Folgen Sie uns

Allgemein

Steuerschätzung: Warum die Rückgänge noch größer werden als heute verkündet

Heute hat das Bundesfinanzministerium die aktuellste Steuerschätzung veröffentlicht. Da sieht auf den ersten Blick alles nach Eitel Sonnenschein aus. Aktuell und für das kommende Jahr…

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Heute hat das Bundesfinanzministerium die aktuellste Steuerschätzung veröffentlicht. Da sieht auf den ersten Blick alles nach Eitel Sonnenschein aus. Aktuell und für das kommende Jahr erwartet man sogar noch etwas höhere Einnahmen, und in den Folgejahren nur minimale Rückgänge. Also alles gut? Hier erstmal die Mitteilung im Original:

„Verglichen mit der Steuerschätzung vom Mai 2016 werden die Steuereinnahmen insgesamt im Jahr 2016 um 4,3 Mrd. Euro höher ausfallen. Für den Bund ergeben sich dabei Mehreinnahmen von 1,4 Mrd. Euro und für die Länder von 3,2 Mrd. Euro. Die Einnahmen der Gemeinden liegen um 0,7 Mrd. Euro höher. In den Jahren 2017 bis 2021 unterscheidet sich das erwartete Steuer­aufkommen für den Gesamtstaat nur leicht vom Schätzergebnis vom Mai 2016. Für 2017 beträgt die Abweichung 0,7 Mrd. Euro, für 2018 -1,2 Mrd. Euro, für 2019 -0,7 Mrd. Euro, für 2020 -1,4 Mrd. Euro.“

wolfgang-schaeuble
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Foto: Bundesministerium der Finanzen, Foto: Ilja C. Hendel

Das an sich klingt doch ganz gut, oder? Naja, weiter im Text heißt es vom Ministerium selbst, Zitat:

„Für die Haushalts- und Finanzplanung des Bundes ist zu berücksichtigen, dass in der aktuellen Steuerschätzung eine Reihe von steuerlichen Vorhaben, die noch nicht das parlamentarische Verfahren durchlaufen haben, nicht einbezogen worden sind, da die Steuerschätzung auf dem geltenden Recht beruht.“

Im Klartext: Diese Steuerschätzung ist etwas für den Papierkorb: Für 2018 und später ist selbst in der Prognose schon ein Rückgang erwartet, nach den aktuell geltenden Gesetzen! Was dort aber noch nicht eingeplant wurde, ist zum Beispiel die Mehrbelastung des Bundes durch die Neuordnung des Länder-Finanzausgleichs, der eindeutig zu Lasten des Bundes gehen wird. Auch bereits vereinbarte und angedachte Steuersenkungen, die ganz aktuell noch nicht beschlossen sind, können hier noch gar nicht enthalten sein!

Noch etwas kommt hinzu, was niemand zu bedenken scheint. Die rosarote Zins-Märchenwelt des Wolfgang Schäuble, der derzeit sogar Geld bekommt, wenn er für 10 Jahre Schulden aufnimmt, ist vielleicht in ein paar Jahren vorbei. Noch hält die EZB die Zinsen im Negativbereich. Nächstes Jahr wird das wohl auch noch so bleiben. Wenn aber wie allgemein angenommen die Inflation weiter steigt über die 1%, kann die EZB kaum noch argumentieren, im Jahr 2019, 2020 oder darüber hinaus bei Minuszinsen oder Nullzinsen zu bleiben.

Die nicht vorhandenen Zinsen der EZB waren bisher der Hauptpluspunkt für den soliden Haushalt von Wolfgang Schäuble. Die Wende in diesem Bereich kann auch niemand exakt planen, da niemand den Zeitpunkt der Zinswende kennt. Aber man darf annehmen: Neben mehr Geld für die Bundesländer, weniger Geld im Bundeshaushalt durch Steuersenkungen und eine steigende Zinslast werden die Steuereinnahmen 2019, 2020 und darüber hinaus wohl eher weiter sinken! Ganz vergessen haben wir in diesem Szenario, dass Deutschland Stand heute auch im Konjunktur-Märchenland lebt. Auch das kann nicht ewig anhalten, auch wenn die EZB momentan jegliche Krise mit gedruckten Geld zu ersticken versucht. Aber gut, jetzt reicht es erst einmal mit unseren Weltuntergangs-Szenarien. Stand heute sieht ja alles ganz ordentlich aus!



Quelle: Bundesfinanzministerium

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    AlterSchwede

    4. November 2016 17:14 at 17:14

    „Neben mehr Geld für die Bundesländer, weniger Geld im Bundeshaushalt durch Steuersenkungen und eine steigende Zinslast werden die Steuereinnahmen 2019, 2020 und darüber hinaus wohl eher weiter sinken!“

    Dies betrifft alles die Ausgabenseite bzw. die Geldverwendung und hat mit den Steuereinnahmen nichts zu tun.

    • Avatar

      Michael

      4. November 2016 17:31 at 17:31

      Weniger Geld durch Steuersenkungen könnte man aber schon als die (Steuer-)Einnahmenseite betreffend bezeichnen.

