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Energiekrise Strompreis steigt bei EnBW um 31 Prozent

Der drittgrößte deutsche Energieversorger erhöht den Strompreis ab Oktober um 31 Prozent. Hier die Gründe.

Steckdosen für Strom

Die Energiekosten gehen durch die Decke. Und so langsam trudeln immer mehr Horrormeldungen von Versorgern rein. Diese Woche meldete bereits der große rheinländische Versorger RheinEnergie bei Fernwärme und Erdgas Preisaufschläge von 73 und 108 Prozent. Heute nun meldet sich der große Stromanbieter EnBW (drittgrößter deutscher Energieversorger) mit einer Kostenexplosion bei Strom. Es geht nun mal nicht anders. Die explodierenden Beschaffungs- und Erzeugungskosten müssen auf die Kunden abgewälzt werden. Der Strompreis geht durch die Decke, also müssen die Kunden den Preis dafür bezahlen.

EnBW kann gestiegene Kosten auf bestimmten Punkt nicht mehr alleine stemmen

Laut aktueller Aussage von EnBW haben sich die langfristigen Beschaffungspreise für Strom seit Anfang 2021 bis zu versiebenfacht (siehe Grafik). Getrieben seien diese Kostensteigerungen in erster Linie durch höhere Preise für fossile Energieträger wie Kohle und Gas. Diese Entwicklung ausgelöst haben laut EnBW maßgeblich der Ukrainekrieg sowie insbesondere die Drosselung der Gaslieferungen durch Russland. Darunter leidet nun auch der Strompreis. EnBW beschaffe den Strom für seine Kunden zum Teil lange im Voraus. So könne man kurzfristige Kostenschwankungen in einem bestimmten Rahmen für die Kunden ausgleichen und verlässliche Preise anbieten.

Strompreis steigt um 31 Prozent

Steigerungen in der Größenordnung, wie sie derzeit den Markt beherrschen, lassen sich laut EnBW so jedoch nicht ausgleichen. Sie zwingen die EnBW dazu zum 1. Oktober 2022 den Strompreis (Preis für Haushaltsstrom im Grundversorgungstarif) im Durchschnitt um 31,1 Prozent anzuheben. Berücksichtigt man die Entlastung, die sich aus der Weitergabe des Wegfalls der EEG-Umlage ergibt, liegt das Preisniveau um 15,2 Prozent über Vorjahr. Die Tarife jenseits der Grundversorgung erhöhen sich in ähnlichem Umfang. Die Preisanpassung der EnBW bewege sich im aktuellen Marktmittelfeld.

Der Arbeitspreis für die Kilowattstunde im Grundversorgungstarif für Haushaltsstrom liegt ab Oktober 2022 bei 37,31 Cent. Das entspricht laut EnBW einer Steigerung um 10,02 Cent gegenüber dem September 2022 und 5,58 Cent gegenüber dem Vorjahr, vor dem Wegfall der EEG-Umlage. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.900 kWh ergibt sich laut EnBW daraus unter dem Strich eine Kostensteigerung im Strompreis von monatlich ca. 24,22 Euro, beziehungsweise um 13,49 Euro im Vergleich zu den Preisen bis zum Wegfall der EEG-Umlage. Beim Wärmestrom kann die EnBW zum jetzigen Zeitpunkt von einer Preisanpassung absehen.

EnBW erläutert

„Wir sind uns bewusst, dass diese Preiserhöhung eine finanzielle Belastung für unsere Kund*innen darstellt. Schließlich erleben sie derzeit auch in anderen Lebensbereichen deutliche Preissteigerungen. Dennoch ist es für uns nicht möglich, unsere derzeitigen Preise beizubehalten. Grund dafür sind die massiv erhöhten Kosten am Energiemarkt. Wir als EnBW haben uns gleichzeitig entschieden, insbesondere bei finanziell schwer belasteten Haushalten in der kommenden Heizperiode keine Sperrungen bei Strom und Gas durchzuführen. Denn wir möchten verhindern, dass sie durch Sperrungen in eine zusätzliche Notlage geraten. Deshalb werden wir hier – in Koordination mit Maßnahmen aus der Politik – gemeinsam mit unseren Kund*innen nach anderen Lösungen suchen“, so sagt es das Unternehmen heute.

