Hinter Volkswagen ist Stellantis die Nummer 2 in Europa. Die Aktie crasht heute um 24 % brutal in den Keller! Bevor wir zu den Hintergründen kommen, vorab meine persönliche „Note“ zu dem Thema: Was geschieht, wenn ein Staat oder gleich ein ganzes Gebilde wie die EU-Kommission der Privatwirtschaft vorschreibt, was sie produzieren soll? Und was geschieht, wenn die Produzenten in vorauseilendem Gehorsam einen gewünschten Trend übererfüllen, wenn Manager glauben, sie müssten sich anbiedern an einen politisch medialen Zeitgeist? Was, wenn der Endkunde dieses Produkt aber gar nicht kaufen will? Sie haben es erraten, es geht um Elektroautos! Zwar gibt es Nachfrage von Endkunden, die auch deutlich wächst.
Und demnächst wird die Nachfrage in Deutschland nochmal künstlich angefacht durch staatliche Förderungen. Dennoch haben Autohersteller in Europa in den letzten Jahren viel zu schnell zu große Kapazitäten für Elektroautos geschaffen, während die Nachfrage der Verbraucher zwar vorhanden war, aber nicht stark genug anstieg. Das Endergebnis dieser politischen Einflussnahme (Verbrennerverbot) und der Manager-Anbiederung an einen angeblichen Zeitgeist sehen wir jetzt beim zweitgrößten europäischen Volumenhersteller Stellantis (Opel, Fiat, Jeep, Peugeot). Gigantische Abschreiben müssen vorgenommen werden, und Projekte rund um das Thema Elektroauto werden zurückgefahren.
Stellantis mit 22 Milliarden Euro Abschreibung
Stellantis wird rund 22 Milliarden Euro abschreiben im Zuge einer umfassenden Neuausrichtung seines Geschäfts. Dazu berichtet Bloomberg heute: Es ist eine größten Wertberichtigungen in der Branche, die den Aktienkurs der Opel-, Peugeot-und Jeep-Muttergesellschaft einbrechen ließ. Die Wertberichtigungen, die auch eine Barzahlung von rund 6,5 Milliarden Euro zur Kompensation von Zulieferern umfassen, folgen ähnlichen Schritten von Ford, General Motors und anderen Automobilproduzenten. Die Belastungen werden die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2025 betreffen, jedoch keinen Einfluss auf das bereinigte operative Ergebnis haben, teilte Stellantis heute mit. Für dieses Jahr wird das Unternehmen keine Dividende ausschütten.
Die Abschreibungen hatten die Schätzungen von Analysten übertroffen. Hohe Kosten und schwache Elektroauto-Verkäufe zwingen den Autohersteller zu einer Anpassung seiner Strategie. Die Veränderungen spiegelten “weitgehend die Kosten wider, die aus der Überschätzung des Tempos der Energiewende resultieren”, erklärte Stellantis-Vorstandschef Antonio Filosa in einer Mitteilung. Sie zeigten “die Auswirkungen einer früheren schlechten operativen Umsetzung, deren Effekte von unserem neuen Team schrittweise angegangen werden”.
Filosa, der das Unternehmen seit Juni führt, treibt den Umbau des Autobauers mit 14 Marken voran. Er will Marktanteile zurückgewinnen, während er Elektroauto-Ambitionen zurückfährt und die Kosten von US-Zöllen abfedert. Stellantis hat vollelektrische Modelle, darunter den RAM-1500-Pick-up in den USA, gestrichen. Zugleich hat der Konzern die Elektroauto-Projekte von Alfa Romeo in Europa verschoben.
Die Ankündigung von Freitag bringt auch das Aus für ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem südkoreanischen Batteriehersteller LG Energy Solution Ltd. in Kanada. Im Jahr 2022 hatte Stellantis erklärt, gemeinsam mit LG Energy in Windsor, Ontario die erste große Produktionsstätte für Elektroauto-Batterien aufzubauen. Dafür wollten beide Partner mehr als 5 Milliarden kanadische Dollar investieren.
