Der Trend bei Speicherchips nimmt noch weiter an Fahrt auf: Die Preise steigen weiter an. Die Aussicht auf eine jahrelange Unterversorgung der Märkte verfestigt sich. Und das nicht, weil die Anbieter zu wenig produzieren. Im Gegenteil – sie kommen bei ihrem Ausbau der Kapazitäten nicht hinterher bei der steigenden Nachfrage durch KI-Rechenzentren.
Speicherchips: Gewinner und Verlierer
Die Hersteller wie Micron, Sandisk, SK Hynix und Samsung sind an der Börse die großen Gewinner. Die Hyperscaler Amazon, Microsoft, Meta und Alphabet zahlen mit ihren 725 Milliarden Dollar an KI-Investitionen nur in diesem Jahr die Rechnung für diesen Hype. Aber sie können sich das leisten, und sie investieren ganz bewusst, weil sie sich in einem großen Wettrennen um die KI-Vorherrschaft befinden. In die Röhre schauen die Hersteller „alter langweiliger“ Konsumentenelektronik. Hersteller von Smartphones, PCs und Spielekonsolen erleben eben auch den dramatischen Anstieg der Kosten für Speicherchips. Die Quittung zahlt der Endkunde?
Und so sehen wir: Aktien der Hersteller von Speicherchips haussieren weiter. Gleichzeitig sind alle Hersteller-Aktien belastet, wo man Elektronik-Hardware für Konsumenten herstellt. Auf Marge verzichten und die höheren Einkaufskosten selbst auffangen? Oder die Preise weiterreichen und damit Absatzeinbußen riskieren? Die steigenden Speicher-Preise werden zum zunehmenden Problem für die Elektronik-Branche, was man wie gesagt in den Aktienkursen ablesen kann. Und diese Krise von viel mehr Nachfrage nach Speicherchips als die Hersteller liefern können, scheint noch jahrelang anzuhalten. Diese Boom-Phase für Chiphersteller scheint sich fundamental zu unterscheiden von früheren Boom- und Absturzphasen der Industrie.
Speicher-Preise werden immer häufiger bei Quartalsmeldungen erwähnt
Die Krise zeigt sich deutlich in den jüngsten Ergebnissen. Die Preise für Speicherchips wurden in den Telefonkonferenzen und Quartalsberichten der Unternehmen in diesem Jahr bisher mehr als 550 Mal erwähnt – bereits mehr als in jedem anderen Gesamtjahr in den von Bloomberg seit 1999 erfassten Daten zu globalen Aktien.
„Es wird immer offensichtlicher, dass die Speicherkrise nicht nur schlimmer ist als befürchtet, sondern sich auch länger hinzieht als erwartet“, sagte Michael Brown, Senior Research Strategist bei der Pepperstone Group in London. „Angesichts der weiter steigenden Nachfrage nach KI hören wir nun von Insidern, dass die Krise in gewisser Weise möglicherweise bis 2030 andauern könnte.“
Noch größere Probleme
Die Probleme für die Abnehmer von Speicherchips sind weit verbreitet. Die Nintendo-Aktie gab am Montag nach, nachdem das Unternehmen davor gewarnt hatte, dass hohe Speicherkosten die Margen seiner Spielkonsolen belasten würden, wodurch die Aktie seit Jahresbeginn um mehr als 30 % gefallen ist. Die Aktien des Smartphone- und Elektrofahrzeugherstellers Xiaomi sind im Jahr 2026 um 20 % eingebrochen, während die des Kopierer- und Kameraherstellers Canon aufgrund ähnlicher Bedenken um 10 % nachgaben.
Preiserhöhungen bei Elektronikartikeln
Immer mehr Hersteller greifen zu Preiserhöhungen, um ihre Margen zu stützen, selbst auf die Gefahr hin, die Nachfrage nach ihren Produkten zu beeinträchtigen. Nintendo kündigte letzte Woche an, die Preise für seine Switch 2 anzuheben, nachdem Microsoft in den vergangenen Monaten die Preise für die Xbox und die Sony Group für die PlayStation 5 erhöht hatte. Meta Platforms erhöht die Preise für seine Virtual-Reality-Headsets.
