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Chinas Ohnmacht in der Taiwan-Frage Straße von Taiwan: Japanische Küstenwache patrouilliert – keine Reaktion von China

Straße von Taiwan China Küstenwache

Seit Samstag patrouillieren acht Schiffe der japanischen Küstenwache in der Straße von Taiwan, ohne dass China irgendeine Reaktion zeigt. Auch Japan selber gab bisher keine offizielle Stellungnahme ab, warum die Schiffe dort kreuzen. Inoffiziell heißt es, sie würden Schutz vor dem Taifun Hinnamnor suchen.

Taifun Hinnamnor auf den Weg nach Korea

Der Taifun, der Zeitweise die höchste der fünf Warnstufen erreichte, befindet sich mittlerweile auf den Weg auf die koreanische Halbinsel. Seine gigantischen Ausläufer werden aber auch China und Japan beeinflussen. So wurden Flüge innerhalb Süd-Koreas genauso eingestellt, wie Flüge und der Schiffsverkehr zwischen China, Korea und Japan.

Japans Sicherheitsinteressen von Taiwan-Konflikt betroffen – USA ist potentielle Kriegspartei

Allerdings ist auch Japan von dem immer aggressiveren Auftreten Chinas betroffen. Etwa 170 Kilometer nordöstlich von Taiwan, 530km östlich vom chinesischen Festland und 410km westlich vom japanischen Naha bzw. 170km nordwestlich von Ishigaki liegen ein paar unbewohnte Inseln, die seit 1885 zu Japan gehören. Seit den 70ern beansprucht China diese Inseln ebenfalls für sich.

Vordergründig geht es hier einmal mehr um einen tiefsitzenden Konflikt zwischen China und Japan, der aus der japanischen Invasion Chinas während des Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieges zwischen 1937 und 1945 herrührt. Tatsächlich geht es aber wohl eher um die Öl- und Fischreichen Gebiete und die Kontrolle der Schiffsrouten, die Japan und China mit Europa verbindet. Nicht zufällig fällt der von China erhobene Anspruch auf die Inseln in die Zeit, in der die Öl Vorräte gefunden wurden.

Sollte China Taiwan besetzen, so wäre es für China ein leichtes, diese Inseln zu besetzen. Allerdings fallen diese Inseln unter den US-Japanischen Sicherheitspakt. Sollte also China diese Inseln angreifen, käme es wohl zu einem direkten Krieg zwischen China und den USA.

Küstenwache vor Taiwan:  Ausdruck der neuen Verteidigungsstrategie Japans?

Seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass Japan seine Sicherheitsinteressen mit denen von Taiwan verbindet und eine aktive Politik gegen China betreibt. Dies geschieht auf wirtschaftlichen Wegen, mit Japans „Partnership for Quality“, die eine alternative zur chinesischen „Belt and Road Initiative“ (BRI) darstellen soll, in diplomatischen Statements, z.B. zusammen mit den USA und der EU und in militärischen Initiativen, wie der Quadrilateral Security Dialogue (QSD oder Quad) zwischen Japan, Indien, USA und Australien, einer Art „asiatischen NATO“.

Wenn die Boote der Küstenwache in der Straße von Taiwan auftauchen, dann kann dies auch als Neuausrichtung der japanischen Verteidigungsstrategie verstanden werden.

Interessante Reaktion Chinas: Keine

Bemerkenswert ist die Reaktion aus China. Sie bleibt nämlich aus. Als die Vorsitzende des amerikanischen Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, letzten Monat Taiwan besuchte, war die Reaktion Chinas heftig. Die Volksbefreiungsarmee (PLA) hielt tagelang Manöver rund um Taiwan ab. Die chinesischen Medien, allen voran Hu Xijin, ehemaliger Chefredakteur der „Global Times“ und die chinesische Regierung reagierte mit einer Vielzahl von Statements, um gegen den Besuch zu protestieren. In den (amerikanischen) Medien war schon von einer Vierten Taiwan-Krise die Rede.

Taiwan Hotspot internationaler Delegationen

Als vor ein paar Tagen dann eine Delegation angeführt von der amerikanischen Senatorin Marsha Blackburn Taiwan besuchte, war die einzige Reaktion aus Peking, dass einen Tag später chinesische Bomber Richtung Taiwan starteten. Dabei war die Provokation von Marsha Blackburn durchaus stärker, als die von Pelosi. Blackburn besuchte das Mausoleum von Chiang Kai-Shek. Ein Umstand, der auch in Taiwan selbst nicht unumstritten war. Den Chiang Kai-Shek ist eine kontroverse historische Figur in der Geschichte Taiwans und war zu Zeiten des Aufstiegs Moas sein größter Widersacher.

Neben Blackburn war zuvor noch der amerikanische Gouverneur für Indiana, Eric Holcomb, zu Besuch in Taiwan. Weitere Delegationen im August kamen aus Japan und Litauen, Delegationen aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Kanada und Australien sind in den nächsten Wochen geplant.

US-Kriegsschiffe passieren die Straße von Taiwan

Am Samstag durchquerten auch zwei amerikanische Kriegsschiffe, die Kreuzer USS Antietam und die USS Chancellorsville, die Straße von Taiwan. Auch hier hielt sich der Protest aus China im Rahmen. Einzig der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, nannte die Durchquerung eine „Provokation“.

Pelosi-Besuch nur Vorwand für Manöver?

Die fehlende Reaktion aus China führt zu der Frage, ob nicht China den Besuch von Nancy Pelosi als gern genommenen Anlass nahm, um umfangreiche Manöver stattfinden zu lassen. Hätten die Manöver ohne eine „Provokation“ aus Amerika stattgefunden, wäre China der alleinige Buhmann gewesen. Xi Jinping allerdings brauchte die Manöver, um in China und vor allem innerhalb der Kommunistischen Partei seine Stärke zu demonstrieren. Schließlich hat er versprochen, Taiwan bis 2029 wieder zu einem Teil des chinesischen Mutterlandes werden zu lassen.

Tatsächlich unterstreicht die Aufregung nur Chinas Ohnmacht: Nichts macht klarer, dass Taiwan de facto nicht zu China gehört, als dass Peking unerwünschte Besuche nicht unterbinden kann.

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2 Kommentare

  1. Wirklich?

    Ist das ernst gemeint?

    China ist eine militärische Macht ersten Ranges und eine Atommacht. China kann faktisch mit Taiwan machen, was es will. Es würde China aber selbst viel kosten. Also sollte man diese Kosten durch nichts entwerten, was eine Invasion dringlicher macht.

    Taiwan ist für China in jeder Hinsicht von höchster Bedeutung. Man empfindet es als einen abgetrennten Teil Chinas und es ist natürlich geostrategisch von höchster Bedeutung für China, weil es wesentlich für den Zugang zum Pazifik ist.

    Taiwan ist selbständig und gut auf einen möglichen Verteidigungsfall vorbereitet. Wenn Taiwan einfach weiterhin wirtschaftlich prosperiert und es für alle eine Win-Win-Situation bleibt, kann China zuwarten. Jeder chinesische Politiker kann das nach innen vertreten und wenn eine solche Situation lange genug besteht, wird sie irgendwann gar nicht mehr hinterfragt. Die Technik verkürzt Wege und Zeiten immer mehr, und so wächst man friedlich zusammen. Im Idealfall die ganze Welt.

    Aber solange das Feuer noch brennt, gießt man kein Öl hinein. Es sei denn, man will Krieg.

    Wenn Taiwan zu einem Militärstützpunkt wird, der China gefährlich wird, gewinnt die geostrategische Sicht an Gewicht, und die würde immer zur Eroberung raten.

    Wenn politisch provoziert wird, z.B. durch Besuche von Pelosi, kann eine Situation entstehen, in der chinesische Politiker ihr Gesicht vor ihrem Volk verlieren könnten.

    Öl ins Feuer.

    Es heißt, der Autor lebt in China. Möglicherweise lebt er dort in einer speziellen Blase sehr moderner Chinesen, die dem westlichen Konsum sehr zugetan sind und die eher unpolitisch sind?

    So schön solche Einblicke „vor Ort“ sind – die Interpretationen des Autors sind einseitig, geopolitisch nahezu blind.

    Ob wir in Deutschland die beiden og. Haltungen in unserem Land heute noch nachvollziehen können, ist mal ganz egal für die Beurteilung wie sich dies auswirkt: es wirkt eskalierend und beinhaltet das Risiko, eine Invasion regelrecht zu provozieren.

    Taiwan ist gut verteidigt und China wird Taiwan absehbar niemals militärisch angreifen, wenn es nicht durch Entwicklungen in der oben beschrieben Art dazu gedrängt wird.

  2. Ich versteh nur eins, wer ist der Gewinner im allen? Die USA natürlich! alleine das Taiwan, Japan, Südkorea usw. Milliarden an Dollars Waffen sowie Schutzgelder zahlen…darüber wird nicht diskutiert. Es wird lieber Angst geschnürt, den Chinesen die Schuld geben und wenn zum Krieg kommt, umso besser für die USA. Die Waffenloby freut..

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