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Studie: 35% der Arbeitsplätze gefährdet durch Automatisierung – die Lösung des Problems lautet…

Bis zum Jahr 2030 sind 35% aller Arbeitsplätze in Deutschland bedroht durch Automatisierung seitens Robotern und künstlicher Intelligenz. In Großbritannien sind es 30%, in Japan 21%, und in den USA 38%, so eine Studie der…

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FMW-Redaktion

Bis zum Jahr 2030 sind 35% aller Arbeitsplätze in Deutschland bedroht durch Automatisierung seitens Robotern und künstlicher Intelligenz. In Großbritannien sind es 30%, in Japan 21%, und in den USA 38%, so eine Studie der Unternehmensberatung PwC. Das höchste Risiko hätten die Branchen Transport, produzierendes Gewerbe sowie der Groß- und Einzelhandel. Geringer sei das Risiko in den Bereichen Bildung, Gesundheit und Sozialarbeit.

Angeblich sollen laut PwC eher Männer (35%) als Frauen (26%) durch die fortschreitende Automatisierung bedroht sein. Das liege daran, das Männer stärker in Berufen wie Transport, Lager und Fertigung arbeiten würeden als Frauen. Die Automatisierung werde die Produktivität und den Wohlstand erhöhen. Die Einkommens-Ungleichheit werde dadurch aber womöglich zunehmen. Ökonomische, rechtliche und regulatorische Auflagen könnten in der Praxis die Geschwindigkeit des Foranschreitens der Automatisierung abbremsen, so die Studie.

Laut PwC werde die Automatisierung die menschliche Beschäftigung als Ganzes auf lange Sicht nicht reduzieren. Denn durch mehr Produktivität würden an anderer Stelle neue Tätigkeitsfelder entstehen, wo vorher einfache Jobs weggefallen seien. Die Lösung des Problems, sie ahnen es schon: Mehr Bildung! Ein größeres Stück des Kuchens (Einkommen) werde an die gut Gebildeten gehen. Daher brauche man beim Eintritt in den Arbeitsmarkt zukünftig noch höhere Niveaus bei der Bildung. Für den einzelnen Arbeiter sei Bildung der Schlüssel.

Unsere Meinung: Es ist eine Ironie, dass gerade die Jobs am wenigsten von der Automatisierung betroffen sein sollen, die am Schlechtesten bezahlt sind. Dazu gehören ja wie PwC schreibt Pflegeberufe, Sozialarbeit usw. Und ob unterm Strich wirklich an anderer Stelle Millionen neuer Jobs entstehen? Daran haben wir schon in den letzten Monaten mehrmals unsere ganz subjektiven Zweifel geäußert. Kann man „Legionen“ arbeitsloser Supermarktmitarbeiter und Kommissionierer umschulen zu App-Programmierern, Roboteringenieuren, Software-Experten, Unternehmensberatern usw? Es geht uns hierbei nicht um das Niveau von Intelligenz oder Lernbereitschaft.

Es geht schlicht und einfach darum, ob denn wirklich in der voll automatisierten Gesellschaft überhaupt (!) genug neue Jobs für Menschen geschaffen werden können in anderen Branchen. Daran kann man ernsthaft Zweifel haben. Wohin führt das? Eine Robotersteuer, die umverteilt wird in ein Bedingungsloses Grundeinkommen für diejenigen, für die es schlicht und einfach keinen Platz mehr im Arbeitsmarkt gibt? Das ist eine Idee, die an so mancher Stelle schon diskutiert wird.

Übrigens: Letzten Freitag sagte der neue US-Finanzminister Mnuchin er sei nicht besorgt, dass künstliche Intelligenz den Amerikanern Jobs wegnehmen könne. Na dann ist ja alles in Ordnung. In Deutschland hört man zu dem Thema überhaupt nichts. Unser Vorschlag für die Praxis: Die Bundesagentur für Arbeit kann ja zusammen mit den Jobcentern einfach ein paar Millionen zusätzliche „Weiterbildungsmaßnahmen“ schaffen in einer Art Dauerschleife, dann sind die Menschen „versorgt“ (traurige Satire mit einem Schuss Wahrheit).

PwC zum Thema mehr Bildung im Wortlaut:

“There’s no doubt that AI and robotics will rebalance what jobs look like in the future, and that some are more susceptible than others. What’s important is making sure that the potential gains from automation are shared more widely across society and no one gets left behind. Responsible employers need to ensure they encourage flexibility and adaptability in their people so we are all ready for the change. “In the future, knowledge will be a commodity so we need to shift our thinking on how we skill and upskill future generations. Creative and critical thinking will be highly valued, as will emotional intelligence. It’s impossible to predict what jobs there will even be in the future, so life-long learning and a positive attitude to embracing change needs to be a fundamental aspect of the UK’s future success. The government’s digital strategy acknowledges the challenges and is a step in the right direction towards creating the right environment to support UK businesses’ exploration of emerging technology to drive growth.”

