Anleihen

Staatsanleihe – Auktion der 30-jährigen und finanzielle Repression

Auf den ersten Blick war es wieder ein gutes Geschäft für den Bundesfinanzminister: Die Emission einer 30-jährigen Staatsanleihe am letzten Mittwoch zu einem Zinssatz von minus 0,11 Prozent, welches sofort zu einem haushaltswirksamen Gewinn für den Staat von 30 Millionen Euro geführt hat.

Auf den zweiten Blick aber war es auch ein kleiner Flop, schließlich konnte man nur Käufer für Papiere in Höhe von 869 Millionen Euro finden und nicht für die angestrebte Summe von zwei Milliarden. Insgesamt stellte diese Emission einer 30-jährigen Anleihe ein deutsches Novum dar, schließlich wurde noch nie ein so langlaufendes Schuldpapier zu einem Kupon von 0,0 Prozent ausgegeben.

 

Wer sind die Käufer der langlaufenden Staatsanleihe?

Während sich der deutsche Staat über diese “windfall profits“ freuen kann – die Aufwendungen in der Zinslast sind von ihrem Hoch im Jahre 2010 mit 40 Milliarden auf mittlerweile 16 Milliarden gefallen -, müssen gewisse Käufergruppen bei derartigen Konditionen die Segel streichen.

Normalerweise kaufen Lebensversicherungen und Pensionskassen diese Langläufer, weil sie langfristige Versprechen gegenüber ihren Kunden einhalten und eine gewisse Planungssicherheit realisieren müssen. Das geht natürlich nicht mehr bei einer negativen Rendite, quasi ein Unding für diese Investoren Papiere zu erwerben, die sichere Verluste abwerfen, wenn man sie bis zur Endfälligkeit hält. Gewiss ein Grund für die dünne Nachfrage.

Bei der letzten Auktion vor Monatsfrist gab es zumindest noch einen Positivzins von 0,30 Prozent. Wer waren also die Käufer dieser 30-Jährigen?

Dies ist nicht so ohne Weiteres zu beantworten, denn bei der Schuldenagentur sind nur Bietergruppen, wie Banken sichtbar. Es dürfte sich bei den Käufern um Spekulanten und US-Investoren gehandelt haben, die auf weiter fallende Zinsen und damit steigende Kurse wetten. Bei den Longbonds bringen bereits geringe Zinsänderungen große Kursgewinne, wenn man keine Ausschüttungen braucht und jederzeit wieder aussteigen kann. Für die Amerikaner spielt sicher auch noch die Währungsspekulation eine gewisse Rolle.

Dass sie diese Anleihen auf einem ausgedünnten Markt nicht wieder loswerden könnten, ist jedoch recht unwahrscheinlich.

Schließlich gibt es immer noch einen Käufer, auf den bisher Verlass war, es ist die Europäische Zentralbank, die in ihrem Kaufprogramm immer ganz stark auf deutsche Staatsanleihen zurückgegriffen hat.

Leider mit den bekannten negativen Folgen für die Sparer, wie auch für zahlreiche Vorsorge-Kapitalsammelstellen, aber ich möchte jetzt nicht vielen die Laune verderben mit dem leidigen Thema der „finanziellen Repression“.

 

Die Emission der 30-jährigen deutschen Staatsanleihe mit Negativrendite ist ein Zeichen für finanzielle Repression



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