Nach Jahren der Umleitung testen erste Reeder wieder den Suez-Kanal. Sicherheitslage, Kosten und Versicherungen entscheiden über eine nachhaltige Rückkehr. Eine Rückkehr der Containerreeder in den Suez-Kanal zeichnet sich ab, nachdem erste Linien wieder gezielt Durchfahrten wagen. Der Transit eines Maersk-Schiffes und die weitergehenden Schritte von CMA CGM zeigen, wie vorsichtig und zugleich strategisch die Branche vorgeht. Noch ist der Kanal kein selbstverständlicher Teil der Ost-West-Verkehre, doch die Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich wirtschaftliche Kalkulationen und politische Rahmenbedingungen erneut verschieben.
Maersk testet Suez-Passage
Kurz vor Weihnachten durchquerte die Maersk Sebarok, die eine Kapazität von 6,500 TEU’s besitzt, den Suez-Kanal. Damit war sie nach fast zwei Jahren das erste Schiff der Reederei, die diese Passage unternahm. Die Fahrt wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Auch wenn die Huthi eine Waffenruhe verkündet haben, kommt es im angrenzenden Roten Meer immer wieder zu Zwischenfällen.
Seit den Angriffen auf Handelsschiffe im Roten Meer hatten die Reeder ihre Ost-West-Verkehre fast vollständig umgestellt. Die Route um das Kap der Guten Hoffnung verlängert die Laufzeiten, erhöht den Treibstoffverbrauch und bindet zusätzliche Schiffe. Trotzdem blieb sie kalkulierbarer als eine Passage mit militärischem Risiko und kaum versicherbaren Schäden. Der Suez-Kanal war technisch offen, wirtschaftlich jedoch faktisch geschlossen.
Trotz des Maersk-Transits ändert an dieser Ausgangslage zunächst nur wenig für dänische Reederei. Sie will weiter abwarten und sporadisch die Sicherheit dieser Route testen. Hier ist CMA CGM weiter. Der französische Reeder integriert den Suez-Kanal wieder in feste Fahrpläne. Der Indamex-Dienst zwischen Indien, Pakistan und der US-Ostküste läuft ab Januar nicht mehr um Afrika, sondern durch das Rote Meer. Auch im Europa-Asien-Verkehr sind erste reguläre Durchfahrten eingeplant.
Ägypten drängt auf Normalisierung im Suez-Kanal
Für Ägypten ist die Rückkehr des Containerverkehrs von zentraler Bedeutung. Die Einnahmen aus dem Suez-Kanal zählen zu den wichtigsten Devisenquellen des Landes. Seit der Umleitung der Verkehre sind diese Erlöse stark gefallen. Die Regierung in Kairo wirbt daher aktiv um eine Normalisierung des Verkehrs. Dazu gehört nicht nur militärische Präsenz im Kanalgebiet, sondern auch direkte Absprachen mit den Reedereien. Maersk hat mit den ägyptischen Behörden eine Vereinbarung unterzeichnet, die eine intensivere Nutzung des Suez-Kanals vorsieht und operative Zusammenarbeit einschließt. Solche Verträge ersetzen keine Sicherheitslage, sie senken jedoch für einzelne Reeder die Eintrittsschwelle. Diplomatische Signale und vertragliche Bindungen greifen dabei ineinander und zielen auf dasselbe Ergebnis, planbaren Verkehr durch den Kanal.
Die Reeder reagieren entsprechend vorsichtig. Maersk testet punktuell und vermeidet eine flächendeckende Rückkehr. CMA CGM geht weiter und bindet den Kanal wieder in reguläre Dienste ein. Andere Linien beobachten die Entwicklung. Dieser Unterschied ist relevant, weil erst regelmäßige Fahrten Auswirkungen auf Kapazitätsplanung, Umlaufzeiten und Frachtraten haben.
Versicherungen bestimmen Tempo der Rückkehr
Die Wiederbenutzung des Kanals ist für alle beteiligten wichtig. Eine verkürzte Passage durch den Kanal senkt die Kosten für den Reeder, damit aber nicht notwendigerweise die Frachtraten. Für die Händler bedeuten aber kürzere Transportzeiten reduzierte Kapitalbindung und kleinere Lagerbestände. Gerade bei Massengütern wirkt sich jeder zusätzliche Seetag unmittelbar auf die Kalkulation aus. Händler beobachten daher genau, ob aus den ersten Linienverkehren ein belastbarer Verkehrsfluss entsteht oder ob es bei einzelnen Diensten bleibt.
Der politische Konflikt im Jemen bleibt der zentrale Unsicherheitsfaktor. Solange Angriffe als Druckmittel eingesetzt werden, bleibt jede Passage ein kalkuliertes Risiko. Militärische Begleitung senkt die Wahrscheinlichkeit eines Vorfalls, beseitigt sie jedoch nicht.
Entscheidend ist vor allem die Risikobereitschaft und -prämien der Versicherer. Und fuer Haendler zaehlt allein, dass die Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. Selbst Versicherungen decken nur einen kleinen Teil der Kosten ab.
Der Maersk-Transit zeigt, dass der Suez-Kanal nutzbar ist. Die Entscheidung von CMA CGM zeigt, dass erste Marktteilnehmer ihn wieder in feste Fahrpläne einbauen. Ob daraus ein breiterer Verkehr entsteht, entscheidet sich nicht an Ankündigungen, sondern an wiederkehrenden Durchfahrten und tragfähigen Kostenrechnungen.
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