23 Kommentare

23 Comments

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    frank.trg

    27. März 2017 14:12 at 14:12

    Wäre an den Befürchtungen was dran, gäbe es heute schon viel weniger Arbeitsplätze, doch das Gegenteil ist der Fall. Zumindest in Deutschland gibt es mehr Arbeitsplätze als je zuvor. Die Diskussion um Arbeitsplatzverluste durch Modernisierung und technischen Fortschritt gibt es schon seit Beginn der Industrialisierung, also seit gut 250 Jahren. Vor jedem großen Fortschritt (Dampfmaschine, Elektrizität, Computer usw.) gab es Befürchtungen dass Arbeitsplätze durch effizientere Maschinen gefährdet seien. Dies kam dann meist auch so, allerdings entstanden dadurch auch immer neue Arbeitsplätze in ganz neuen Branchen die man sich damals noch gar nicht vorstellen konnte. So wird es vermutlich auch diesmal kommen. Die heute schon sehr effiziente und durchtechnologisierte Industrie wird vermutlich noch effizienter und dazu werden immer weniger Menschen benötigt. Parallel werden neue Arbeitsplätze und Branchen entstehen. Vorausgesetzt das marktwirtschaftliches System bleibt intakt. Wenn das so bleibt hab ich überhaupt keine Angst und Bedenken. Man muss deshalb jegliche sozialistischen Umtriebe und kommunistisches Gedankengut von Grund auf bekämpfen.

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      Bernhard Zimmermann

      27. März 2017 17:30 at 17:30

      Nein, es wird nicht so kommen, wie beschrieben. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass die meisten Menschen gar nicht verstehen, was Industrie 4.0 überhaupt bedeutet und in welcher Form diese Art der Computisierung die Arbeitswelt verändern wird. Auf jeden Fall werden dadurch nicht mehr Arbeitsplätze geschaffen als verloren gehen. Das ist nun mal Fakt.

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        frank.trg

        27. März 2017 18:27 at 18:27

        das ist lächerlich.

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      Lars

      28. März 2017 00:01 at 00:01

      @frank.trg Haben Sie in Ihren fundierten und sensationellen wirtschaftsppolitischen Betrachtungen auch die Bevölkerungsentwicklung mit einbezogen? Dass die Weltbevölkerung jede Minute (!!!) um etwa 160 Einwohner wächst (das sind viele pips, das sind etwa 230.000 pro Tag)??
      Und dass seit 40 Jahren kein wirklicher technologischer Fortschritt mehr gemacht wurde???
      Dass die größten Genies wie Stephen W. Hawkin einfach ignoriert und zu lästigen warnenden Randfiguren abgestempelt werden?
      „Vor jedem großen Fortschritt (Dampfmaschine, Elektrizität, Computer usw.) gab es…“ Nur gibt es mit Industrie 4.0 keinen großen Fortschritt, sondern lediglich Rationalisierungsmaßnahmen, wachsende Macht-Konglomerate und Profitmaximierung als einziges Ziel.
      Worauf gründen Sie in Ihrem historisch-philosophischen Postulat diese optimistische Perspektive? Auf Kernfusion? Auf der Bekämpfung jeglicher sozialistischen Umtriebe und kommunistischen Gedankengutes??

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        frank.trg

        28. März 2017 09:07 at 09:07

        Ich begründe meine Perspektive mit 250 Jahren Industriegeschichte. Da kam es trotz Effizienzsteigerung, Fortschritt, Rationalisierung und Macht- und Profitmaximierung, eben nicht zu Massenarbeitslosigkeit. Zumindest nicht dauerhaft. Das Argument mit der stark wachsenden Weltbevölkerung zählt hier nicht, da dass die westliche Welt nicht betrifft und sich meine Aussagen nur auf den Westen bzw. auf entwickelte Welt bezogen.; Deshalb bin ich weiter optimistisch dass es auch in Zukunft nicht anders kommen wird. Im Gegenzug frage ich mich worauf die negativen Zukunftszenarien der Massenarbeitslosigkeit beruhen, wo die Geschichte doch das Gegenteil bewiesen hat.?

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    Bernd L

    27. März 2017 16:29 at 16:29

    Papperlapapp. Jeder kriegt seinen persönlichen Roboter oder Maschine in der Firma der für ihn das Geld verdient, das er dann ausgibt. Darüber hinaus kann man sich dann den schöngeistigen Themen und der Kunst widmen oder der Mediation um zur Erleuchtung zu gelangen. Noch in diesem Leben. Ich meine das grundsätzlich ernst!

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    Alex

    27. März 2017 17:32 at 17:32

    Das amüsante an der Geschichte ist, dass es unendlich Arbeitsplätze geben kann. Herr Weise macht es vor (Artikel auf heise.de über Öffentlich geförderte Arbeitsplätze). Also nicht einfach nur 1-Euro-Jobs, Zuschüsse und Aufstockung für Arbeitnehmer, sondern nun das volle Programm. Wenn man noch den ganzen Apparat (Jobcenter, Bildungsgutscheine etc.) zur Kontrolle der Arbeitslosen/Erwerbslosen sich anschaut, dann ist da richtig Wachstum dahinter.

    Übrigens ist es genau das gleiche Spiel mit den Pflegeberufen. Weshalb ist den dort Mangel und schlechte Bezahlung? Ganz einfach, weil der Staat es durch Steuern/Abgaben finanziert und mit allen Mitteln versucht es zu deckeln, da es schon jetzt kaum finanzierbar ist. Man kann das sehr gut in den USA beobachten. Insbesondere rächt sich auch in diesem Fall die niedrigen Lohnsteigerungen mit der Steigerung der Teilzeit seit ca. 1995 die dazu beitragen das immer mehr Menschen im Alter sowieso auf den Staat angewiesen sein werden.

