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Südkorea hält die Schiffsblase am Leben!

Nach der Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin hätte man denken können "toll, endlich reduziert sich die Zahl der Containerriesen auf den Weltmeeren". Aber nichts da. Wie erst gestern bekannt...

FMW-Redaktion

Nach der Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin hätte man denken können „toll, endlich reduziert sich die Zahl der Containerriesen auf den Weltmeeren“. Aber nichts da. Wie erst gestern bekannt wurde, hat die für viele Hanjin-Schiffe kreditgebende HSH Nordbank 6 Containerschiffe aus der Hanjin-Flotte an die weltgrößte Reederei Moeller Maersk weitergereicht, und 3 weitere an die Nummer 2 MSC. So können die Kredite für die HSH weiter bedient werden. Und Maersk sowie MSC müssen keine Schiffe neu bauen lassen, sondern erhalten voll im Betrieb stehende Schiffe. Der Haken dabei: Die Überkapazität verschwindet nicht!

Und aktuell wird nun auch bekannt, dass die südkoreanische Regierung ihre Großwerften nicht im freien Wettbewerb untergehen lassen will. Sie will bis 2020 für 11 Billionen Won (fast 9 Milliarden Euro) insgesamt 250 Schiffe bei den heimischen Werften bestellen. Nur wohin mit so viel staatlichen Schiffen? Alle auf die Halde? Dazu sollen noch weitere 6,5 Billionen Won in die Schifffahrtsindustrie fließen, wie es allgemein verlautbart wurde. Teil der 250 Aufträge sollen auch Schiffe für die eigene Marine sein, das ist klar.

Hauptsächlich profitieren, das wurde deutlich, sollen die drei Großwerften des Landes, die gleichzeitig auch die drei weltweit größten Werften sind, nämlich die von Daewoo, Samsung und Hyundai. Die Regierung rechnet mit weiter rückläufiger privater Nachfrage für die Werften, von daher erhält der Staat die Werfen wohl künstlich am Leben. Wenn ein Staatshaushalt das nicht dauerhaft aushält (wovon man ausgehen darf), kommt in vielleicht 3 oder 5 Jahren das ganz große Erwachen, wenn die Anschlussaufträge „ganz plötzlich“ fehlen! Die drei großen Werften haben aber auch selbst schon angekündigt Mitarbeiter entlassen zu wollen, 20.000 Mitarbeiter in den nächsten zwei Jahren. Schiffsbaudocks sollen von 31 auf 24 reduziert werden.

Wer den gesamten Markt sieht, wird wohl sagen: Ein oder zwei der drei Großwerften müssten wohl ganz vom Markt verschwinden. Das wäre eine Katastrophe für die jeweilige Region, in der die betroffene Werft ihren Sitz hat. Aber genau das Phänomen kennen wir ja auch aus Europa. Der Kreis dreht sich immer weiter. Erst ging die Schiffbauindustrie in Europa bergab, jetzt in Südkorea. Wenn China irgendwann auch zu viel Kapazitäten geschaffen hat, und dazu auch noch zu teuer ist, wohin wandert der Schiffbau dann ab? Richtung Indonesien, Philippinen? Durchaus denkbar. Auf jeden Fall sorgt Südkorea erst einmal dafür, dass die Blase nicht platzt, sondern weiter bestehen bleibt. Weiter zu viel Schiffbau, weiter zu viele Containerschiffe auf den Weltmeeren.



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