Krypto-Währungen

Die nächste Evolutionsstufe Stablecoins im Aufstieg: Die Macht der Wall-Street-Banken wackelt

Grafik: ChatGPT

Was lange Zeit wie ein Randphänomen der Krypto-Welt wirkte, rückt nun ins Zentrum der Finanzmacht: Stablecoins. Angetrieben von technologischem Fortschritt und wachsendem Nutzerinteresse, gewinnen die digitalen Dollar-Token rasant an Bedeutung – und versetzen die mächtigsten Banken der Wall Street in Alarmbereitschaft. In einer selten offenen Stellungnahme erkennen die Chefs von JPMorgan, Citigroup und Bank of America nicht nur die disruptive Kraft dieser neuen Zahlungsform an, sondern geben auch Einblick in ihre Pläne, sich in diesem Rennen um die Zukunft des Zahlungsverkehrs selbst neu zu erfinden. Der Kampf zwischen etablierten Banken und den Herausforderern aus der Kryptobranche hat begonnen.

Wall-Street-Banken zittern vor Stablecoins

Wie Bloombeg berichtet, hat der Kongress der Kryptoindustrie einen historischen Erfolg beschert: Das US-Parlament hat ein Gesetz zur Regulierung sogenannter Stablecoins verabschiedet. Diese Entscheidung könnte den Weg für eine breitere Nutzung der Technologie im alltäglichen Zahlungsverkehr ebnen, was die etablierten Wall-Street-Banken zittern lässt. Am Kryptomarkt bewirkte die Nachricht eine breite Rally.

Die Chefs der größten US-Banken haben sich in der sogenannten „US-Crypto-Week“ ungewöhnlich offen zur wachsenden Bedeutung von Stablecoins geäußert und deren zunehmende Relevanz im Zahlungsverkehr anerkannt. Die Token, die lange als Randphänomen galten, rücken damit ins Zentrum der strategischen Diskussionen der Branche.

Jamie Dimon (JPMorgan), Brian Moynihan (Bank of America) und Jane Fraser (Citigroup) bezeichneten in ihren Ergebnispräsentationen Stablecoins als potenzielle Bedrohung für die Dominanz der Banken im Zahlungsverkehr — und deuteten an, mit eigenen Initiativen darauf reagieren zu wollen.

Im Gegensatz zu volatilen Kryptowährungen sollen Stablecoins ihren Wert stabil halten und ermöglichen rund um die Uhr sofortige Transaktionen. Diese Eigenschaften machen sie zunehmend attraktiv für Unternehmen und Plattformen, die bisher auf Banken als Abwicklungsinfrastruktur angewiesen waren. Die US-Banken bereiten sich nun darauf vor, ihre Rolle im Zahlungsverkehr zu verteidigen – etwa durch die Einführung von Einlagentoken oder die Entwicklung eigener, von Banken ausgegebener Stablecoins.

“Sie versuchen, in Zahlungssysteme und Prämienprogramme einzusteigen”, sagte Dimon mit Blick auf Fintechs, die in angestammte Bankbereiche vordringen. “Wir müssen uns dessen bewusst sein.”

Wall-Street-Banken zittern vor der zunehmenden Bedeutung von Stablecoins
Die Wall-Street-Banken zittern vor der zunehmenden Bedeutung von Stablecoins im Zahlungsverkehr

US-Banken reagieren auf die Gefahr

Die Kommentare fielen mitten in der sogenannten Crypto Week in Washington, in der mehrere Gesetzesvorhaben rund um digitale Vermögenswerte debattiert werden. Eine republikanische Blockade wurde am Mittwoch aufgehoben und ebnete den Weg für eine Abstimmung über einen von Präsident Donald Trump unterstützten Stablecoin-Entwurf im Repräsentantenhaus.

Stablecoins sind in der Regel eins zu eins an den Dollar gekoppelt und mit liquiden Vermögenswerten unterlegt. Derzeit sind laut CoinGecko rund 265 Milliarden Dollar im Umlauf. Citigroup rechnet damit, dass der Markt bis 2030 auf bis zu 3,7 Billionen Dollar anwachsen könnte. Bank of America-Chef Moynihan sagte, die Branche müsse handeln — entweder durch eigene Produkte oder Partnerschaften mit aufstrebenden Zahlungsdienstleistern. Andernfalls drohe der Verlust von Kunden, die zu Alternativangeboten wechseln könnten.

“Wir können Geld effizient transferieren und müssen uns der Angriffe auf das Zahlungssystem bewusst sein. Wir werden es verteidigen”, sagte Moynihan. Zugleich schränkte er ein: “Wir sehen keine Kunden, die an unsere Tür klopfen und sagen: Bitte geben Sie mir das sofort.”

Citigroup und JPMorgan treiben unterdessen ihre Blockchain-Projekte aktiv voran. Beide arbeiten an Einlagentoken, die innerhalb bestehender Regulierungsrahmen ähnliche Funktionen wie Stablecoins übernehmen. Citi-CEO Fraser erklärte, man prüfe aktiv das Reserve-Management für Stablecoins, Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten zwischen Bargeld und Token, die Verwahrung von Krypto-Assets und sogar die Ausgabe eines eigenen Stablecoins. Dimon von JPMorgan sagte ebenfalls, dass die Bank sich sowohl mit Einlagentoken als auch mit Stablecoins befassen werde.

Die nächste Evolutionsstufe

“Digitale Vermögenswerte sind die nächste Evolutionsstufe in der umfassenden Digitalisierung von Zahlungen, Finanzierungen und Liquidität”, sagte Fraser bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen der Bank. “Was unsere Kunden wollen, sind Multi-Asset-, Multi-Bank-, grenzüberschreitende und stets verfügbare Lösungen, die auf sichere und solide Weise bereitgestellt werden und ihnen möglichst viele komplexe Probleme abnehmen.”

Stablecoin-Anbieter entwickeln unterdessen eigene Lösungen, die klassischen Bankprodukten ähneln. So kooperiert Circle mit Plattformen wie Coinbase, um Nutzern eine Rendite von 4,1% auf ihre USDC-Guthaben zu bieten. Zusätzlich plant das Unternehmen ein Netzwerk für grenzüberschreitende Zahlungen mit Stablecoins für Geschäftskunden.

Die Bankenbranche hat bereits Erfahrung mit der Abwehr neuer Wettbewerber. Als PayPals Venmo 2013 an Bedeutung gewann, gründeten große US-Banken den konkurrierenden Peer-to-Peer-Dienst Zelle über die Plattform Early Warning Services. Im Jahr 2024 wurden über Zelle Transaktionen im Volumen von mehr als einer Billion Dollar abgewickelt.

PNC-Chef William Demchak rechnet damit, dass Banken ähnlich reagieren und einen gemeinschaftlich entwickelten Stablecoin vorantreiben werden. Das sagte er diese Woche bei der Bekanntgabe der Unternehmensergebnisse.

FMW/Bloomberg



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6 Kommentare

  1. …ich verstehe das Thema Stablecoins irgendwie nicht…was ist der Vorteil daran?…ich kann doch auch jetzt schon virtuelles Geld von jetzt auf gleich transferieren, Rechnungen zahlen, etc…was macht der Stablecoin da anders oder wo liegt der Vorteil…bin da echt immer wieder lost…

    1. Der Vorteil zum jetzigen System liegt darin, dass Transaktionen finalisiert werden innerhalb von Sekunden. Geld kann mit Stablecoins wie eine Mail elektronisch übertragen werden. Das steht im Kontrast zum bisherigen System: wenn ich zB. einem Bekannten in den USA Geld schicken will per Banküberweisung, dann wird das Geld aus meiner Perspektive einfach elektronisch übertragen. Aus Blick der Bank sieht der Prozess allerdings komplizierter aus. Banken schicken sich untereinander Geld, indem sie sogenannte Nostro-/Vostrokonten beieinander haben. Das ist Geld, das bereit liegt, wenn ein Transfer von meiner Bank zu einer anderen Bank ansteht. In dem Fall schickt meine Bank der anderen Bank eine Nachricht (hier ist der entscheidende Unterschied zu Stablecoins), das Summe X von mir an einen Bekannten in USA geschickt werden soll. Also nimmt die andere Bank Summe X aus dem Account, den meine Bank bei Ihnen hat. Falls die andere Bank noch nicht die Bank meines Bekannten in den USA wäre, würde das Geld nun zu einer weiteren Bank geschickt werden, und so weiter, bis es die Bank meines Bekannten erreicht.
      Im SWIFT System muss das Geld also über mehrere Stationen, so wie eben die Geschäftsbeziehungen der beteiligten Finanzinstitute sind. Außerdem müssen Banken beieinander Geld bunkern, das einfach dort liegt, bis es für Überweisungen gebraucht wird. Dieses Geld arbeitet nicht.
      Mit Stablecoins (natürlich auch anderer Crypto) können also Werte wie Bargeld übertragen werden. Das ist, angesichts dessen, wie die Dinge heute noch mehrheitlich funktionieren, ein riesiger Schritt für die Finanzbranche.