    Ganz platt die Differenz zwischen Arbeit und Entlohnung für eine immer größere Personengruppe führt zur letztendliche massiven Verschuldung des Staates wenn er die Steuern nicht erhöht und seine Schuldenbremse weiterhin bis 2020 durchführen will. Oder es gibt schon länger nicht genug Arbeitsplätze die von sich aus tragfähig sind. Da gibt es genug Beispiele über die tatsächliche Arbeitslosigkeit, dauerhafte Ausbildung, Transferleistungen, Sozialversicherungsbeschäftige vs. Erwerbstätige. Deutschland hat nur den zurzeit bequemen Vorteil vom massiven Exportüberschuss der die Probleme kaschiert.

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      frank.trg

      27. März 2017 18:31 at 18:31

      so ist es. Jeder staatliche Eingriff zieht unzählige Folgeprobleme nach sich. Je freier die Märkte, desto mehr Arbeitsplätze und desto höhere Löhne. Vorausgesetzt man begrenzt die Personenfreizügigkeit. Im Klartext bedeutet das freier Warenverkehr, aber kein freier Personenverkehr. Leider läuft es genau andersrum.

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        Alex

        28. März 2017 15:15 at 15:15

        Das würde ich so nicht sagen. Der Staat ist ineffizient, aber effizienter als der freie Markt (siehe 2008 Gläubiger-Schuldner Clash mit Bailout vom Staat!). Der Staat schafft gleichzeitig ein Mix aus Gerechtigkeit, Gleichheit gegenüber Vor- und Nachteilen für andere Personengruppen. Das große Problem ist dabei natürlich wenn Teile der Bevölkerung entweder Vorteile verlieren (wer gibt den schon etwas freiwillig ab) oder viele Menschen Nachteile haben und dadurch die Gemeinschaft als ganzes brüchig wird. So kann man auch sagen der Staat schafft auf Kosten (Steuern) von einem Teil der Bevölkerung Arbeitsplätze die von sich aus nicht werthaltig/sinnvoll sind um weiterhin sozialen Frieden, Wohlstand (Gesundheit, Lebensmittel etc.) zu ermöglichen. Dies ist z.B. in meinen Augen falsch, da es falsche Anreize setzt. Schwierig wird es heraus zu finden wie man das Problem lösen kann.

        Konterkarieren sich nicht ein wenig den freien Markt im Bereich für freien Warenverkehr, aber keine Personenfreizügigkeit? Wie sieht es mit freiem Kapitalverkehr aus? Was dürfen in einem solchen Fall die NZB’s unternehmen?

        In meinen Augen ist das eine Wunschvorstellung um Verantwortung abzugeben. Anstatt darauf zu hoffen der „Markt“ regelt es, wäre es doch besser den Staat effizienter zu gestalten im Bezug auf verantwortungsvollen Maßnahmen für die eigene Bevölkerung. Sie sind z.B. der Meinung der Staat hat eine ineffiziente Politik im Bereich Personenfreizügigkeit unternommen. Was wäre eine vernünftige Korrektur?

        Das erinnert mich ein wenig an den Satz: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

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    Tino

    27. März 2017 18:31 at 18:31

    In 17Jahren 35% der Arbeitsplätze zu automatisieren halte ich für etwas zu schnell gedacht aber vielleicht 2040-2050.Sollte das wirklich schneller gehen und kein Grundeinkommen existieren oder die Wirtschaftspolitik umgestellt werden kollabiert das System von allein. Die Jobs so schnell zu ersetzen halte ich für nicht machbar, ein Strukturwandel hat noch nie so schnell funktioniert vor allem da der Schlüssel die Bildung sein soll. Es gibt doch jetzt schon genug überqualifizierte.

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    Tino

    27. März 2017 18:35 at 18:35

    Nur so eine Idee. Wird die Automatisierung unter 4.0 evtl. Als Druckmittel genommen um weitere Rationalisierungen durchzusetzen und die Löhne zu drücken, wenn die Politikdarsteller wöllten könnten Sie dem schnell einem Riegel vorschieben bzw. Das ganze abmildern.

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    Jan

    27. März 2017 19:25 at 19:25

    Guten Abend
    ich arbeite in der Landwirtschaft. In 1900 tat dies fast die Hälfte der Europäische Bevölkerung in registrierte Form, daneben noch fast jeder mit irgendwelche Form von Eigenversorgung. Heute arbeitet ca. 2 Prozent der Berufsbevölkerung in der Landwirtschaft, Tendenz weiter abnehmend. Die Bevölkerung hat sich verfielfacht, deswegen ist der absolutue Zahl etwas weniger erschreckend. Trotzdem: es hat keine Massenarbeitslosigkeit verursacht. Es hat sich geändert. Es wird sich erneut ändern, nun werden weitere Branchen mit weniger Menschen auskommen, dafür wird es andere Tätigkeiten geben. Viele geisttötende abstumpfende Arbeit wird von Roboter übernommen. Jupi! Zeit für tolle Sachen.
    Und genauso wie deswegen zwischen 1900 und heute der Welt nicht untergegangen ist, wird es wieder nicht passieren.
    Ihr seid doch alle Investoren, die nach vorne schauen und Chancen und Risiken meinen vorher sehen zu können? Nun die Chancen und Risiken gibt es Ausschließlich wegen den Änderungen.
    Ich verstehe diese Diskussion nicht so gut. Soll alles so bleiben wie es ist? Das wäre mal richtig neu auf diesen Planeten. Und dann war es mit Investieren auf Schlag vorbei! Wie langweilig.

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      frank.trg

      27. März 2017 20:13 at 20:13

      Jan, Danke für den Beitrag. Genau das hab ich auch oben in meinem Beitrag beschrieben. Das Beispiel mit der Landwirtschaft ist sehr gut. Die Effizienzsteigerung hat dort zwar zu weniger Arbeitskräften geführt, dafür sind aber neue Branchen und Arbeitsplätze entstanden. Ich halte die Diskussion deshalb auch für schwachsinnig.

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    Tino

    27. März 2017 20:26 at 20:26

    Auch bei dem Prozess der Industrialisierung gab es Massenarbeitslosigkeit und extreme Armut, das auszublenden finde ich ein wenig verharmlosend,auch wenn nicht alles damit zusammenhängt aber zwischendurch gab es Weltkriege etc., und auch wenn ich mir es sehr wünschen würde bezweifle ich das 80-90% der Bevölkerung in der Lage sind extrem komplexe Arbeiten zu verrichten,wenn es einfache arbeiten sind machen die laut Diverser Studien bald weitaus besser Roboter und Algorithmen. Hängt aber am Ende fast alles von einigen Eliten ab und was die Menschen bereit sind zu akzeptieren.

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    Tino

    27. März 2017 20:42 at 20:42

    Übrigens man darf Deutschland als extremes Exportüberschussland nicht als bestes Beispiel für den weltweiten Arbeitsmarkt sehen, viele Länder haben Massenarbeitslosigkeit,einfach mal nach Südeuropa oder die USA schauen, hängt natürlich auch mit der Verteilung der wachsenden Produktivität zu tun / nicht genügend wachsenden Nettolöhnen

  9. Avatar

    Jan

    27. März 2017 21:58 at 21:58

    Wir können gerne mit Hand wieder Unkraut zupfen, Kartoffeln ernten und nach Hause tragen, usw. Schaut die Bilder an, frag mich aus über die Geschichten meiner Großeltern. FÜRCHTERLICH. Waschmaschine, Schlepper und Mähdrescher usw. haben die Menschen aus dem aussichtslosen kaputmachende Arbeit geholt. Welch ein Fortschritt. Und heute machen romantiker auf Biobetriebe es wieder von Hand, ich in meinem Garten. Aber weil es geht, nicht weil es muss. Und Suche mal Spargelstecker oder Erdbeerernter. Sogar beim schönen Wetter wollen die verwöhnten Menschen das nicht mehr tun. Deswegen bedrohen die Roboter usw nicht, sie sind sogar sehr erwünscht, sonnst bleibt irgendwann die Ernte stehen und dann hat der Einpack-Verarbeit-und-Zubereit Robot nichts zu tun und Sie nichts zu essen. So einfach ist das immer noch, auch wenn es keiner hören möchte.

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    Lars

    28. März 2017 00:33 at 00:33

    @Jan Die Alternative zu Unkraut zupfen ist aber nicht Automatisierung, sondern Glyphosat. Die lebenden „Schädlinge“, die sich nur wegen der fortschrittlichen Monokulturen entwickeln, werden mittels anderer Chemie vernichtet. Für das Wachstum auf den ausgelaugten Böden verwendet man dann noch etwas mehr Chemie (Kunstdünger).
    Ich lebe am Rande eines Riesenfeldes, das fortschrittlicherweise ein einziger Landwirt mit einem Traktor und einem Riesenfass voller Gift in Rekordzeit bewirtschaftet.
    Und ich habe nicht das Glück wie Sie, dass ich in meinem Garten gesundes Essen anbauen kann. Selbst wenn es müsste, es geht nicht. Das Gift vom Landwirt kennt keine Grundstücksgrenzen.
    Und einmal ehrlich: Würden Sie bewusst die industriell produzierten „Nahrungsmittel“ verzehren? Bauen Sie wirklich nur in Ihrem Garten biologisch an, weil es geht?? Oder weil Ihnen bewusst ist, was Sie sonst konsumieren müssten???

    • Avatar

      Jan

      28. März 2017 19:40 at 19:40

      Hallo Lars und weitere Leser,

      naturlich esse ich ungerne „industrie“ Essen mit Glyphosat usw. drauf. Leider gibt es noch viel schlimmere Sachen als Glyphosat. Aber das Gift könnte man vermeiden indem man Bio anbaut. Dann muss aber von Hand gerupft werden. Dafür gibt es keine Leute die das wollen. Also wenn wir Konsument es auch bezahlen wollten und könnten, kann die gesamte Landwirtschaft nicht auf Bio umschalten, wenn ein Teil der Menschheit nicht bereit ist, Handarbeit zu verrichten. Aber, jetzt zurück zum Thema in diesem Teil: Der Robot ist bald so weit. Der wird mechanisch Unkraut bekämpfen, was die Lebensmittelqualität inmens steigern wird (Weniger Chemie) und der geamte Umwelt verbessern wird. Wer dann erneut sagt, er möchte das nicht, dann mit Hand bitte.
      Übrigens wird klar sein, wie ich glaube, dass die Wirtschaft funktioniert: die meiste Produkte entstehen, weil jemand damit ein Problem meint zu lösen. Damit lässt sich dann Geld verdienen. So ist der Chemie entstanden. So entstehen Roboter. Damit es uns bequemer wird. Das nicht alle Erfindungen langfristig sinnvoll sind, ist leider fürchterlich war, wurde leider nicht zur Zeit der Erfindung festgestellt. Mittlerweile sind wir besser im Stellen vom Fragen: ist es entsorgbar, umweltverträglich, usw.
      So und deswegen glaube ich das weitere Automatisierung entsteht aus einem „pull“ effekt. Der Anwender will es, braucht es, usw. Ich könnte Zahllose Beispiele Auflisten aus der Maschinenbau und Landwirtschaft, wo weitere Automatisierung aus Grundne der Umwelt, menschliche Belastung, Resourcen, Kosten, wirklich sinnvoll ist. Und deswegen werden dafür Lösungen entwickelt. Ich hoffe dass die richtige Fragen dabei gestellt werden und befürchte dass es nicht immer so ist. Dafür sind wir Mensch, eben nicht perfekt.