Strompreis-Entwicklung im Großhandel seit Anfang 2021



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7 Kommentare

  1. Wenn doch schon etwa 50 % des in Deutschland verbrauchten Strom aus den ja ach so preiswerten sogenannten Erneuerbaren kommen, warum steigt dann der Strompreis seit vielen Jahren? Der Strompreis müsste doch von Jahr zu Jahr fallen.
    Gut, vielleicht in diesem Jahr nicht wegen Putin.
    Aber die Jahre davor hätte der Strompreis doch fallen müssen.
    Kohlekraftwerke wurden abgestellt, einige Atomkraftwerke, und trotzdem wurde Strom immer teurer.
    Und die Grünen erzählen den Leuten, dass es ganz, ganz billig wird, wenn erst einmal noch mehr Strom aus „Erneuerbaren“ hergestellt wird. Weil dann ja auch der grüne Wasserstoff irgendwo herkommt.
    Die Menschen in den Ländern die das nicht glauben, bauen im Moment über 1.000 Kohlekraftwerke in der Welt.
    Was für Dummköpfe, sie verzichten freiwillig auf die billigen Erneuerbaren.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    1. Helmut, die Preisfindung in Deutschland wird nicht über einen Mittelwert bestimmt, so das die billigen erneuerbaren den Strompreis langsam absenken. Privat natürlich schon, ich kann mich zu 80% mit 7Cent/kWh versorgen, den Rest muss ich zu Marktpreisen zukaufen, bzw. meinen Überschuss quasi seit Jahren verschenken. Unser Strompreis wird sogar durch das Ausland nach oben getrieben, da Frankreich noch höhere Strompreiskosten z.Z. hat als wir, da ein Großteil ihrer Atomkraftwerke nicht geht und sie viel mit Strom heizen. Die Welt ist also oft komplizierter und schattierter als man oft denkt. Zu dem fehlt uns z.Z. mit Gas die Regelenergie die schnell zu und aufschaltbar ist. Das kann Atom und Kohle nicht leisten und Wasser/Bio/Elektrochemische Speicher haben wir zu wenig. Zum Glück habt ihr in Spanien andere Gasquellen, Subventionen und viel Sonne, so das sich die Lage anders darstellt.

      Grüße aus Italien
      -Z-

      1. Hallo Z0P0,
        ja, dass war natürlich absichtlich von mir naiv hingestellt worden.
        Und nichts gegen die Bemühungen fossile Brennstoffe so weit wie möglich bei der Gewinnung von Energie zu verdrängen.
        Nur, dass es so wie es jetzt läuft, auch in 50 Jahren nicht viel anders ist, muss doch jeder sehen können.
        Und wenn zig tausende Windräder aufgestellt werden, und alle Dächer voll Solarplatten sind, reicht es nicht, wenn nicht Speicher vorhanden sind, mit denen Wochen und Monate an Dunkelflauten überbrückt werden können.
        Und wenn Wasserstoff dafür verwendet werden soll, dann benötigen wir nocheinmal 3x soviel Windräder und Solar.
        Ich hoffe eindringlich, dass die grünen Ideologen im nächsten Frühjahr auch zu Einsicht kommen.
        Und das ich das nocheinmal sage muss hätte ich nie gedacht: Ja, Habeck macht soweit Schadensbegrenzung wie möglich ist
        Aber der Schaden ist, und wird einfach zu groß, ohne dass es mit deutlichem Wohlstandsverlust in Deutschland abgegeben wird.
        Und das wissen ja auch die Meisten.

        Viele Grüße aus Andalusien Helmut

    2. Das verrückte bei der Preisfindung ist, das sie sich immer am teuersten Energieträger orientiert , was selbst bei Kosten von 0Cent aller Energieträger bis auf zB Gas , immer der Preis des Gases wäre. Was nicht bedeutet das wir auf absehbare Zeit genügend Speicher haben um mit den Erneuerbaren eine Grundlastfähige Stromversorgung darzustellen. Gruß aus Valencia.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Sehr geehrter Herr Helmut,

    das liegt daran, das ein Grossteil der erneuerbaren Energien wirkungslos verpufft und in’s Ausland verschenkt wird.
    Die erneuerbaren Energien können nicht gespeichert werden und brauchen deshalb immer ein konventionelles Kraftwerk als Backup.
    Dieses besteht entweder aus Braunkohle, Steinkohle, Gas aus Russland oder Fracking Gas aus den USA oder Atomstrom.
    Der Strompreis an der Börse in Leipzig richtet sich immer am teuersten Gaspreis aus und da dieser um den Faktor 10 explodiert ist, ist auch der Strompreis um den Faktor 10 explodiert.
    Die erneuerbaren Energien müssten gespeichert werden können, damit sie sich preisdämpfend auswirken können.
    Teilweise werden sie auch ganz vom Netz genommen, wenn im Sommer die Sonne zu stark scheint oder im Herbst der Wind zu stark weht.
    Ihre Förderung erhalten sie trotzdem.
    Die erneuerbaren Energien sind ein Riesenbluff der sich nicht preisdämpfend auswirken kann, da sie nicht zielgerichtet reguliert werden können.
    Entweder müssten die gleich vor Ort vom Besitzer selbst verbraucht werden oder gespeichert werden können.
    Beides ist kaum der Fall.
    Man könnte den Strompreis senken indem man die Stromsteuer abschafft und die Mehrwertsteuer auf Null setzt.
    Gleichzeitig müssten die bestehenden AKW am Netz bleiben, die konventionellen Kraftwerke wieder stärker gefördert werden und die Co2 Bepreisung aufgehoben werden.
    Fracking Gas könnte in Niedersachsen und der heimischen Nordsee gefördert werden.
    Zu alledem ist die Politik nicht bereit. Deshalb ist erstmal nicht davon auszugehen, das der Strompreis wieder sinkt.

