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Allgemein

Spiegel Online distanziert sich vom eigenen Autor Fleischhauer nach Kritik von Italiens Staatspräsident Mattarella – und schweigt darüber. .

Der Spiegel kuscht vor Italiens Staatspräsident Mattarella – und schweigt über seine Distanzierung des eigenen Autors Fleischhauer. So geht Transparenz nicht..

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Die Chefredakteurin von Spiegel Online, Barbara Hans, hat sich von ihrem eigenen Autor Jan Fleischhauer distanziert, ohne dies in Deutschland öffentlich zu thematisieren. Fleischhauer hatte in dem Spiegel-Artikel „Die Schnorrer von Rom“ unter anderem die Situation in Italien wie folgt charakterisiert:

„Wie soll man eine Nation nennen, die erst die Hand aufhält, um sich ihr schönes Leben von anderen finanzieren zu lassen – und dann ihren Geldgebern droht, wenn diese die Rückzahlung der Schulden anmahnen?“

Und Fleischhauer weiter:

„Wie soll man das Verhalten einer Nation nennen, die erst die Hand aufhält, um sich ihr sprichwörtliches dolce far niente von anderen finanzieren zu lassen – und dann damit droht, den Geldgebern den Knüppel über den Kopf zu ziehen, wenn diese auf einer Begleichung der Schuld bestehen? Bettelei wäre der falsche Begriff. Der Bettler sagt wenigstens Danke, wenn man ihm den Beutel füllt. Aggressives Schnorren trifft die Sache schon eher.
Tatsächlich läuft die Sache auf eine Erpressung hinaus. Entweder ihr erfüllt unsere Forderungen oder wir lassen den ganzen Laden auffliegen: Das ist die unausgesprochene Drohung hinter dem Entschluss, für Italien ein Ende aller Schuldenregeln einzuläuten“.

Fleischhauer betont, dass ein italienischer Durchschnittshaushalt reicher sei als ein deutscher Durchschnittshaushalt (aufgrund der höheren Quote an Immobilienbesitz in Italien), sodass die Forderungen der Parteien Cinque Stelle und Lega nach Schuldenentlastung umso unverständlicher erscheinen würden. Fleischhauer schließt dann den Artikel mit den Worten:

„Ich habe nichts dagegen, wenn Menschen über ihre Verhältnisse leben. Meinetwegen sollen sie in Italien weiterhin Steuervermeidung als Volkssport betreiben. Ich finde es nur unanständig, wenn man die Kosten für politische Entscheidungen Fremden aufbürdet, die eine ganz andere Vorstellung von Politik haben und dort, wo sie wählen können, auch entsprechend abstimmen. Mit meinem Verständnis von Demokratie lässt sich das schwer vereinbaren.
Aber vielleicht muss man das italienische Abenteuer als ein Experiment in postnationaler Politik verstehen. Keine Nation, die etwas auf sich hält, verlangt Hilfe von anderen, wenn sie sich selber helfen kann. Wer will schon als Schnorrer gelten? Die Italiener, so scheint es, haben diese Form des Nationalstolzes überwunden.“

Nun hat gestern die führende Nachrichtenagentur Italiens, Ansa (Agenzia Nazionale Stampa Associata), in einer kurzen Meldung berichtet, dass sich die Chefredakteurin des Spiegel, Barbara Hans (hier eine Selbstvorstellung der jetzigen Online Chefredakteurin), von dem Artikel Fleischhauers distanziere – der Artikel entspreche nicht der offiziellen Meinung des Spiegels. Voraus gegangen war offenkundig, dass Italiens Staatspräsident Mattarella höchstpersönlich den Artikel als „unakzeptabel“ und grotesk“ bezeichnet hat. So lautet die gestrige Meldung von Ansa:

„Der Spiegel columnist’s piece on „Rome scroungers“ does not reflect the German weekly’s official view, online editor Barbara Hans told ANSA Thursday after President Sergio Mattarella spoke of „unacceptable and grotesque“ comments. Hans said the column written by Jan Fleischhauer was „provocatory and conservative“ as a rule.“

Man kann vermuten, dass sich Mattarella persönlich bei der Leitung des Spiegels beschwert haben dürfte, woraufhin sich Chefredakteurin Barbara Hans offenkundig genötigt sah, sich für den Artikel zu entschuldigen und sich von dessen Inhalt, mithin als gegenüber dem eigenen Auto Fleischhauer, zu distanzieren!

Frappierend daran ist besonders, dass weder der Spiegel selbst über diese Distanzierung berichtet, noch anderer deutsche Presseorgane, selbst bei Google findet man (in der deutschen Version) nichts darüber. Warum eigentlich nicht?

In italienischen Medien hatte der Artikel Fleischhauers schon zuvor hohe Wellen geschlagen, so in dem Artikel des „Il Giornale“ mit dem Titel „Die Deutschen attackieren uns“ („Ora i tedeschi ci attaccano: „Italiani scrocconi aggressivi“) oder etwa auch im „Corriere della Sera“.

Die nun erfolgte Kritik Mattarellas an dem Artikel kommt in einer Situation, in der der italienische Präsident selbst stark unter Druck ist in Italien, nachdem er zwischenzeitlich eine Regierungskoalition zwischen Lega und Cnque Stelle unterband aufgrund der Nominierung des Euro-kritischen Paolo Savona als designierten Wirtschaftsminister – und dann versuchte, eine Experten-Regierung unter dem ehemaligen IWF-Mitarbeiter Cottarelli einzusetzen. Lega und Cinque Stelle sahen darin eine Art Verrat am Votum der italienischen Wähler. Mattarella, so die Kritiker, sei vor allem ein Erfüllungsgehilfe Berlins.

Es handelt sich also um einen politisch höchst brisanten Vorgang, der in Deutschland medial überhaupt nicht stattfindet. Unter Gesichtspunkten der Medien-Transparenz hätte der Spiegel eigentlich die Pflicht, auch die deutsche Öffentlichkeit und nicht nur den italienischen Staatspräsidenten zu informieren, dass  man sich von eigenen Inhalten distanziert! Jenseits der Frage, ob eine solche Distanzierung wirklich geboten ist..