  11. Avatar

    Jan

    28. März 2017 21:43 at 21:43

    Und mein Garten dient mehr die Seele als der Teller. Wir können uns damit weit nicht ernähren nur es ist angenehm mal eine eigene Tomate oder so zu essen. Ich bin leider auf die Erzeugung von Ernährung angewiesen und hoffe dass ich dabei nicht veräppelt werde. Alle diese Gütesiegel…
    Wer weiß nun wirklich was gut ist? Aber das ist ein anderes, ebenfalls diskutierbares Thema.

  12. Avatar

    Tino

    28. März 2017 22:02 at 22:02

    Für das Nahrungsproblem gibt es das schon ziemlich weit entwickelte vertical farming ,u.a. in Berlin hat sich da schon etwas herausgebildet

  13. Avatar

    Jan

    29. März 2017 20:03 at 20:03

    Für das Nahrungsproblem ist vertical farming ein angenehmes Tröpchen auf der heiße Stein. Fsst, weg.
    Tun wir mal eben sehr pauschal:
    Ein Mensch konsumiert ca. 0,5kg Ernährung pro Tag.
    Ein Ha Weizen liefert im Schnitt in der EU ca. 8 T. = 8000kg Damit könnten also rein theoretisch, pauschalisiert, nur um ein Gefühl für Mengen zu kriegen, 16.000 Menschen 1 Tag ernährt werden.
    In der EU sind ca. 750Million Menschen * 365 / 2 *1/16000 = 8,5 Million Ha.
    Wir essen kein 500gr Weizenmehl am Tag und gut ist. Wir essen auch Gurken oder Pommes, Fleisch, usw. Die meiste andere Produkte brauchen deutlich mehr Ha pro Kilo Endprodukt. Wenn mit Vertikalfarming 1000 Ha geschaffen werden, ist das super am laufen und der oben beschriebene Tropfen auf dem Heißen stein. Faktor 10 oder 100 tun da immer noch wenig.

  14. Avatar

    Tino

    29. März 2017 21:34 at 21:34

    Irgendwann muss ja auch einmal angefangen werden,ich glaube in der EU existiert genügend Ackerland und wenn etwas weniger Fleisch gegessen würde währe noch viel mehr da, das dann noch mit vertical farming kombiniert und es könnten mehrere Milliarden Menschen ausreichend ernährt werden nur auf EU Ebene, es muss der Wille und Finanzen dahinter stehen

  15. Avatar

    Gast

    2. Oktober 2017 17:34 at 17:34

    Hm.
    Dies betrifft wohl fast jede Berufssparte
    Schaut mal nach Japan. Dort gibt es Roboter die in Restaurants und in der Hotelrezeption eingesetzt werden.

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Zinsen für Privatanleger steigen – was das mit der Coronakrise zu tun hat

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Es gibt jüngst ein klein wenig mehr Zinsen für Sparer

Die Zinsen die Privatkunden auf Tagesgeld und Festgeld erhalten können, steigen seit einigen Tagen. Wie kann das sein? Denn die Zinsen sinken weltweit, die Märkte werden von den Notenbanken geflutet, es werden neue Anleihekaufprogramme aufgelegt. Die Tendenz geht doch allgemein zu immer mehr Lockerung und sinkenden Zinsen. Warum also kann der deutsche Kleinsparer aktuell höhere Zinsen erhalten?

Schauen wir zuerst auf die aktuelle Veränderung. Die Finanzvergleichsportale zeigen bei den besten Anbietern oft auch völlig unbekannte ausländische Banken, die mit den besten Zinsen deutsches Anlegergeld anlocken wollen. Dementsprechend ist natürlich auch das Ausfallrisiko höher. Man muss sich auf die dortigen Bankeneinlagensicherungssysteme verlassen, dass sie auch wirklich zahlen, wenn die Bank pleite geht. Eine gewisse „FIMBank“ aus Malta bietet laut Check24 zum Beispiel nach vormals 0,25 Prozent jetzt 0,60 Prozent aufs Tagesgeld. Laut tagesgeld.org bietet die Renault Bank derzeit sogar 0,70 Prozent an. Auch die Bank des französischen Auto-Konkurrenten PSA führt der Vergleichsanbieter unter den Top 5 mit 0,40 Prozent. Als Vergleich: Bei der Deutschen Bank gibt es (siehe hier) beim „Festzinssparen“ aktuell nur 0,01 Prozent Zinsen.

Etwas mehr Zinsen dank Coronakrise

Der Grund, warum einige Banken jetzt mit den Zinsen raufgehen, könnte vereinfacht gesagt der selbe sein, warum der Goldpreis in den letzten Wochen auch gefallen war, als der Aktienmarkt crashte. In Zeiten der Krise will man möglichst viel Liquidität horten. Also saugen sich einige Institute nun voll mit Liquidität. Und die Coronakrise hat noch einen anderen Effekt. Die Märkte sehen offenbar (oder logischerweise?) erhöhte Ausfallrisiken, wenn sie jetzt Unternehmen neue Kredite in Form von Anleihen gewähren. Daher müssen selbst große Konzerne aktuell deutlich mehr Zinsen zahlen, wenn sie frisches Geld aufnehmen. Zum Beispiel die Finanztochter von Volkswagen hat gestern Anleihen im Volumen von 2,15 Milliarden Euro am Markt platziert. Bei einer dieser Anleihen lag der der Zinssatz sogar 3,35 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz! Zum Beispiel für Finanzierungsinstitute, die als Konzerntöchter von Autoherstellern fungieren, scheint es derzeit lohnenswert zu sein, dem Kleinsparer etwas mehr Zinsen anzubieten – das könnte im Vergleich zur Geldbeschaffung am Kapitalmarkt günstiger für sie sein. So äußert sich aktuell sinngemäß auch Check24 bei focus.de. Es ist daher also wohl kein Zufall, dass beispielsweise die Banken der französischen Anbieter aktuell hohe Zinsen anbieten?

