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Meinung

Stoppt die Einkommensschere!

Markus Fugmann

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am

Risiken der Ungleichheit

Es geht bergab mit dem Konsum: sowohl in den USA als auch in Deutschland sind die Einzelhandelsumsätze rückläufig – gestern meldete die USA, scheinbar überraschend, einen Rückgang um 0,4%. Und auch in Deutschland findet das viel beschworene Konsumwunder einfach nicht statt.

Die Ursache dieser Entwicklung ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: während Produktivität und BIP steigen, stagnieren die Reallöhne der Bevölkerung einerseits, findet andererseits eine Umverteilung von Vermögen hin zu den Toppverdienern statt.

In den USA begann dieser Prozess mit der Senkung der Spitzensteuersätze unter Reagan/Greenszpan zu Beginn der 1980er-Jahre. Nicht zufällig begann wenig später die Liberalisierung der Finanzmärkte, deren Gewinner die „happy few“ der Oberschicht sind. Das Vermögen dieser Oberschicht wird immer größer (2002 lag das durchschnittliche Gehalt eines Vorstandsmitglieds um den Faktor 525 über dem Durchschnittslohn!). 2010 verdiente das oberste Prozent in den USA bereits 17,8% des gesamten Bruttoeinkommens, 1970 lag der Wert noch bei 7,8%.

Während in den USA die Spitzensteuersätze sanken, stiegen für die Durchschnittsamerikaner die Sozialabgaben und Einkommenssteuern, sanken gleichzeitig die Reallöhne. In den USA lag das BIP pro Kopf 1980 bei 21.500 Dollar, 2004 bereits bei 33.000 Dollar – ein Anstieg um mehr als 50%. Dennoch nahm in diesem Zeitraum die Verschuldung der Privathaushalte sowie die Privatinsolvenzen stark zu. Mit anderen Worten: der Durchschnitts-Amerikaner hat Schulden angehäuft, die Oberschicht Vermögen.

Das große Problem ist, dass ein Vorstandsmitglied, das 525mal so viel verdient wie der Durchschnittsamerikaner, nicht zwangsläufig 525mal mehr konsumiert. Auch das Vorstandsmitglied hat in der Regel nur eine Waschmaschine, wie der Durchschnittsamerikaner eben auch. Verliert die Mittel- und Unterschicht an Kaufkraft, wird das nicht durch die Einkunftssteigerungen der Oberschicht kompensiert (jenseits der Frage, ob die Ungleichheit „gerecht“ ist).

Die USA aber sind – als Wirtschaftsnation – hochgradig abhängig vom Binnenkonsum (70% des BIP). Neueste Daten zeigen, dass die Sparquote sich wieder historischen Tiefs nähert. Einen weiteren Nackenschlag bekommt der Konsum in den USA nun durch die eingeschränkte Vergabe von Lebensmittelkarten für die Ärmsten seit Ende 2013 – Wal-Mart gab im Januar eine Gewinnwarnung heraus und zeigte sich „überrascht“, dass die Einschränkung sich so deutlich ausgewirkt habe.

Noch einmal: die Einkommensverteilung ist ungerecht, keine Frage. Aber jenseits der Frage, ob die Verteilung gerecht ist, geht es um die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft. Sinkt der Anteil der Mittelschicht weiter, bricht das ökonomische Rückgrat einer Gesellschaft, führt sich das kapitalistische System selbst ad absurdum und nimmt sich so letztlich die Luft zum Atmen.

Was für die USA gilt, gilt in weniger extremer, tendenziell aber ähnlicher Weise auch für Deutschland. Auch hier stagnieren seit den frühen 90er-Jahren die Reallöhne – weswegen der von Volkswirten immer wieder beschworene Konsumboom nicht stattfindet, schlichtweg nicht stattfinden kann. Auch hier nimmt das Vermögen der oberen 10% kontinuierlich zu.

Um die auseinander klaffende Einkommensschere zu verkleinern, sind drei Maßnahmen erforderlich:

1. Anhebung der Unternehmenssteuern

2. Anhebung der Spitzensteuersätze

3. Ein Mindestlohn

Entgegen der verbreiteten Auffassung nämlich hatten zum Beispiel die USA in den 1960er-Jahren ihre ökonomisch beste Zeit, als die Spitzensteuersätze bei 92% lagen, und der Mindestlohn bei knapp 8 Dollar lag.

Man muss kein „Linker“ (oder noch schlimmer: Gewerkschafter!) sein, um das zu fordern. Es ist ein Gebot ökonomischer Vernunft.

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