch die Planwirtschaft in den Köpfen installieren (da sind wir ja gut im Plan) und dann haben wir unser real existierenden Sozialismus wieder.

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Gold, Dollar, Öl, Aktienmärkte: Was passiert nach der US-Wahl?

Redaktion

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Das Thema, wie sich die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen auf den Gold auswirken werden, wird viel diskutiert und ist mit Unsicherheit behaftet. Wenn die Ergebnisse zu einem stärkeren Dollar führen, bedeutet dies einen niedrigeren Preis für Gold, und ein schwächerer Dollar bedeutet (in der Regel) einen höheren Goldpreis. Das Wahljahr verursacht mit Sicherheit viel Volatilität, und die Anleger erwägen derzeit drei mögliche Szenarien für den Goldpreis nach dem Wahltag.

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In einem dieser Szenarien muss der US-Wahltag für einen Anstieg des bei Gold dazu führen, dass Biden Präsident wird, da viele glauben, dass der Dollar dann fallen wird (aufgrund des größeren Stimulus). Und im Gegenteil, bei einem sinkenden Goldpreis wird der Wahltag mit der Wiederwahl von Trump enden müssen, was zu einem stärkeren Dollar führen sollte. Die Ergebnisse der Wahlen im Jahr 2020 könnten jedoch genau den gegenteiligen Effekt haben – und das ist es, was die Marktsituation noch spannender macht.

Der Ölpreis ist vom Wahlergebnis genauso abhängig wie so ziemlich alle anderen Rohstoffe. Und laut Goldman Sachs müssten die US-Wahlen Biden als neuen POTUS hervorbringen, damit wir einen Anstieg des Ölpreises erwarten können (weil dann die Produktions-Kosten für Öl steigen würden). Aber selbst wenn das Gegenteil der Fall sein sollte, drückte der Investmentbankgigant sein Vertrauen in einen steigenden Ölpreis aus – Wahlergebnisse beiseite.

Und wie wird sich die US-Wahl auf den Aktienmarkt auswirken? David Jones, chief market strategist bei capital.com, blickt auf den S&P 500, auf Gold, den Dollar (Euro-Dollar) und schließlich auf den Ölpreis – und analysiert, welche Auswirkungen ein Sieg von Biden oder von Trump haben würde:

 

 

 

 

Was passiert nach der US-Wahl mit Gold?

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Brexit: Wem schadet er mehr, der EU oder den Briten?

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Angesichts des Anschwellens der Coronazahlen und der großen Spannung vor den US-Wahlen, sind die Verhandlung um den Brexit der Briten ein wenig in den Hintergrund gerückt. In dieser Woche läuft wieder einmal ein Ultimatum aus. Kommt es noch zu einer Einigung vor dem endgültigen Datum, dem 31. Dezember? Und gibt es schon Fakten zu den Frühschäden des Austritts der Briten?

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Brexit: Was für Folgen hätte ein No-Deal?

Darüber wird schon seit dem Referendum über den Brexit von 2016 gemutmaßt. Fakt ist bereits, dass bis zum Ende des letzten Jahres Ende 2019 die Investitionen bereits um mehr als 15 Prozent hinter dem Durchschnitt der Vorjahre zurückgeblieben sind. Doch sollte es bis zum 31. Dezember keinerlei Vereinbarung geben, wird dies in jedem Fall wirtschaftliche Auswirkungen auf beiden Seiten haben. Wie waren die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen?

Der Export von Gütern und Dienstleistungen der Briten in die EU betrug bislang etwa 14 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes, im Falle der EU in Richtung GB betrug der Anteil nur ganze drei Prozent.

Von Seiten deutscher Unternehmen hat man die lange Zeit seit dem Referendum nicht untätig verstreichen lassen. So ist der Export von Deutschland auf die Insel von 2016 bis vor Kurzem von 7,5 auf 5,6 Prozent gefallen. Gerade in letzter Zeit haben die hiesigen Unternehmen registriert, mit welcher Verbissenheit Boris Johnson den harten, kompromisslosen Brexit vorantreibt. Es ist wie zumeist an der Börse: Was man lange hat kommen sehen, wird versucht zu antizipieren, um den schweren Folgen entgegenzuwirken. Schocks entstehen immer durch das Unerwartete aus heiterem Himmel oder gar durch den berühmten „Schwarzen Schwan“. Klar wird ein harter Brexit beide Seite treffen, mancher Ökonom rechnet für Großbritannien mit einem Rückgang des Trendwachstums um 1,5 Prozent.

Aber wird es keinerlei Vereinbarungen auf dem so bedeutsamen Finanzsektor oder im Güter- und Reiseverkehr geben oder gar beim Handel mit Medikamenten? Zu Zeiten von Corona, wo dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca mit seiner Impfstoffentwicklung eine entscheidende Rolle zukommen könnte? Die Pandemie jedenfalls kommt für Großbritannien mit seinem Austrittsvorhaben praktisch zur Unzeit.

Die aktuelle Coronakrise

Was die Covid -19-Infektionen betrifft, hat Großbritannien bereits eine schwere Zeit hinter sich. Nachdem man es zunächst mit einer Herdenimmunisierung versuchte, rückte Boris Johnson entsetzt davon ab, als ihm Wissenschaftler die mögliche Zahl an Todesopfern nahegelegt hatte. Trotz der Wende steht die Nation mit 894.000 Infektionen und fast 45.000 Corona-Toten (an oder mit Corona), der höchsten Zahl an Opfern in Europa derzeit in den Statistiken. Dies findet auch in den Wirtschaftszahlen der zweitgrößten Ökonomie Europas seinen Widerhall.

In den Monaten April bis Juni brach die Wirtschaft Großbritanniens um -20,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein. Das war der schlimmste Absturz seit Beginn der britischen Quartalsstatistik im Jahr 1955. Das Land war damit das Schlusslicht Europas, noch vor Spanien, welches den Negativrekord mit einem Einbruch um 18,5 Prozent erleiden musste. Durch die Coronakrise wird Großbritannien wirtschaftlich auf den Stand von 2003 zurückgeworfen.

Das einst so stolze britische Pfund

Das Pfund Sterling, einst der Stolz der Briten und die älteste noch bestehende Währung, hat längerfristig schon eine Entwicklung erlebt, die durch den Brexit noch deutlich beschleunigt werden könnte. Bis in die Hälfte des letzten Jahrhunderts hinein, war das Pfund die globale Leitwährung, die Hälfte der weltweiten Währungsreserven bestand aus der britischen Währung und die Bank of England hatte weltweit sehr großen Einfluss. Dann begann der Abstieg, Mitte der 1970-er-Jahre hatte die britische Währung nur noch einen Anteil von vier Prozent an den globalen Währungsreserven, dabei ist es bis heute geblieben.

Und der Außenwert des GDP?

Das britische Pfund kostete vergangene Woche nur noch 1,10 Euro. Vor gut vier Jahren und dem überraschenden Brexit-Referendum im Juni 2016 musste man noch über 1,30 Euro dafür bezahlen. Auch eine Folge des ewigen Hickhacks um den Sonderweg der britischen Regierung.

Fazit

Aus den bisherigen Fakten ist zu schlussfolgern, dass der ungeregelte Brexit den Briten mehr schaden sollte, als der EU. Aber haben sich die Unternehmen in der langen Zeit der Austrittsverhandlungen nicht schon auf das Austrittsszenario vorbereitet, die Börsen das Ergebnis eingearbeitet? Wann hat denn je ein absehbares Ergebnis Investoren wirklich beim Eintritt noch geschockt – Einzelfälle ausgeschlossen? Aber will Boris Johnson wirklich auf Biegen und Brechen den No-Deal-Austritt Großbritanniens durchziehen, auch wenn sich die Pandemie in der zweiten Welle noch verstärken sollte? Wo Zusammenarbeit in Europa gefragt ist, weiland sich Chinas Aufschwung weiter fortsetzt und auch den USA mit ihrer „America-First-Politik“ ein geschwächtes Europa gar nicht so ungelegen käme?

Es sind für gewöhnlich immer die externen Schocks, die Gewitter aus heiterem Himmel, die für Ungemach sorgen. Aber das Pokern des Boris Johnson – wem hängt das mittlerweile nicht schon zum Halse heraus?

Wem wird der Brexit mehr schaden?

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Ölpreis schwach – drei Gründe – kurzfristig wenig Hoffnung für Bullen

Claudio Kummerfeld

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Eine Öl-Pumpe in der Wüste

Der Ölpreis schwächelt seit Tagen parallel zum Aktienmarkt. Notierte WTI-Öl noch vor genau einer Woche bei 41,50 Dollar, so sind es aktuell noch glatt 38,67 Dollar. Der Chart zeigt den WTI-Ölpreis seit dem 15. Oktober im Vergleich zum S&P 500 Index auf CFD-Basis. Es gibt drei Gründe, welche die aktuelle Schwäche bei Öl untermauern, und einen minimal entlastenden Grund.