Fraglich ist, ob dieser Trend hin zu höheren Zinsen für Privatkunden anhält. Läuft der Trend der Coronakrise in den nächsten Wochen weiter so wie ganz aktuell, und man bekommt die Infektionszahlen langsam in den Griff… dann könnte was passieren? Das Vertrauen der Märkte nimmt wieder zu, die Regierungen stützen mit immer mehr Kredit- und Bürgschaftsprogrammen die Unternehmen. Dann könnten die Finanzierungskonditionen am Anleihemarkt wieder deutlich sinken, und die Gelder der Privatkunden können für die ein oder andere Bank wieder an Attraktivität verlieren.

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Eurobonds – wozu? Wir haben doch die allmächtige EZB!

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In der Eurozone flammt wegen der Corona-Krise die Diskussion um die Vergemeinschaftung der Staatsschulden via Eurobonds wieder auf. Doch diese Gemeinschaftshaftung ist durch die jüngsten Regeländerungen bei der EZB bereits Realität.

Eurobonds durch die Hintertür

Am letzten Donnerstag trat der Konflikt zum Thema Schuldenvergemeinschaftung in der EU auf dem Sondergipfel der G20-Staaten offen zutage. Sowohl die Kanzlerin als auch der holländische Regierungschef Mark Rutte argumentierten klar gegen Gemeinschaftsanleihen, die sogenannten Eurobonds. Länder wie Italien, Spanien und Frankreich fordern dagegen vehement die Einführung solcher Anleihen. Allerdings unter einem neuen Namen, der Ausdruck der Solidarität innerhalb der EU sein soll: „Corona-Bonds“. Da diese Solidarität bislang verwehrt blieb, hat der französische Präsident Emmanuel Macron nach eigenen Aussagen mittlerweile den Glauben an die EU verloren.

Dabei ist die Gemeinschaftshaftung für die Schulden der einzelnen Länder der EU längst Realität. Zum einen über die TARGET2-Salden, die durch den Ausgleich von Defiziten und Überschüssen im Außenhandel der EU-Mitgliedsstaaten entstehen. Die Exportüberschüsse Deutschlands gegenüber z. B. Italien führen dabei zu Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank Banca d’Italia gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) und auf der anderen Seite zu einer Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB.

Zum 29. Februar 2020 betrugen diese Forderungen Deutschlands gegenüber der EZB 821,6 Mrd. Euro. Diese Summe entspricht 23,8 Prozent des gesamten deutschen Bruttoinlandsprodukts. Vereinfacht könnte man sagen, dass Staaten wie Italien, Spanien oder Griechenland die importierten Güter aus Deutschland über ihre nationalen Zentralbanken einfach via EZB bei der Bundesbank anschreiben lassen – vergleichbar einem Lieferantenkredit. Im Falle eines Scheiterns der Eurozone müsste Deutschland einen Großteil dieser Forderungen wohl abschreiben. Daher ist das Scheitern der Gemeinschaftswährung in Anbetracht der Forderungshöhe auch für Deutschland schon lange keine Option mehr. Umso mehr ist die Ablehnung von Eurobonds durch deutsche Politiker zur Rettung der Eurozone reine Heuchelei. Die Drecksarbeit überlässt Berlin dabei gern der EZB in Frankfurt.

Die zweite Form der Schuldenvergemeinschaftung innerhalb der EU erfolgt nämlich aktuell bereits über das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB). Bis Ende 2020 sollen Anleihen im Volumen von einer Billion Euro am Kapitalmarkt erworben werden, v. a. Staatsanleihen der in Not geratenen Südländer. Die noch bis vor Kurzem dafür geltenden Regeln, die eine Gemeinschaftshaftung verhindern sollten, sind nun außer Kraft gesetzt. So durfte die EZB zum Beispiel bislang keine Anleihen Griechenlands kaufen, da die Bonität des Landes zu schlecht ist. Daran hat sich zwar nichts geändert, aber wie sagte die EZB-Chefin Christine Lagarde jüngst ganz klar: „Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“. Sollte Griechenland als Schuldner ausfallen, blieben die übrigen 18 EU-Mitgliedstaaten über ihre Anteile an der EZB auf den dann wertlosen Papieren sitzen.

Noch bedeutender ist jedoch die Aufhebung des Kapitalschlüssels als Grundlage für Anleihekäufe. Bisher durfte die EZB Staatsanleihen einzelner EU-Länder nur in Höhe des Anteils der Staaten am Grundkapital der Europäischen Zentralbank erwerben. Der Kapitalschlüssel wird je zur Hälfte anhand des Anteils eines Landes an der Gesamtbevölkerung und dem Bruttoinlandsprodukt der EU errechnet. Gehören beispielsweise 10 Prozent der EU-Bevölkerung zu einem Land, das 20 Prozent der gesamten EU-Wirtschaftsleistung erbringt, dann liegt der Kapitalschlüssel bei 15 Prozent. Der Anteil Deutschlands am Grundkapital der EZB betragt 26,8 Prozent, der Italiens nur 16,5 Prozent. Die EZB durfte also bisher im Rahmen ihrer Anleihekäufe nie mehr als diesen Anteil Italiens an der EZB erwerben, sodass im Falle einer Staatspleite die Haftung der EZB auf diesen Anteil beschränkt bliebe. Dieses Limit existiert nun nicht mehr.