Jan Fleischhauer
Von Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59435168

30 Kommentare

30 Comments

  1. Catweazel

    1. Juni 2018 12:57 at 12:57

    Ich kann eigentlich die Aufregung von Herrn Fleischheuer nicht verstehen. Wer die Geschichte etwas kennt, weis um die Lebenesweise in den Suedländern. Sie Leben! und Geld spielt höchstens die zweite oder dritte Rolle. Bei den Nordländern ist das Geld zum Lebenssinn verkommen mit entsprechender Gewinnmaximierung. Wer auf dieser Basis solchen Ländern Geld leiht bzw. Waren liefert (Target2) ist es selbst schuld. Europa besteht aus 28 Nationen mit zum Teil sehr unterschiedlichen Mentalitäten und Lebenseinstellungen. Die Gleichmacherei der EUDSSR kannund wird auf mittel bis langfristige Sicht nur zum Kollaps führen und das wird dann nicht lustig sein, weil vor allem Deutschland Garantien bis zur Besinnungslosigkeit übernommen hat, und dann behauptet ein Schäuble noch das Deutschland durch den Niedrigzins und den Rettungspaketen Gewinn gemacht hat. Da fragt man sich wirklich wieviel gehirnbereinigte Biomasse gibt es in Berlin?

    • sabine

      1. Juni 2018 13:39 at 13:39

      a) Bei den Südländern spielt generell nur das Geld der anderen keine Rolle. Wenn man es sich erschleichen kann, ist man klug.
      b) Und die Deutschen nehmen im Allgemeinen und aus Stolz nicht gern Geld an. Sie arbeiten lieber bis zum Blackout. (2 in meiner Firma in den letzten Monaten. Einer fiel im Büro in Ohnmacht, der andere schaffte es noch bis zum Arzt.)
      c) So passen D und I doch gut zusammen. Der eine ist stolz auf sein Geld und Reichtum, der andere genießt es.

  2. Rainer

    1. Juni 2018 12:58 at 12:58

    … Fleischauer hat 100% Recht !
    Man sollte sich die deutsche Presselandschaft mal genauer anschauen. Wo waren sie eigentlich beim Dieselskandal oder DeutscheBank-Schummel ?
    Es sehe die Presse so frei wie Politik, Wirtschaft und Justiz in diesem Land … eingeschränkt.

  3. tm

    1. Juni 2018 13:59 at 13:59

    Dass Kommentare nicht notwenigerweise die Ansicht der Blattes insgesamt widerspiegeln, ist grundsätzlich so – bei vielen Medien, inklusive Alternativmedien wie ET – steht dies sogar explizit unter den Kommentaren drunter. Es spricht daher viel dafür, dass Barbara Hans gegenüber ANSA lediglich genau dies gesagt hat, nicht mehr und nicht weniger.

  4. Andreas Heizkummer

    1. Juni 2018 14:09 at 14:09

    Ich zitiere mal aus dem Artikel: „Man kann vermuten, dass sich Mattarella persönlich bei der Leitung des Spiegels beschwert haben dürfte, woraufhin sich Chefredakteurin Barbara Hans offenkundig genötigt sah, sich für den Artikel zu entschuldigen…“ –

    Das ist ganz schön viel Konjunktiv. Der Autor hat keine Ahnung, ob sich Mattarella beim Spiegel gemeldet hat. Warum stellt es der es dann so in Raum? In einem Artikel, der sich über journalistische Haltung auslässt, finde ich das extrem unsauber. Man muss ja nicht der Meinung von Frau Hans sein, aber selber rumzuspekulieren anstatt einfach beim Spiegel anzurufen (wie das Journalisten machen) und danach zu fragen, wäre wohl das Mindeste. So kommt die Empörung leider als Bumerang zurück.

    • Markus Fugmann

      1. Juni 2018 14:20 at 14:20

      @Andreas Heizkummer, in dem ganzen Artikel findet sich dieser eine Konjunktiv! Ansonsten herrschte über diese Distanzierung gänzliches Schweigen, das gilt auf breiter Front.. Darauf wollten wir aufmerksam machen. Wir haben eine Anfrage zu den Hintergründen der Distanzierung an die Spiegel Online-Chefredakteurin Frau Hans gestellt, die bislang unbeantwortet geblieben ist..

      • tm

        1. Juni 2018 14:30 at 14:30

        „Ansonsten herrschte über diese Distanzierung gänzliches Schweigen,“

        Vermutlich weil es diese von Ihnen gemutmaßte Distanzierung gar nicht gab. Die Chefredakteurin hat ANSA höchstwahrscheinlich nur gesagt, dass ein Kommentar eben eiun Kommentar ist, also die Meinung des Kommentators widerspiegelt, der wiederum beim Spiegel freie Hand hat. Wo erkennen Sie denn überhaupt eine Distanzierung?

        P.S. Kann bei der FMW nicht mal jemand korrekturlesen bevor ein Artikel oder ein Kommentar veröffentlich wird?

      • sabine

        1. Juni 2018 14:38 at 14:38

        „Vielleicht“ war es auch der Sekretär des Mattarella. Das ist doch jenseits von wichtig.
        Außerdem:
        a) Wie erklärt man denn sonst die mehr als peinliche Distanzierung der Frau Hans, Chefredakteurin beim Spiegel? Es wurden ja vorher durchaus wahre Sachverhalte beschrieben.
        b) Mir scheint es übrigens auch mehr als wahrscheinlich, das Herr Mattarella sich persönlich darum gekümmert hat. Sonst hätte der Spiegel nicht so schnell reagiert. Und was auf der Hand liegt, darf ein Journalist auch sagen! Und das ist auch gut.
        c) Hinzukommt das Schweigen der Wölfe. Auch das verhärtet diesen Verdacht!
        Außerdem gibt es die Aufregungen in italienischen Zeitungen, die ja das Bild dann abrunden.
        Lustig, diese Allergie bei Verdächtigungen.

        • tm

          1. Juni 2018 14:53 at 14:53

          Welche „peinliche Distanzierung“ denn?
          Fleischhauer berichtet dort nicht über „wahre Sachverhalte“, sondern hat einen Kommentar, einen Meinungsartikel verfasst – diese spiegeln grundsätzlich nicht per se die Meinung des Blattes wider. Das ist bei allen Medien so.

          Sie wissen doch gar nicht, ob der Spiegel überhaupt reagiert hat – zumal Barbara Hans nicht CHefredakteurin des Spiegel, sondern bei Spiegel-Online ist.

          Jam, Fleischhauer darf ja gerade alles sagen – genau das ist doch der Punkt. Er kann jede Woche schreiben, was er will, worüebr er will, völlig unabhängig von der Linie des Blattes selbst.