„Das Ausmaß der Belastungen hängt von zwei Faktoren ab: Wie groß ist der Anteil der Speicherkosten an der Kostenbasis eines Unternehmens, und wie viel Einfluss hat es, um die Versorgung zu sichern oder die Preise weiterzugeben?“, sagte Fabien Yip, Marktanalystin bei IG International. Sie sieht ein hohes Risiko für Smartphone- und Spielekonsolenhersteller sowie ein mittleres Risiko für PC-Hersteller und Hyperscaler.
Speicherchips: Hersteller gewinnen – Elektronik-Aktien abgeschlagen
Für die Speicherhersteller sieht die Lage deutlich besser aus, da sie von steigenden Chip-Preisen bei ungebrochener Nachfrage profitieren. Ein Bloomberg-Index für Speicheraktien ist in diesem Jahr bisher um etwa 120 % gestiegen, während ein Index für Unterhaltungselektronikaktien um rund 3 % zulegte.
Samsung schloss sich laut Bloomberg kürzlich dem elitären Club der Unternehmen mit einem Marktwert von über 1 Billion US-Dollar an, nachdem das Unternehmen im vergangenen Monat einen 48-fachen Anstieg der Quartalsgewinne im Chipgeschäft bekannt gegeben hatte. Auch die anderen Hersteller von Hochleistungsspeichern, Micron und SK Hynix, konnten nach starken Geschäftszahlen ihre Kursgewinne ausbauen.
„Auch über die Berichtssaison für das erste Quartal hinaus bleibt die Dynamik im Speicherbereich außergewöhnlich stark“, sagte Simon Woo, Leiter der koreanischen Forschung und Koordinator für Technologieforschung im asiatisch-pazifischen Raum bei BofA Global Research. „Die Daten für April zeigen, dass sich die Umsätze im taiwanesischen Speicherbereich stark beschleunigen, während Koreas Halbleiterexporte im Jahresvergleich immer noch um mehr als 100 % gestiegen sind.“
Breitere Vorteile
Der Kreis der Nutznießer wächst, da KI die Trainingsphase hinter sich lässt und in Mainstream-Anwendungen Einzug hält. Investoren schnappen sich nun auch Aktien von Herstellern weniger fortschrittlicher DRAM-Speicherchips sowie verschiedener Flash- und Festplattenprodukte. Sandisk hat seinen Jahresgewinn auf über 500 % ausgeweitet, nachdem höhere NAND-Preise zu besser als erwarteten Gewinnen geführt haben. Die Aktien seines Partners Kioxia Holdings sind im Jahresverlauf um mehr als 360 % gestiegen, noch vor der für Freitag erwarteten Veröffentlichung des Geschäftsberichts.
Befürworter des Speicherchip-Booms argumentieren, dass die KI einen „Superzyklus“ für die Chip-Nachfrage ausgelöst hat, der weit außerhalb des traditionellen Boom-and-Bust-Musters der Branche liegt. Die Vertragspreise für NAND-Chips sind seit Ende September um mehr als 600 % gestiegen, während die für DRAM-Chips um fast 400 % zulegten, und Analysten gehen davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.
„Der Preisaufschwung dürfte anhalten, da die KI-getriebene Nachfrage weiterhin das Angebot übersteigt, die Lagerbestände knapp sind und das HBM-Angebot durch mehrquartalige Preis- und Mengenvereinbarungen gebunden ist“, schrieben Strategen von JPMorgan, darunter Mixo Das, in einer Mitteilung vom Sonntag. Preise und Absatzmengen könnten 2027–2028 weiter steigen, so die Analysten.
FMW/Bloomberg
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Die Märkte werden weiterhin versuchen den Nasdaq 100 über die 30 000 zu treiben….