Anleihen

Staatsanleihe – 100-jährige eine Versuchung für den Staat und hochriskante Wette für Investoren

Jetzt auch die USA: Spätestens seit der Äußerung von US-Finanzminister Steven Mnuchin, die Ausgabe einer Staatsanleihe mit 50-jähriger und 100-jähriger Laufzeit prüfen zu lassen, ist es zum Thema für viele Wirtschaftsmedien geworden.

 

Staatsanleihe mit ultralanger Laufzeit – Industrieländer kommen auf den Geschmack

Während die Ausgabe von Anleihen mit Extremlaufzeiten früher eher eine Sache von Entwicklungsländern war, kommen derzeit mehr und mehr Industriestaaten auf diese verführerische Verschuldungsidee. Im Zeitalter der weltweiten Niedrigzinsen Schulden aufzunehmen, die erst von der über-übernächsten Generation zurückgezahlt werden müssen.

Neben Österreich haben Mexiko und Argentinien eine solche „Methusalem“-Anleihe emittiert, dazu Belgien und Irland, die diese Papiere aber bei Privatinvestoren platziert haben. Nun hat neben den USA auch Schweden angekündigt, die Ausgabe eines solchen Schuldtitels prüfen zu lassen, ein Land, in dem die längste Anleihe bereits im Jahr 2039 zurückbezahlt werden muss. Die Schweiz hat sich bisher an eine 50-jährige Anleihe herangewagt, die kürzlich bei minus 0,43 Prozent notierte.

Und Deutschland? Hier würde die 50-jährige „Bund“ im Minusbereich stehen, für das 100-Jahr-Papier bräuchte man derzeit nur etwa ein Viertel Prozent Rendite bieten. Doch die Finanzagentur, die die Schulden des Bundes managt, wiegelt ab, man sei mit den 30-Jährigen in der Lage langfristige Projekte abzudecken.

 

Das gigantische Zinsänderungsrisiko bei einer langlaufenden Staatsanleihe

Welcher Investor kauft eine Anleihe, deren Fälligkeit er nicht mehr erleben kann? Natürlich der Spekulant, der ein ganz düsteres Wirtschaftsbild hat und eine Rezession erwartet, mit fallenden Zinsen und extrem steigenden Kursen. Die Duration wirkt aber in beide Richtungen: Bei einer 10-jährigen „Bund“ mit einem Zinskupon von null Prozent bedeutet ein Rückgang des Zinses einen Kursanstieg der Anleihe von circa 10 Prozent und das Gegenteil bei einem Zinsanstieg. Bei der 100-jährigen österreichischen Staatsanleihen werden die Extremreaktionen auf Zinsänderungen überdeutlich: 60 Prozent Gewinn oder Verlust bei nur einer geringen Zinsänderung von einem Prozent.

Bereits bei der Emission im Jahr 2017 wurde der Superlangläufer mit einer Miniverzinsung von nur 2,1 Prozent verkauft. Wegen großer Nachfrage seitens der Investoren wurde die Anleihe in diesem Sommer um 1,25 Milliarden Euro aufgestockt. Die Käufer der ersten Stunde können sich derzeit über einen Kursgewinn von mehr als 100 Prozent freuen.

 

Fazit

Die 17 Billionen Dollar an Staatsanleihen, die weltweit schon im Negativzinsbereich notierten, wecken Begehrlichkeiten für die Staaten. Sich heute zu verschulden, ohne sich zu Lebzeiten um die Papiere kümmern zu müssen, ist zu verlockend.

Ob es dafür aber genügend Käufer gibt, ist sehr fraglich, auch in den USA. Versicherungen und Pensionsfonds kaufen Anleihen, die in etwa zu ihren vertraglichen Verpflichtungen passen. So könnte es eine natürliche Obergrenze für die Langläufer geben. Bei den Methusalem-Anleihen würde es immer Phasen mit gigantischen Kursverlusten geben und wer käme dann als Käufer in Frage? Und welche Länder hatten in den letzten 100 Jahren eigentlich keinen Staatsbankrott? Bestimmt nicht Österreich.

 

Auch die USA werden wohl bald eine Staatsanleihe mit 50-jähriger und 100-jähriger Laufzeit emittieren



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2 Kommentare

  1. Die Schweiz, auf die nächsten 100 würd ich nicht mal mit einer quote 1:100 Wetten

    1. Also ich würde mit Ihnen wetten. Die 101.000€ legen wir dann auf einem Treuhanddepot in Aktien an und die Dividenden werden reinvestiert. Eine Seite unserer Urenkel darf sich dann freuen.
      Würden Sie diese Konditionen so akzeptieren?

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