          Ne, das erhärtet gar nichts, im Gegenteil – das zeigt eher, dass die FMW hier einen Skandal kreieren will, wo es eben gar nichts gibt. Wenn überhaupt hat Barbara Hans oddenkundig nur klargestellt, dass die Kolumnisten bei SpOn schreiben können, was sie wollen, ohne dass dies die Linie des Blattes widerspiegelt.

          Möchten Sie denn etwa, dass Kommentare nur dann veröffentlich werden dürfen, wenn Sie der Linie des Blattes entsprechen? Es ist doch gerade prima, dass bei SpOn sehr unterschiedliche Kommentatoren jede Woche schreiben können.

    • Bernd

      1. Juni 2018 14:33 at 14:33

      @ Heizkummer; Sind sie der Anwalt des Spiegel? Oder warum spielen Sie sich so auf?

  5. Bernd

    1. Juni 2018 14:25 at 14:25

    Danke an finanzmarktwelt, dass Sie uns darüber informieren. Man erkennt mal wieder was für rückgratlose Opportonisten in den Chefredaktionen der ehemals großen Blätter sitzen – Ist die Meldung nicht genehm wird sie nicht gebracht; vielleich merkt es ja keiner.

    • tm

      1. Juni 2018 14:49 at 14:49

      Da dürfen also Journalisten von Fleischauer (stramm konservativ) über Stockowski (Emanze) bis hin zu Augstein (weit links) bei Spiegel-Online jede Woche schreiben, was sie wollen, worüber sie wollen, völlig unabhängig von der Linie des Blattes – und das machen Sie dem Spiegel nun zum Vorwurf?

      Es wäre doch vielmehr opportunistisch, wenn die Chefredaktion nun sagen würde, ja, was Fleischhauer schreibt, ist Linie des Spiegel – und kommende Woche, wenn Augstein etwas gegenteiliges schreibt, wäre das dann auf einmal Linie des Blattes. Die Kommentaroren dort sind einfach frei und unabhängig, nicht mehr hat Barbara Hans gesagt (wenn es denn überhaupt so stimmt).

  6. Columbo

    1. Juni 2018 14:45 at 14:45

    Daß sich ein Staatspräsident bei einer Zeitung beschwert, noch dazu „persönlich“, halte ich für unwahrscheinlich. Da wäre er den ganzen Tag damit beschäftigt, bei irgendwelchen „Blättern“ anzurufen.

  7. Macwoiferl

    1. Juni 2018 14:50 at 14:50

    Es ist die Haltung des SPIEGEL!
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/populisten-in-italien-kommentar-zu-oettingers-interview-a-1210209.html
    Wer dieses peinliche Magazin noch liest ist selbst schuld.
    Abbestellen lautet die Devise.
    Niemand braucht Staatsmedien, die uns den Urlaub in Italien erschweren!

    • tm

      1. Juni 2018 14:55 at 14:55

      Was ist nun Linie des Blattes? Das was Fleischhauer in einem Kommentar schreibt oder das , was ein anderer Kommentator schreibt oder noch etwas ganz anderes, was wiederum ein Dritter kommentiert?

      Wenn ich Sie richtig verstehe, sind Sie der Meinung, der Spiegel schreibt das, was die Regierung will und die Regierung will Stimmung gegen Italien machen?

      • Macwoiferl

        1. Juni 2018 15:27 at 15:27

        Das teutozentrische Weltbild verneint einen Abgasbetrug z.B. bei einem Wolfsburger Unternehmen.
        Es verneint, dass in diesem Lande Züge aufeinander prallen, weil im Bahn-Leitstand gerade am Handy gedaddelt wurde.
        Es verneint die Unfähigkeit, einen Flughafenbau ordentlich umzusetzen (Berlin), bei einem Bahnhofsneubau die Kosten auch nur annähernd einzuhalten (Stuttgart 21), eine Autobahn so zu bauen, dass es die Fahrbahndecke nicht bei 30 Grad im Schatten aufbläht. Es verneint Korruption im BAMF, Neue Heimat-Skandal, Schwarzgeldkoffer-Schäuble undsoweiter.

        Wir können uns nun streiten, ob die Holzerei gegen andere Nationen dem teutozentrischen Bedürfnis entspricht, sich selbst damit ein wenig aufzuwerten. Ob das Regierungslinie oder die Linie des Spiegel sei.

        Ich finde es per se schlimm, wenn sich unsere teutonischen mittelprächtigen und mittelmäßigen mitteleuropäischen Witzfiguren aufregen, über Griechen oder Italiener oder Spanier. Nur weil die nicht am deutschen Wesen genesen wollen.

        Ein Land in dem so wenig wirklich (noch) funktioniert wie in unserem hat kein Recht, sich so aufzuspielen und sich permanent wichtig zu machen.

        Na, vielleicht hatte der Herr Fleischauer wegen seiner gescheiterten Ehe (nachzulesen auf SPON) auch einfach einen schlechten Tag und musste Dampf ablassen.

        Aber ja, @tm, selbstverständlich berichten unsere Staatsmedien das, was Berlin lesen möchte!

        • leftutti

          1. Juni 2018 16:48 at 16:48

          Es ist immer dieselbe langweilige Leier und Taktik der Populisten:
          Eigentlich geht es um einen Artikel bzw. Kommentar im Spiegel. Dazu wird ein haarsträubender Kommentar mit einem Link gepostet, der „beweisen“ soll, dass das (was auch immer das sein soll) die grundsätzliche Haltung bzw. Richtung des Spiegel ist, obwohl er eigentlich eher das Gegenteil beweist.
          Ruckzuck sind wir bei Staatsmedien und einem teutozentrischen Weltbild und bei völlig themenfremden Dingen wie Abgasbetrug, BER und Stuttgart 21 etc. Auf diesem Gebiet fühlt man sich sicher, hier kennt man sich aus, hier kann nun frei von der Leber der übliche Quark verbreitet werden.
          Bleibt doch mal beim Thema und hört stattdessen endlich auf, immer alles so undifferenziert und populistisch pauschalisierend in die Welt hinaus zu posaunen.

          Teutozentrisches Weltbild, ein Land wie unseres hat kein Recht, sich so aufzuspielen…
          Und was ist mit den Individuen in diesem Land, mit Meinungs- und Pressefreiheit, mit den vielen kritischen Bürgern?
          Was können die für das Versagen beim BER oder Stuttgart 21 oder die Betrügereien der Konzerne und Märkte? Darf nun keiner mehr eine Meinung haben und äußern, weil er in Deutschland lebt?
          Oder umgekehrt: Wieso dürfen Sie selbst sich so aufspielen und wichtig machen, während Sie gleichzeitig allen Andersdenkenden dieses Recht absprechen?
          Ist das Ihr Verständnis von Demokratie und freiheitlicher Grundordnung?

