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Anleihen

Staatsschulden in Europa: Risiko gibt es nicht mehr, Blick auf Risikoprämie

Claudio Kummerfeld

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am

Für Staatsschulden gilt: Sie können wertlos werden, wenn der Staat als Schuldner nicht mehr in der Lage ist die Anleihen am Fälligkeitstag zurückzuzahlen. Siehe Argentinien, oder siehe auch Griechenland. Nur dank einem 86 Milliarden Euro großem Hilfspaket der Europartner kam Athen liquide über die letzten Jahre, und konnte sich sogar ein Polster zulegen.

Staaten können genau so zahlungsunfähig werden wie Unternehmen und Verbraucher. Aber hey, wenn die offiziell unabhängigen, aber letztlich auch staatlichen Notenbanken einfach unbegrenzt Geld drucken, und damit ihre eigenen Regierungen endlos durchfüttern, was kann da noch schief gehen? Ein geschlossener Kreislauf entsteht. Das Risiko für den Ausfall von Staatsschulden scheint in der Eurozone nicht mehr zu existieren. Die Rendite, welche Käufer der Staatsanleihen erhalten, ist sozusagen die Risikoprämie. Je höher die Rendite, desto besser entlohnt wird der Käufer für seine Bereitschaft, gesteigerte Ausfallrisiken bei der Rückzahlung zu akzeptieren. Durch höhere Renditen kommen weniger gut angesehene Staaten leichter an Geld am Anleihemarkt.

Rendite für Staatsschulden in Spanien bei Null, für Portugal sogar negativ

Umgekehrt gilt natürlich das selbe. Je besser angesehen ein Land am Anleihemarkt ist, desto niedriger sind die Renditen für seine Staatsschulden. Deswegen hat Deutschland auch für die wichtigste Anleihelaufzeit von 10 Jahren derzeit eine Negativrendite von aktuell -0,61 Prozent. Am 9. März im Höhepunkt des Corona-Schocks an den Märkten floh die ganze Welt in „sichere Häfen“, wodurch die Rendite für deutsche Anleihen auf das Tief von -0,85 Prozent sank. Aber aktuell -0,61 Prozent, da macht der deutsche Finanzminister immer noch im Schlaf gute Gewinne beim Verkauf neuer Anleihen!

Aber die Eurozone besteht ja nicht nur aus Deutschland. Die Rendite für zehnjährige portugiesische Staatsanleihen ist erst vorgestern zum aller ersten Mal ins Negative gerutscht, und notiert jetzt bei -0,02 Prozent. Risiko ist nicht mehr vorhanden, darf man da sagen? Und für Spanien (gibt es in dem Land wirtschaftliche Probleme?) liegt die Rendite für Staatsschulden mit zehn Jahren Laufzeit aktuell bei nur noch +0,01 Prozent. Wow, was für eine Risikoprämie für das Risiko eines Zahlungsausfalls. Auch hier sehen wir ein Rekordtief in der Rendite. Und Italien? Hey, hier glaubt der Anleihemarkt doch tatsächlich noch an ein Risiko für die Staatsschulden des Landes? +0,53 Prozent Rendite gibt es hier derzeit noch zu erzielen. Aber auch hier sehen wir ein Rekordtief und immer tiefere Niveaus.

Interessant: Während Anfang März die Rendite für die deutschen Staatsschulden in den Keller rauschte, stieg sie für die Staatsanleihen aus Italien, Spanien und Portugal deutlich an, und zwar bis in der Spitze auf 2,39 Prozent, 1,23 Prozent und 1,40 Prozent. Damals sah der Markt noch stark steigende Ausfallrisiken für die Staatsschulden dieser Länder. Aber jetzt rauschen ihre Renditen sogar ins Negative. Das Signal aus Sicht von Risiko und Bezahlung des Risikos lautet: Es gibt kein Risiko mehr. Die EZB druckt, und druckt, und druckt. Sie kauft immer mehr Staatsanleihen auf.

Chart zeigt seit 1994 die Rendite für zehnjährige Staatsschulden aus Spanien
Im Chart sehen wir die Rendite für zehnjährige spanische Staatsschulden seit 1994. Jetzt sind wir exakt an der Null-Linie angelangt mit +0,01 Prozent.

EZB ist entscheidender Faktor

Auch wenn die EZB die Staatsschulden nur am Sekundärmarkt (freier Anleihehandel) aufkauft und nicht in der Erstauktion. Klar ist doch, dass ohne die EZB diese märchenhafte Lage niemals möglich wäre. Die Investoren, die in den Erstauktionen (Primärmarkt) kaufen, wissen ganz genau, dass kurz darauf am freien Anleihemarkt die EZB lauert, um in gigantischem Ausmaß die Staatsanleihen der Eurozone aufzukaufen, über ihre jeweiligen nationalen Notenbanken als ausführende Organe. Dadurch erzielen die Banken, die in der Erstauktion kaufen, sicherlich auch anständige Kursgewinne.