Zum Markenportfolio von Stellantis gehören unter anderem Fiat, Opel und Citroen, aber auch Peugeot, Jeep und Maserati. Stellantis ist nicht das einzige Unternehmen, das hohen Kosten schultern muss, die durch die Anpassung an eine langsamer als erwartete Elektroauto-Nachfrage entstehen. Ford erklärte im Dezember, dass der Konzern wegen der Umstrukturierung des Elektroauto-Geschäfts Belastungen von 19,5 Milliarden Dollar verbuchen werde. Abschreibungen beim Rivalen General Motors sind auf 7,6 Milliarden US-Dollar angewachsen. Porsche korrigierte im vergangenen Jahr viermal seinen Ausblick im Zuge einer Neuausrichtung seiner Elektroauto-Strategie.
Stellantis rechnet für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2025 mit einem Nettoverlust von bis zu 21 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen eine operative Marge im niedrigen einstelligen Prozentbereich, die zollbedingte Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro einschließt. Zudem plant Stellantis die Ausgabe von Anleihen im Umfang von bis zu 5 Milliarden Euro, um die Bilanz zu stärken.
Stellantis arbeitet daran deutliche Marktanteilsverluste aus der Zeit des früheren Unternehmenschefs Carlos Tavares aufzuholen. Käufer hatten damals Preiserhöhungen bei Modellen, Lücken im Produktportfolio und Qualitätsprobleme bemängelt. Der frühere Konzernchef hatte zugesagt, in Europa bis 2030 ausschließlich Elektrofahrzeuge zu verkaufen und in den USA einen Elektroauto-Anteil von 50% zu erreichen.
Im Rahmen seines Umbaus hat Filosa zugesichert, 13 Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Der weltweit zweitgrößte Automarkt ist ein zentraler Gewinnmotor des Konzerns. In den USA hat das Unternehmen V8-Motoren zurückgebracht und Elektroauto-Projekte verzögert. Der CEO entschied zudem, einige Investitionen zu streichen, darunter ein geplantes Wasserstoff-Joint-Venture. Auch senkte das Unternehmen Preise, um Marktanteile zurückzugewinnen. Stellantis will seine detaillierten Ergebnisse für das Gesamtjahr am 26. Februar vorlegen. Im Mai plant das Unternehmen, Investoren über seine Strategie zu informieren.
Abschließender Kommentar
Zum Ende nochmal meine persönliche Anmerkung: Ich habe nichts gegen Elektroautos. Aber die Art des Antriebs, was man kaufen und fahren will, wie viel produziert wird, wie viele Fabriken auf E-Autos umgestellt werden – all das sollten Hersteller und Verbraucher entscheiden. Die Politik sollte sich raushalten, denn die Folgen von politischen Marktverzerrungen sind ausnahmslos verheerend. Es sei denn: Die Regierungen in Europa würden ganz klar verkünden, dass sie aus rein öko-politischen Gründen E-Autos pushen und Verbrenner abwürgen wollen, und die wirtschaftlichen Auswirkungen sind ihnen egal. Das müsste man dann aber ganz klar aussprechen, dann könnten die Verbraucher letztlich an der Wahlurne entscheiden, was sie davon halten.
FMW/Bloomberg
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Gibt’s jetzt günstigere e Autos? Zu den hohen Preisen kauft halt kein Schwein
Ich möchte auch was zu den Ursachen fragen. Hat man hier richtig recherchiert?
Vielleicht hat die Firma einfach einen besonders hohen Anteil an Teilzeitkräften die ständig krank machen. Bei uns ist das ja als offizielle Ursache anerkannt, dass dies die Wirtschaft nachhaltig zerstört.
@Claudio Kummerfeld
Sie schreiben: “Bevor wir zu den Hintergründen kommen, eine interessante ‚persönliche Note‘ vorab: Was geschieht, wenn ein Staat oder gleich ein ganzes Gebilde wie die EU-Kommission der Privatwirtschaft vorschreibt, was sie produzieren soll? … Was, wenn der Endkunde dieses Produkt aber gar nicht kaufen will? Sie haben es erraten, es geht um Elektroautos!“
Nicht, dass Ihnen irgendwer aufgrund dieser erfrischend ergebnisoffenen und neutralen Einleitung einseitiges Framing, Suggestivfragen, tendenziöse Leserführung oder polemische Weichenstellung im Vorfeld vorwerfen könnte… 😉
Interessant ist jedoch, was in Ihrer Analyse unter den Tisch fällt: Nachdem China den eigenen riesigen Markt durch protektionistische Industriepolitik faktisch von einem offenen Wettbewerbs- zu einem Heimvorteilmarkt umstrukturiert hat, sprechen wir hier nun primär über den US-Markt – auf dem das Unternehmen traditionell den Löwenanteil seiner Gewinne einfährt.