      • Avatar

        AlterSchwede

        4. November 2016 18:11 at 18:11

        Was haben sie denn beschlossen: die obligatorische Erhöhung des Kindergeldes um 2,0 € pM., leichte Erhöhung des Grundfreibetrages und Kinderfreibetrages. Ist doch alles ein Witz und hat mit Steuersenkung nichts zu tun, wenn man sich überlegt, dass die „rasende schwarze Null“ allein bis Juni mehr als 1 Mrd. mit Schuldenmachen verdient hat. Ich frage mich, wann der Staat endlich mal Schulden zur Sanierung der maroden Infrastruktur machen wird, wenn nicht jetzt. Aber hier geht wahrscheinlich darum, dass dieser Alleskönner (Kanzleramtsminister, Innenminister, Verteidigungsminister, Finanzminister) in die Geschichtsbücher eingehen möchte, als der Finanzminister (bei der Vergangenheit mit CDU-Spendenaffäre usw. würde der wahrscheinlich nicht mal in Burkina-Faso Finanzminister), der seit 30 oder 40 Jahren mal einen ausgeglichenen Haushalt geschafft hat. Dass er durch die Politik der EZB mal eben pro Jahr 40-50 Mrd. an Zinsausgaben spart – geschenkt.

        • Avatar

          Michael

          4. November 2016 23:43 at 23:43

          Ich respektiere und teile Ihre Einschätzung, aber was hat das alles damit zu tun, (Zitat) „Weniger Geld durch Steuersenkungen könnte man aber schon als die (Steuer-)Einnahmenseite betreffend bezeichnen.

        • Avatar

          Michael

          5. November 2016 01:03 at 01:03

          @AlterSchwede. Und was hat das alles damit zu tun, dass man weniger Geld durch Steuersenkungen aber schon als die (Steuer-)Einnahmenseite betreffend bezeichnen könnte?.

  2. Avatar

    klack

    4. November 2016 17:58 at 17:58

    In dem Steuer-Märchenland BRD wird vom schwäbischen Finanzminister ,die
    sogenannte lokal gerühmte Solidität längst durch Voodoo-Zauber ersetzt.
    Wenn zinsdurstigen Investoren mit 2,5% verzinste Anleihen zu 150% des Nennwertes verkauft werden und die 50% Aufzahlung auf das zurückzuzahlende Kapital von dem Ministerium für Finanzlügen und -betrug ,also die Hälfte des in der Zukunft zurückzuzahlenden Betrag, als erwirtschafter Betrag im Ausgabejahr komplett als Einnahme verbucht wird,dann kann man die regierungsamtlichen Verlautbarungen in die Tonne kloppen..
    Diese ganze Konstruktion aus Scheineinnahmen und versteckten Ausgaben für Renten/Pensionen ,Sozialausgaben und dem Begüßungsgeld füf den Rest der Welt etc. wird mit einer staatlichen Bilanzfälschung in eine düstere Zukunft verschoben.

    • Avatar

      leser

      4. November 2016 18:25 at 18:25

      @klack
      Sie hatten offensichtlich den gleichen Gedanken, s.u.

      Ist es zu viel verlangt, vom Staat die Einhaltung der gleichen Bilanzierungsregeln zu fordern, die er den Bürgern per Gesetz vorschreibt? Ein Unternehmer wandert bei derart kreativer Buchführung ganz schnell hinter massive Gardinen. Ein Politiker riskiert maximal seine Abwahl bei vollen Versorgungsbezügen.

    • Avatar

      Ulrich

      5. November 2016 10:42 at 10:42

      sorry, ich habe das nicht verstanden:
      der Rückzahlungsbetrag beträgt 100 %; d.h. 50 % können dann doch im Ausgabejahr als Einnahme gebucht werden – oder??
      2,5 % Zinsen sind auf die 100 % zu bezahlen. Ohne Inflation zu rechnen macht der Zeichner einen Verlust von knapp 7 %

      Wo ist mein Deckfehler????

      • Avatar

        klack

        5. November 2016 13:15 at 13:15

        Momentan ist der Zinssatz selbst für längerlaufende Anleihen ja 0%,da es aber anscheinend Investoren gibt, die Zinsen kassieren wollen, müssen diese „Anleger“ sich diese „Zinsen“ praktisch durch ein Agio auf den Nennwert der Anleihe selbst finanzieren. Kurz diese Anleger zahlen 50% mehr als der Nennwert der Anlage um z. B.20 Jahre lang 2,5% Zinsen zu kassieren können.
        Der Clou an der Berechnung des Finanzministeriums ist aber ,daß die 50% Überzahlung auf den Nennwert der Anlage im 1 Jahr komplett als Einnahme verbucht wird und diese nicht auf 20 Jahre verteilt wird um sie dann jeweils mit den zuleistenden Zinszahlungen von jährlich 2,5% zuverrechnen.
        Das Beispiel soll nur zeigen mit welcher Lumperei ausgeglichene Haushalte,bzw Haushaltsüberschüsse herbeigezaubert werden,finanzmathematisch ist das nicht ganz korrekt,aber der springende Punkt des „Financial Engineerings“ des Ministeriums Produzieren von „Überschüssen“ durch zukünftige Zinszahlungen zeigt wie absurd und verlogen die Politik agiert,

  3. Avatar

    leser

    4. November 2016 18:00 at 18:00

    Gestern hatte die Welt berichtet, dass die Zinsgewinne schon mal komplett ertragswirksam verbucht wurden, obwohl sie erst in großen Teilen in der Zukunft anfallen, https://www.welt.de/wirtschaft/article159224604/So-ruecksichtslos-schoent-Deutschland-seine-Schulden.html.

    Ein schönes Wochenende. Nächste Woche wird spannend!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

Avatar

Veröffentlicht

am

Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

weiterlesen

Allgemein

Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

Avatar

Veröffentlicht

am

Werbung

Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

weiterlesen

Allgemein

US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen