Die Blockade der Straße von Hormus gefährdet den globalen Öl-Handel – aber China hat sich vorbereitet: Drei strategische Puffer sollen Versorgung und Wirtschaft stabilisieren.
Straße von Hormus blockiert: China setzt auf drei Puffer
Die faktische Schließung der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Krieges trifft China unmittelbar. Die Volksrepublik ist mit Abstand der größte Ölimporteur der Welt und bezieht einen erheblichen Teil ihrer Versorgung aus den Anrainerstaaten des Persischen Golfs. Irak, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman decken zusammen etwa vierzig Prozent der chinesischen Rohölimporte. Ein großer Teil dieser Lieferungen passiert die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die normalerweise rund zwanzig Millionen Barrel Rohöl pro Tag transportiert werden. Wenn dieser Korridor blockiert wird, steht ein zentraler Teil der globalen Energieversorgung unter Druck.
Für China stellt sich die Lage dennoch anders dar als für viele andere asiatische Importländer. Japan, Südkorea oder Indien sind fast vollständig auf Öl aus dem Nahen Osten angewiesen. Ihre Energiesicherheit hängt deshalb unmittelbar von der Offenheit dieser Route ab. China besitzt zwar ebenfalls eine erhebliche Abhängigkeit von Importen, hat jedoch in den vergangenen Jahren begonnen, ein mehrschichtiges System zur Begrenzung genau dieser Verwundbarkeit aufzubauen.
Strategischer Umbau des chinesischen Energiesystems
Der Hintergrund dieser Politik liegt nicht in kurzfristiger Krisenvorsorge, sondern in einer strategischen Neuorientierung der chinesischen Wirtschaftspolitik. Seit Xi Jinping 2019 die „Great Rejuvenation of the Chinese Nation“ zur Leitlinie staatlicher Planung erklärt hat, spielt Selbstversorgung eine zentrale Rolle in der wirtschaftspolitischen Doktrin. Versorgungssicherheit bei Energie, Rohstoffen und Schlüsseltechnologien gilt seither als Voraussetzung nationaler Souveränität. Der vierzehnte Fünfjahresplan übersetzte diese Leitidee erstmals in konkrete wirtschaftspolitische Programme.
Im Energiesektor setzt diese Strategie beim Fundament des Systems an. China versucht, den Anteil importierter Energieträger schrittweise zu verringern und die Energieversorgung stärker auf inländische Quellen zu stützen. Der massive Ausbau erneuerbarer Energien spielt dabei eine zentrale Rolle. Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft erhöhen kontinuierlich den Anteil heimischer Stromproduktion und verringern langfristig den Bedarf an importiertem Öl und Gas. Der Preisschock auf den globalen Energiemärkten nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges traf auch China, doch der wachsende Anteil heimischer Energieproduktion milderte die finanziellen Folgen deutlich.
Aus dieser Architektur ergeben sich drei chinesische Puffer. Der strukturelle Umbau des Energiesystems reduziert die Importabhängigkeit, während eine diversifizierte Importstruktur die Risiken einzelner Transportkorridore begrenzt und schließlich überbrücken strategische Reserven kurzfristige Versorgungsausfälle.
China hat seine strategischen und kommerziellen Lagerkapazitäten in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut. Allen im letzten Jahr hat China 116,12 Millionen Barrel Oel eingelagert und verfügte im Januar über Reserven von etwa 1,2 Milliarden Barrel. Bei dem derzeitigen Verbrauch reichen diese Vorräte für etwa 108 Tage. Bei einer Optimierung der Verbräuche könnten sie auf etwa 130 Tage gestreckt werden. Dadurch fällt es der chinesischen Führung leicht, die Situation am Golf mit einer gewissen Gelassenheit zu betrachten.
China: Neue Energiespeicher und wachsende Ölreserven
Der neue fünfzehnte Fünfjahresplan führt diese Linie konsequent fort. Neben dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sieht er zusätzliche Investitionen in Energiespeicher und strategische Reserven vor. Die Stromnetze sollen weiter erweitert, während die Batteriespeicherkapazitäten ausgebaut und gleichzeitig neue Lager für Öl und Gas geschaffen werden sollen.
Damit reagiert die Führung auf ein strukturelles Problem der Energiewende. Ein wachsender Anteil von Wind- und Solarstrom macht das Energiesystem sowie der Ausbau der lokalen Produktion mach China unabhängiger von Importen, erhöht aber zugleich die Bedeutung von Speicher- und Reservekapazitäten. Strom aus erneuerbaren Quellen unterliegt starken Schwankungen, während Industrie, Verkehr und Städte eine stabile Energieversorgung benötigen. Energiespeicher, flexible Kraftwerke und strategische Reserven bilden daher den stabilisierenden Teil dieses Systems.
Zugleich bleibt China auf absehbare Zeit einer der größten Importeure fossiler Energieträger der Welt. Selbst ein rascher Ausbau erneuerbarer Energien verändert diese Struktur nur schrittweise. Strategische Öl- und Gaslager erfüllen deshalb eine klassische sicherheitspolitische Funktion. Sie verschaffen der Regierung Zeit, wenn geopolitische Konflikte Transportwege unterbrechen oder die Weltmarktpreise sprunghaft steigen.
Der Ausbau erneuerbarer Energien und der Aufbau strategischer Reserven verfolgen damit zwei unterschiedliche Ziele. Der erste verändert langfristig die Struktur der Energieversorgung. Der zweite schützt das bestehende System vor kurzfristigen Schocks.
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Die Investmentbanking-Analysten von Goldman Sachs prognostizieren für das Jahr 2026 einen anhaltend starken Bedarf nach Rohölimporten von seiten der Volksrepublik China.
…Öl ist ja auf dem besten Weg bald wieder preiswerter zu sein als vor dem Angriff auf den Iran…die sollten öfter mal die Straße von Hormus dicht machen…scheint ja ein mega Umweg und Nadelöhr gewesen zu sein…die Araber die alten Preistreiber…zum Glück hat der Donald das erkannt und tut mal was dagegen…ich bereite mich schon mal auf die 1 Euro für Diesel an der Zapfsäule vor…