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Sparkassen-Präsident warnt vor „Zinsschock“ in den Eigenanlagen

Die bayerischen Sparkassen haben nach ersten Hochrechnungen zu ihren Jahresergebnissen 2022 vor einem Zinsschock bei den Eigenanlagen und Ergebnisbelastungen gewarnt. Hier die aktuellen Aussagen.

Euro-Geldscheine

Wenn Zentralbanken wie die EZB den Markt verzerren, entstehen Ungleichgewichte, egal in welche Richtung man die Zinsen bewegt. Jahrelange Niedrig- und Nullzinsen haben eine gigantische Preisblase bei Immobilien und Aktien erschaffen, und nun platzt die Blase vor allem am Immobilienmarkt, der sich wie ein Junkie gut zehn Jahre lang an extrem billiges Geld gewöhnt hatte. Und nun schwappt es ins Gegenteil um. Da die EZB sich lange weigerte von 0,00 % aus Zinsen anzuheben, musste man in den letzten Monaten wegen der extrem hohen Inflation die Zinsen sehr schnell anheben. Dies schafft neue Probleme.

Die bayerischen Sparkassen haben nach ersten Hochrechnungen zu ihren Jahresergebnissen 2022 vor einem Zinsschock bei den Eigenanlagen und Ergebnisbelastungen gewarnt, so Bloomberg aktuell. Auch stellen sich die Institute auf mehr Kreditausfälle ein. Zinsbedingte Abschreibungen auf festverzinslichen Wertpapierbestände schlagen “für das Jahr 2022 hart ins Kontor”, erklärte der bayerische Sparkassenpräsident Ulrich Reuter in der heutigen Mitteilung. Wegen der stark gestiegenen Zinsen sind alte Anleihen aktuell weniger wert.

Die Sparkassen halten solche Papiere in der Regel bis zur Endfälligkeit, wodurch laut Sparkassenverband eine Rückzahlung der Papiere zum Nominalbetrag aus heutiger Sicht unterstellt werden könne. Über die Laufzeit würden sich so Schwankungen im Kurswert wieder ausgleichen. Nichtsdestotrotz müssten die Sparkassen Mittel für zwischenzeitliche Buchverluste, die als drohende Belastungen gesehen würden, bereithalten. Reuter sprach von einer “großen, aber tragbare Belastung”.

In einem Bloomberg-Interview vergangenen Monat war Reuter etwas konkreter geworden und hatte gesagt, die Wertberichtigungen auf Eigenanlagen der bayerischen Sparkassen dürften sich in diesem Jahr auf einen “hohen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag” belaufen. Aufseher interessieren sich inzwischen auch für das Thema. Bafin und Bundesbank hatten unlängst eine groß angelegte Umfrage unter deutschen Kreditinstituten gestartet, um herauszufinden, ob in den Bilanzen Risiken schlummern, die sich durch die Zinswende materialisieren könnten.

Parallel wies die Bundesbank in ihrem Finanzstabilitätsbericht darauf hin, dass der schnelle Zinsanstieg in den ersten sechs Monaten des Jahres zu Bewertungsverlusten vor allem in den Eigenanlagen kleinerer Banken geführt habe. Bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften beliefen sich die Abschreibungen demnach in Summe auf 12,3 Milliarden Euro oder 5,6% des harten Kernkapitals.

In seinen Aussagen am Montag betonte Reuter, dass sich das operative Geschäft der bayerischen Sparkassen im Jahr 2022 insgesamt positiv entwickelt habe. Zugleich steige aber in der rezessiven Phase das Risiko von vermehrten Kreditausfällen. Zudem erwarteten Kunden wieder eine Verzinsung ihrer Guthaben.

Hier im Wortlaut das Original-Statement vom Sparkassenverband Bayern:

Mit Blick auf das bevorstehende Jahresende stellen die Kreditinstitute erste Hochrechnungen zu den Geschäftsergebnissen 2022 an. Auch die bayerischen Sparkassen ziehen Bilanz über den Geschäftserfolg im auslaufenden Jahr und stellen vorläufige Prognosen zum Jahresergebnis an. Mit der Zinswende waren sie 2022 schnell veränderlichen Bedingungen ausgesetzt, die sich deutlich in der Ergebnisentwicklung wiederspiegeln werden. Der Präsident des Sparkassenverbands Bayern, Prof. Dr. Ulrich Reuterzieht ein erstes Resümee:„Der Zinsanstieg war von den Sparkassen lange erhofft und gefordert worden. Doch er kam jetzt schneller und mit größerer Wucht als erwartet. Als Zinsschock sorgt er erst einmal für vorübergehend negative Folgen in der Profitabilität der Sparkassen. Eine große, aber tragbare Belastung sind dabei die Bewertungsergebnisse für die eigenen Wertpapierbestände.“

