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Iran-Krise belastet Energiemärkte Straße von Hormus blockiert: Tanker warten, Ölpreis steigt

Straße von Hormus blockiert: Tanker warten, Ölpreis steigt
Ein Marineschiff in der Straße von Hormus, 1. März. Foto: Sahar Al Attar/AFP/Getty Images

Die Straße von Hormus ist eines der zentralen Nadelöhre des globalen Energiehandels. Täglich passieren Öltanker und LNG-Transporte den Seeweg zwischen Persischem Golf und Indischem Ozean – darunter zahlreiche VLCC mit Millionen Barrel Rohöl an Bord. Nach Angriffen auf den Iran spitzt sich die Lage jedoch zu: Dutzende Tanker und Schiffe warten im Persischen Golf auf sichere Passage. Exporte stocken, während der Ölhandel unter Druck gerät und die Ölpreise steigen.

Iran-Krise: Tanker im Wartemodus

Laut einem Bericht von Bloomberg verharren dutzende voll beladene Öltanker derzeit im Persischen Golf, nachdem Angriffe in der Nähe der Straße von Hormus die Durchfahrt faktisch blockiert haben. Die ohnehin sensible Logistikkette der Region ist massiv gestört. Exporte verzögern sich, Frachtrouten werden unsicher, und die kurzfristige Förderstabilität steht auf dem Spiel.

Nach Daten des Schiffsanalysten Kpler liegen aktuell mindestens 40 sogenannte Very Large Crude Carrier (VLCC) im Golf vor Anker. Jeder dieser Supertanker transportiert rund zwei Millionen Barrel Rohöl. Mehrere Reeder und Kapitäne erklärten, sie warteten zunächst auf eine klare Einschätzung der Sicherheitslage, bevor sie eine Fahrt durch die Meerenge riskieren. Große Reedereien haben ihren Schiffen ausdrücklich geraten, vorerst Schutzpositionen einzunehmen.

Analysten von Fearnley Securities gehen davon aus, dass die Ineffizienzen im Seetransport weiter zunehmen werden. Viele Schiffseigner verfolgten derzeit eine abwartende Strategie. Das bremst den Warenfluss zusätzlich und verschärft die Unsicherheit an den Energiemärkten.

Zwar hat Iran die Meerenge nach Beginn der US- und israelischen Angriffe nicht offiziell geschlossen, jedoch Schiffe gewarnt, die Passage fortzusetzen. Mindestens drei Schiffe wurden bis Montagmorgen angegriffen. Mehr als die Hälfte der weltweit größten maritimen Versicherungsclubs (P&I Versicherungen) hat inzwischen die Kriegsrisikoversicherung für Fahrten in den Golf ausgesetzt. Damit ist die Route für viele faktisch unpassierbar.

In den vergangenen 24 Stunden verließen nur wenige große Tanker die Wasserstraße. Laut Tracking-Daten befanden sich lediglich zwei US-sanktionierte iranische Tanker in der Nähe der Einfahrt.

Der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus ist deutlich zurückgegangen.

Straße von Hormus: Verkehr bricht ein

Die Zahlen verdeutlichen den drastischen Rückgang: Laut der Schiffsplattform Vortexa durchquerten am 1. März nur vier Supertanker die Straße von Hormus – am Vortag waren es noch 22 gewesen. Ein massiver Einbruch innerhalb von nur 24 Stunden.

Tatsächlich dürfte die Zahl der festsitzenden Schiffe noch höher liegen. Kleinere Tanker sind in vielen Erhebungen nicht vollständig erfasst. Zudem schalten zahlreiche Kapitäne ihre Transpondersignale bewusst ab, um das Risiko gezielter Angriffe zu reduzieren. Störsignale erschweren die Nachverfolgung zusätzlich.

Das Joint Maritime Information Center (JMIC), ein multinationales Marinegremium für die Region, hat seine Sicherheitswarnstufe auf „kritisch“ erhöht – die höchste Kategorie. Begründet wird dies mit bestätigten Raketen- und Drohnenangriffen auf mehrere Handelsschiffe im Golf von Oman, in den Gewässern rund um Musandam sowie vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate. Auch ein unter US-Flagge fahrender Tanker, die Stena Imperative, wurde von Geschossen getroffen.

Die Lage bleibt unübersichtlich: Ein zuvor als beschädigt gemeldeter Tanker, die Sea La Donna, gilt inzwischen nicht mehr als betroffen. Selbst offizielle Informationen ändern sich binnen Stunden.

Auch die großen Flaggenregister schlagen Alarm. Die Register von Liberia und den Marshallinseln – weltweit die Nummer eins und drei – fordern Schiffe auf, höchste Sicherheitsstufe einzuhalten. Das bedeutet unter anderem, dass Frachtoperationen ausgesetzt werden sollen.

Risiko für Produzenten

Der drastische Rückgang des Schiffsverkehrs aufgrund des Iran-Konflikts beunruhigt bereits große Importländer. Doch langfristig könnte die Krise auch die Förderländer selbst hart treffen. Im Persischen Golf sind freie Tanklagerkapazitäten begrenzt, und leere Schiffe stehen kaum zur Verfügung. Hält die Blockade mehrere Wochen an, drohen überfüllte Lager – mit der Folge, dass Produzenten ihre Förderung drosseln oder ganz einstellen müssen.

Analysten von JPMorgan schätzen, dass eine effektive Schließung von mehr als 25 Tagen ausreichen könnte, um Produktionsstillstände zu erzwingen. Das hätte unmittelbare Auswirkungen auf den globalen Ölpreis und die Energieversorgung.

Hinzu kommt die Bedeutung der Route für den LNG-Markt. Katar ist nach den USA der zweitgrößte Exporteur von Flüssigerdgas und deckte im vergangenen Jahr rund 20 Prozent des weltweiten Angebots. Sämtliche Lieferungen in Richtung Asien und Europa müssen die Straße von Hormus passieren. Eine längerfristige Blockade würde also nicht nur den Ölmarkt, sondern auch den Gasmarkt empfindlich treffen.

Auch Containerschiffe reagieren bereits: Mehrere haben ihre Fahrt gestoppt oder während der Durchfahrt umgedreht. Die Unsicherheit greift zudem auf das Rote Meer über. Dort hatten die im Jemen ansässigen Huthi-Milizen bereits zuvor Handelsschiffe mit Geschossen attackiert. Nach neuen Drohungen, Angriffe wieder aufzunehmen, leiten einige der größten Containerreedereien ihre Schiffe vorsorglich um.

Die Straße von Hormus bleibt damit einer der sensibelsten Engpässe der globalen Energie- und Handelsströme – und aktuell ein geopolitischer Risikofaktor ersten Ranges.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Zwar beziehen wir in Deutschland kein iranisches Öl, der Ölpreis jedoch wirkt sich auf den Dax aus. Somit auf die BASF AG, welche unabhängig vom Ölpreis an ihrem Heimatmarkt, der rheinland-pfälzischen Stadt Ludwigshafen momentan nicht entsprechend ausgelastet ist. An dem Ölpreis ändert auch eine Standortvereinbarung zwischen dem genannten Chemieriesen und dem Ministerrat, sowie dem Landtag Rheinland-Pfalz nichts.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Wenn sich genügend Spekulanten finden ,die auf steigende Ölpreise setzen, dann können die 100 vom Juni 2014 schnell wiederkommen.

    Schon jetzt switchen erste Spekulanten um, weg von den Edelmetallen hin ,zu den Rohstoffen. Ich darf daran erinnern das der Ölpreis von 98 bis 08 zeitweise um fast den Faktor 15 stieg.
    Schon vergessen? Von unter 10 ging’s hoch bis auf fast 150.
    Warum sollte sich das nicht wiederholen? Nur weil die FED Geld drucken kann? Die FED kann aber kein Öl drucken.

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