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Target2: Es fließt verstärkt Geld nach Deutschland aus der Euro-Peripherie! Neue Euro-Krise?

FMW-Redaktion

Als die Target2-Salden (Trans-European Automated Real-time Gross Settlement Express Transfer System) sich wieder zun normalisieren schienen, legte die EZB, legte vor allem Mario Draghi stets wert auf die Feststellung, dass dies ein klares Zeichen für die Beruhigung, ja Überwindung der Euro-Krise sei. Nun, da sich die Ungleichgewichte wieder deutlich verschieben, herrscht seitens der EZB Schweigen im Walde!

Sieht man sich die heute veröffentlichten Target2-Salden an (die, vereinfacht gesagt, darstellen, in welche Richtung Gelder vorwiegend fließen), so stellt man fest: Deutschland scheint wieder der absolut sichere Hafen zu sein, das Kapital strömt nach Deutschland – und fließt heraus aus der Euro-Peripherie!

So wies Deutschland im August ein Plus bei den Target2-Salden von 677 Milliarden Euro aus – das liegt über dem Wert des Jahres 2012, als die Euro-Krise zu eskalieren schien (damals pro Monat durchschnittlich ein Plus von 655 Milliarden Euro pro Monat). Höher war der Wert für Deutschland nur im Juni diesen Jahres mit einem Plus von 681,1 Milliarden Euro.

Und das Geld, das nach Deutschland fließt, fließt vor allem aus Italien und Spanien ab. So verbucht Italien ein negatives Target2-Saldo von 329,6 Milliarden Euro im August – das ist der sechste Anstieg in Folge und absolut höchste Wert des Jahres. Auch aus Spanien fließt in erheblichem Umfang Kapital ab, im August waren 313,6 Milliarden Euro. Das ist auch bei Spanien der höchste Wert des Jahres 2016, der nur im Euro-Krisenjahr 2012 übertroffen worden war.

(Die Datenreihe können Sie hier abrufen!)

Dabei weisen bis auf Luxemburg (+151,8 Milliarden Euro), die Niederlande (+88,4 Milliarden Euro) und Finnland (+67,1 Milliarden Euro) fast alle anderen Staaten negative Target2-Salden auf. Aber aufgrund der Größe und der steigenden Tendenz besonders beunruhigend sind eben Italien und Spanien.

Und das würde bedeuten: wenn ein Land wie Italien oder Spanien die EU verlassen würde (was im Falle von Italien gar nicht mehr so unwahrscheinlich ist angesichts der Erfolge der Euro-kritischen Bewegung Cinque Stelle), dann müssten die anderen Länder diese Differenz ausgleichen (nach Anteil ihrer Gewichtung in der Eurozone, sprich nach Kapitalschlüssel). Und das würde bedeuten: Deutschland hätte ein Problem, das noch etwas größer ist als das mit der Deutschen Bank..



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3 Kommentare

  1. Unser „heiliger Starökonom“ Hans Werner Sinn, tourte 2012 wg, des Target2 Problems durch unsere Lande. Und plötzlich wurde es ganz still um ihn und Target2, was per Dekret als normaler Saldo erklärt wurde, der sich automatisch wieder ausgleichen würde. Das sei schließlich das Wesen dieses Zahlungsverkehrssystems….tja, man muß nur immer brav an das glauben, was uns da die Gelehrten und die Politkasper so weißmachen wollen……alles wird gut!!!

    VG

    Ps: Im Text werden Millionen mit Milliarden vertauscht (Steigerung pro Monat)

  2. Hallo,

    ja wenn dem so ist, Deutschland als sicherer Hafen, wieso fällt der BUFU dann ?

    Italien oder Spanien werden niemals den EUR / die EU verlassen, lassen wir mal ruhig die Briten die Deppen sein… :D

    VG

    Marko

  3. Für Italien und Griechenland wäre es natürlich das Beste gewesen, nicht dem EUR beizutreten.
    Aber, bei Italien hat man über die Zahlen hinweggesehen, während Griechenland Hilfe bei GS suchen musste….
    Es ist vollkommen egal, welchen Staat man nimmt, ob Portugal, Griechenland, Spanien , Italien. All diese Staaten hatten vorher ihre „Abwertungsmentalität“ im Blut, man lebte durch den EUR nebst den niedrigen Zinsen für gewisse Zeit in Saus und Braus, und jetzt zahlt man eben die Rechnung ?
    Ein Austritt aus dem EUR wäre eine Katastrophe, weil dann all jene Staaten über „Klopapier-Währungen“ verfügen dürften, nebst den Schulden in „harten EUR“ … ;)

    VG

    Marko

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