Die Bilanz der EZB bläht sich immer weiter auf, die Euro-Staaten können immer mehr Schulden zu immer besseren Konditionen aufnehmen. Die Zeche zahlen die zukünftigen Generationen, wenn es denn keinen Kollaps der Eurozone gibt, keine Abschaffung der EZB, und keine Staatspleiten. Denn diese Anleihen sollen ja irgendwann mal zurückgezahlt werden, auch wenn die Zinslast kaum noch erkennbar ist. Der Schuldenberg steigt weiter an. Heute um 13:45 Uhr meldet die EZB ihre aktuellste Entscheidung. Wird es (wie man es vermuten darf) weitere Hinweise für noch mehr Gelddruck-Orgien geben, noch billigeres Geld, noch mehr Anleiheaufkäufe?

Christine Lagarde ist Chefin der EZB
EZB-Chefin Christine Lagarde. Foto: EZB, Lizenz (CC BY-NC-ND 2.0)

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Mike Lohmann

    10. Dezember 2020 10:49 at 10:49

    Ist doch alles kein Problem, denn die Schulden werden schon noch zurückbezahlt. Nur sind die Laufzeiten geschickt so gewählt worden, dass diejenigen die dann die Rückzahlung stemmen werden noch gar nicht geboren sind. Gewusst wie, war schon immer das Teuflische an guten Tricksereien.

  2. Avatar

    Columbo

    10. Dezember 2020 11:16 at 11:16

    Bemerkung am Rande:
    Die sich wiederholenden Worte „Hey“ und „Wow“ sind in einem seriösen Artikel ungeeignet und störend.
    Derartige Ausrufe passen in meinen Augen eher zu pubertierenden Kommentatoren.

  3. Avatar

    Michael

    10. Dezember 2020 13:21 at 13:21

    Ist ja alles schön und gut mit den Schulden. Aber was ist, wenn die EZB einfach auf die Rückzahlung verzichtet?

  4. Avatar

    Stiller User

    10. Dezember 2020 15:24 at 15:24

    @Columbo: Haben sie zu viel Zeit weil Sie sich daran stören? Lassen Sie die Autoren doch schreiben wie diese wollen und spielen Sie nicht die Sittenpolizei. Jedes mal er gleiche nervige Sch..ß von immer den gleichen Kommentatoren.

  5. Avatar

    Columbo

    10. Dezember 2020 18:48 at 18:48

    @Stiller User

    Beruhigen Sie sich. Sie werden es verstehen, wenn Sie aus dem Schlimmsten raus sind.

  6. Avatar

    Lausi

    10. Dezember 2020 22:49 at 22:49

    @Michael – dann schießt die Inflation in den Himmel, weil immer klarer wird, dass hinter den Eurolappen nichts werthaltiges steht – Stichwort: Vertrauensverlust.

  7. Avatar

    leftutti

    10. Dezember 2020 23:09 at 23:09

    @Columbo, @Multi-Nick-Michael aka Stiller User
    „Hey“ und „Wow“ gehören zum hektischen (Untergangs-)Populismus wie die Begriffe Sittenpolizei und Moralapostel zu den alternativen Sittenwächtern mit ganz eigener Moral, Ethik und Wertvorstellung.

    @Stiller User, spielen Sie nicht immer den Blockwart auf der rechten Seite. Lassen Sie andere Kommentatoren doch schreiben, was sie wollen. Immer der gleiche Schafsmist von Ihnen und Ihren vielen Nicknames. Entweder gelten gleiche Regeln für alle, oder Sie lassen es bleiben. Wow und Hey!

    Hey! Wir leben doch (noch) in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt.
    Wow! Auch wenn Sie eine Handvoll Menschen mit anderen Ansichten persönlich stört, antworten Sie dennoch sachlich, ohne Fäkalbegriffe mit .. dazwischen. Die Pünktchen machen es auch nicht besser, eher peinlicher.

    Und vor allem, antworten Sie, ohne ständig einzelne Personen mit rechtspopulistischen Unwörtern wie „Sittenpolizei“ oder „Fremdkörper“ durch den Dreck zu ziehen und herabzuwürdigen. Akzeptieren Sie eine gewisse Meinungsvielfalt, spielen Sie nicht Ihrerseits den Moralapostel, denn das sind doch die negativen Attribute, die Sie anderen ständig völlig grundlos unterstellen.

  8. Avatar

    Stiller User

    10. Dezember 2020 23:15 at 23:15

    @Columbo: Wieso wenn ich aus dem Schlimmsten raus bin? Verstehe ich nicht. Ich habe Ihre Beiträge in früheren Zeiten sehr geschätzt, in den letzten Monaten haben Sie aber sehr nachgelassen.

