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Sturmwarnung für die Aktienmärkte: Diese fünf Risiken drohen jetzt

Sturmwarnung für die Aktienmärkte: Diese fünf Risiken drohen jetzt
Ein Fernseher zeigt Donald Trump auf dem Parkett der New Yorker Börse. Foto: Michael Nagle/Bloomberg

Die Aktienmärkte haben ein turbulentes erstes Halbjahr hinter sich: Von KI-Panik über Handelskonflikte bis hin zu geopolitischen Spannungen war alles dabei. Trotz neuer Höchststände beim S&P 500 bleibt die Lage für US-Aktien fragil. Viele institutionelle Anleger stellen sich bereits auf stürmischere Zeiten ein. Was zunächst wie eine Rückkehr zur Normalität aussieht, könnte sich in der zweiten Jahreshälfte 2025 als trügerischer Aufschwung entpuppen. Fünf Risiken werfen ihre Schatten auf die Aktienmärkte und haben das Potenzial, den Kursverlauf nachhaltig zu verändern.

Fünf Risiken für Aktienmärkte: Sturmwarnung?

Trotz neuer Rekordstände an den Aktienmärkten zum Halbjahr 2025 zeigt sich unter professionellen Anlegern weltweit Zurückhaltung. Viele große Vermögensverwalter von Singapur bis New York warnen vor erhöhter Volatilität und sehen erhebliche Risiken, die der Aktienrally in der zweiten Jahreshälfte entgegenstehen könnten. Während der S&P 500 nach einem zwischenzeitlichen Einbruch von 19 % infolge von KI-Bedenken und Zollsorgen wieder auf Rekordniveau kletterte, mahnen Experten zur Vorsicht. „Wir sind eher vorsichtig als konstruktiv“, bringt es Joe Gilbert von Integrity Asset Management LLC auf den Punkt. „Der Ausblick für die zweite Jahreshälfte hängt immer vom Ausgangspunkt ab – und dieser ist aus Sicht von Bewertung und Gewinnwachstum nicht sonderlich attraktiv.“

S&P 500-Rally ist trügerisch - Die Wall Street bleibt vorsichtig
Das Auf un Ab des S&P 500 im Jahr 2025

Die Zurückhaltung spiegelt sich auch in den Positionierungen globaler Asset Manager wider: Ihre Allokationen in Aktien liegen weiterhin deutlich unter dem historischen Durchschnitt. Der Blick richtet sich nun auf fünf zentrale Risiken, die den weiteren Verlauf an den Aktienmärkten prägen könnten.

Zölle und Handelsunsicherheiten

Ein unmittelbares Risiko stellt die von Präsident Donald Trump gesetzte Frist am 9. Juli dar, um neue Handelsabkommen mit wichtigen Partnern der USA abzuschließen. Ohne Einigung drohen drastisch erhöhte Zölle jenseits der aktuell geltenden 10 %. Zwar haben das Vereinigte Königreich und einige andere Länder wie Mexiko und Vietnam Fortschritte gemacht, doch die Gespräche mit vielen weiteren Partnern, darunter die EU, Indien und Japan, sind noch nicht abgeschlossen.

Ein Beispiel für die latente Unsicherheit bot Trump zuletzt mit der Ankündigung, die Gespräche mit Kanada wegen einer digitalen Steuer abzubrechen. Auch wenn ein erneuter „Befreiungstag“-Effekt, wie ihn die Aktienmärkte Anfang April erlebten, als unwahrscheinlich gilt, warnt Anthi Tsouvali von UBS Global Wealth Management: „Die Märkte sind nicht mehr selbstgefällig, aber es bestehen Risiken, solange kein festes Abkommen verkündet wird.“ Sie selbst hält eine neutrale Haltung zu US-Aktien und betont: „Es wird viel Unsicherheit und Volatilität geben. Wir gehen kein aktives Risiko ein.“

Viele Faktororen bergen ein Risiko für die Rally an den Aktienmärkten
US-Aktien bleiben in diesem Jahr hinter internationalen Konkurrenten zurück

Unternehmensergebnisse im Fokus

Ein zentraler Treiber der jüngsten Erholung der Aktienmärkte war die robuste Ertragslage vieler Unternehmen. Analysten erwarten derzeit ein Gewinnwachstum von 7,1 % für die im S&P 500 gelisteten Unternehmen, bevor es 2026 nochmals anziehen soll. Doch diese optimistische Erwartung wird in der bevorstehenden Berichtssaison auf den Prüfstand gestellt.

Zuletzt hatten zahlreiche Konzerne ihre Jahresprognosen zurückgezogen, gestiegene Kosten und schwache Konsumstimmung als Begründung angeführt. Auch eine aktuelle Umfrage der Business Roundtable zeigt eine wachsende Skepsis in den Führungsetagen. Hoffnung macht einigen Investoren das anstehende Steuerpaket in Höhe von 4,2 Billionen US-Dollar, das den Unternehmen finanzielle Luft verschaffen könnte. Dennoch bleibt Louise Dudley von Federated Hermes skeptisch: „In diesem herausfordernden Umfeld müssen die Wachstumserwartungen wohl nach unten angepasst werden. Für den Gesamtmarkt gilt: Mehr als eine Seitwärtsbewegung ist derzeit kaum zu erwarten.“

Geopolitische Spannungen

Die vorübergehende Entspannung im Nahen Osten nach der Waffenruhe zwischen Israel und Iran hat Ölpreise gesenkt und für etwas Beruhigung an den Aktienmärkten gesorgt. Dennoch bleibt das geopolitische Risiko hoch. „Trotz dieser vorübergehenden Erleichterung sehen wir geopolitische Risiken weiterhin strukturell erhöht“, sagt Francisco Simón von Santander Asset Management. Das Haus bleibt untergewichtet in Aktien und verfolgt einen „vorsichtigen und selektiven Ansatz“.