Schon jetzt besteht das Problem des Länderschlüssels in der Differenz zwischen dem Eigenkapital der EZB in Höhe von 10,8 Mrd. Euro und dem Volumen ihrer Bilanz in Höhe von 4,8 Billionen Euro, die durch bereits gekaufte Anleihen von Staaten, Banken, Unternehmen und der Immobilienwirtschaft extrem aufgebläht wurde. Der von Italien eingezahlte Anteil am Grundkapital der EZB deckt schon lange nicht mehr die Risiken, die aus dem Volumen der von der EZB gehaltenen italienischen Staatsanleihen resultieren. Dieses Problem wird sich nun durch die Aufhebung des Länderschlüssels noch weiter verschärfen.

ESM-Rettungsschirm, Eurobonds oder EZB

Um dieser Problematik zu entgehen, fordern besonders Politiker aus Deutschland und den Niederlanden Italien und Spanien auf, sich unter den ESM-Rettungsschirm der EU zu begeben, statt Eurobonds aufzulegen. Der in Luxemburg beheimatete ESM wurde in der Eurokrise zunächst als EFSF eingeführt (European Financial Stability Facility) und im Februar 2012 in ESM umgetauft (European Stability Mechanism).

Doch die Südländer lehnen es ab, den ESM in Anspruch zu nehmen. Aber warum? Weil damit strenge Auflagen und quasi die Aufgabe der finanzpolitischen Souveränität einhergehen würde. Allgemein gilt für den Empfänger von Hilfszahlungen aus dem ESM: je größer die finanzielle Hilfe, desto härter die Auflagen. Vor allem mit direkten Kredithilfen werden Forderungen nach Strukturreformen und Sparprogrammen verknüpft. Welche Schritte das jeweilige Land einleiten muss, wird in einem „Memorandum of Understanding“ detailliert festgehalten, die beide Seiten aushandeln müssen, was wiederum einen langwierigen Verhandlungsprozess bedeuten kann. Die Südländer brauchen die Finanzhilfe aber jetzt sofort. Außerdem werden die Auflagen streng durch Mitarbeiter des in Luxemburg beheimateten ESM im jeweiligen Empfängerland beaufsichtigt und nachgeprüft. Solche Bilder, vergleichbar dem Einlaufen der Troika ins griechische Finanzministerium in Athen im Sommer 2013, wollen die Italiener aber in Rom nicht sehen. Das würde schwer am italienischen Nationalstolz kratzen. Daher lehnen die Politiker aller großen Parteien in Italien diesen Schritt ab. Zumal die aufoktroyierten Sparprogramme in Griechenland sehr viel Elend erzeugt haben.

Eurobonds sind nicht mit derartigen Auflagen belastet und könnten ebenfalls von der EZB gekauft werden. Die Zinsen am Kapitalmarkt für Eurobonds wären deutlich geringer als die für reine italienische oder spanische Staatsanleihen, da unter anderem auch Deutschland mit seiner aktuell noch sehr moderaten Schuldenquoten und seiner relativ hohen Wirtschaftskraft als Schuldner bei den Eurobonds voll mit haften würde.

Solange sich die Fiskalpolitiker jedoch in Sachen Eurobonds nicht einigen können, muss die EZB quasi Feuerwehr spielen und durch enorme Ankaufvolumina den Markt für italienische, spanische, griechische, portugiesische und sogar französische Staatsanleihen stützen. Ein demokratisch erzeugtes Mandat dafür hat sie zwar nicht, aber ohne die jüngsten Schritte der EZB wäre die Eurozone bereits in einer neuen Krise. Wie lange diese geldpolitischen Notfallmaßnahmen noch tragen, ist nicht absehbar, wie Dirk Schuhmanns in seinem Artikel „Warum das Coronavirus den Euro beerdigen könnte“ beschreibt.

Doch vor den Bundestagswahlen im kommenden Jahr will sich kein Politiker hierzulande an Eurobonds politisch die Finger verbrennen.

Fazit und Ausblick

Da die Fiskalpolitik sich nicht einigen kann, sprengt die Geldpolitik sämtliche Grenzen ihrer Legitimität und macht das, wovor Politiker in Nordeuropa zurückschrecken. Nach diversen Regeländerungen stützt die EZB mit ihrem über eine Billion schweren Anleihekaufprogramm nun v. a. Staaten wie Italien, Griechenland und Spanien und deren Bankensystem. Ohne diese Unterstützung drohten die Renditen für Staatsanleihen der hoch verschuldeten Südländer im Zuge der Corona-Krise zu explodieren und Banken reihenweise bankrott zu gehen. Ein Wiederausbrechen der Eurokrise konnte die EZB damit kurzfristig verhindern. Doch die Staatsverschuldung Italiens und Spaniens steigt im Zuge der Corona-Krise sprunghaft weiter an. Über die Anteile der Nordländer an der EZB verteilen sich diese wachsenden Kreditrisiken auch auf sie. Damit ist die Gemeinschaftshaftung aller Mitgliedsstaaten über die Hintertür der EZB bereits Realität geworden – ohne jede demokratische Legitimation und ohne die Einführung von Eurobonds.