  9. Avatar

    Dummer User

    10. Dezember 2020 23:58 at 23:58

    @Mario Kummerfeld

    Hey, gilt das nicht ebenfalls und noch viel mehr für Amerika? Oder Großbritannien?
    Risiko war dort noch nie vorhanden, darf man da sagen?
    Wow! Wie sieht es denn so nebenbei mit China, Russland aus? Hey, weiß man nicht, könnte man sagen, aber wow! Auch dort scheint es zu brodeln und zu kriseln!

    Wie steht die EU/EZB im globalen Vergleich? Wow, hey! Darf man fragen?!

  10. Avatar

    Columbo

    11. Dezember 2020 07:33 at 07:33

    @Stiller User

    Mit „aus dem Schlimmsten raus“ meinte ich die Pubertät. Ein Erwachsener mit halbwegs vernünftigem Schul-oder Uniabschluss schreit doch nicht dauernd „Wow“ und „Hey“. Das machen die kids, da ist es ja ganz nett.
    Ist halt meine bescheidene Meinung. War nur eine Bemerkung am Rande, nicht so wichtig!

  11. Avatar

    Multi- Nick

    11. Dezember 2020 07:43 at 07:43

    @ Leftutti, Sehr gut, sie geben nicht nur Ratschläge wie Andere sich verhalten sollten, sie gehen auch mit dem guten Beispiel voran. Ich denke da an das sachliche Bashing eines ehrenwerten Markus Krall und dies nur wegen vermuteter unpassender Gesinnung. Fachlich hätten sie sowieso Nichts zu bieten. Ihre Kommentare sind auffallend immer gegen andere Personen oder Gesinnungen gerichtet.Selbst FMW möchten sie disziplinieren. Sie sind ein Musterdemokrat !

  12. Avatar

    Stiller User

    11. Dezember 2020 13:05 at 13:05

    @Leftutti: Das ist schon ein starkes Stück was Sie sich hier so rausnehmen! Ich von der „angeblich rechten Seite“ soll hier den Mund halten, und sie vergiften permanent das Forenklima indem sie gegen alles und jeden hetzen der nicht so schreibt wie sie es gerne sehen würden. Ich habe nicht zig verschiedene Nicknames im Gegensatz zu andern Usern hier die immer mit dem gleichen Blödsinn um die Ecke kommen.

    Und das ausgerechnet Sie mit Ihrer ständigen Hetze etwas von Meinungsvielfalt erzählen, ist ja wohl der Gipfel der Unverschämtheit! Ich lasse mich von Ihnen und Ihrem Anhang garantiert nicht beleidigen, da haben Sie sich den falschen herausgesucht. Sie sind so glaube ich, einfach nur ein Troll der in seiner Freizeit nichts zu tun hat, und dann auf gezielte Beleidigungstour im Internet geht.

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Allgemein

EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Allgemein

Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Anleihen

Coronakrise und die Schulden: Kommen ewige Anleihen?

Wolfgang Müller

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Die Coronakrise, ein gutes Jahrzehnt nach der Finanzkrise, hat zu einem weltweiten Anstieg der Verschuldung geführt, wie es sie außerhalb von Kriegszeiten noch nie gegeben hat. Aus den Schulden herauswachsen, mittels Wachstum? Ist noch nie in großem Umfang gelungen. Mittels Inflation und finanzieller Repression? Hat schon einmal für wenige Länder geklappt. Oder die Schulden auf sehr, sehr lange Zeiten umstellen, in Zeiten von Niedrigstzinsen? Ein Vorschlag des legendären Hedgefondsmanagers George Soros, der nicht neu ist, schon praktiziert wird und bereits eine lange Historie aufweist.

Coronakrise und Schulden: Die Ideen des ungarischen Starinvestors

Der Gründer des legendären Quantumfonds George Soros, der auf eine sehr lange Zeit als Investor zurückblicken kann – so hatte er bereits vor 70 Jahren unter dem Philosophen Karl Popper studiert -, macht sich Sorgen um die Zeit nach der Coronakrise. Man könne zwar auf eine unglaubliche medizinische Entwicklung zur Bekämpfung der Pandemie blicken, die bald unter Kontrolle sein dürfte, was aber bleiben wird, sind die Schulden zur Abmilderung derselben. Die wirtschaftlichen Folgen seien schlimmer als bei der Finanzkrise, deshalb müsse man jetzt bei der Bewältigung der Cornakrise umdenken, die Maßnahmen der EU hätten aufgrund der politischen Konstellationen zu wenig gebracht. Eine Lösung seien ganz lange oder ewige Anleihen.

