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Wir sind bereits in der Stagflation? Experte mit klaren Aussagen

Bei aktuell hohe Inflation kann schnell Stagflation entstehen

Stagflation ist quasi ein ökonomisches Horrorwort, und es macht in letzter Zeit häufiger die Runde. Es ist eine Mischung aus Stagnation der Wirtschaftsleistung bei gleichzeitiger Inflation – ein Zustand, den man nur schwer bekämpfen kann. Markus Fugmann sprach bereits am Freitag von Stagflation basierend auf den veröffentlichten Einkaufsmanagerdaten. Aktuell sehen wir in Deutschland eine Inflation bei inzwischen 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sind wir jetzt im Oktober bereits in diesem Zustand der Stagflation angekommen? Dr. Jörg Krämer als Chefvolkswirt der Commerzbank wirft aktuell seine gewichtige Stimme in den Ring, und spricht von „Stagflation im vierten Quartal“. Er bezieht sich auf die aktuellen ifo-Daten. Denn der heute Vormittag vermeldete ifo Geschäftsklimaindex fiel mit 97,7 Punkten schwächer aus als erwartet – und es war der vierte Rückgang in Folge.

Stagflation steht an

Dieser vierte Rückgang des ifo-Geschäftsklimas in Folge ist laut Dr. Jörg Krämer ein Warnsignal. Die Unternehmen würden nämlich ahnen, dass die Politiker auf die stark steigenden Corona-Infektionen mit neuen Beschränkungen reagieren werden. Außerdem führt die neue Corona-Welle seiner Meinung nach vor allem in Asien zu Fabrikschließungen, was den Materialmangel hierzulande verschärfen wird. Die deutsche Wirtschaft dürfte im vierten Quartal kaum noch wachsen. Zumindest für dieses Quartal zeichnet sich seiner Aussage nach eine Stagflation ab. Mit Ausnahme des Baus seien die Geschäftserwartungen in allen Branchen gefallen.

Experte nennt Gründe für Befürchtungen

Die Sorgen der Unternehmen seien berechtigt, und zwar aus zwei Gründen. Erstens ist laut Dr. Jörg Krämer die neue Corona-Welle mit Macht angelaufen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bereits bei 110 und steigt steil an. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis die Politiker darauf mit mehr Beschränkungen reagieren würden. Man habe schon bisher einen Übergang zu einer G2-Regel unterstellt, so dass das Viertel der erwachsenen Deutschen, die nicht geimpft sind, von vielen kontaktintensiven Dienstleistungen ausgeschlossen wären. Außerdem könnte der Kreis der betroffenen Unternehmen wie Mitte Dezember 2020 auf den Einzelhandel ausgedehnt werden. Ein Anzeichen für die wirtschaftliche Stagnation, und damit letztlich die Stagflation? Denkbar sind laut Dr. Jörg Krämer auch Beschränkungen für Geimpfte, falls sich die Infektionen so schnell ausbreiten, dass die Belastungsgrenze des Gesundheitssystems näher rückt.

Zweitens verweist er auf das Thema Lieferengpässe. Bereits im September hatten 77,4 Prozent der Industrieunternehmen über Produktionsbehinderungen durch Lieferengpässe geklagt. Dieser Anteil dürfte im Oktober laut Dr. Jörg Krämer noch einmal gestiegen sein. Da die weltweit anziehende Corona-Welle gerade in Asien häufig zu Schließungen von Fabriken oder Häfen führt, sei ein Ende der Lieferengpässe nicht in Sicht.

Kaum Wachstum im vierten Quartal

Im dritten Quartal dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt wegen der Lockerung der Corona-Beschränkungen im Frühjahr kräftig um schätzungsweise 2 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal gewachsen sein. Aber wegen der neuen Corona-Welle, des Materialmangels und weil der Aufholprozess im Dienstleistungsbereich nach den Lockerungen im Frühjahr mittlerweile weitgehend abgeschlossen ist, dürfte das Wachstum der deutschen Wirtschaft laut Dr. Jörg Krämer im vierten Quartal massiv nachlassen. Man erwartet bei der Commerzbank nur ein mageres Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem dritten Quartal. Gleichzeitig dürfte die Inflation weiter anziehen. Zumindest für das vierte Quartal zeichne sich damit eine Stagflation ab.

Erwartungskomponente des Ifo-Geschäftsklimas in Commerzbank-Grafik



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4 Kommentare

  1. Die globale Welt hat ihre Tücken. Wusste man aber immer schon. Man wusste auch,. dass ein Virus die Runde machen würde. Die Politik und die Wirtschaft hat es aber nicht gekümmert. Wie der Kapitän auf der Titanic, hat man die Gefahr im Wissen ignoriert, dass ja nichts passieren kann.
    Während jetzt die unteren Decks mit Wasser volllaufen, spielt am Börsenparkett die Kapelle und die Rindviecher tanzen den Bullentango. Geschichte wiederholt sich nicht, aber der Reim ist offenkundig. Werden wir etwas daraus lernen? Nein, das wäre ja noch schöner.

  2. Eine Hyperinflation im Jahre 2023 wäre doch nett – genau passend zum 100-jährigen Jubiläum! ;-)

  3. @Lausi

    9.Juni 1923: 1l Milch 1440 Mark
    2.Dezember 1923 1l Milch 360 Milliarden Mark

    2.Dezember 2023 1Iphone 5 Billionen Euro…🥴…oder 1 Unze Gold😊

    1. @Columbo – und im Jahr 2033 kommt dann der große Führer 2.0! Wie wohl die Videos von Fugi in so einer Zeit aussehen werden? Das „R“ rollen kann er ja schon ganz gut. ;-)

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