Der jüngste Kollaps von Bitcoin hat das riskante Krypto-Experiment von Michael Saylor und seinem Unternehmen Strategy in ein warnendes Lehrstück verwandelt: Wie schnell sich Euphorie in Panik drehen kann, wenn Vertrauen, Volatilität und Kredithebel zusammenwirken. Besonders hart trifft es Kleinanleger, die über hochgezüchtete Hebel-ETFs auf die Saylor-Wette setzten – und nun zusehen müssen, wie Milliarden an Marktwert in wenigen Wochen verdampfen.
Strategy-Crash trifft Anleger hart
Kleinanleger, die sich in das große Bitcoin-Experiment von Michael Saylor gestürzt haben, zahlen nun einen hohen Preis.
Strategy Inc. (ehemals MicroStrategy) – das einst gefeierte Unternehmen, das Krypto-Engagement in eine börsennotierte Aktie verpackte – versucht verzweifelt, die Märkte zu beruhigen. Die Aktie ist seit ihren jüngsten Höchstständen um mehr als 60% eingebrochen – ausgelöst durch den breiten Absturz der Kryptowährungen.
Am Montag teilte Strategy mit, man habe eine Cash-Reserve von 1,4 Milliarden Dollar gebildet, um Dividenden- und Zinszahlungen zu sichern. Damit will das Unternehmen die Sorge dämpfen, es könne gezwungen sein, Bitcoin zu verkaufen, falls die Kurse weiter fallen.
Für viele Anleger ist der Schaden jedoch längst angerichtet. Die beliebtesten börsengehandelten Fonds, die die volatile Strategy-Aktie abbilden – MSTX und MSTU, beide mit doppelter täglicher Rendite – sind in diesem Jahr um mehr als 80% eingebrochen. Damit gehören sie zu den zehn schlechtesten Fonds auf dem gesamten, über 4.700 Produkte breiten US-ETF-Markt – nur knapp hinter obskuren Short-Wetten gegen Goldminen- und Halbleiteraktien. Ein dritter Fonds, MSTP, der während des Krypto-Booms im Juni aufgelegt wurde, hat seit seinem Börsendebüt ähnlich stark verloren. Zusammen haben die drei ETFs seit Anfang Oktober rund 1,5 Milliarden Dollar an Vermögen eingebüßt.
Kleinanleger waren in solche ETFs geströmt, als Firmen wie Defiance und Tuttle Capital Management die hochgehebelten Produkte auflegten, die eine der prominentesten Bitcoin-Wetten der Wall Street abbildeten.
Bitcoin-Rutsch zerlegt Hebel-ETFs
Was als einfache Möglichkeit begann, Krypto-Einsätze zu verstärken, ist zu einer Warnung geworden, wie Kredithebel, Volatilität und Stimmung sich gegenseitig hochschaukeln können. Die Strategy-Aktie stürzte im November um 34% ab. Bitcoin ist seit dem Oktober-Hoch um rund 30% gefallen. Am Dienstagmorgen notierte die größte Kryptowährung bei etwa 87.000 Dollar. Am Montag schlossen die Strategy-Titel 3,23 % im Minus, nachdem die Aktie zuvor zeitweise um 12% eingebrochen war.

“Der jüngste Rückgang von Bitcoin hat die Strategy-Aktie hart getroffen, und zweifach gehebelte Produkte wie MSTX und MSTU verwandeln das in noch größere Verluste”, erklärte Roxanna Islam, Leiterin der Sektor- und Branchenanalyse beim ETF-Haus TMX VettaFi. “Das ist eine Erinnerung daran, dass gehebelte Einzeltitel-ETFs auf dem Weg nach oben großartig aussehen können, aber Gewinne sehr schnell wieder auslöschen, wenn sich der zugrunde liegende Trend umkehrt.”
Defiance lehnte eine Stellungnahme ab. Tuttle Capital und GraniteShares, der Anbieter des Fonds MSTP, reagierten zunächst nicht auf Bloomberg-Anfragen per E-Mail um eine Stellungnahme.
FMW/Bloomberg
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken
Jetzt gerade scheinen Bitcoin+Ethereum zu einem erneuten Höhenflug anzusetzen… Au+Ag dagegen scheinen gerade (mal wieder) ordentlich abzustürzen… (???)