Anleihen

Steigende Anleiherenditen und Bauzinsen in Deutschland? KI-Angst „hilft aus der Patsche“

Deutsche Anleiherenditen fallen - gut für Bauzinsen und Staatsschulden. Globales Risk Off dank KI-Angst lässt Anleger Anleihen kaufen.

Grafik: vitalii_petrushenko-Freepik.com

Deutsche Anleiherenditen fallen seit Tagen. Die wichtige zehnjährige Laufzeit fällt seit dem 3. Februar von 2,89 % auf aktuell 2,76 %. Vorher waren die Renditen monatelang angestiegen, siehe Chart. Erste Erkenntnis: Dies ist (erst einmal) gut für die Bauzinsen in Deutschland. Denn sie orientieren sich über die Pfandbriefe letztlich an der Referenz, nämlich der Entwicklung bei Bundesanleihen.


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Verlauf der deutschen Anleiherenditen seit Oktober 2025

Anleiherenditen mit Pause im Auftrieb dank KI-Angst

Fallende Anleiherenditen bedeuten also vermutlich für die nächsten Wochen, dass die Bauzinsen erstmal nicht weiter steigen oder sogar leicht sinken könnten. Eigentlich war die Tendenz der Anleiherenditen und damit die Zinskosten für den Bundeshaushalt doch weiter aufwärts gerichtet. Und der aktuelle Rückgang bei den Anleiherenditen könnte lediglich eine Pause sein. Denn die gigantischen Schuldenprogramme des Bundes (Sondervermögen + unbegrenzte Aufrüstung) lassen seine Nachfrage nach Anlegergeldern kräftig ansteigen, das treibt auch die Zinsen in die Höhe, und damit letztlich auch die Anleiherenditen. Und die höhere Verschuldung des Bundes streckt sich über mehrere Jahre, von daher könnten die Renditen der Bundesanleihen zukünftig wieder Auftrieb erfahren.

Aber für den Augenblick sehen wir den Rückgang der deutschen Anleiherenditen. Der Vergleich zu anderen Anlageklassen lässt derzeit den Schluss zu: Es herrscht international mal wieder Angst vor einem größeren Absturz der Aktien aus dem KI-Universum, man zieht sich zurück (Risk Off). Anleger verkaufen derzeit KI-bezogene Aktien, und „tauschen um“ in sichere Häfen wie deutsche Bundesanleihen. Gold fungierte die letzten Wochen und Monate fast schon als Zocker-Anlageklasse, aber die deutschen Bundesanleihen? Ein Hort der Sicherheit. Also wird gekauft, was die Anleiherenditen automatisch nach unten drückt. Die Angst internationaler Anleger vor einem Platzen der KI-Blase und noch tieferen Kursen bei Oracle, Microsoft, Meta, Amazon und Co hilft aktuell somit dem deutschen Staat, den deutschen Häuslebauern und sonstigen Kreditnehmern dabei, dass Zinskosten erst einmal nicht weiter ansteigen.

Bundesanleihen auf dem Weg zur besten Woche seit April

Nachfolgend zeigen wir die aktuelle Einordnung von Bloomberg News: Die Kurse von deutschen Bundesanleihen steuern auf ihre beste Wochenperformance seit April zu, da die Nachfrage nach sicheren Anlagen den Kauf ankurbelt, während die Stimmung gegenüber risikoreichen Anlagen sich verschlechtert. Die offiziellen Kreditkosten für deutsche 10-jährige Anleihen stehen vor dem achten Tag in Folge mit Rückgängen, was bereits die längste Serie seit 2024 ist, und fallen um einen Basispunkt auf ein Zweimonatstief von 2,77 %. Das wäre auch der größte wöchentliche Rückgang seit den Zollturbulenzen nach dem „Befreiungstag” im April.

„Die Risikoaversion wiegt nach wie vor schwer”, sagte Cyril Regnat, Leiter der Marktforschung bei Natixis SA. „Es ist wahrscheinlich noch etwas zu früh, um diese Entwicklung zu ignorieren.” Ein Großteil der jüngsten Risikoaversion richtete sich gegen Technologieaktien, und Regnat sieht Spielraum für einen weiteren Rückgang des Nasdaq um 4 % bis 5 %. Er hält taktisch weiterhin an deutschen Bundesanleihen fest und rechnet mit einem Rückgang der Anleiherenditen für zwei- und zehnjährige Anleihen auf 2 % bzw. 2,7 %.

Deutsche Aktien und ihre europäischen Pendants mögen in diesem Jahr bisher besser abschneiden als ihre US-amerikanischen Pendants, aber sie sind nach wie vor anfällig für allgemeine Befürchtungen hinsichtlich der Auswirkungen künstlicher Intelligenz, die in den letzten zwei Wochen zu einem Rückgang des Nasdaq 100 um fast 6 % geführt haben.

Auch die Geldmärkte setzen zunehmend auf Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank. Swaps, die an die Termine der Sitzungstermine gekoppelt sind, deuten auf eine Wahrscheinlichkeit von etwa einem Drittel hin, dass die Zinsen in diesem Jahr um einen Viertelpunkt auf 1,75 % gesenkt werden, gegenüber weniger als einem Zehntel zu Beginn des Monats.

Die Kursrallye der Bundesanleihen (sinkende Anleiherenditen) ist eine willkommene Erleichterung für die Anleger, nachdem die Renditen 30-jähriger deutscher Bundesanleihen vor weniger als zwei Wochen aufgrund von Bedenken hinsichtlich des Umfangs der zu verkaufenden Schulden auf den höchsten Stand seit 2011 geklettert waren. Der nachlassende Inflationsdruck war ebenfalls ein Segen, nachdem sich das Preiswachstum im Euroraum im Januar auf 1,7 % verlangsamt hatte, den niedrigsten Stand seit September 2024.

Dennoch hat sich die Risikostimmung nicht vollständig verschlechtert, und die Volatilitätskennzahlen bleiben niedrig. Anleiheemissionen aus Frankreich und Italien verzeichneten in diesem Monat Rekordaufträge, da Investoren von den angebotenen Carry-Strategien angezogen wurden – eine Strategie, bei der höher verzinsliche Anleihen gekauft werden, um die Kuponzahlungen zu erhalten –, da sie davon ausgehen, dass sich die Aussichten in den kommenden Monaten wahrscheinlich nicht ändern werden.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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1 Kommentar

  1. Das von der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition auf den Weg gebrachte Sondervermögen ist ja an sich unstrittig. Jetzt muß es noch für Forschung und Weiterentwicklung diverser Satelliten aus den Bereichen Navigation, Nachrichtendienste und Internet auf der Internationale Raumstation ISS verwendet werden. Hierfür geeignete Kooperationspartner aus der deutschen Industrie sind die Automobilindustrie aufgrund ihrer Kompetenz in Sachen Navigation, und der MDax-Konzern Deutsche Lufthansa AG. Der Kranich-Konzern ist ein lizenzierter Entwicklungsbetrieb. Im Flug befindliche Flugzeuge werden mittels Satellitentechnik vorsorglich technisch überprüft.

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