Dass allein schon 15 Milliarden Euro durch politisch und aus wirtschaftlichem Eigeninteresse motivierte Markteingriffe zur Renaissance fossiler Energien und Technologien durch US-Präsident Donald Trump verbrannt werden, scheint in das Narrativ der „bösen EU-Planwirtschaft“ nicht ganz hineinzupassen. Ebenso wenig, dass zuvor bereits Ford und General Motors aufgrund einer Politik der wenig kreativen Zerstörung von E-Mobilität durch die US-Regierung unter Trump ihre Pläne für batteriebetriebene Modelle beerdigen mussten.
Daher kann man Ihrem Satz im abschließenden Fazit nur zustimmen: “Die Politik [Anm.: in diesem Fall Trump] sollte sich raushalten, denn die Folgen von politischen Marktverzerrungen sind ausnahmslos verheerend.“
Interessante Formulierung: «Wenn Manager glauben, sie müssten sich anbiedern an einen politisch medialen Zeitgeist?»
Uups, war da nicht im September 2025 ein maximal peinliches Treffen mit einem angehenden Möchtegern-Diktator, bei dem sich die versammelte Mannschaft an Tech-Broligarchen dem staatlichen Dirigismus unterwarf, um Subventionen oder regulatorische Vorteile zu sichern? 😘
In einem Akt der digitalen Huldigung und Proskynese zelebrierten schleimige Vasallen (Subventionsritter, die wirtschaftliche Freiheit predigen) mit Aussagen wie folgenden den Kniefall vor dem Herrn, während milliardenschwere «Lehensabgaben» in Aussicht gestellt wurden:
Mark Zuckerberg (Meta): Er sprach von massiven Investitionen und schätzte, dass bis 2028 rund 600 Milliarden Dollar in den USA investiert werden. Ein offenes Mikrofon fing zudem ein Lob von ihm ein, das als besonders anbiedernd wahrgenommen wurde.
Bill Gates (Microsoft): Er saß direkt neben der First Lady und lobte Trumps «unglaubliche Führung» (incredible leadership). Er betonte, wie großartig es sei, dass Trump diese Gruppe zusammengebracht habe.
Sam Altman (OpenAI): Er dankte Trump ausdrücklich dafür, ein «wirtschafts- und innovationsfreundlicher Präsident» zu sein.
Sergey Brin (Google): Auch der Google-Mitgründer erschien persönlich. Trump nannte Brins Partnerin eine «wirklich wunderbare MAGA-Freundin».
Tim Cook (Apple): Er betonte, wie «unglaublich» es sei, mit dem Präsidenten und der First Lady zusammenzukommen. Cook lobte Trumps «Fokus auf Innovation und Führung», der es Apple ermögliche, massive Investitionen in den USA zu tätigen und die Produktion fortgeschrittener Technologien ins Land zu holen.
Man sieht also: Der «politisch mediale Zeitgeist» ist offenbar nicht nur in der EU verhandelbar, sobald der «König» mit Zöllen oder Steuergeschenken winkt. Ein peinliches Lehrstück darüber, wie flexibel libertäre Marktprinzipien werden, sobald Zölle oder Steuergeschenke im Raum stehen.
Hier der Link zum ganz großen Kino – live und in Farbe 🍿:
https://www.youtube.com/watch?v=IDPSXezh4DI&t=2028s
(startet an der entsprechenden Stelle)
Und hier noch das Erinnerungsfoto, das jeder teilnehmende Subventionsritter im Goldrahmen für mindestens die nächsten drei Jahre über dem Bett im eigenen Schlafzimmer aufhängen muss (ICE kontrolliert das stichprobenartig 🤭):
https://www.zdfheute.de/assets/big-tech-dinner-donald-trump-102~1920×1080?cb=1757070377852%201920w
@Claudio Kummerfeld
interessant. Die EU-Kommission ist also daran Schuld, dass in den USA keine e-Autos verkauft werden. Denn es geht bei Stellantis explizit um die USA, nicht um die EU.
Ansonsten: DIe EU-Kommission schreibt nicht vor, ob ein Verbrenner oder ein e-Auto gefahren werden soll. Es muss nur bestimmte Grenzwerte einhalten. Wenn das ein Verbrenner kann, gibt es keine Probleme. Und ganz ohne Anreize wollten in Deutschland mehr Menschen ein e-Auto fahren, als einen Diesel