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Tariflöhne +3,8% – die einfachen Arbeitnehmer profitieren allesamt? Auf die Details kommt es an!

FMW-Redaktion

Die Tariflöhne sind im zeiten Quartal im Jahresvergleich um 3,8% gestiegen. Ohne Sonderzahlungen waren es immer noch +3,4%. Nach Abzug der Inflation im selben Zeitraum von 1,7% bleibt also netto ein Zuwachs von immer noch 2,1%, das ist doch was! Dies könnte man als Zeichen dafür sehen, dass die Konjunktur so sehr brummt, dass die Arbeitnehmer endlich allesamt (!) vom Boom profitieren.

Aber dem ist nicht so. Wie das Statistische Bundesamt in seinen weiteren Ausführungen darlegt, steigen die Tariflöhne im Schnitt vor allem deswegen so kräftig, weil im Staatssektor ein guter Tarifabschluss für die dortigen Angestellten erzielt wurde (Doppelabschluss im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes des Bundes und der Gemeinden). Hinzu kam noch die Auszahlung des Tarifabschlusses für die Beschäftigten der Länder (TV-L) in Höhe von 2,0%, mindestens aber 75 Euro. Zitat:

Besonders deutlich zeigen sich diese beiden Effekte in den Branchen Wasserversorgung und Entsorgung, Öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung sowie im Gesundheits- und Sozialwesen mit einer Tarifsteigerung von jeweils + 4,5 %.

Somit zieht der Staatssektor mit verdammt vielen Beschäftigten den Schnitt kräftig nach oben. Gut, man sollte natürlich erwähnen, dass auch einige privatwirtschaftliche Bereiche gut zulegen wie das Verarbeitende Gewerbe mit +4,1%. Die Branche „Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden“ legt am Stärksten zu mit +7,4%, aber nur weil in mehreren Tarifverträgen hohe Einmalzahlungen vereinbart wurden.

Deutlich unterdurchschnittlich allerdings war die Entwicklung der Tariflöhne vor allem im Gastgewerbe (+0,9%) und im Handel (+1,1%). Nach Inflation haben sie also sogar weniger Lohn als vor einem Jahr. Das sind ziemlich personalintensive Bereiche, mit in der Regel sehr geringen Gehaltsniveaus. Gerade dort würden höhere Löhne gut tun. Und ja, man muss es natürlich auch positiv sehen, dass abseits davon auch viele privatwirtschaftliche Bereiche zulegen (zweite Grafik mit Aufteilung nach Branchen).



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1 Kommentar

  1. Liebe FMW-Redaktion,

    soweit mir bekannt, hat der öffentliche Dienst einen Abschluss von 2,35 (Bund und Kommunen) bzw. 2 % (Länder) erreicht. Durch Sockelbeträge warden in den unteren Einkommensgruppen z. T. auch 3 % erreicht…

    In diesem Kontext frage ich mich, wie Sie der Schlussfolgerung kommen, dass die Lohnzuwächse aufgrund der Abschlüsse im öffentlichen Dienst besonders hoch ausfallen.

    Es ist doch vielmehr so, dass die Abschlüsse des öffentlichen Dienstes den Schnitt nicht so stark runterziehen wie in den Vorjahren. Sie liegen aber immer noch weit unter dem Durchschnitt der Lohnzuwächse in allen Branchen?!

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