Ein unbekanntes Kapitel der Geschichte von Anleihen

Wenn man glaubt, dass die heutige Wirtschaft so viel unglaublich Neues produziert, um in Phasen der finanziellen Knappheit ein Schlupfloch zu entdecken, so beweist ein Blick in die Wirtschaftsgeschichte manchmal etwas anderes. George Soros berichtet von Anleihen, die nie zurückgezahlt werden müssen, sondern nur die jährlichen Zinsen – schon vor Jahrhunderten.

Großbritannien hatte im Jahr 1752 unbefristete Anleihen, Kriegsanleihen zur Finanzierung der napoleonischen Kriege begeben, „Consols“, genannt. Die Vereinigten Staaten folgten mit der Emission von Consols in den 1870er-Jahren. Aber es war die Erfindung der Niederländer, die bereits 1648 unbefristete Anleihen zur Instandhaltung ihrer Deiche ausgegeben hatten. Das Skurrile daran: Diese Anleihen laufen noch heute, mit so niedrigen jährlichen Zinszahlungen, dass kaum jemand von ihrer Existenz weiß.

Die Aufforderung des Ungarn

Die Zeit der Coronakrise wäre günstig für die Einführung ewiger Anleihen, so Soros – weil die internationalen Zinssätze nicht weiter fallen könnten. Der Vorteil wäre für immer festgeschrieben und man könnte diese in Tranchen begeben.

Soros hatte solche Anleihen bereits der Europäischen Union vorgeschlagen, er sieht aber ein, dass dies unter den gegenwärtigen Umständen politisch nicht umsetzbar wäre. Es sollten dies einzelne Mitgliedsländer umsetzen, was auch in Ansätzen geschieht, dazu gleich mehr.

Soros weist darauf hin, dass die Europäische Zentralbank bereits das Instrument der unbefristeten Anleihen eingeführt hat. Durch den Aufkauf von Staatspapieren (Quantitative Easing), die sie nie mehr zurückgeben kann, ohne bestimmten Ländern schwer zu schaden.

Stattdessen ersetzt man bei Fälligkeit der Anleihen diese durch neue. Das Spiel ließe sich ewig fortsetzen, die Langläufer würden in unbefristete Schuldtitel umgewandelt.

Es gibt aber einen großen Unterschied zu den gleich von den Regierungen begebenen ewig langen Anleihen: Man schreibt die Zinsen für 100-jährige oder ewige Anleihen fest, während bei den ständig auslaufenden Titeln möglicherweise deutlich höhere Zinsen geboten werden müssten. Die Frage ist nur, ob man allen EU-Mitgliedsstaaten diese Eternal Bonds abkaufen würde.

Still und leise

Österreich hat es vorgemacht. In den Jahren 2017 und 2018 hatte die österreichische Republik 100-jährige Anleihen begeben, mit einem Zinskupon von damals noch niedrigen 2,1 Prozent. Das Papier war trotzdem 12-fach überzeichnet. Im Juni letzten Jahres legten die Österreicher mit einer weiteren 100-jährigen nach und es musste nur noch ein Kupon von 0.65 Prozent p.a. geboten werden. Inzwischen folgten Irland und Belgien mit eben solchen Langläufern, die von Versicherern begierig aufgenommen wurden.

Aber auch in Deutschland gibt es auf Landesebene bereits solche ultralangen Anleihen. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen hat die Zeichen der Zeit erkannt und vor ein paar Tagen eine 100-Jährige emittiert mit einem Volumen von 2 Milliarden Euro, die von Investoren mit mehr als 3,25 Milliarden Euro nachgefragt wurde. Die Emissionsrendite sollte 1,11 Prozentpunkte über dem Referenzzins für 50-jährige Zinstauschgeschäfte liegen, bei minus 0,14 Prozent betrug damit der Zinskupon 0,95. Für NRW ist dies bereits die dritte Anleihe in dieser Laufzeit, während es für den Bund immer noch bei 30 Jahren Höchstlaufzeit bleibt. Vielleicht denken die Herren in der Finanzagentur nur an ihre eigene Kalkulationszeit.

Fazit

Die Idee des legendären und bereits 90-jährigen Hedgefondsmanagers Soros könnte in der Coronakrise durchaus in größerem Stile umgesetzt werden, zusammen mit der finanziellen Repression. Die emittierenden Staaten werden dafür auch nicht mehr so lange Zeit haben, um diese Papiere an den Investor zu bringen, schließlich mehren sich die Anzeichen für eine steigende Inflation und steigende Kapitalmarktzinsen. Damit würden auch die Kupons deutlich höher ausfallen als zuletzt. Es verwundert schon ein wenig, warum man im Hause Scholz so zögerlich ist bei der dauerhaften Nutzung niedrigster Zinsen..

Kommen durch die Coronakrise Anleihen mit ewiger Laufzeit?

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