Eigentlich sollte der Boom der Solarenergie die Strompreise in Deutschland dauerhaft senken. Stattdessen erlebt der Strommarkt immer extremere Ausschläge: Während Strom an sonnigen Tagen zur Mittagszeit teilweise sogar zu negativen Preisen gehandelt wird, schnellen die Großhandelspreise am Abend innerhalb weniger Stunden auf ein Vielfaches nach oben. Hinter dieser Entwicklung steckt ein strukturelles Problem der Energiewende – und das dürfte Verbraucher, Unternehmen und Investoren noch viele Jahre beschäftigen.
Deutschlands Strompreise spielen verrückt
Laut einem Bericht von Bloomberg verschärfen sich diese Preisschwankungen in ganz Europa zunehmend. Wie stark die Ausschläge inzwischen ausfallen, zeigt ein Beispiel aus Deutschland: An einem sonnigen Tag Ende Mai fiel der Großhandelspreis zur Mittagszeit unter null Euro je Megawattstunde. Nur wenige Stunden später, gegen 20 Uhr, lag er bei fast 400 Euro je Megawattstunde. Solche Bewegungen galten vor wenigen Jahren noch als Ausnahme, inzwischen treten sie immer häufiger auf.
Nach Angaben der europäischen sind die täglichen Preisschwankungen im Großhandel inzwischen rund fünfmal so groß wie noch im Jahr 2020. Gleichzeitig liegen die durchschnittlichen Strompreise trotz häufiger günstiger oder sogar kostenloser Stromstunden in vielen europäischen Märkten weiterhin über dem Niveau früherer Jahre. Höhere Gaspreise und die starken Abendspitzen verhindern bislang, dass die Energiewende die Stromkosten nachhaltig senkt.
Warum der Solarboom das Problem verschärft
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Der Auslöser dieser Entwicklung ist ausgerechnet der rasante Ausbau der Solarenergie. An sonnigen Tagen speisen Photovoltaikanlagen zur Mittagszeit enorme Strommengen ins Netz ein. Das Angebot übersteigt dann häufig die Nachfrage, wodurch die Strompreise stark fallen oder sogar negativ werden.
Sobald die Sonne untergeht, kehrt sich das Bild jedoch schlagartig um. Die Solarproduktion bricht innerhalb kurzer Zeit ein, während viele Haushalte ihren Stromverbrauch erst am Abend erhöhen. An heißen Sommertagen kommt zusätzlich ein steigender Kühlbedarf hinzu. Dieses als „Duck Curve“ bekannte Muster führt dazu, dass Angebot und Nachfrage innerhalb weniger Stunden weit auseinanderlaufen.
„Wir halten diese Volatilität jetzt für extrem, aber das ist die neue Normalität“, sagte Silje Eriksen Holmen, Leiterin für Fundamentaldaten und Hydrologie bei Volt Power Analytics. Vor allem die Kombination aus Hitzewellen und wenig Wind ist schwierig, weil genau dann besonders viel Strom benötigt werde, wenn die beiden wichtigsten erneuerbaren Energiequellen am wenigsten liefern.
Der eigentliche Engpass sind Batteriespeicher
Das eigentliche Problem ist jedoch nicht der Ausbau der Solarenergie selbst, sondern die fehlende Möglichkeit, überschüssigen Strom zu speichern. Laut BloombergNEF erreicht die Batteriespeicherkapazität in Europa bislang lediglich rund drei Prozent der installierten Solarkapazität. Überschüssiger Strom kann deshalb häufig nicht zwischengespeichert werden und geht teilweise verloren.
Am Abend müssen stattdessen häufig teurere Gaskraftwerke einspringen, um die Versorgung zu sichern. ACER fordert deshalb einen schnelleren Ausbau von Batteriespeichern und eine leistungsfähigere Netzinfrastruktur, damit Angebot und Nachfrage künftig besser ausgeglichen werden können.
Auch in Deutschland gewinnt dieses Thema an Bedeutung. Seit Anfang 2025 müssen Energieversorger grundsätzlich dynamische Stromtarife anbieten. Damit können Verbraucher günstige Börsenstrompreise nutzen – allerdings nur, wenn sie über einen Smart Meter verfügen und ihren Stromverbrauch flexibel steuern können.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Für die meisten Haushalte bedeuten negative Börsenstrompreise nicht automatisch kostenlosen Strom. Netzentgelte, Steuern und weitere Abgaben bleiben bestehen und machen weiterhin einen erheblichen Teil der Stromrechnung aus.
Den größten Vorteil haben künftig Verbraucher, die ihren Stromverbrauch gezielt verschieben können – etwa mit einem Elektroauto, einer Wärmepumpe oder einem Batteriespeicher. Wer sein Fahrzeug oder seinen Speicher in den günstigen Mittagsstunden lädt, kann von den starken Preisschwankungen profitieren. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmodelle für Energiehändler, Batteriespeicher und intelligente Energiemanagementsysteme.
