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Standard Lithium nur ein großer Bluff? Harte Vorwürfe!

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Wir erinnern uns. Als letztes Jahr die Meme Stocks und auch die Lithium-Aktien in Mode kamen, wurde auch die Aktie von Standard Lithium ein bei deutschen Privatanlegern häufig gehandeltes und viel beachtetes Papier. Aber ist das Unternehmen nur ein großer Bluff, eine große Luftnummer? Da denkt man ja gleich an Wirecard? Der kanadische Anbieter für die Gewinnung und Erzeugung von Lithiumkarbonat macht noch keine Umsätze, ist an der Börse aber schon 851 Millionen Dollar wert. Die Profi-Shortseller (Wetten auf fallende Kurse durch Leerverkauf von Aktien) von Hindenburg Research haben gestern eine äußerst umfangreiche und detaillierte Analyse veröffentlicht, in der sie Standard Lithium quasi als großen Bluff hinstellen. Die Firma sei im Grunde nur ein durch den Trend hin zu E-Autos angeheiztes Förderungsprogramm für Aktienkäufe. Die Aktie sackte gestern 27,2 Prozent ab, um heute vorbörslich schon wieder 14 Prozent zu steigen.

Zahlreiche und harte Vorwürfe gegen Standard Lithium

Standard Lithium sei laut Hindenburg Research im Sommer 2021 an die New Yorker Börse gekommen, weil das Unternehmen fälschlicherweise behauptet habe der erste Anbieter der direkten Lithiumextraktions-Technologie zu sein. Laut Hindenburg gibt es das verwendete Verfahren jedoch bereits seit 50 Jahren. Der CEO von Standard Lithium Robert Mintak sei an mindestens 9 börsennotierten Unternehmen beteiligt gewesen. Im Durchschnitt seien die Aktien dieser Unternehmen um 97 Prozent gefallen. Von den 9 Unternehmen seien 5 von der Börse genommen worden, mehrere standen unter behördlicher Beobachtung, keines arbeite profitabel, und mindestens 8 hätten bezahlte Aktienwerbung betrieben.

Unmittelbar vor Standard Lithium war Robert Mintak laut Hindenburg Research als CEO von Pure Energy Minerals tätig gewesen, einem weiteren Lithiumunternehmen, das ebenfalls mit der firmeneigenen DLE-Technologie geworben habe. Pure Energy habe auf umfangreiche Aktienwerbung gesetzt, habe es aber versäumt DLE zu vermarkten. Die Aktien des Unternehmens stürzten um 98 Prozent ab, und die Führungskräfte wechselten zu Standard Lithium. Der CEO, COO, Chairman und VP of Exploration von Standard Lithium kamen alle von Pure Energy Minerals. Hindenburg zeige in seiner Analyse, dass die Führungskräfte und der Vorstand von Standard Lithium ebenfalls Verbindungen zu Unternehmen hätten, deren Aktien aufgrund der bezahlten Aktienförderung in die Höhe schnellten, bevor sie schließlich abstürzten.

Standard Lithium habe ein ausgedehntes Netzwerk von mehr als 15 Börsenmaklern genutzt. Seit dem Börsengang habe das Unternehmen mehr als 5 Millionen kanadische Dollar für Werbung und Investor Relations ausgegeben, verglichen mit etwa 1,7 Millionen kanadischen Dollar für Forschung und Entwicklung (F&E). Im Geschäftsjahr 2021 sei das F&E-Budget auf Null gesunken.

Das Vorzeigeprojekt von Standard Lithium habe sich um fast 18 Monate verzögert, da der Hauptpartner Lanxess vor kurzem zugegeben haben soll, dass die Gewinnungstechnologie von Standard noch immer nicht den „Nachweis des Konzepts“ erbracht habe. Lanxess habe dazu gesagt, man habe keinen Zeitplan für die Entwicklung und erwähne Standard Lithium nicht mehr in seinen Gewinnmitteilungen. Selbst jetzt scheine die Pilotanlage nur mit einem Bruchteil ihrer Kapazität zu arbeiten, wie aus den Daten hervorgeht, die man habe einsehen können. Die Technologielösung von Standard Lithium scheine nicht so recht in Gang zu kommen.