      1. okay…danke

  2. Anschlussfrage…es wird ja wöchentlich über einen Kryptohack berichtet…bei heise liest man das dauern…im Februar erst die Kryptobörse Bybit mit 1,5 Mrd….Milliarden…wenn der Deutschen Bank über Nacht 1,5 Mrd. Euro gestohlen werden, dann würde das doch irgendetwas bedeuten…bei den Kryptoanbietern ist das eine kleine Schlagzeile und mehr nicht…da muss es doch Leute gegeben haben, die Geld verloren haben…Versicherungen wird es für derartige Überfälle ja wahrscheinlich nicht geben…vermute ich mal…das ist auch so etwas was ich gar nicht verstehe…es scheint keine Relevanz zu haben so ein Hack…alle machen weiter…weil das Geld ja sowieso nicht echt war? oder warum?…nochmal lost…

  3. Das mit den Stablecoins verstehe ich auch nicht. In dem Zusammenhang ist ja auch Tether im Verdacht Bitcoin mit ihren USDT gepuscht zu haben.
    Ein sehr interessanter Artikel überhaupt über BTC auch im Zusammenhang mit Tether:

    https://mail.whalewire.org/p/bitcoin-the-greatest-scam-never-told-7039

    Irgendwie kommt mir da die dot.com-Blase in den Sinn… Tulpenmanie ist auch nicht weit weg.

  4. Tut nix zur Sache

    Der Kryptoglaube versetzt alle „Ungläubigen“ in die Annahme, das jeder Kryptowert automatisch einen höheren Vertrauenswert suggeriert, als jegliche Währung und alle bis dato gelebten Vermögenstranferwerte. Alle Zügel die bis heute erkoren wurden um maßlose „Geldwertschöpfung“ in einem verständlichen und allseits einigermaßen akzeptieren Begrenzungsrahmen zu steuern, werden über Bord geworfen. Was bislang galt, ist sicherlich nicht wirklich ein Hemmnis gewesen, sich bei Bedarf Finanzmittel zu beschaffen wenn man glaubte es sich erlauben zu können. Aber, es war nachvollziehbar. Das Aufkommen nun zunehmend mehr und mehr erdachter Kryptos die meines Erachtens noch weniger die Selbstbedienungsmentalität aller „Bedürftigen“ begrenzen ist die schlechteste aller Varianten zu versuchen, dem Gegenwert von Wertschöpfung wieder vom Kopf auf die Füße zu verhelfen! Ich Stelle mir Mal vor, das wir in den nächsten 20 Jahren hunderte erschaffene Kryptowährungen haben werden, deren Darstellung in altbewährter Form jetzt noch gültiger Währungen in Dollar, Euro, Rubel, Yen, Yuan u.s.w. nicht mehr möglich sein könnte. Es wird nicht mehr möglich sein ein bislang sozialisiertes Verständnis von Wert und Gegenwert mehr zu vermitteln. Jeder Krypto wird für sich genommen den Glauben vermitteln wollen, er sei nicht manipulierbar und komplett wertbeständig! ….und ich denke, das genau das nicht mehr funktionieren kann. Keine Regulierung, keine Kontrolle, kein nachvollziehbar es Tauschverhältnis… das Vertrauen ist doch die Basis von allem! …hier sehe ich das dann aber nicht mehr gegeben. Leider funktioniert diese Betrugsmasche immer besser und das ist deswegen so, weil wir uns in unserer heutigen Wertewelt eben einander nicht mehr vertrauen. Das ist aber keine Frage der Währung, sondern des Fehlens von gegenseitiger Achtung, des gegenseitigen Respekts und der Erkenntnis, das es kein unendliches Wachstum geben kann. Und stehen keine besseren Zeiten bevor. Die Gefahr das unsere Wertebasis ausradiert wird ist so groß wie nie zuvor! Mag sich jeder selbst fragen, was dann passieren kann. Krypto ist die modernste Masche, seinen Selbstbetrug zu vertuschen…machen ja alle mit!

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