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Deutliche Verschiebung am Strommarkt Stromerzeugung im ersten Halbjahr: Gewinner sind Kohle und Erneuerbare

Bei der Stromerzeugung im ersten Halbjahr waren Erneuerbare und Kohle die klaren Gewinner, Atom und Gas die Verlierer. Hier dazu aktuelle Daten.

Kraftwerk verfeuert Kohle für die Stromerzeugung

Im ersten Halbjahr 2022 gab es bei der Stromerzeugung in Deutschland einen klaren Trend. Atomstrom und Gas gehen deutlich zurück, während Kohle und Erneuerbare Energien als Quelle für die Stromgewinnung deutlich zulegen konnten. Dies zeigen heute veröffentlichte Daten des Statistischen Bundesamts. Bei Atom ist es verständlich – nach und nach läuft die Versorgung über Atomkraftwerke aus, das ist politisch so gewollt. Drei der sechs noch im Betrieb befindlichen Atomkraftwerke wurden zum Jahresende 2021 abgeschaltet.

Auch die Stromerzeugung aus Gas soll so schnell wie möglich und so deutlich wie möglich reduziert werden. Denn aus Russland kommt immer weniger Gas, und die Ersatzbeschaffung am Weltmarkt ist sehr teuer. Man will für die anstehende Heizperiode vorsorgen, und da ist die Verstromung von Gas nun wirklich der falsche Weg. Aber immer noch wird viel Gas für die Stromerzeugung genutzt. Zu den Daten:

Die Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2022 in Deutschland stammte zu 31,4 Prozent aus Kohlekraftwerken – im ersten Halbjahr 2021 lag der Anteil noch bei 27,1 Prozent. Der Anteil der Kernernergie sank im Jahresvergleich von 12,4 auf 6,0 Prozent. Gas als Quelle für die Stromerzeugung sinkt von 14,4 auf 11,7 Prozent. Erneuerbare Energien konnten ihren Anteil ausbauen von 43,8 auf 48,5 Prozent. Die Windkraft ist hier der größte Stromlieferant mit 25,7 Prozent Anteil an der gesamten Stromproduktion.

Insgesamt wurden im 1.Halbjahr 2022 in Deutschland 263,2 Milliarden Kilowattstunden Strom ins Netz eingespeist. Das waren 1,3 Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2021. Es ist ganz klar: Die Erneuerbaren legen zu, und (vor allem dank dem geplanten Ende der Atomkraft) sinkt der Anteil der konventionellen Energieträger. Hier einige interessante Anmerkungen der Statistiker, auszugsweise im Wortlaut:

Noch deutlicher war die gegenläufige Entwicklung bei Kohle und Erdgas, wenn nur das 2. Quartal 2022 betrachtet wird: In diesem Zeitraum stieg die Einspeisung von Kohlestrom im Vergleich zum Vorjahresquartal um 23,5 % auf einen Anteil von 31,3 % der gesamten Strommenge, während die Stromerzeugung aus Erdgas um 19,3 % auf einen Anteil von 10,0 % zurückging.

Der hohe Anstieg bei der Windkraft ist vor allem auf das windarme 1. Quartal 2021 zurückzuführen. Der hohe Anstieg bei der Photovoltaik lag hauptsächlich an der ungewöhnlich hohen Zahl an Sonnenstunden im 1. Halbjahr 2022.

Die nach Deutschland importierte Strommenge ist im 1. Halbjahr 2022 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2021 um 9,1 % gesunken. Besonders deutlich waren die Rückgänge mit -58,9 % bei den Stromimporten aus Frankreich. Das 1. Halbjahr 2022 war auch das erste Halbjahr seit Beginn der Statistik im Jahr 1990, in dem Deutschland mehr Strom nach Frankreich exportierte als Strom aus Frankreich zu importieren. Die insgesamt aus Deutschland exportierte Strommenge stieg im 1. Halbjahr 2022 gegenüber dem 1. Halbjahr 2021 um 14,5 %. Damit vergrößerte sich der deutsche Exportüberschuss deutlich auf jetzt 16,3 Milliarden Kilowattstunden.

Gestern berichteten wir bereits über die Eskalation bei der globalen Nachfrage nach Kohle als Brennstoff. Auch in Deutschland sieht man, dass die Nachfrage nach Kohle erst einmal weiter ansteigt. Die Kohlepreise an den Terminmärkten in Europa und Asien kletterten jüngst auf neue Rekordhöhen.

Detaildaten zur Stromerzeugung in Deutschland



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2 Kommentare

  1. Der Kernenergie den Gar ausgemacht, aber mit den Kohlekraftwerken mehr CO2 als jemals zuvor in Atmosphäre blasen. Das ist deutsche Energiepolitik!

    1. Man könnte auch in Betracht ziehen, welche Mengen der 12 TWh mehr an Kohlestrom in den 16 TWh Exportüberschuss stecken. Davon alleine 6,3 TWh an Frankreich, dessen Kernenergie sich von alleine den Garaus macht.

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