Eurobonds sind durch die Regeländerung bei der EZB eigentlich überflüssig

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KfW-Kredite als Mega-Desaster für Selbständige – Sparkassen warnen!

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Cafe-Betreiber bräuchten KfW-Kredite wohl dringend

Ja super, toll, es gibt jetzt KfW-Kredite für alle Selbständigen, die sie benötigen in dieser Coronakrise. Also kommen wir alle zusammen durch diese Krise, und danach geht es weiter? Falsch! Was wir gestern schon ausführlich thematisiert hatten, wird nun auch von einem führenden Banken-Vertreter kritisiert. Selbständige können nun KfW-Kredite beantragen. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) befindet sich im Staatsbesitz. Sie gibt unbegrenzt Kredite an Unternehmen und kleine Selbständige, die mit Krediten durch die Coronakrise kommen sollen.

KfW-Kredite für die Selbständigen mit den größten Problemen unerreichbar?

Aber das Hauptproblem ist, dass für diese KfW-Kredite nur zu 90 Prozent eine Ausfallhaftung durch die KfW (also den Staat) getragen wird. Die restlichen 10 Prozent des Kreditausfallrisikos trägt die Hausbank des Selbständigen, denn über die Hausbank müssen die KfW-Kredite beantragt werden. Und was hatten wir unlängst kritisiert? Die Hausbank prüft bei diesen Krediten wie vorher auch die Bonität des Antragstellers. Hat zum Beispiel ein kleiner Cafe-Betreiber zwar ein funktionierendes Geschäftsmodell, hat aber keine Sicherheiten vorzuweisen, und es droht nach der Krise durch die KfW-Kredite eine Überschuldung… dann wird die Hausbank den Kreditantrag ablehnen, weil sie selbst das 10 Prozent-Risiko nicht tragen kann.

So drohen gerade die kleinen Selbständigen wie Betreiber von Cafes, Restaurants, Bars uvm pleite zu gehen, obwohl es unbegrenzt KfW-Kredite zur Rettung von Selbständigen gibt. Warum versteht die Politik dieses 10 Prozent-Problem nicht, so hatten wir gestern schon flehentlich gefragt. Sie muss die Staatshaftung auf 100 Prozent erhöhen, sonst erhalten gerade diejenigen jetzt keine KfW-Kredite, die sie am Dringendsten benötigen!

Und genau das kritisiert auch der Chef des bundesweiten Sparkassenverbands DSGV Helmut Schleweis! Im Interview mit dem Handelsblatt sagt er, dass viele Unternehmen, die jetzt am Dringendsten Hilfe benötigten würden, auf die Hilfen nicht zugreifen könnten. Es würden nämlich nur Unternehmen ein Darlehen erhalten, bei denen davon auszugehen sei, dass sie die Kredite innerhalb von fünf Jahren auch zurückzahlen könnten. Bei vielen Unternehmen aus Branchen, die unter der Coronakrise besonders stark leiden, sei dies aktuell nicht der Fall. Betroffen seien vor allem Unternehmen, die sehr stark von laufenden Umsätzen lebten und geringe Rücklagen hätten. Sie bekämen häufig keine Förderkredite, obwohl sie über ein funktionierendes Geschäftsmodell verfügen, wenn die Wirtschaft nach der Coronakrise wieder anläuft, so Schleweis.

Ja, so möchten wir dazu anmerken: Die Banken sind macht- und hilflos. Sie können kein 10 Prozent-Kreditrisiko tragen bei extrem hohen Ausfall-Wahrscheinlichkeiten. Die Banken und Sparkassen sind durch das jahrelange Nullzinsumfeld eh strukturell geschwächt, und stehen nun wohl vor einer Pleitewelle der Kundschaft durch die Coronakrise. Da sollen sie jetzt quasi allen Selbständigen noch KfW-Kredite geben, und dafür auch noch Ausfallrisiken übernehmen? Dass hier zahlreiche Antragsteller abgelehnt werden, ist nur folgerichtig. Die Politik muss die Haftung auf 100 Prozent erhöhen, wenn sie der breiten Masse der kleinen Selbständigen über die KfW-Kredite helfen will!

DIHK-Statement

Was uns erst jetzt auffällt: Schon vor einer Woche hatte auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag genau auf diese Problematik der KfW-Kredite hingewiesen. Besser als der DIHK kann man das Gesamtproblem in wenigen Sätzen nicht ausdrücken. Daher hier im Wortlaut:

Eine große Baustelle muss laut Schweitzer noch bearbeitet werden: „Bei den Corona-Hilfskrediten sehen die Programme weiterhin eine Haftung der Kreditinstitute und Hausbanken vor Ort von 10 bis 20 Prozent vor.“ Angesichts der völligen Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Krise könne aber kein gewerbliches Unternehmen verlässliche Planungen vorlegen – dann aber dürften die Banken keinen Kredit geben. „Aus dieser Falle kommen wir nur durch eine temporäre 100-Prozent-Haftung des Staates heraus.“ Andernfalls, befürchtet der DIHK-Präsident, würden am Ende zwar glücklicherweise Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen über Zuschüsse Hilfen erhalten und wenige große Unternehmen könnten durch eine staatliche Beteiligung gerettet werden. „Zentrale Bereiche der deutschen Wirtschaft – vom normalen kleinen und mittleren Betrieb bis hin zum großen Familienunternehmen würde aber eine Pleitewelle drohen.“

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