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Tesla reif für die große Korrektur – wenn da nicht das alte Problem wäre

Innenansicht eines E-Autos von Tesla

Selten gab es bei großen Werten an der Wall Street eine derartige Kursfahnenstange wie beim Elektromobilhersteller Tesla. Ein Exponentialanstieg, bis zum 13. Juli auf knapp 1800 Dollar, der gar lange nicht so weiter gehen kann, denn dann wäre die Firma so viel wert wie alle anderen Automobilwerte zusammen. Also auf die große Korrektur setzen, ein sicherer Trade? Gar nicht so einfach.

Immer noch eine unglaublich Leerverkaufsquote bei Tesla

Wie gerade dargestellt: Bei einem Kurs von 1793 Dollar ergab sich eine Marktkapitalisierung für die Firma von mehr als 320 Milliarden Dollar (Zeit für „The Big Short“?). Dazu noch einmal ein Vergleich. Zu Beginn des Jahres 2020 betrug der Marktwert der weltweit größten acht Automobilkonzerne zusammen (von Toyota bis Nissan) 542 Milliarden Dollar – und deren Bewertungen sind seither gefallen. Diese Unternehmen stehen aber für den Löwenanteil der 67 Millionen im Jahr 2019 produzierten Pkw – und Tesla kam auf 376.500 Pkw. Sieht man sich den Chart an, so würde er bereits in wenigen Wochen auf eine vergleichbare Bewertungsgröße kommen. Völlig absurd und die Gelegenheit schlechthin für eine Shortspekulation? Auf diese Idee kommen aber auch zahlreiche Spekulanten, die nach wie vor auf den Niedergang des Börsenkurses wetten.

Die bisherigen Verluste der Shorties

Der US-Finanzdatenanbieter S3-Partners, eine Firma aus New York, die Echtzeitdaten zu Short Interest-Quoten liefert, hat anhand von Brokerdaten errechnet, dass Hedgefonds im laufenden Jahr bereits 23 Milliarden Dollar an Verlusten mit ihren Leerverkaufswetten eingefahren haben. Einiges davon, existiert nur auf dem Papier, da die Buchverluste noch nicht realisiert wurden. Damit setzt sich ein Kampf fort, der schon über Jahre währt und der den „Shorties“ schon jede Menge Verluste eingebracht haben sollte. Im Übrigen scheint sich so etwas wie eine Privatfehde zwischen den Leerverkäufern und Firmenchef Elon Musk entwickelt zu haben, die dieser in seinen Twitter-Kommentaren oft mit sehr viel Häme überzieht und mit manch zynischer Aktion. Zum Beispiel die Produktion von „Short Shorts“ von Tesla, die er schon mal an bestimmte Hedgefondsmanager verschickt. Natürlich hatten die Shortseller auch viele Gewinn-Trades in den Jahren 2015 bis 2019, als die Kurse extrem schwankten und Elon Musk manch schwere finanzielle Durststrecken überstehen musste.

Noch laufen viele Wetten rund um die Tesla-Aktie

Die letzte große Leerverkaufswette vor Corona entstand durch die Kursexplosion im Herbst 2019 bis auf 450 Dollar. Nach der Kursverdoppelung waren laut S3-Partners Anfang des Jahres ein nicht unerheblicher Anteil der Aktien geliehen, etwa 26 Millionen Stück. Der Kurs stieg weiter auf 900 Dollar, viele Leerverkäufer mussten schon wegen der Margins aufgeben und sich eindecken. Dann kam der große Selloff infolge Covid-19 und die Aktie stürzte bis auf 430 Dollar ab.

Die Shorties hatten ihre Quote bis auf 16 Millionen gesenkt, um sie in der raschen Erholung der Aktie wieder auf 20 Millionen zu erhöhen. Der weitere Verlauf ist in guter Erinnerung: Der Kurs kletterte um weitere 250 Prozent und verantwortlich dafür war manch schmerzvoller Pain Trade, der immer mit zu den ständigen Shortsqueezes führte. Damit hatte man die Shortquote um sechs Millionen Aktien reduziert, was aber bedeutet, dass es laut S3 Partners immer noch 14 Millionen Stück sind, oder deutlich über zehn Prozent der Aktien im Streubesitz. Derzeit gibt es 181 Millionen Aktien von Tesla, davon befinden sich 59 Prozent im Streubesitz. Größter Anteilseigner ist Elon Musk mit 20,80 Prozent.

Fazit

Das Spiel geht weiter. Shortseller gegen die Firma, gegen Tesla-Fans und Longtrader, gegen die Zeit (es fallen auch Leihgebühren an) und gegen das Urproblem des Leerverkaufs, die notwendige Eindeckung mit der Aktie, um sie zurückgeben zu können. Im Falle von Wirecard war die Strategie der Shortseller so richtig gewinnbringend, trotz einer zeitweiligen extremen Shortquote, die bei einem positiven Testat durch Ernst & Young zu einer Kursexplosion hätte führen müssen. Aber das ist doch eine andere Geschichte – ein partielles Ponzi-Schema – und da ist Shortselling das Gegenrezept par excellence. Tesla ist unglaublich teuer, aber es müssen immer noch die Millionen an geliehenen Aktien zurückgekauft werden. Die Frage ist nur wann, wie konzentriert und von welchem Niveau aus.

Hier ein positive Sichtweise auf Tesla mit fünf Gründen, warum Tesla so erfolgreich ist, von Maximilian Nowroth.



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8 Kommentare

  1. Finanzmarktwelt, wie viele Short Aktien habt Ihr von Tesla?

    1. Genügend um anschließend alle FMW-Leser zu beglücken! ;-)

  2. Bei mir reichts für ein neues Wohnmobil wenn´s in die richtige Richtung geht

  3. Bei mir für eine neue Eigentumswohnung in Manhattan, wenn’s in die Richtige Richtung geht

  4. Wie die Geschichte zeigt können bis zum Platzen eines solchen Systems schon mal 25 Jahre vergehen.
    Das ist das große Problem beim Shorten. Die Irrationalität von Anlegern hält meist deutlich länger als das Vermögen der Shorter.

    1. Eine 25 Jahre andauernde Fahnenstange gibt es aber auch nicht. Dann dürfte Tesla wertvoller sein als der gesamte Rest der Welt. Bei einer Fahnenstange ist eher die y-Achse als die x-Achse (Zeit-Achse) unkalkulierbar.

  5. http://brokervorschlag.de/brokervorschlag/tesla
    Letzte Woche sprach ich von „…das könnte auch das letzte Aufbäumen sein, bis die harte Realität also Zahlen bzw. ersten Quartal Berichte kommen…“
    Wir sahen im Dow ein hochlaufen und auch ein Abverkauf des Anstieges !
    Wie geht es nun weiter? Wo entscheidet es sich ?
    https://youtu.be/3-6xICYpICM

  6. Freue mich schon auf Fugi am Montag Morgen!

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