        • tm

          1. Juni 2018 17:01 at 17:01

          Wen zählen Sie denn zu den „Staatsmedien“? Der Spiegel schreibt anders als die FAZ und Focus, Welt und Bild sind eher verlängerte Arm der AfD, aber sicher keine Regierungsblätter.

          • Michael

            1. Juni 2018 20:34 at 20:34

            @tm, soweit ich das Gebrabbel vom McSoiferl (zu salfern bzw. soifern siehe https://www.bayrisches-woerterbuch.de/salfern/) verstehe, zählt alles, was eine verlängerte Extremität der AfD ist, nicht zu den sog. Staats- oder Mainstreammedien. Alles andere grundsätzlich erst einmal schon.
            Ausnahmen können vereinzelte Kommentare sein, die mit dem eigenen Weltbild konform gehen. In diesem Fall wird das Wesen des freien Kommentators erkannt, anerkannt, der Kommentar wird gar gerne auch zitiert, oft mit der Bemerkung „sogar der Spiegel schreibt“…
            Im Gegenzug dürfen einzelne kritische Artikel oder Kommentare in den verlängerten Arm(utszeugniss)en der AfD jedoch sofort wieder den „Staatsmedien“ zugerechnet werden.
            In beiden Fällen sind das dann verwirrte Geister mit Ehe- oder anderen privaten Problemen.

    • Michael

      1. Juni 2018 15:43 at 15:43

      Was genau ist in dem zitierten Artikel denn die Haltung des Spiegel?
      Der Tweed des Reporters der Deutschen Welle kann es ja nicht sein.
      Der darauf ausbrechende rechtspopulistische Twitter-Shitstorm auch nicht..
      Die Zitate des Herrn Oettinger schon dreimal nicht…
      Bleibt also am Ende nur noch die Meinung des Kommentators, wobei alleine schon die Bezeichnung Kommentar impliziert, dass dies eben nicht unbedingt die Linie und Haltung des Verlages widerspiegelt.
      Und was ist eigentlich am Ende die Meinung des Kommentators: „Es ist die Taktik, die Populisten gern benutzen: die Verdrehung der Wahrheit in ihr Gegenteil. Lega und Fünf Sterne wollen Italien eine stark verrückt wirkende Finanzpolitik verordnen, fordern dazu von der EU schamlos den Erlass von Hunderten Milliarden Euro an Schulden und versprechen ihren Wählern ebenso schamlos, Italien in eine Art Ferienkolonie zu verwandeln, für deren Bewohner Milch und Honig fließen. So zumindest lesen – oder besser, lasen – sich Teile des Regierungsprogramms beider Parteien … Vielmehr hat er [Oettinger] betont, dass die Macht durchaus beim Wähler liegt – nur dass dieser vielleicht ganz gut beraten wäre, die Versprechen von Populisten zwischendurch einmal mit der Realität abzugleichen..
      Das ist weder peinlich, noch hat es etwas mit deutschen Staatsmedien zu tun. Es ist schlicht und einfach die Wahrheit. Die mag zwar für den einen oder anderen unangenehm sein, peinlich ist sie jedenfalls nicht.
      Und wenn Ihnen jemand den wohlverdienten Urlaub in Italien erschwert, dann sind es genau diese populistischen Hanswurstenparteien in Italien, die durch Verdrehung der Tatsachen und Pauschalisierungen Wut und Hass gegen deutsche Urlauber schüren.
      Vielleicht können Sie die Schuld noch auf Herrn Oettinger schieben, aber der Spiegel???

  8. Bernd

    1. Juni 2018 16:23 at 16:23

    Herr Mozarella hat recht, denn was jetzt als „aggressives Schnorren“ (siehe Beitrag) erscheint, ist nichts als die Überhöhung des status quo der Transferunion, welche die Gläubigerstaaten einlädt, sich auf Kosten Deutschalnds weiter zu verschulden. Sonst würden hier in Deutschland die Lichter ausgehen, da es dann einen Wirtschaftseinbruch gibt. Die Schulden werden nicht zurück bezahlt und wurden im Interbankenverkehr (Target 2) vorgestreckt. Die Rechnung wird dann an den fußballinteressierten „Weiter So Merkel“-Wähler igendwann durchgereicht, der genau das am Ende bekommt, was er gewählt und verdient hat. Erst dann wird er von seinem Bratwurstgrill, Bier und Fernseher aufschauen und begreifen, das der Endsieg des Euro wie seine Altersrente(nkaufkraft) ausbleiben wird.

    • Lausi

      1. Juni 2018 18:17 at 18:17

      „Endsieg des Euros“ – lol! Auf in die Schlacht – whatever it takes!

      Es ist dieser Zwang im Euro zu bleiben, der von den EU-Mächtigen ausgeübt wird, der so pervers ist. Gegebenenfalls wird die Demokratie dabei mit Füßen getreten. Es ist alles so dermaßen heuchlerisch, und irgendwann wird das den Verantwortlichen auf die Füße fallen. Die Italiener haben die Nase voll von der seit Jahren andauernden Rezession, und wenn die Politiker kein Ausweg aus dieser Misere finden – ob mit oder ohne Euro – werden sie von den Italienern an der Wahlurne die Quittung erhalten.

      Man sollte nie den Ursprung des Euros vergessen: Mitterrand wollte unbedingt den Euro haben (weil ihn die ständige Abwertung des Franc gegenüber der DM wurmte), und nannte das als Bedingung für sein o.k. für die deutsche Wiedervereinigung. Und Kohl wollte unbedingt als Wiedervereinigungs-Kanzler in die Geschichtsbücher eingehen, und ließ sich von Mitterrand erpressen! Ein Referendum, ob die Deutschen den Euro haben wollen, hat nie stattgefunden. Aber das wäre das mindeste gewesen! Na dann – auf in den totalen Euro 🙂

  9. Beobachter

    1. Juni 2018 19:27 at 19:27

    @ Lausi, genau so ist es.Diese Poltiker haben gegen sämtliche ökonomischen Bedenken über einen Bevölkerungsraum von 500 Mio Leuten diese Einheitswährung übergestülpt.Jahrelang hat man als Argument die friedensfördernde Wirkung dieser Währung hervorgehoben.Am Schluss wird genau das Gegenteil der Fall sein.Die Währungsunion hätte erst am Schluss für Länder mit einigermassen ähnlichen wirtschaftlichen Stärkeverhältnissen eingeführt werden sollen.Das ist kei Unsinn von mir,das sagte kürzlich auch H.W.Sinn.Die Südländer mit früher zweistelligen Zinsen hatten anfänglich natürlich ihre Freude an der starken Währung u.steigenden Börsenkursen.Was ihnen jetzt bleibt ist eine nicht selber steuerbare Währung, die für sie zu stark ist u.DE u.andere haben eine zu schwache Währung mit viel zu tiefen Zinsen ,was sich langfristig verherrend auf die Spar u.Altersvermögen auswirkt.

    • Michael

      1. Juni 2018 22:44 at 22:44

      @Beobachter, @Lausi:
      Hat denn die Südländer, speziell die Italiener als drittgrößte Volkswirtschaft Europas, irgendwer dazu gezwungen, dem Ganzen beizutreten oder zuzustimmen? Jede kleine Insel in der EU kann durch ihr Veto alles blockieren und zum Scheitern bringen.
      Die Italiener haben die Nase voll von der seit Jahren andauernden Rezession
      Das hatten sie auch schon Jahrzehnte lang vor Einführung des EURO oder der EU, denn das scheint in Bella Italia ein währungsunabhängiges, immanentes Problem zu sein. Auch als 1 DM 1000 Lira wert war.
      Die Südländer mit früher zweistelligen Zinsen hatten anfänglich natürlich ihre Freude an der starken Währung u.steigenden Börsenkursen
      Das hätten sie sich rechtzeitig überlegen müssen, ohne die anfänglichen Vorteile für sich zu nutzen, um dann bei konsequent und absehbar folgenden Problemen das Handtuch zu schmeißen. Ob nun erneut zweistellige Zinsen bei eigener Währung für sie gut wären, mag dahingestellt sein…

      Ich gebe Ihnen beiden in sehr vielen Punkten natürlich Recht und bin alles andere als ein großer Fan der EU und der Gemeinschaftswährung in ihrer derzeitigen Form.
      Aber:
      Ein Referendum, ob die Deutschen den Euro haben wollen, wäre in der damaligen Wiedervereinigungs- und Europa-Euphorie mit 90%+ durchgerockt 😉 Bei den Südländern wegen des oben zitierten Argumentes von @Beobachter sowieso.
      Niemand zwingt jemanden, im EURO zu bleiben, viele EU-Mitglieder haben ihre eigene Währung. Aber Verbindlichkeiten müssen nun einfach mal zurückgezahlt werden, sofern diese freiwillig oder der eigenen Handlungs- und Lebensweise geschuldet und nicht unter Zwang oder auf unmoralische Weise entstanden sind.

      @Beobachter: Was ihnen jetzt bleibt ist eine nicht selber steuerbare Währung, die für sie zu stark ist: Der großartigste Italiener aller Zeiten, Supermario Draghi, steuert die Währung seit mindestens 2014 mit allen Mitteln auf den Stand zu Einführung des EUR, ohne Rücksicht auf die Spar- und Altersvermögen anderer gleichberechtigter Mitglieder. Für kein anderes Land in Europa wurden jemals derart drastische Eingriffe aufgrund von rein nationalen Interessen vorgenommen.

      Summa summarum aus all den Kommentaren hier würde ich sagen:
      1. Ein wenig mehr arbeiten zu Ungunsten von la pura dolce vita könnte derzeit ganz förderlich sein. Meinungen wie in allerersten Kommentar von @Catweazel Sie Leben! und Geld spielt höchstens die zweite oder dritte Rolle. sind gut und schön zum Verständnis des dolce vita, aber kein nachvollziehbares Argument für Schulden, die man nie beabsichtigt, zurückzuzahlen. Sie sind eher ein Argument für die These: Sie leben weit über ihre Verhältnisse!

      2. Wer in so kurzer Zeit so viele Schulden anhäufen kann, ist in der Lage, gewaltig zu konsumieren oder unüberlegt zu investieren. Das erinnert an unsere amerikanischen Freunde, rechtfertigt deshalb aber noch lange nicht deren unmoralische Handlungsweise gegenüber Gläubigern mit berechtigten Forderungen.

      3. Nicht schimpfen, nicht schreien, keine ehemaligen Komiker und rechtspopulistischen Neo-Narren in die Regierung wählen, sondern sich mal an der eigenen Nase packen, sich selber aus dem Sumpf ziehen und nicht alle Veratwortung auf die (unfähigen) Politiker abwälzen.

      • Bademeister

        2. Juni 2018 12:02 at 12:02

        Bestes Beispiel gerade ist da Bulgarien….klar hätten sie gerne den Euro….müssen dafür auch praktisch nix tun, weil er Bulgarien von der EU sowieso und unter allen Umständen aufs Auge gedrückt wird…auf ausdrücklichen Wunsch aus Brüssel….wie noch in Rumänien, Kroatien, Ungarn, Tschechien.
        Wenn ich mich an die 90er/Jahrtausendwende entsinne…da gabs in einigen Staaten Volksentscheide zum Thema EU, die teilweise so lange wiederholt wurden bis das „passende“Ergebnis, das dann für alle Ewigkeit rechtsbindend ist, vorlag.
        Das war eigentlich schon der Anfang vom Ende…lange vor der bereits lange brodelden Italien Thematik und dem irrwitzigen Griechenland-Euro-Deal 2007 und 15.
        Wenn dir jemand unaufgefordert Geld gibt, das du behalten darfst ohne etwas klar definiertes dafür tun zu müssen (Arbeit)…..

  10. Lausi

    2. Juni 2018 02:28 at 02:28

    Hallo @Michael,

    erst mal möchte ich zwei Sachen sagen:

    1) Ich bin ein großer Freund von der Idee der EU. Offene Grenzen und ein Austausch der Kulturen und Völker Europas finde ich super. Dass sich die EU inzwischen zu einem Bürokratie-Monster und ein Lobby-Verein entwickelt hat, und nicht sehr demokratisch ist, steht auf einen anderen Blatt. Für mich ist die EU und der Euro jedenfalls zwei grundverschiedene Dinge. Schade, dass das oft in einem Topf geworfen wird.