Laut Hindenburg Research nimmt Standard Lithium keine Details zur Produktion des Pilotprojekts in Arkansas in seine vierteljährlichen Finanzdaten auf – wozu das Unternehmen jedoch verpflichtet sei. Die Börsenbewertung von Standard Lithium werde nicht lange Bestand haben, da es den Kanadiern nicht gelingen werde nennenswerte Einnahmen zu erzielen. Und so könnte man die Liste der Vorwürfe noch lange fortsetzen. Zum Beispiel geht es auch um undurchsichtige Immobiliengeschäfte. Übrigens: Hindenburg Research sagt in seinem Bericht auch offen, dass man auf fallende Kurse in der Standard-Aktie spekuliert!

Reaktion auf die Vorwürfe von Hindenburg Research

Standard Lithium hat gestern Abend auf die Vorwürfe von Hindenburg Research mit einem Statement reagiert – vor wenigen Minuten hat man das selbe Statement nochmal veröffentlicht. Man spricht von einem falschen und irreführenden Bericht des Shortsellers. Man ist der Ansicht, dass der Bericht eindeutig dazu diene Hindenburg Research zu begünstigen, das selbst offengelegt habe, dass es im Falle eines Rückgangs des Aktienkurses von Standard Lithium profitieren würde. Standard Lithium warnt Investoren davor sich bei ihren Entscheidungen auf diesen Bericht zu stützen, und empfiehlt ihnen stattdessen dringend „glaubwürdige und sachkundige Quellen“ zu konsultieren, einschließlich der von Standard Lithium bei den kanadischen Wertpapieraufsichtsbehörden und der U.S. Securities and Exchange Commission eingereichten Unterlagen, bevor man Investitionsentscheidungen treffe.

Das Management von Standard Lithium habe in den letzten fünf Jahren mit mehreren strategischen Partnern eine beträchtliche Vermögensbasis beschafft und entwickelt. Zu diesen aktuellen Projekten gehören laut Aussage des Unternehmens nun unter anderem Erschließungen im südlichen Arkansas in Partnerschaft mit LANXESS Corporation und Tetra Technologies, sowie das Mojave-Projekt in Südkalifornien in Partnerschaft mit National Chloride.

Alle Patentanmeldungen des Unternehmens seien aktiv und würden im Rahmen der üblichen Verfahren weiterverfolgt. Auch geht Standard Lithium auf den Vorwurf von Hindenburg Research ein, dass nur etwa 1,7 Millionen kanadische Dollar für Forschung und Entwicklung ausgegeben wurden. Diese Zahl sei nicht korrekt und enthalte weder die aktivierten Ausgaben in Höhe von 29,4 Millionen kanadische Dollar für die verschiedenen Pilot- und Demonstrationsanlagen, noch die Betriebskosten in Höhe von 6,9 Millionen kanadische Dollar für die Pilot- und Demonstrationsanlagen, die beide das laufende F&E-Programm darstellen, und im letzten Jahresabschluss des Unternehmens zum 30. September 2021 sowie im Jahresabschluss zum 30. Juni 2021 ausgewiesen seien.

Fazit

Wer hat nun recht, die Shortseller von Hindenburg Research oder Standard Lithium? Die Vorwürfe jedenfalls sind umfangreich und detailliert. Man denke an Wirecard. Lange Zeit war überhaupt nicht klar, wer nun recht hat, der tolle hippe Dax-Konzern, oder die bösen Shortseller aus dem Ausland? Das soll nicht heißen, dass auch dieses Unternehmen zwingend ein Bluff sein muss. Aber verstärkte Vorsicht ist wohl angebracht! Die Aktie könnte in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt Schwankungen unterliegen, wenn es wie bei Wirecard nun über längere Zeit hin und her geht mit Vorwürfen und Reaktionen.

Chart zeigt Verlauf der Aktie von Standard Lithium seit Mai 2021 Verlauf der Aktie von Standard Lithium in kanadischen Dollar seit Mai 2021.



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