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Tesla reif für die große Korrektur – wenn da nicht das alte Problem wäre

Wolfgang Müller

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am

Innenansicht eines E-Autos von Tesla

Selten gab es bei großen Werten an der Wall Street eine derartige Kursfahnenstange wie beim Elektromobilhersteller Tesla. Ein Exponentialanstieg, bis zum 13. Juli auf knapp 1800 Dollar, der gar lange nicht so weiter gehen kann, denn dann wäre die Firma so viel wert wie alle anderen Automobilwerte zusammen. Also auf die große Korrektur setzen, ein sicherer Trade? Gar nicht so einfach.

Immer noch eine unglaublich Leerverkaufsquote bei Tesla

Wie gerade dargestellt: Bei einem Kurs von 1793 Dollar ergab sich eine Marktkapitalisierung für die Firma von mehr als 320 Milliarden Dollar (Zeit für „The Big Short“?). Dazu noch einmal ein Vergleich. Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Marktwert der weltweit größten acht Automobilkonzerne zusammen (von Toyota bis Nissan) 542 Milliarden Dollar – und deren Bewertungen sind seither gefallen. Diese Unternehmen stehen aber für den Löwenanteil der 67 Millionen im Jahr 2019 produzierten Pkw – und Tesla kam auf 376.500 Pkw. Sieht man sich den Chart an, so würde er bereits in wenigen Wochen auf eine vergleichbare Bewertungsgröße kommen. Völlig absurd und die Gelegenheit schlechthin für eine Shortspekulation? Auf diese Idee kommen aber auch zahlreiche Spekulanten, die nach wie vor auf den Niedergang des Börsenkurses wetten.

Die bisherigen Verluste der Shorties

Der US-Finanzdatenanbieter S3-Partners, eine Firma aus New York, die Echtzeitdaten zu Short Interest-Quoten liefert, hat anhand von Brokerdaten errechnet, dass Hedgefonds im laufenden Jahr bereits 23 Milliarden Dollar an Verlusten mit ihren Leerverkaufswetten eingefahren haben. Einiges davon, existiert nur auf dem Papier, da die Buchverluste noch nicht realisiert wurden. Damit setzt sich ein Kampf fort, der schon über Jahre währt und der den „Shorties“ schon jede Menge Verluste eingebracht haben sollte. Im Übrigen scheint sich so etwas wie eine Privatfehde zwischen den Leerverkäufern und Firmenchef Elon Musk entwickelt zu haben, die dieser in seinen Twitter-Kommentaren oft mit sehr viel Häme überzieht und mit manch zynischer Aktion. Zum Beispiel die Produktion von „Short Shorts“ von Tesla, die er schon mal an bestimmte Hedgefondsmanager verschickt. Natürlich hatten die Shortseller auch viele Gewinn-Trades in den Jahren 2015 bis 2019, als die Kurse extrem schwankten und Elon Musk manch schwere finanzielle Durststrecken überstehen musste.

Noch laufen viele Wetten rund um die Tesla-Aktie

Die letzte große Leerverkaufswette vor Corona entstand durch die Kursexplosion im Herbst 2019 bis auf 450 Dollar. Nach der Kursverdoppelung waren laut S3-Partners Anfang des Jahres ein nicht unerheblicher Anteil der Aktien geliehen, etwa 26 Millionen Stück. Der Kurs stieg weiter auf 900 Dollar, viele Leerverkäufer mussten schon wegen der Margins aufgeben und sich eindecken. Dann kam der große Selloff infolge Covid-19 und die Aktie stürzte bis auf 430 Dollar ab.

Die Shorties hatten ihre Quote bis auf 16 Millionen gesenkt, um sie in der raschen Erholung der Aktie wieder auf 20 Millionen zu erhöhen. Der weitere Verlauf ist in guter Erinnerung: Der Kurs kletterte um weitere 250 Prozent und verantwortlich dafür war manch schmerzvoller Pain Trade, der immer mit zu den ständigen Shortsqueezes führte. Damit hatte man die Shortquote um sechs Millionen Aktien reduziert, was aber bedeutet, dass es laut S3 Partners immer noch 14 Millionen Stück sind, oder deutlich über zehn Prozent der Aktien im Streubesitz. Derzeit gibt es 181 Millionen Aktien von Tesla, davon befinden sich 59 Prozent im Streubesitz. Größter Anteilseigner ist Elon Musk mit 20,80 Prozent.

Fazit

Das Spiel geht weiter. Shortseller gegen die Firma, gegen Tesla-Fans und Longtrader, gegen die Zeit (es fallen auch Leihgebühren an) und gegen das Urproblem des Leerverkaufs, die notwendige Eindeckung mit der Aktie, um sie zurückgeben zu können. Im Falle von Wirecard war die Strategie der Shortseller so richtig gewinnbringend, trotz einer zeitweiligen extremen Shortquote, die bei einem positiven Testat durch Ernst & Young zu einer Kursexplosion hätte führen müssen. Aber das ist doch eine andere Geschichte – ein partielles Ponzi-Schema – und da ist Shortselling das Gegenrezept par excellence. Tesla ist unglaublich teuer, aber es müssen immer noch die Millionen an geliehenen Aktien zurückgekauft werden. Die Frage ist nur wann, wie konzentriert und von welchem Niveau aus.

Hier ein positive Sichtweise auf Tesla mit fünf Gründen, warum Tesla so erfolgreich ist, von Maximilian Nowroth.

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Müller

    17. Juli 2020 15:44 at 15:44

    Finanzmarktwelt, wie viele Short Aktien habt Ihr von Tesla?

    • Avatar

      Lausi

      17. Juli 2020 18:44 at 18:44

      Genügend um anschließend alle FMW-Leser zu beglücken! ;-)

  2. Avatar

    Scheer

    17. Juli 2020 16:19 at 16:19

    Bei mir reichts für ein neues Wohnmobil wenn´s in die richtige Richtung geht

  3. Avatar

    Maurer

    17. Juli 2020 21:35 at 21:35

    Bei mir für eine neue Eigentumswohnung in Manhattan, wenn’s in die Richtige Richtung geht

  4. Avatar

    thinkSelf

    18. Juli 2020 12:59 at 12:59

    Wie die Geschichte zeigt können bis zum Platzen eines solchen Systems schon mal 25 Jahre vergehen.
    Das ist das große Problem beim Shorten. Die Irrationalität von Anlegern hält meist deutlich länger als das Vermögen der Shorter.

    • Avatar

      Lausi

      19. Juli 2020 22:26 at 22:26

      Eine 25 Jahre andauernde Fahnenstange gibt es aber auch nicht. Dann dürfte Tesla wertvoller sein als der gesamte Rest der Welt. Bei einer Fahnenstange ist eher die y-Achse als die x-Achse (Zeit-Achse) unkalkulierbar.

  5. Avatar

    oegeat

    18. Juli 2020 15:50 at 15:50

    http://brokervorschlag.de/brokervorschlag/tesla
    Letzte Woche sprach ich von „…das könnte auch das letzte Aufbäumen sein, bis die harte Realität also Zahlen bzw. ersten Quartal Berichte kommen…“
    Wir sahen im Dow ein hochlaufen und auch ein Abverkauf des Anstieges !
    Wie geht es nun weiter? Wo entscheidet es sich ?
    https://youtu.be/3-6xICYpICM

  6. Avatar

    Scheer

    19. Juli 2020 20:25 at 20:25

    Freue mich schon auf Fugi am Montag Morgen!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

Redaktion

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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am

Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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Aktien

Beschlossen: Dax mit 40 Aktien und neue Qualitätskriterien – hier die Details

Claudio Kummerfeld

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am

Der Wirecard-Skandal hat die deutsche Börsenlandschaft erschüttert. Ein Dax-Wert geht pleite und löst sich sang und klanglos als Luftnummer in Rauch auf. Die Vorstände sind in Haft oder auf der Flucht. Was für ein Debakel für die Deutsche Börse. Die Aufnahme- und Qualitätskriterien für die Indizes wie dem Dax waren wohl mangelhaft. Nach der Konsultation von Marktteilnehmern hat die Deutsche Börse jetzt Änderungen beschlossen. Hier alle Details, im Wortlaut von der Deutschen Börse:

Ab September 2021 wird der Leitindex DAX um zehn Werte auf insgesamt 40 Werte erweitert. Damit wird er die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland noch umfassender abbilden. Im Gegenzug verkleinert sich der MDAX-Index auf 50 statt bisher 60 Werte.

Ab Dezember 2020 müssen alle künftigen DAX-Kandidaten vor Aufnahme ein positives EBITDA in den zwei letzten Finanzberichten aufweisen.

Ab März 2021 wird es Bestandteil der Indexmethodologie, dass zukünftig alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes testierte Geschäftsberichte und vierteljährlich Quartalsmitteilungen veröffentlichen müssen. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss.

Infolge dessen entfällt für alle Unternehmen in den DAX-Auswahlindizes die Pflicht zur Notierung im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. Die Notierung im Regulierten Markt ist künftig ausreichend. Diese neue Regel wird eingeführt, um dem Indexanbieter zu ermöglichen, im Falle einer Regelverletzung unabhängig und schneller reagieren zu können.

Zusätzlich müssen ab März 2021 alle Neuzugänge zur DAX-Familie den Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex hinsichtlich eines Prüfungsausschusses im Aufsichtsrat entsprechen. Für bestehende Mitglieder gilt eine Übergangsfrist, um Kontinuität in der DAX-Familie zu bewahren; sie müssen die Vorgabe ab September 2022 erfüllen.

Ab 2021 gibt es bei den DAX-Indizes zweimal im Jahr eine planmäßige Hauptüberprüfung (März und September). Zurzeit gibt es eine derartige Überprüfung nur im September.

Um die Regeln zu vereinfachen, ohne jedoch auf Investierbarkeit zu verzichten, werden ab der Überprüfung im September 2021 Indexmitglieder nur noch nach Marktkapitalisierung bestimmt. Der Börsenumsatz wird bei der Rangliste nicht mehr berücksichtigt; stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

Nicht übernommen wird der Vorschlag zum Ausschluss von Unternehmen mit Beteiligung an kontroversen Waffen. Stephan Flägel: „Wir haben ein sehr heterogenes Meinungsbild zu den Themen Nachhaltigkeit und ESG außerhalb der Vorschläge, die wir zur Governance gemacht haben, bekommen. Es wird von vielen Seiten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob diese Kriterien bei der Auswahl der DAX-Mitglieder eine Rolle spielen sollten. Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen. Nachhaltiges Investieren ist und bleibt einer der wichtigsten Trends an den Finanzmärkten und wird das Investitionsverhalten in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Das Thema ESG hat für Qontigo sehr hohe Priorität. Im März haben wir bereits den DAX 50 ESG Index gestartet und wir verfügen seit Längerem über eine breite Palette an ESG-Indizes, die wir auch künftig weiter ausbauen werden.“

Dax und MDax werden von der Deutschen Börse ermittelt
Foto: Deutsche Börse AG

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