    1. @Sebastian Schaarschmidt
      Das liegt daran, das ein Grossteil der erneuerbaren Energien wirkungslos verpufft und in’s Ausland verschenkt wird.
      Das geht völlig an der Realität vorbei. Es gibt nur sehr wenige Stunden pro Jahr, in denen der Börsenstrompreis extrem niedrig ist. Im Gegenteil treibt die hohe Nachfrage aus Frankreich immer öfter auch unsere Strompreise sinnlos mit in die Höhe. Außerdem würde gar nichts „verpuffen“, ließen sich die konventionellen Kraftwerke flexibler regeln, statt uns ihren „Grundlastbedarf“ ständig aufzuoktroyieren.

      Die erneuerbaren Energien müssten gespeichert werden können, damit sie sich preisdämpfend auswirken können.
      Wieso sollte das so sein, solange dieses idiotische Merit-Order-Prinzip die Preise diktiert? Auch Speicher-Strom profitiert von diesem hirnrissigen Irrsinn, den uns die Energielobby mit freundlicher Unterstützung von Schwarz-Gelb vor etwa einem Jahrzehnt eingebrockt hat. Wie wäre es denn, wenn man einfach die Preisbildungsmechanismen an den Strombörsen ändert und lediglich die Preise bezahlt, für die der Strom von den verschiedenen Anbietern auch angeboten wird? Oder wie früher grünen Strom wieder direkt einspeist und priorisiert zu günstigen Preisen im Inland verbraucht. So würde Strom nur noch einen Bruchteil kosten, und niemand mehr müsste sich staunend fragen, wo es das sonst noch gibt, dass man freiwillig das Doppelte bis Dreifache des Preises erhält, für den man angeboten hat. Es zahlt ja auch niemand freiwillig 4 bis 6 € an der Tankstelle.

      Teilweise werden sie auch ganz vom Netz genommen, wenn im Sommer die Sonne zu stark scheint oder im Herbst der Wind zu stark weht.
      Die Erneuerbaren werden nur deshalb manchmal vom Netz genommen, weil die unflexiblen Konventionellen zu viel teuren, schmutzigen Strom einspeisen und kaum regelbar sind. Solange Erneuerbare nicht mehr Strom erzeugen, als insgesamt verbraucht wird, müsste man sie prinzipiell nie vom Netz trennen. Erst darüber hinaus müssten sie abgeregelt oder noch besser gespeichert bzw. umgewandelt werden. Dies wird nach den Ausbauplänen aber erst in etwa 10 Jahren der Fall sein.

      Ihre Förderung erhalten sie trotzdem.
      Eine Förderung über den Mechanismus des EEG (Einspeisevergütung minus Börsenstrompreis) gibt es schon lange nicht mehr bzw. nur noch für die paar sehr alten Anlagen aus der Anfangszeit der Energiewende, weil dieser Mechanismus nur greifen würde, wenn der Börsenstrompreis geringer als die Einspeisevergütung wäre. Ganz im Gegenteil erreicht der EEG-Saldo ständig neue Rekordwerte. So zahlt beispielsweise der zuständige Netzbetreiber knapp 7 Cent an den PV-Anlagenbetreiber und verscherbelt diesen billigen Strom für ein Vielfaches an den Börsen. Sie sollten lieber mal die Frage stellen, warum diese Rekordsalden nicht preismindernd eingesetzt werden. Dumm gelaufen, dass Energieerzeuger größtenteils auch gleichzeitig Netzbetreiber sind.

      Die erneuerbaren Energien sind ein Riesenbluff der sich nicht preisdämpfend auswirken kann, da sie nicht zielgerichtet reguliert werden können.
      Die erneuerbaren Energien sind die einzigen, die zielgerichtet und maximal flexibel geregelt werden können.

      Ihr Beitrag ist ein flammendes Plädoyer für sozialistische Planwirtschaft (Preise deckeln, Steuern abschaffen, CO2-Bepreisung abschaffen, schmutzige Technologien fördern), eine maximale Beschleunigung von Klimawandel und Umweltzerstörung zugunsten überkommener fossiler Energieträger und ein Festhalten an sog. liberalen Börsenmechanismen, die in Wirklichkeit alles andere als frei durch Angebot und Nachfrage geregelt sind. Er zeugt außerdem von einer gewissen Ahnungslosigkeit auf diesem Wirtschafts- und Technologiesektor, die vermuten lässt, dass Sie nicht in Energiewirtschaft oder Energietechnologien promoviert haben. Doktor, bleib bei deinen Leisten.

  3. Wenn davon hunderte gebaut worden sind, und die Windräder und Solaranlagen sich verfünfzigfacht haben, dann wird es tatsächlich gehen, mit der Speicherung von Energie für die Dunkelflauten.

    Neues Pumpspeicherkraftwerk in der Schweiz geht in Betrieb – Golem.de

    https://www.golem.de/news/nant-de-drance-neues-pumpspeicherkraftwerk-in-der-schweiz-geht-in-betrieb-2207-166665.html

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