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Ölpreis fällt dank dieser drei Gründe

Derzeit zieht über dem Golf von Mexiko mal wieder ein Sturm auf, der morgen auf die US-Küste treffen soll. Von daher könnten Produktionskürzungen derzeit ein klein wenig helfen in Sachen Senkung der Angebotsmenge. Aber die Gründe für einen fallenden Ölpreis überwiegen derzeit. Also da wäre zunächst die Coronakrise. Immer mehr Infizierte, und immer neue Restriktionen. Auch in Deutschland stehen verschärfende Maßnahmen kurz bevor. Weniger Aktivität und weniger Bewegung in allen Bereichen des Lebens bedeutet weniger Öl-Nachfrage!

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Und da wäre der US-Dollar. Seit letzte Woche Donnerstag fällt er nicht weiter, sondern steigt und zeigt sich relativ stabil (sichtbar im US-Dollar-Index). Dies wirkt schwächend gegen alles, was in US-Dollar gehandelt wird, also auch auf den Ölpreis. Und drittens muss man sehen, dass der so sehr erhoffte neue Konjunktur-Stimulus für die USA vor der Wahl offenbar nicht mehr kommen wird (hier dazu der heutige Kommentar von Markus Fugmann). Kein neuer Stimulus bedeutet weniger wirtschaftliche Aktivität in den USA, und damit wohl weniger Öl-Nachfrage – das ist natürlich schlecht für den Ölpreis. Natürlich kann sich das ändern, wenn Joe Biden die Wahl gewinnt, und die US-Volkswirtschaft mit einem gigantischen Stimulus-Paket überflutet. Dies könnte für Aktienmärkte und Ölpreis eine ganz neue Hoffnung entstehen lassen.

Chart zeigt Ölpreis im Vergleich zum S&P 500

Expertenmeinung

Der sehr hoch angesehene Rohstoff-Experte Eugen Weinberg von der Commerzbank hat sich heute zur Lage bei Öl geäußert. So sagt er, dass die Gemengelage am Ölmarkt unübersichtlich und bedrohlich bleibe. An der bereits angeschlagenen Nachfragefront würden weitere Transporteinschränkungen drohen. Auch gebe es wenig Hoffnung auf eine schnelle Einigung auf das neue 2,2 Bio. USD schwere Corona-Hilfspaket in den USA, das die Nachfrage unterstützen könnte. Der Fokus der meisten Marktteilnehmer liege eine Woche vor der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sowieso auf den USA. Der Effekt eines Wahlsieges von Biden sei aktuell schwer einzuordnen. Hier weitere Äußerungen von Eugen Weinberg im Wortlaut:

Welche Einflüsse werden mittel- bis langfristig überwiegen? Ist ein Biden-Sieg nun negativ für den Ölpreis wegen seiner ambitionierten Klimapläne, die alternative Energien und Antriebe zulasten fossiler Brennstoffe unterstützen? Oder positiv, insbesondere wenn die Demokraten auch im Senat die Mehrheit gewinnen, weil dann schnellere Entscheidungen und eine stärkere fiskalische Unterstützung wahrscheinlicher werden? Oder doch negativ, weil ein Wiederbeleben des Atom-Abkommens mit dem Iran die Risiken eines Überangebots im nächsten Jahr vergrößern? Oder doch positiv (für den Ölpreis), weil Biden als Präsident die US-Schieferölindustrie zerstören würde?

Die Branche scheint sich aktuell wieder zu erholen, wenngleich langsamer als erhofft. In der letzten Woche ist in den USA die Zahl aktiver Ölbohrungen um 6 gestiegen, nachdem sie bereits in der Woche zuvor um 11 zunahm. Die wechselseitige Wirkung dieser Faktoren sieht man bei der aktuellen Hurrikan-Saison im Atlantik. Wegen der wärmeren Wassertemperaturen ist mit „Zeta“ bereits der 27. benannte Tropensturm entstanden. Es wurde bereits 16% der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko geschlossen, was die Ölpreise stützt. Morgen soll der zum Hurrikan heraufgestufte Sturm auf die US-Küste treffen, was zu Raffinerieschließungen und Transporteinschränkungen führen und damit den Ölpreis wiederum belasten könnte.

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