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Mehrere Expertenaussagen Die Tendenz für die Fed-Zinsanhebung geht Richtung 100 Basispunkte

Die Zinsanhebung der Fed Ende Juli dürfte wohl satte 100 Basispunkte betragen? Immer mehr Experten äußern sich dementsprechend.

Die Zentrale der Fed in Washington DC

Markus Fugmann hat es heute früh thematisiert, und der Börsenexperte Andre Stagge bereits gestern Abend. Die Chance, dass die Federal Reserve (Fed) Ende Juli eine Zinsanhebung von 100 Basispunkten (also einen vollen Prozentpunkt) statt bisher erwarteten 75 Basispunkten durchführt, ist seit gestern Nachmittag spürbar gestiegen. Denn die höhere US-Inflation (9,1 Prozent im Juni nach 8,6 Prozent im Mai) hat den gesamten Kapitalmarkt gestern kalt erwischt. Mit so einer dramatischen Eskalation der Lage hatte wohl kaum ein Analyst gerechnet.

Commerzbanker erläutern die starke Markterwartung in Richtung 100 Basispunkte Zinsanhebung der Fed

Heute gibt es weitere Expertenaussagen, die klar darauf hindeuten, dass die Wahrscheinlichkeit für diesen riesigen Zinsschritt der Fed kräftig zugenommen hat – um die Inflation in den USA abzubremsen. Die Experten der Commerzbank sagen heute, dass das Inflationsgespenst die Anleihenmärkte mit den jüngsten US-Inflationsdaten wieder einmal erschreckt hat. Nach dem anfänglich reflexartigen UST-Abverkauf habe sich die Kurve von beiden Enden her deutlich verflacht, und die Inversion der 2-10jährigen Kurve steche heraus.

Spekulationen darüber, dass die Fed in diesem Monat den Fußstapfen der Bank of Canada mit ihrer gestrigen Zinserhöhung von 100 Basispunkten folgen könnte, würden sich auch in Forwards bemerkbar machen, wo bereits 93 Basispunkte eingepreist seien. Die Commerzbanker weisen auch auf Aussagen des Fed-Direktors Bostic hin, dass in Bezug auf den Umfang der Zinserhöhung in diesem Monat „alles im Spiel ist“. Fed-Direktor Daly habe 75 Basispunkte als ihre „wahrscheinlichste Haltung“ bezeichnet, schließe jedoch auch 100 Basispunkte nicht aus. Fed-Direktor Mester sei für mindestens 75 Basispunkte.

Hässliche Inflationsdaten, hohe Wahrscheinlichkeit für 100 Basispunkte

Ipek Ozkardeskaya, Senior Analyst bei der Swissquote Bank, spricht davon, dass der gestrige US-Inflationsbericht hässlich war. Die Inflation in den USA stieg im Juni auf 9,1 %, gegenüber 8,6 % im Vormonat, und der gestrige Inflationsbericht habe nichts Erfreuliches zu bieten gehabt, abgesehen von der Tatsache, dass die Benzinpreise, die seit letztem Jahr um 60 % gestiegen sind, die Hauptursache für den weiteren Anstieg der Inflation waren – und die Benzinpreise würden seit einigen Wochen nach unten tendieren. Ein Verbraucherpreisindex, der über der psychologischen Marke von 9 % liegt, bestärkt ihrer Aussage nach die Vorstellung, dass die Federal Reserve nicht zögern wird ihre aggressiven Zinserhöhungen zur Eindämmung der Inflation fortzusetzen.

Die Preise für Fed-Funds-Futures (hier die Begriffserklärung) würden nun eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 80 % für eine Zinserhöhung um 100 Basispunkte auf der nächsten FOMC-Sitzung anzeigen, die Ende dieses Monats stattfinden soll. Dies führt laut Ipek Ozkardeskaya derzeit zu einem stärkeren Dollar, höheren Renditen und einem weiteren Ausverkauf an den Aktienmärkten. Noch wichtiger sei, dass zwischen jetzt und der Entscheidung der Fed nur wenig Zeit bleibt, um die Preisgestaltung zu ändern.

Abweichende Meinung zur anstehenden Zinsanhebung der Fed

Aber es gibt auch abweichende Meinungen von diesem plötzlichen Drang Richtung 100 Basispunkte Zinsanhebung durch die Fed. Naeem Aslam, Chief Market Analyst beim Broker Avatrade, sagt dass nach den gestrigen US-Daten nun für die Fed alles möglich sei, sogar eine Zinserhöhung um 100 Basispunkte. Die Händler würden schon seit einiger Zeit damit rechnen, dass die US-Inflationsdaten einen Höhepunkt erreichen werden – aber es scheint, als ob noch ein wenig mehr Schmerz übrig ist. Obwohl viele der Meinung sind, dass die gestrigen US-Inflationsdaten den Höhepunkt der Inflation markiert haben könnten, dürfte der Weg des geringsten Widerstands eher eine Konsolidierung mit einer leichten Tendenz nach unten sein. Das bedeutet laut Aussage von Naeem Aslam, dass die Inflationswerte wahrscheinlich nicht in die Nähe des derzeitigen Ziels der Fed kommen werden, oder es wird zumindest viel Zeit und Mühe kosten, bis die Inflationszahlen zurückgehen.

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Allerdings ist laut Naeem Aslam nicht alles pessimistisch, wenn es um die Inflationszahlen geht. Er bespricht die jüngst deutlich fallenden Ölpreise. So werden sowohl Rohöl als auch Brent-Öl unter der 100-Dollar-Marke gehandelt, und die niedrigeren Ölpreise dürften sich positiv auf die Inflationswerte auswirken, da die vormals höheren Ölpreise die Inflation angeheizt hatten. Der wichtigste Aspekt für Anleger und Händler ist laut Naeem Aslam von nun an, zwischen der Realität und dem Lärm auf dem Markt zu unterscheiden. Es bestehe kein Zweifel daran, dass wir von nun an höchstwahrscheinlich äußerst hawkishe Kommentare von mehreren Fed-Mitgliedern hören werden. So hätten beispielsweise Raphael Bostic, der Chef der Fed von Atlanta, und Loretta Mester von Cleveland bereits gesagt, dass man keine Abstriche machen sollte.

Bei Avatrade ist man der Meinung, dass das wahrscheinliche Szenario für die Geldpolitik der Fed unter den derzeitigen Umständen eine Zinsanhebung von 75 Basispunkten in den kommenden Sitzungen ist. Man hält es für unwahrscheinlich, dass die Fed den Zinssatz in einer der Sitzungen um 100 Basispunkte anheben wird, da dies zu schmerzhaft wäre.



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