Die nächste Phase der Energiewende beginnt erst
Die extremen Schwankungen der Strompreise zeigen, dass die Energiewende in eine neue Phase eintritt. Das größte Problem ist inzwischen nicht mehr die Erzeugung erneuerbarer Energie, sondern ihre Speicherung und Verteilung. „Wir erzeugen viel zu viel. Es geht darum, ob wir die Energie über die kritischen Stunden hinweg speichern und die Lücke schließen können“, fasste Ivan Føre Svegaarden, Gründer des norwegischen Prognoseunternehmens TradeWpower, die Herausforderung zusammen.
Ohne einen schnelleren Ausbau von Batteriespeichern, intelligenten Stromnetzen und flexiblen Verbrauchslösungen dürfte die Strompreis-Achterbahn in Deutschland daher noch einige Jahre anhalten. Gleichzeitig eröffnet genau dieser Wandel neue Chancen – für Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen ebenso wie für Unternehmen, die Lösungen für die nächste Ausbaustufe der Energiewende entwickeln.
FMW/Bloomberg
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Wer konnte schon ahnen das es nachts dunkel wird…so eine Schweinerei aber auch 😊😊😊 !
Genau @ Dr. Sebastian Schaarschmid
Manchmal weht auch nachts der Wind nicht.
Oder diese blöden Dunkelflauten.
Man weiß nie wann sie aufhören
Das wird hier ganz gut erklärt.
https://youtu.be/hLoi8CcdR14?is=kzvyTawNfTO1R5Q6
Viele Grüße aus Andalusien Helmut
Ja zu einer Energiepolitik, welche sich zu sämtlich verfügbare Energieformen bekennt. HV
Spanien nutzt Wasserstoff für Gaskraftwerke als flexible Energiequelle, um Stromschwankungen von Wind und Sonne auszugleichen. Seit Mitte 2026 speist der erste Wasserstoff-Großmotor in Bermeo erfolgreich 100 % reinen Wasserstoff ins spanische Netz ein. Ziel ist es, diese Technologie als sauberes Backup für die Energiewende zu etablieren. Die wichtigsten Fakten zur Nutzung von Wasserstoff in der spanischen Stromerzeugung:Weltpremiere in Bermeo: Der finnische Hersteller Wärtsilä hat einen Großmotor in Betrieb genommen, der vollständig mit Wasserstoff betrieben wird. Er dient als Backup, wenn erneuerbare Energien nicht ausreichen.Grüner Wasserstoff: Das Land setzt massiv auf die Erzeugung von grünem Wasserstoff durch Elektrolyse, angetrieben durch günstige Solarenergie und Windkraft. Bis 2030 plant Spanien eine Elektrolysekapazität von 12 Gigawatt.Hintergrund: Herkömmliche Gaskraftwerke sicherten in den letzten Sommern bis zu 22 Prozent der spanischen Stromerzeugung. Der Umstieg auf Wasserstoff soll die CO2-Emissionen bei der Stromerzeugung drastisch senken. Europäischer Export: Über das geplante H2Med-Pipelinesystem (Projekt BarMar) soll der grüne Wasserstoff von der Iberischen Halbinsel auch nach Frankreich und in andere Teile Europas transportiert.
Man sollte dabei nicht vergessen, dass die Sonneneinstrahlung z. B. hier in Andalusien, 80% intensiver ist als in Deutschland.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Deutschland plant bis 2030 eine installierte Elektrolyseleistung von 10 GW. Allerdings: planen kann man beliebig viel, wie uns Chinas Kommunisten ständig vor Augen führen 😉
In Deutschland sind aktuell rund 20 GW an Batteriespeichern installiert – in Spanien dagegen aktuell nur traurige 532 MW 😮
Ja @ Jonas Topsch
Batterien sind für die sekundenschnelle Bereitstellung von Strom wichtig, damit dann z. B. konventionelle Gaskraftwerke hochgefahren werden können.
Spanien benutzt dann eher die Wasserkraft.
Die Erzeugung von Wasserkraft (ohne Pumpenspeicherkraftwerke sind in Spanien und Deutschland mit etwa 6 GW etwa gleich.
Auf die Bevölkerung gerechnet in Spanien doppelt so hoch.
Aber in Sachen Batterien muss Spanien noch was tun. Denn das ist in jedem Fall billiger, als Wasserstoff mechanisch wieder in Strom umzuwandeln.
Zumal den Wasserstoff auch die Industrie gut gebrauchen kann, die ihn heute noch zu über 90 % aus Gas herstellt.
Wenn ich die richtigen Zahlen im Kopf habe, dann wird in Deutschland ca. 97 % des Wasserstoff, den die Industrie benötigt, aus Gas hergestellt.
Da kann besser das Erdgas gespeichert werden, denn es benötigt bei gleichem Heizwert, gegenüber Wasserstoff, nur etwa den halben Platz.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut