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Stagflation-Schock: Erste Anzeichen laut EZB-Direktor

BIP-Wachstum Richtung Null? Und dazu steigende Inflation dank Iran-Krieg. Fertig ist die Stagflation. Jetzt spricht auch die EZB darüber.

Tankstelle in Hamburg mit hohen Preisen, verursacht durch den Iran-Krieg. Foto: Claudio Kummerfeld

Stagflation steht an in Europa. Ein führender EZB-Direktor sieht dafür nun erste Anzeichen. Eine seit Jahren laufende Strukturkrise der Wirtschaft wird verschärft durch den Iran-Krieg, wodurch das Wirtschaftswachstum droht sich weiter Richtung Null abzuschwächen. Dazu sehen wir derzeit eine Inflation, die in der Eurozone inzwischen die 3,0 % erreicht hat, und droht weiter anzusteigen. Das wäre eine Stagflation – ein Hybrid aus Stagnation der Wirtschaft und Inflation.


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Ausblick auf Stagflation und Zinserhöhungen bei der EZB

Dieser Mix wäre toxisch. Denn hätte man nur eine Stagnation beim Wirtschaftswachstum, könnte man die Zinsen (Einlagensatz aktuell 2,0 %) senken zwecks Konjunktur-Stimulation. Aber bei ansteigender Inflation wären Zinssenkungen inflationsfördernd. Deswegen kann man in einer Stagflation mit hohen Zinsen zwar die Inflation bekämpfen, was aber noch stärker die Konjunktur belastet. Deswegen ist eine Stagflation so gefährlich.

Zinserhöhungen sind bereits ein Thema. Am 30. April deutete EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits vorsichtig an, dass es eine Aufwärtstendenz gibt. Und Ökonomen erwarten derzeit im Schnitt, dass die EZB-Zinsen bis September zwei Mal um je 0,25 Prozentpunkte angehoben werden. In einer Stagflation würde dies bedeuten: Bekämpfung der Inflation, und eine vermutlich noch schwächere Wirtschaftsleistung, weil höhere Kreditkosten Unternehmen und Verbraucher belasten.

Aussagen von Olli Rehn


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Olli Rehn, Mitglied des EZB-Rats, warnt aktuell, dass die Daten einen Ausgangspunkt für Stagflation darstellen, die eine Folge des Iran-Kriegs und steigender Energiepreise sei. „Die ersten Anzeichen waren bereits in den Statistiken zu erkennen, als das Wachstum im Euroraum im ersten Quartal nur leicht positiv ausfiel und die Inflation auf 3 % anstieg“, so sagte es der finnische Zentralbankchef Olli Rehn laut Bloomberg heute in einer Rede. Er betonte zwar, dass der aktuelle Schock „nicht ganz so groß“ sei wie der letzte Preisanstieg im Jahr 2022. Er sagte jedoch, dass sich die Entwicklungen von der Basisprognose der EZB entfernt hätten und sich einem „weniger günstigen Szenario, zumindest für die Ölpreise“, annähern würden.

Inflation in der Eurozone deutet auf Stagflation hin

Andere EZB-Direktoren äußern sich

„Heute erleben wir erneut einen externen Preisschock im Zusammenhang mit geopolitischen Spannungen und der Volatilität der Energiemärkte“, so sagte es heute der bulgarische Zentralbankgouverneur Dimitar Radev separat in Sofia. Sein slowenischer Amtskollege Primoz Dolenc stimmte zu, dass die Schwankungen auf den Energiemärkten vorerst nur begrenzte Auswirkungen auf die Wirtschaft hätten, warnte jedoch davor, dass die Inflationserwartungen der Verbraucher wahrscheinlich steigen würden. „Die weiterreichenden Auswirkungen des aktuellen Umfelds könnten sich später zeigen, da sich die Risiken höherer Energie- und Rohstoffpreise auf den globalen Märkten allmählich in höheren Preisen für Waren und Dienstleistungen niederschlagen könnten“.

Der Este Madis Muller, dessen Amtszeit nächsten Monat endet, spielte die Gefahr einer Stagflation herunter, sagte jedoch, dass eine rasche Lösung der Probleme rund um den Iran-Krieg erforderlich sei, um eine Straffung der Geldpolitik abzuwenden. „Es wäre eine sehr schnelle und positive Lösung in der Straße von Hormus und im Nahen Osten erforderlich, damit die Energiepreise deutlich und nachhaltiger wieder zu sinken beginnen. Das heutige Niveau der Energiepreise bedeutet wahrscheinlich eine langsamere wirtschaftliche Erholung und ein langsameres Wachstum, aber wir sind nicht in eine Stagflation geraten.“

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Ich sage es hier immer wieder : Das Bekenntnis der Notenbanken die Zinsen trotz Inflation nicht erhöhen zu wollen…wirkte wie eine Befreiung auf die Märkte…denn diese hatten mit einer gegenteiligen Reaktion der „Geldhüter“ gerechnet..

    Und ob zum Beispiel die EZB…die Zinsen über die Inflation erhöht….ist keineswegs ausgemacht…

    Gerade bei den Südländern herrscht die Meinung vor…die Inflation zur Entschuldung zu nutzen..das Mantra der Geldwertstabilität…. ist dort naturgemäß weniger vorhanden als im Norden…

    1. @Dr. Sebastian Schaarschmidt: Macht nichts weil die Folge das Erstarken von Anti-EU Parteien sein wird. Diese System ist parasitär. Es beraubt Menschen um ihre investierte Lebensarbeitszeit (Ersparnisse gegenüber Kaufkraft) und belohnt Menschen die in respektloser Art und Weise auf Kosten dieser sich schöne Pöstchen gönnen.

      Frei nach Reagan: „Government is not the solution to our problem, government is the problem“.

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