    2) Natürlich sind auch die Italiener schuld an der Misere, und deren Beitritt zur Eurozone war natürlich freiwillig.

    Für mich besteht aber schon ein (indirekter) Zwang von den EU-Mächtigen, dass kein Mitglied den Euro-Club wieder verlässt. Schon bei Griechenland hieß es: Wenn ein Land den Euro verlässt, dann wird das eine Austritts-Lawine in Gang setzen, und dann ist der Euro Geschichte. Und was für Schreckens-Szenarien werden für ein potentielles Austrittsland an die Wand gemalt von seinem Staatsbankrott und wirtschaftlichen Niedergang. Aber natürlich sind es auch die Politiker der Mittelmeer-Staaten, die diese Horror-Szenarien scheuen, und somit den Euro-Club nicht verlassen wollen. Aber für mich ist es nur eine Frage der Zeit bis es mal soweit sein wird. Ich bin schon gespannt auf das Kräftemessen zwischen der neuen italienischen Regierung und der EU. Ein gegenseitiges Erpressungspotential scheint jedenfalls vorzuliegen.

    Du sagst, dass es den Italienern auch schon zu Lira-Zeiten wirtschaftlich schlecht gegangen wäre. So schlecht wie jetzt mit 7 Jahren Rezession und 50% Jugendarbeitslosigkeit ging es ihnen aber noch nie. Für mich ist das auch dem Euro geschuldet. Abgesehen davon hat Italien natürlich dringend Struktur-Reformen notwendig, erst recht, wenn sie im Euro verbleiben wollen. Aber diese haben sie schon seit 50 Jahren nicht auf die Reihe bekommen, und werden es in absehbarer Zeit wohl auch nicht schaffen. Und wenn, wird es ggf. ein sehr langsamer und mühsamer Prozess sein. Sieh dir z.B. die Korruption in Bella Italia an. Für mich hat diese in den letzten Jahren eher zu- als abgenommen. Meiner Meinung nach ist das auch eine Folge von diesem elenden korrupten Berlusconi! Wenn schon der Staatschef ein Oberkorrupter ist, welches Beispiel gibt er dann an sein Volk! Frei nach dem Sprichwort: Der Fisch fängt immer vom Kopf an zu stinken!

    Abschließend noch zwei Bemerkungen: Natürlich sollen die Italiener ihre Schulden zurückzahlen und nicht auf Kosten der Deutschen leben. Dafür muss aber erst mal ihre Wirtschaft in Fahrt kommen, und meiner Meinung nach wirkt der Euro da wie ein Bremsklotz.

    Ich bezweifle sehr, ob in den 90-er Jahren eine Mehrheit der Deutschen für eine Abschaffung der DM zugunsten des Euros gestimmt hätte. Den Deutschen war die DM heilig!

    Schönes Wochenende 🙂

  11. Wolfgang M.

    2. Juni 2018 09:25 at 09:25

    Zu Italien: Ich bin wirklich verblüfft, wie viele Volkswirte und Wirtschaftskommentatoren glauben, es könnte derzeit wirklich ein EU-Austritt politisch und faktisch umgesetzt werden. Wenn die neue Regierung in den nächsten Wochen wirklich diese Vokabel ins Programm aufnähme, würden folgende Konsequenzen folgen. Hier nur ein paar Wesentliche:
    – Bei einer Währungsumstellung auf Lira würden die Target2-Salden in Höhe von 900 Mrd. € verfallen mit der Folge eines sofortigen Einbruchs des Exports der EU-Staaten nach Italien, da jegliches Vertrauen verspielt wäre, gleichzeitig würde das Ausland Italien Waren nur noch zu Dumpingpreisen abkaufen Folge: Rezession in Europa und finanzielle Depression in Italien
    – Die italienischen Banken würden in zweierlei Hinsicht kollabieren. Zum einen könnten Sie ihre Verbindlichkeiten in der neuen Währung nicht mehr erfüllen und zum anderen würden sie den Bankrun nur wenige Tage überstehen. Zudem würden die Einlagen ohne Kapitalverkehrskontrollen rasend schnell ins Ausland in vermeintlich stabile Währungen abfließen.
    – Haben wir denn schon die kalkweisen Gesichter von Angela Merkel und Peer Steinbrück vergessen, als sie bei der Finanzkrise nach nächtelanger Sitzung aus dem Kanzleramt schlichen und dem deutschen Sparer zusicherten: „Wir garantieren ihre Spareinlagen!“?
    – Oder an den Bankrun vom 14. bis 17. September 2007, bei der achtgrößten Bank Großbritanniens, Northern Rock, die aufgrund der Auszahlungsschwierigkeiten nach „Lehman“ von der Bank of England gerettet und anschließend verstaatlicht wurde? Das italienische Bankensystem in seiner Dimension könnte so nicht mehr gerettet werden.(auch nicht Europa)
    – Allein die Finanzmärkte würden das Land bei so einem Vorhaben vor sich hertreiben und die in Kürze fälligen Anleihen in Milliardenhöhe unfinanzierbar machen.
    Kurzum: Das was Lega und Cinque Stelle versprechen, ist nicht einmal ansatzweise umsetzbar. Auf der anderen Seite ist Italien in der jetzigen Gemengelage nicht in der Lage auf Dauer in der EU-Zone zu verbleiben. Ich habe es hier schon mal geschrieben: Als ich in den 1970-ern zum ersten Mal am Gardasee war, musste ich für 1000 Lire 4 D-Mark bezahlen, Ende der 90-er, vor Euroeinführung, waren es nicht einmal mehr 90 Pfennige. Italien hatte seine Probleme immer mit Abwertung gelöst, was heute natürlich nicht mehr geht. Ich dachte mir bei Theo Waigels flammender Rede für die Euroeinführung immer: „War der eigentlich nie südlich des Brenners“?
    Italien hatte vor der Euroeinführung versprochen, die Zinsersparnisse zur Schuldentilgung zu verwenden. Das Land bekam, nach den Worten von Prof. Otmar Issing, „die niedrigsten Realzinsen seit Julius Cäsar“. Genutzt hat man es nicht.
    Italien jedenfalls, wird die Märkte in der kommenden Zeit schwer beeinflussen, möglicherweise im Guten, wie im Schlechten, aber eine Lösung ist das politische Theater bei dieser 2 Bio-Euro-Ökonomie nicht. Da kommt es eher zu einer verklausulierten „Vergemeinschaftung“ der Schulden, eine Horrorvorstellung deutscher Konservativer, aber Merkel könnte durch den Geburtsfehler bei der Euroeinführung und aufgrund des italienischen Wählerverhaltens vor die sprichwörtliche Wahl gestellt werden: Pest oder Cholera
    Gruß

  12. Bademeister

    2. Juni 2018 19:26 at 19:26

    Eines ist wohl sonnenklar: Die Italiener werden NIEMALS ihre Schulden zurückzahlen (können). Sollten einige schönwettererprobte EU-Politiker in Brüssel oder Berlin auf den Gedanken kommen, den Italienern den weiteren EU-Geldfluss aufgrund zukünftigem unpassenden und den Grundwerten der EU unwürdigen Benehmens zuzudrehen…ist Italien freiwillig raus…ohne weiteren Nutzen und vielleicht immer mehr Pflichten…der Donald und auch Putin reiben sich schon gierig die Hände über einer neue Enklave im Herzen Europas…Italien kann eigentlich weiterhin das Geld beim Fenster raus werfen, die EU wird weiterhin hoffen, dass es bei der Tür wieder doppelt reinfliegen wird…

  13. Peter

    5. Juni 2018 09:43 at 09:43

    Danke für den interessanten Artikel, seit langer Zeit habe ich mal wieder beim Spiegel reingeschaut, zuviel Manipulation, Indoktrination oder einfach nur Wegschauen hatten mich vertrieben.
    Lasst euch nicht von den Spiegel-Genossen einschüchtern.

  14. joah

    5. Juni 2018 12:05 at 12:05

    Die vernunftbegründete Gegenposition, entsprechend umgeformt: »Die Deppen der Finanzierungsküche«

    Wie soll man eine Nation nennen, die bewusst eine andere überschuldet (überschulden lässt), um die Schulden des einen als eigenes finanzielles Kapital zu betrachten – und dann zur Oberstrafe (des eigentlich eigenen Versagens) den Schuldner bewusst in die Knie und zur „Reformen“ (= Sklaven-Knechtschaft) zwingt.

    Es gibt auch immer eine andere Betrachtungspersepektive, welcher man sich nicht entziehen sollte. Allerdings gehört das Wort „Nationen“ besser durch Regierungen ersetzt, sonst beschuldigt man immer die Falschen mit.

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Globales Finanzcasino: Die Botschaft zum Jahresende lautet „Game over“

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Die Finanzwelt hat Ende 2018 einen Wendepunkt erreicht. Fast zehn Jahre lang haben die Zentralbanken das globale Finanzsystem künstlich am Leben erhalten, indem sie Billionen an Dollars, Euros, britischen Pfund, japanischen Yen und Schweizer Franken aus dem Nichts erzeugt und zu immer niedrigeren Zinsen vergeben haben.

Damit haben sie eine Entwicklung eingeleitet, die niemand vorausahnen konnte: Die Finanzmärkte haben über einen Zeitraum von 115 Monaten eine Rekordmarke nach der anderen gerissen. Das Ganze hatte aber auch eine Schattenseite, denn die Maßnahmen haben zugleich bewirkt, dass

– im Verhältnis zu den Finanzmärkten immer weniger Geld in die Realwirtschaft floss,

– das Steueraufkommen wegen der im Finanzsektor intensiv praktizierten Steuervermeidung nicht mit der Geldentwicklung mithalten konnte,

– immer weniger öffentliche Investitionen getätigt wurden,

– die Infrastruktur weltweit zerfiel,

– konservative Anleger wie Versicherungen, Renten- und Pensionskassen gezwungen wurden zu spekulieren und unverhältnismäßig hohe Risiken einzugehen,

– die Altersvorsorge durch Sparen erschwert und einer zukünftigen Zunahme der Altersarmut der Weg bereitet wurde,

– Privathaushalte, Unternehmen und Staaten sich immer höher verschuldeten,

– immer mehr Anleger mit geliehenem Geld in die Märkte einstiegen,

– an den Finanzmärkten die größten Blasen aller Zeiten entstanden,

– die soziale Ungleichheit weltweit explodierte.

Da diese Entwicklung das globale Finanzsystem inzwischen existenziell bedroht, ersetzen die Zentralbanken, angeführt von der FED, seit einiger Zeit ihre „lockere“ durch eine „straffere“ Geldpolitik – das heißt: Sie verringern den Geldfluss und erhöhen die Zinsen.

Die FED hat ihren Leitzins ab 2015 in mehreren sehr vorsichtigen Schritten bis auf 2,25 Prozent angehoben und bereinigt ihre auf mehr als $ 4,5 Billionen angewachsene Bilanz zurzeit um monatlich ca. $ 50 Mrd., die EZB hat ihre im März 2016 begonnenen Anleihenkäufe in diesem Sommer weiter eingeschränkt und will sie ab Anfang 2019 ganz aussetzen.

Diese Umkehr in der Geldpolitik wirkt auf die Finanzmärkte allerdings wie ein Drogenentzug auf einen Süchtigen und führt daher zu einer gefährlichen Instabilität. Aber nicht nur das: Sie trifft das System auch noch zu einer Zeit, in der es ohnehin mit einer Anhäufung von Problemen konfrontiert ist: Dem von den USA inszenierten Handelskrieg, der italienischen Bankenkrise, dem Volksaufstand in Frankreich, den Sanktionen gegen Iran, der Kapitalflucht aus den Schwellenländern, dem im Hintergrund immer bedrohlicher ausufernden Derivatesektor und einer einsetzenden globalen Rezession.

Ein ungünstigeres Zusammentreffen schwarzer Schwäne (möglicher Auslöser für einen System-Kollaps) ist schwer vorstellbar. Sollten die Zentralbanken trotzdem an ihrer straffen Geldpolitik festhalten, so lässt sich die Entwicklung an den Finanzmärkten in folgende drei Stadien einteilen:

1. Stadium (in dem wir uns gerade befinden): Durch den Geldentzug wird weniger spekuliert, die Kurse beginnen zu fallen. Erste Investoren, die mit geliehenem Geld in die Märkte eingestiegen sind, ziehen sich zurück, worauf die Kurse weiter nachgeben. In die Spekulation gezwungene konservative Anleger werden nervös, verkaufen und drücken die Kurse noch weiter.

2. Stadium: Der hohe Schuldenstand vieler Marktteilnehmer tritt immer deutlicher zutage, das Misstrauen wächst und führt zu immer zögerlicherer Kreditvergabe. Da Schuldnern die Bedienung ihrer Schulden zunehmend schwerer fällt, müssen sie immer mehr Wertpapiere verkaufen, was einen weiteren Rückgang der Börsenkurse und noch mehr Verkäufe nach sich zieht.

3. Stadium: Wegen der anhaltenden Abwärtsbewegung an den Börsen weiten sich die Kursverluste aus, erste Gläubiger fordern ihr Geld von Schuldnern zurück, es kommt zu einzelnen Insolvenzen, denen weitere und größere folgen, was noch mehr Gläubiger skeptisch macht und zum gefürchteten „Margin Call“ – einer flächendeckenden Rückforderung von Schulden – führt. Dadurch werden im Derivate-Bereich immer höhere Zahlungen fällig, die sogar die Großbanken überfordern, selbst kühl kalkulierende Börsenprofis in Panik geraten lassen und damit eine nicht mehr aufzuhaltende Abwärtsspirale in Gang setzen.

Der gesamte Prozess ist mit dem Abgang einer Lawine vergleichbar, die sich zunächst langsam in Gang setzt, dann an Fahrt aufnimmt und schließlich krachend alles und jeden mit sich reißt.

Noch befinden wir uns im ersten Stadium dieses Prozesses. Doch das heißt nicht, dass es nicht schon bald zum Crash kommen kann, denn in welchem Tempo sich die Dinge ereignen werden, kann niemand voraussagen. Eines aber lässt sich schon jetzt feststellen: Selbst wenn die Zentralbanken aus Angst vor dem Zusammenbruch ihre straffe Geldpolitik über Bord werfen und panikartig erneut Geld zu noch niedrigeren Zinssätzen (also im Fall der EZB im Negativbereich) in die Märkte pumpen sollten, werden sie nur ein zeitlich begrenztes Strohfeuer entfachen, den endgültigen Zusammenbruch aber nicht mehr verhindern können.

Die Botschaft des globalen Finanzsektors zum Jahreswechsel 2018/ 2019 ist eindeutig und lautet: Das Casino schließt seine Pforten, das Spiel ist vorüber.

Ernst Wolff über das Finanzcasino
Der Buchautor Ernst Wolff

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Individuum Eins

An diesem wahrhaftigen Black Friday kam es für Trump im Minutentakt so knüppeldick, dass selbst der sonst so kampflustige Alpha-Mann im Oval Office mit seinem Latein am Ende schien..

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Eine Kolumne aus New York von Herbert Bauernebel

„Donald und der furchtbare, schreckliche, nicht gute, sehr schlechte Tag“, titelte die „New York Post“, nicht unbedingt ein feindliches Organ für den Präsidenten. Es ist die Untertreibung des Jahres.

An diesem wahrhaftigen Black Friday kam es für Trump im Minutentakt so knüppeldick, dass selbst der sonst so kampflustige Alpha-Mann im Oval Office mit seinem Latein am Ende schien.

Er wackelte mit der weißen Twitter-Flagge. „Eine Entlastung auf allen Ebenen, vielen Dank!“, postete Trump, der wohl wahnwitzigste Tweet aller Zeiten.

Die Pöbeleien von Ex-Außenminister Rex Tillerson, wonach der Oberkommandierende ein Analphabet und Gesetzesbrecher sei und der Absturz des „Dow Jones“ an der Wall Street (minus 559 Punkte) waren nur der Prolog zum längsten Tag der Trump-Präsidentschaft.

Sonderermittler Bob Mueller sowie die schärfsten Staatsanwälte der Nation im berüchtigten „Southern District of New York“ (SDNY) nahmen den Präsidenten mit einer Serie an Gerichtseingaben bezüglich der Ermittlungen gegen die Ex-Vertrauten von Trump, Paul Manafort und Michael Cohen, in die Zange.

Trump geriet in ein juristisches Sperrfeuer.

In den Gerichtsakten ist längste nicht mehr vom Präsidenten die Rede, sondern von „Individuum Eins“. Im TV wird nicht mehr vom Anführer Amerikas, sondern einem „Mitverschwörer eines kriminellen Komplotts“ gesprochen.

Um die Lage zu illustrieren, hier ein paar Schlagzeilen des „Drude Report“ (ebenfalls sonst fix im Trump-Lager):

Trotz des Tsunamis solcher Horror-Headlines für Trump sind die meisten Experten der Ansicht, dass es sich beim derzeit Bekanntem immer noch „nur um die Spitze des Eisberges handelt“.

Trump muss dämmern: Er kommt da nicht mehr raus.

Besonders FBI-Veteran Mueller hat ihn mit meisterhafter Taktik und juristischen Schachzügen in die Enge getrieben. Schach matt, könnte man fast schon sagen. Oder zumindest der Anfang vom Ende.

Diskutiert wird bereits, ob Mueller Trump direkt anklagen könnte – es wäre ein „First“. Die Demokraten, die im Januar die Macht im Repräsentantenhaus übernehmen, werden wohl nicht darum herumkommen, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten, sagen Kommentaren.

Dazu würde bereits das vorgelegte Material reichen. Und das furiose Finale kommt noch.

Klar ist auch, dass Trump kämpfen wird bis zuletzt – und das Land wohl in die schwerste Verfassungskrise seiner Geschichte stürzen dürfte. Wer gewinnt? Trump? Oder Amerikas 242 Jahre alte Demokratie.

 

Herbert Bauernebel ist freier US-Korrespondent in New York seit 1999. Er leitet dazu das Info-Portal AmerikaReport.de mit Blogs, Analysen und News – von „Breaking News“ bis Politik-Aufregern, von Trends aus dem „Silicon Valley“ bis zur Wall Street. 

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Allgemein

Aktuell: EuGH – UK kann Brexit absagen

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Der Europäische Gerichtshof hat soeben geurteilt, dass Großbritannien die Austrittserklärung widerrufen kann. Das hatte sich aufgrund der Empfehlung eines Generalanwalts in der letzten Woche bereits abgezeichnet – das Pfund mit leichten Zugewinnen. Aber das dürfte für die May-Regierung keine Option sein und die Niederlage Mays in der morgigen Abstimmung im britischen Parlament nicht verhindern..

Soeben hat ein Minister des May-Kabinetts ausdrücklich erklärt, dass UK die EU am 29.März definitiv verlassen werde..

 

Von Cédric Puisney from Brussels, Belgium – European Court of Justice – Luxembourg, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34942382

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