Auch das Verhältnis zwischen den USA und China sorgt für Unsicherheit. Anleger beobachten gespannt die jüngst angekündigte Handelsvereinbarung zwischen den beiden Wirtschaftsmächten. Dabei steht unter anderem im Raum, ob US-Firmen künftig leichter Zugang zu chinesischen Seltenen Erden erhalten und ob chinesische Technologieunternehmen wieder an modernste US-Chips kommen.

US-Staatsverschuldung und Fed-Führung

Ein weiteres Risiko für die Aktienmärkte stellt die zunehmende Verschuldung der USA dar. Nachdem das Land im Mai seine letzte Top-Bonität verloren hat, wächst die Sorge vor den langfristigen Folgen von Trumps Steuer- und Ausgabenplänen. Neil Robson von Columbia Threadneedle Investments ordnet ein: „Wir wissen, dass das Problem nicht verschwindet.“ Auch wenn ein Marktzusammenbruch mit steigenden Anleiherenditen und fallenden Aktienkursen als unwahrscheinlich gilt, mahnt er zur Wachsamkeit.

Zusätzlich rückt die Zukunft der Federal Reserve ins Zentrum der Anlegerinteressen. Trumps Aussagen, er habe bereits drei bis vier Kandidaten für die Nachfolge von Fed-Chef Jerome Powell im Auge, schüren Unsicherheit über die künftige geldpolitische Unabhängigkeit. Nicolas Wylenzek von Wellington Management warnt: „Könnten wir etwas Ähnliches erleben wie den ,Liz-Truss-Moment‘ im Vereinigten Königreich 2022?“ Damals führte eine Kombination aus unkontrollierten Ausgaben und Zweifeln an der Zentralbankunabhängigkeit zu Marktturbulenzen. „Es besteht das Risiko, dass die Aktienmärkte plötzlich Angst bekommen, dass der nächste Fed-Vorsitzende nicht mehr so unabhängig ist wie bisher.“

Hohe Bewertungen

Der S&P 500 notiert derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22, deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 18,6. Während einige Häuser wie Wellington und AllianceBernstein erwarten, dass sich diese hohen Bewertungen wegen möglicher Zinssenkungen und der Stärke der Tech-Giganten halten könnten, sehen andere das Bewertungsniveau als klare Hürde für weitere Aktienkäufe.

Aktienmärkte: US-Aktien im S&P 500 sind teuer
Die Bewertung von S&P liegt weit über dem historischen Durchschnitt

„US-Aktienbewertungen, insbesondere bei marktkapitalisierungsgewichteten Strategien wie dem S&P 500, könnten noch Anpassungsbedarf haben, falls sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert“, sagt David Chao von Invesco Asset Management. Er betont: „Die Aktienmärkte außerhalb der USA handeln größtenteils mit niedrigeren Multiplikatoren, und wir glauben, dass sich die Lücke weiter schließen wird.“

Fazit

Für die zweite Jahreshälfte 2025 bleibt der Ausblick an den Aktienmärkten getrübt. Trotz jüngster Kursgewinne sehen viele institutionelle Anleger ein Spannungsfeld aus geopolitischen Risiken, Bewertungsfragen, Handelsstreitigkeiten, fiskalischer Unsicherheit und fragilen Gewinnprognosen. Aktien dürften damit vorerst in einem von Volatilität geprägten Umfeld bleiben. Die Aktienmärkte brauchen klare Signale aus der Politik, solide Unternehmenszahlen und geldpolitische Stabilität, um die Unsicherheiten der kommenden Monate zu überwinden. Bis dahin bleibt das Motto vieler Investoren: Vorsicht vor Euphorie.

Doch nicht alle Analysten sind für die US-Aktienmärkte in der zweiten Jahreshälfte pessimistisch. Dan Ives, Managing Director bei Wedbush Securities, erwartet beispielsweise, dass sich US-Tech-Aktien in den kommenden sechs Monaten stark entwickeln werden. In der Sendung „Bloomberg The Close“ sagte Ives zudem, dass KI zu einem „Game of Thrones“-Wettrüsten führt.

FMW/Bloomberg



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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3 Kommentare

  1. Moin, moin,

    Risiken an der Börse die drohen? Ja wer hätte das gedacht?

    Die Börsen gehen hoch und die Börsen gehen runter. So wie Ebbe und Flut. Es steht auch nirgends geschrieben, dass die Börse für jeden ist. Vor allem, lässt sich an der Börse auch Geld verdienen, wenn die Börse fällt. Über die Jahre liefert die Börse eine Überrendite gegenüber anderen Anlagen. Der Preis ist, dass Schwankungen in Kauf genommen werden müssen.

    Und diejenigen, für die die Börse nichts ist? Die gehen ins Tagesgeld mit dem Ergebnis, dass die nominalen Zinsen des Tagesgelds von der echten Inflation aufgefressen werden.

  2. Was immer auch Politiker, Kriege, Schulden, Zölle anrichten, es scheint mittlerweile egal zu sein.
    Die Börse geht nach oben und wer nicht dabei ist, ärgert sich.

  3. Der Begriff „Sturmwarnung“ trifft aktuell wohl in mehrfacher Hinsicht zu – nicht nur an den Finanzmärkten, sondern auch ganz real vor Ort. Besonders im Ruhrgebiet gab es zuletzt wetterbedingte Gefahrenlagen. Wer sich für die Entwicklungen in Essen im Juni interessiert, findet hier weitere Informationen https://newsfact.live/sturmwarnung-essen-ruhrgebiet-juni-2024-nach-regen-droht-gefahr/

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