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Stichwahl in Frankreich: das unterschätzte Risiko?

Vermutlich ist die Stichwahl am Sonntag in Frankreich doch knapper, als es die Auguren derzeit vorhersehen, die Märkte aber wiegen sich in Sicherheit. Wiederholt sich da eine Art Trump-Irrtum der Meinungsforschung?

FMW-Redaktion

Glaubt man den neuesten Umfragen, ist die Stichwahl in Frankreich bereits entschieden: 60% für Macron, nur 40% für Le Pen. Aber Marine Le Pen agiert mit allen Mitteln, um doch noch Wählerschichten zu erschließen, die sie bisher nicht gewinnen konnte. So das überraschende Bündnis mit Nicolas Dupont-Aignan – einem Abtrünnigen aus der konservativen Partei UMP, der wie Le Pen über die „Systemparteien“ schimpft und im ersten Wahlgang mit 4,6% immerhin knapp 1,7 Millionen Stimmen erhielt. Der Gaullist könnte eine Art Trojanisches Pferd sein für Le Pen, um in rechtskonservativen Milieus, die in Frankreich nach wie vor stark sind, weiter zu punkten.

Dazu die Weigerung des linken Mélenchon, sich für Macron auszusprechen, das bislang eher unglückliche Agieren von Macron etc. ect. Mithin ist also die Wahl am Sonntag doch knapper, als es die Auguren derzeit vorhersehen. Wiederholt sich da eine Art Trump-Irrtum der Meinungsforschung?


Nicolas Dupont-Aignan
Foto: Debout la France, http://flickr.com/photos/32267556@N04/16404059853

Die Mehrheit der Franzosen will keinen Austritt aus dem Euro – und darauf hat Le Pen nun reagiert: kein klarer Ausstieg aus dem Euro mehr mit einem damit verbundenden Frexit, sondern mit dem Euro und dem neuen Franc zwe Parallelwährungen lautet nun das neue Mantra. Doch dürfte das nur ein taktisches Manöver sein, um einigen Wählern die Angst zu nehmen, dass Le Pen eine radikal andere Wirtschaftspolitik fahren wird – was sie aber sehr wahrscheinlich doch vorhat.

Und so wächst die Zuversicht, dass am Sonntag so oder so nichts schief gehen wird. Das zeigt sich auch beim Sentix Euro Break-Up Index – nur noch 13,6% der Bfragten rechnen mit einem Zerfall der Eurozone, im Vormonat waren es noch 18,7%. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Frankreich die Eurozne verläßt, sinkt auf nur noch 3,5% – Ende Februar lag der Wert noch bei 8,4%:

Man wiegt sich also in Sicherheit – und genau das könnte das Problem werden. Le Pen hat dann eine Chance, wenn ihre Gegner wenig Motivation haben, zur Wahl zu gehen – vor allem dann, wenn sie eigentlich Macron ablehnen und aus ihrer Sicht mit ihm nur das kleinere Übel wählen würden. Macron gilt als ehemaliger Investmentbanker als Vertreter des Kapitals – und wenn Le Pen ihre Botschaft intensiviert, dass sich Macron nicht um die „kleinen Leute“ schert, könnte die Sache noch richtig eng werden. Selbst ein knapper Sieg von Macron würde die Märkte wohl verunsichern, zumal dann unklar ist, wie er ohne starke parlamentarische Basis (Parlamentswahlen im Juni) überhaupt seine Ziele verwirklichen könnte.

Vor dem ersten Wahlgang waren vor allem die europäischen Märkte nur mit angezogener Handbremse unterwegs, man fürchtete das Risiko. Jetzt hat keiner mehr Angst – und daher sollte man nun besser doppelt vorsichtig sein..



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6 Kommentare

  1. Macron als Präsident wirds wohl geben, ist aber loose-loose für Frankreich. Er muss als Präsident danach um Mehrheiten ringen und finden! Ein schlechter Kompromiss für ein derzeit schwaches Frankreich, aber optimal für Brüssel! Die Franzosen verkaufen sich mit der Wahl von Macron gerade selbst, mit Le Pen wärs (für Europa) aber noch schlimmer.
    Was die Märkte da letzte und vermutlich nächste Woche feiern ist der finale Niedergang der Souveränität einer stolzen Republik…den Franzosen werden von der EU die E..r abgeschnitten, die die letzten Präsidenten des Landes niemals besessen haben.
    ….und warum nicht mal eine bekennende Rechte machen lassen?
    In Deutschland, Österreich und Holland…. wollen diese Rolle ja die bisherig etablierten Parteien „im Schafspelz“ übernehmen, der „braune Kanzler“ Kern in Österreich wird immer unerträglicher und macht rechtes Gedankengut erst so richtig salonfähig für die breite Masse. Dann doch lieber den Weg des grössten Schmerzes mit einer Le Pen oder Strache wählen, Brüssel endgültig massregeln und danach einen echten europäischen Wiederaufbau anstreben.

    1. Ein Sieg von Le Pen = Ende mit Schrecken
      Sieg Macrons = Schrecken ohne Ende

      1. Dem ist nichts hinzuzufügen!

  2. Le PEN wird wahrscheinlich nicht gewählt werden, weil die andern Parteien,die die Probleme in den letzten Jahren schöngeredet haben jetzt alle gegen Le PEN stimmen.Die Leute ( u.die Börsen) werden wieder jubeln,sollten sie aber eigentlich nicht tun,denn die Zündschnur wird nur verlängert, ( Zeit gekauft ) die Folgen werden später mit noch grösserer Heftigkeit ausbrechen.Ich bin gespannt wie das Volk reagiert wenn der Liebling Macron die 35 St.Woche antastet u. Beamte entlassen will ,das einzige was dann Hochkonjunktur haben wird sind DIE DEMONSTRATIONEN IN PARIS !

  3. Le Pen hat genau so wenig parlamentarische Mehrheiten wie Macron. Egal wie das Ergebnis sein wird, ich denke das es auf fünf Jahre Stillstand hinausläuft.

  4. Hinzu kommt, dass der 8. Mai (Montag) in Frankreich ein Feiertag ist (Kapitulation Deutschlands im 2. Weltkrieg) und sich hiermit ein langes Wochenende ergibt. Und da wird auch in Frankreich gerne weggefahren… Tja, und wer kann es sich eher leisten, in einen Kurzurlaub zu fahren – Le Pen-Wähler oder Macron-Wähler…? In Frankreich gibt es zudem keine Briefwahl…

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