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Spruch des Tages: Christine Lagarde in Davos

"Wenn wir wollen, dass der Anteil am Kuchen für alle größer wird, müssen wir den Kuchen größer machen"

FMW-Redaktion

Es gibt ja viel Kritik in diesem Jahr an der Veranstaltung der Reichen, Wichtigen und Schönen in Davos. Und dass das nicht ganz unberechtigt ist, zeigt einmal mehr eine heute Morgen getätigte Aussage von Christine Lagarde während einer Diskussion zwischen Larry Summers und Lagarde!

Dort sagte sie nämlich: „Wenn wir wollen, dass der Anteil am Kuchen für alle größer wird, müssen wir den Kuchen größer machen“ („If we want a larger share of the pie for all, we just need a larger pie“).

Großartige Lyrik – erinnert stark an den (historisch nicht gesicherten) Spruch von Marie Antoinette: „Wenn sie kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen“?


IWF-Präsidentin Christine Lagarde
Foto: Fonds monétaire international / Gemeinfrei

Zurück zu Lagarde: was die Sache doch etwas schwierig macht ist die Tatsache, dass vor allem die entwickelten westlichen Gesellschaften aufgrund ihrer stetigen Vergreisung eben kaum in der Lage sein werden, den Kuchen größer zu machen, sprich wirklich Wachstum zu erzeugen. Genau darauf basierten doch die Aktionen der Notenbanken, die eben dieses fehlende Wachstum durch Geldpolitik künstlich ersetzen wollen – was auf Dauer nicht funktionieren kann.

Und wenn es gelänge, den Kuchen größer zu machen, was würde dann passieren? Die ohnehin Reichen mit den schon größten Stücken am Kuchen würden sich noch größere Stücke einverleiben – so wie in den letzten Jahrzehnten! Ohne eine Reform, eine Umwälzung, eine Umverteilung werden die Superreichen aufgrund ihrer Machtposition immer in der Lage sein, sich die Sahnestücke am Kuchen zu sichern – das ist doch das eigentliche Problem!

Und unter Donald Trump wird sich diese Tendenz fortsetzen: die ohnehin Reichen werden extrem begünstigt durch die geplanten Steuersenkungen und die Steueramnestie für geflüchtete Dollars, die dann wiederum in Aktienrückkaufe investiert werden. Dem Fußvolk dagegen werden zur Ruhigstellung Jobs versprochen, damit man nicht allzu sehr meckert und nicht merkt, dass da etwas faul ist im Gesamtsystem. Es deutet also wenig darauf hin, dass sich der Trend ändern wird.

Erstaunlich ist dabei, dass die Rechtspopulisten eine Veranstaltung wie die in Davos einerseits extrem kritisch sehen, den Sieg Trumps, der im Grunde all das umsetzen will, was von ihnen kritisiert wird (weitere Verteilung zu den Reichen) jedoch feiern..



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11 Kommentare

  1. man wuss einfach mal von diesem Wachstums-Dogma weg! Warum muss ein hochentwickeltes Land, dessen Bevölkerung nicht wächst, real wachsen?
    Damit das Debt/GDP Ratio nicht explodiert! haha

    Wie man noch ein bisschen Wachstum erzeugen könnte, ist die Umverteilung von oben nach unten.

    1. Ja, das würde sicher nicht nur Wachstum steigern, sondern auch – wenn man es richtig machen würde – wieder etwas mehr Gerechtigkeit herstellen.

  2. Dann lasst uns den Kuchen doch mal um beispielsweise 16 Milliarden Dollar größer machen. Die 8 reichsten bekommen jeweils eine Milliarde und die 3,6 Milliarden bekommen jeweils ein bisschen mehr als zwei Dollar. So sieht in Davos Gerechtigkeit aus.

    Danke, Frau Lagarde!

  3. Welchen Kuchen machen wir grösser? Das mega viele Geld gehört besser verteilt, damit das Geld zirkuliert. Da würde der vorhandene Kuchen völlig ausreichen. Wie kommt jemand ( Frau Lagarde ), der so einen Sermon verzapft, zu so einem Posten? Übermäßiges ökonomisches Wissen kann es jedenfalls nicht sein.

    1. Ganz einfach,.. sie ist eben eine willfährige NWO Hu….!
      Nur die skrupelosesten Menschen bekommen solche Posten oder schlafen mit den Richtigen

  4. Frei nach Kenneth Ewart Boulding:

    „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ (oder Chef des IWF).

  5. Der Satz ist schlichtweg falsch und dumm. Denn der Anteil bleibt bei einem größeren Kuchen gleich. Der Anteil hat nichts mit der Größe des Kuchens zu tun. Im Übrigen wird der Anteil seit Jahrzehnten kleiner; die gierige „Elite“ versteht nicht, dass es zu Gewalt und Kriegen kommen wird, wenn sie nicht endlich wieder Anteile abgibt.

    1. dito, da zeigt sich die „intellenz“ unserer eliten.

  6. Widerspiegelt die Denkweise der nobel honorierten “ Kapitalherrschaftsdiener“ eine widerliche Aussage:-(

  7. Herr Fugmann, manchmal klingen sie wie ein Sozialist.
    Sie befürworten allen Ernstes „Umverteilung“?

    1. @Oliver, nicht zwingend Umverteilung, sondern mehr Chancen-Gleichheit..

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