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Stimmung: Amerikaner pessimistischer als in Finanzkrise, Deutsche bleiben optimistisch

Von Markus Fugmann

Der Amerikaner als solcher ist auch nicht mehr das, was er mal war. Früher, als alles sowieso noch besser war, konnte man sich auf den Ami verlassen: stets optimistisch schritt er durchs Leben, sein Glaube an die jederzeit mögliche Karriere vom Tellerwäscher zum Milliardär war eine Art Glaubensgewißheit der amerikanischen Leitkultur. Aber wo bitte ist dieser Optimismus nun? Kaum hat das Land zur Abwechslung mal einen einigermaßen rationalen Präsidenten, läßt der Optimismus schon spürbar nach, werden die Amerikaner immer deutscher. Zuletzt las man in US-Medien immer wieder das in den amerikanischen Sprachschatz eingemeindete Wort „Angst“ (gesprochen:“Eeengst“).

Fakt ist: das produzierende Gewerbe in den USA ist bereits in der Rezession, wie die Einkaufsmanagerindizes zeigen, die seit Monaten konstant unter der 50er-Marke ausfallen. Das dürften die Amerikaner durchaus wahrnehmen, sie lassen sich von den offiziellen Jubelmeldungen zur US-Konjunktur nicht mehr blenden. So etwa zuletzt die spektakulär gut aussehenden US-Arbeitsmarktdaten, die jedoch alleine das Produkt des sogenannten „Birth-Death-Modells“ waren: real waren nur 11.000 neue Stellen geschaffen worden, der Rest wurde über „saisonale Anpassungen“ (seasonal adjustments) hinzuaddiert (oder hinzugedichtet..).

Wie auch immer: Laut der neuesten AAII-Umfrage sind nun 45,5% der befragten Amerikaner pessimistisch für den Aktienmarkt, ein Plus von 7,3% zur Vorwoche. Bullisch dagegen sind nur noch 17,9%, ein Minus von 4,3%. Damit liegt der Anteil der Bullen sogar noch tiefer als zu Zeiten der Finanzkrise (die jedoch weitgehend erfolgreich in den Rest der Welt exportiert worden war über Finanzprodukte, weshalb sich die US-Konjunktur dann deutlich schneller erholte als in anderen Zonen der Welt). Schlechter war die Stimmung bei den Amerikanern zuletzt im April 2005 – man scheint jenseits des Atlantiks zu spüren, dass der Aufschwung nun vorbei ist, und die Aussicht auf eine Straffung der Geldpolitik der Fed schlägt dazu noch zusätzlich aufs Gemüt.

Ganz anders die Lage in Deutschland. Hier sind unter den Privatanlegern nach wie vor 49% optimistisch, ein Rückgang von 3%. Das Lager der Bären kann jedoch deutlich zulegen und steigt 10% auf nun 35%. Bei den Institutionellen, die noch in der Vorwoche extrem bullisch waren, ging der Anteil der Optimisten um 9% auf nun immer noch extrem hohe 61% zurück, die Bären gewinnen 3% auf nun 24%.

Von Katerstimmung sind wir also in Deutschland noch himmwelweit entfernt – anders als in den USA. Stimmungstechnisch kann man also sagen: Wir sind die neuen Amerikaner! Das ist endlich die Antwort auf Kennedys Satz: „Ich bin ein Berliner“!



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5 Kommentare

  1. Der Optimist springt frohen Mutes und heiter über die Klippe, der Pessimist sieht das Unheil, aber erschießt sich zuvor lieber selbst und der Realist springt vorher ab oder wirft den Anker.

  2. Hat Fr. Merkel uns nicht perfekt „umerzogen“ mit ihrer „Wir schaffen das!“. Also, Herr Fugmann, lassen Sie uns alle Sorgen willkommen heißen und grenzenlos in unser Land und Herzen herein, ohne dass sie uns tangieren!! ;) Der große Knall kommt später und wir waren wenigstens glücklich…

    Ernst beiseite, ist es nicht ein gutes Zeichen, wenn die Amis alle so pessimistisch sind? Dann ist der Boden nicht weit, denn die Amis haben weiterhin die Welt-Leitbörse

    1. Nun ja: das verleitet anscheinend andere zum Überoptimismus. Der Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall.

  3. Avatar
    R. Blancke, Schweiz

    Moin und Grüezi nach Hamburg.
    Danke für Ihren Artikel.
    Wortgewandt, verschmitzt und humorvoll illustrieren Sie mit Ihrer fast unnachahmlichen Mischung aus Zynismus, Chuzpe, Witz und einem augenzwinkerndem Humor die Situation.
    Ihre täglichen Berichte und Ihre versteckt-flapsig feinsinnig hanseatisch formulierten Kommentare sind bei mir inzwischen additiver Bestandteil meiner täglichen eigenen Marktanalyse geworden.
    Irgendwann komme ich mit einem Koffer original Schweizer Schokolade zuu Ihnen nach Hamburg.
    Danke !

    1. Hallo Blancke,

      haben Sie vielen herzlichen Dank für Ihre Worte! Große Formulierungskunst von Ihnen.

      Ich würde mich sehr auf Sie und die Schweizer Schokolade freuen, wenn Sie einmal nach Hamburg kämen. Als exilierter Münchner würde ich mich dann mit Weißwürstl und Augustiner-Bier revanchieren!

      Herzliche Grüsse in die Schweiz!

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