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Steht die Rezession in den USA kurz bevor? Was dafür spricht…

FMW-Redaktion

Fragen über Fragen. Würden weitere Zinserhöhungen in den USA die Konjunktur abwürgen? Oder ist der Zyklus des Wirtschaftsaufschwungs fast am Ende, wie es alle paar Jahre ein normaler Vorgang ist? Oder brummt die Wirtschaft noch ein paar Jahre weiter? Das würden wir natürlich alle gerne wissen. Man kann sich zum Beispiel für die USA die Verschuldung der Unternehmen (ausgenommen der Finanzsektor) betrachten in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Interessant ist hierbei ein Blick in die Vergangenheit. Beim Platzen der Dotcom-Blase und der folgenden relativ harmlosen Rezession nach der Jahrtausendwende erreichte die Verschuldung in einem Peak eine Quote von 45%. Danach in der wirtschaftlichen Gesundung und während des Aufbaus der großen Immobilienblase, wo die Wirtschaft nach außen gesund schien, erholte sich die Quote auf ein Vorkrisenniveau von „normalen“ 39%.

Dann bis exakt zur großen Finanzkrise 2008 stieg die Verschuldung auf fast 46%, um danach im Zuge der wirtschaftlichen Erholung wieder zu sinken auf die „normalen“ 39-40% im Jahr 2012. Seitdem steigt die Verschuldungsquote wieder rasant an, und hat jetzt bereits exakt das Level von 2008 erreicht. Nur der Börseneinbruch und die offizielle Rezession sind noch nicht da. Man könnte fast meinen die dauerhaft niedrigen Zinsen und die weltweiten Geldschwemmen ermöglichen es den US-Konzernen weltweit wie noch nie billiges Geld wie ein Schwamm aufzusauen. Möglicherweise schaffen sie eine noch nie da gewesene Verschuldungsquote, bis die nächste Rezession eintritt.

Aber möglich ist auch, dass die USA gerade jetzt in die Rezession rutschen, was man aus statistischer Sicht erst in ein paar Monaten offiziell bestätigen kann. Interessant ist hierzu die Betrachtung der Dauer der Wirtschaftszyklen in den USA, also der Abstand zwischen den Rezessionen. Zwischen der Dotcom-Rezession und der Immobilienblase waren es sechs Jahre Abstand, davor zehn, und davor sieben Jahre. Jetzt haben wir gut sieben Jahre Abstand zur letzten Rezession in den USA. Es wird also „normalerweise“ mal wieder Zeit für einen eigentlich gesunden Abschwung aufgrund des Wirtschaftszyklus. Aber wie wir ja alle gelernt haben, möchten die Notenbanken einen Abschwung nicht mehr zulassen. Alles muss mit Gratisgeld erstickt werden.

Das mögliche Resultat: Irgendwann kommt dann das Platzen einer Blase, das viel größer ist als alles bisher da gewesene, weil die Blase durch die Notenbanken immer weiter aufgepumpt wurde. Interessant bei der aktuellen Betrachtung der US-Konjunktur sind auch die Unternehmensgewinne pro Mitarbeiter. Die lagen bis zur Jahrtausendwende noch unter 10.000 Dollar. Bis zur Immobilienblase stiegen sie dann fast auf 15.000 Dollar, um dann während der Rezession wieder abzustürzen auf unter 10.000 Dollar. Im Zuge von immensen Rationalisierungen nach der Krise stiegen die Gewinne pro Mitarbeiter seitdem auf 18.700 Dollar in 2014, was den Höhepunkt darstellte. Seitdem gehen sie wieder zurück auf derzeit fast 15 Dollar. Auch das könnte ein Anzeichen sein, dass die rosigen Zeiten für die Konzerne erst einmal vorbei sind.

Auch interessant: In der historischen Betrachtung erreichten die Gewinnspannen der Unternehmen immer vor einer Rezession ihren Höhepunkt. So war es der Fall in den Jahren 2006 und 1997. Das aktuellste Peak bei den Gewinnspannen wurde Ende 2014 erreicht. Das ist auch schon wieder zwei Jahre her. Also, haben die USA vielleicht noch ein oder zwei Jahre Zeit, bis der natürliche Zyklus den Abschwung einleutet? Oder wird der tatsächlich durch die Notenbanken mit Geld ertränkt? Offiziell wissen wir es alle erst Monate und Quartale später, wenn die BIP-Zahlen eine Kontraktion anzeigen. Vertrauen wir doch einfach mal der Fed? Dort ist durchweg von einer eigentlich robusten Konjunktur zu hören.



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