Das operative Geschäft der bayerischen Sparkassen hat sich im Jahr 2022 sowohl im Einlagen- als auch im Kreditbereich insgesamt wieder positiv entwickelt. Sparkassen sind gerade in Zeiten der Ungewissheit Anlaufstelle und Vertrauenspartner für die Menschen und Unternehmen in den Regionen. Mit den Folgen des Ukraine-Kriegs, die Energiekrise, die Inflation und die abrupte Zinswende durch die EZB sind die Sparkassen und ihre Kunden jetzt einer neuen Situation ausgesetzt. Reuter: „Die Welt hat sich für Kreditinstitute rapide verändert. Vor genau einem Jahr hatten wir Negativzinsen, die den Zinsüberschuss erodierten. Durch die so nur schwer nachvollziehbare Politik der EZB – zunächst zu langes Beobachten der steigenden Inflationsrate, dann massives Gegensteuern – haben wir jetzt plötzlich ein Zinsniveau, das erste Steigerungen dieser Überschüsse erlaubt, auch wenn wir oft in lang laufenden Verträgen gebunden sind. Zinsbedingte Abschreibungen auf unsere festverzinslichen Wertpapierbestände schlagen aber für das Jahr 2022 hart ins Kontor.“ Die Sparkassen halten diese Papiere in der Regel bis zur Endfälligkeit, wodurch eine Rückzahlung der Papiere zum Nominalbetrag aus heutiger Sicht unterstellt werden kann. Über die Laufzeit gleichen sich zinsinduzierte Schwankungen im Kurswert wieder aus. Doch die Sparkassen müssen die Mittel für zwischenzeitliche Buchverluste, die als drohende Belastungen gesehen werden, bereithalten. Reuter: „Für die bayerischen Sparkassen zeigt sich gerade, wie richtig und wichtig es war, Erträge zu thesaurieren und das Eigenkapital aufzubauen, das jetzt benötigt wird.“

Das Jahr 2023 birgt weitere große Herausforderungen für die bayerischen Sparkassen. In der rezessiven Phase müssen sie mit negativen Auswirkungen auf den Mittelstand rechnen, das Risiko von vermehrten Kreditausfällen steigt. Damit muss auch die Kreditrisikovorsorge der Sparkassen ansteigen. Gleichzeitig muss sich die generelle Zinsentwicklung zunehmend auch auf die Einlagenseite auswirken, Kunden erwarten wieder eine Verzinsung für ihre Guthaben. Aufgrund der langen Zinsbindung vieler bestehender Darlehen können aber auf der anderen Seite die Erträge der Sparkassen erst sukzessive wieder gesteigert werden. Mit dieser in Deutschland üblichen langen Zinsbindung übernehmen die Kreditinstitute das Risiko einer Zinsänderung während der Kreditlaufzeit, Kreditnehmer können so verlässlich kalkulieren. Die Konsequenzen der schnellen Zinsänderung müssen jetzt aber die Kreditinstitute abpuffern. Weil der Unterschied zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen deutlich rückläufig ist, werden außerdem die Rentabilitätserwartungen der bayerischen Sparkassen trotz höherem Zinsniveau auch im Neugeschäft deutlich gedämpft.

Reuter fasst zusammen: „Für uns wäre es besser gewesen, wenn die Zinswende früher eingeleitet und in kleineren Schritten vollzogen worden wäre. Dennoch wird der Zinsanstieg – trotz kurzfristiger negativer Effekte – mittelfristig die Ertragsaussichten der Sparkassen stärken, da ihr Geschäftsmodell mit Zinsen wieder eine solide Grundlage bekommt und die Fristentransformation möglich macht. Die Sparkassen werden auf dieser Basis ihrem öffentlichen Auftrag, die Entwicklung der regionalen Wirtschaft durch Kreditausreichung nachhaltig zu unterstützen, wieder gestärkt nachkommen können.“

FMW/Bloomberg/Sparkassenverband Bayern



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2 Kommentare

  1. Banken finden immer einen Grund zu jammern.
    Niedrigzinsphase = oh nein wir verdienen nichts mehr.
    Hochzinsphase = o nein wir verdienen nichts mehr.

    Na wem fällts auf? ;)

    1. Das ist nicht der Punkt, die EZB treibt die Sparkassen durch das verspätete Handeln in Verluste. Diese wären vermeidbar gewesen, wenn die EZB frühzeitig (professioneller) auf die Inflation reagiert bzw. nicht erst hervorgerufen hätte. Verluste werden irgendwie an die Kunden weiter gegeben: Mittelstand und Privatkunden. In einer Rezession kann das ein ernstes Problem werden.

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