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Tesla: Shortsqueeze und Ponzi-Schema

Steht ein Shortsqueeze bei der Aktie von Tesla bevor? Elon Musk scheint genau darauf hinzuarbeiten durch stetige Tweets, wieviele Bestellungen für den Cybertruck eingegangen seien:

Und heute Nacht sind es dann schon 250.000 Vorbestellungen für den Cybertruck:

Man muß nur 100 Dollar hinterlegen, um eine solche Bestellung abzugeben – also nicht gerade viel. Offenkundig versucht Elon Musk mit diesen Tweets das Desaster bei der Präsentation des Cybertrucks zu überspielen, als der Wurf von Kugeln die Glasscheiben des Cybertrucks splitterten:

Bedenklicher aber als gesplitterte Glasscheiben sind die Bilanz-Tricks des Unternehmens, die von den meisten Investoren nicht hinterfragt werden. Wie kann es sein, dass – wie die Zahlen aus dem dritten Quartal von Tesla ausweisen, der Umsatz sinkt, im wichtigsten Absatzmarkt USA 39% weniger Fahrzeuge verkauft werden, aber gleichzeitig der Gewinn pro Aktie nach oben schießt? Offenkundig betreibt Tesla Bilanzkosmetik, wie wir in einem Artikel bereits dargelegt hatten:

„Laut Bilanz sitzt Tesla zwar auf mehr als 5 Milliarden US-Dollar Barreserven. Denen stehen aber nicht nur ein beständig wachsender Berg offener Rechnungen in Milliardenhöhe entgegen. Die auffällig niedrigen Zinseinnahmen pro Quartal deuten auch noch darauf hin, dass Tesla bei der Bilanz ordentlich Window dressing betreibt und der Cashbestand nur am letzten Tag des Quartals so hoch ist. Unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Zinseinnahmen erscheint ein weniger als halb so hoher Cashbestand im Durchschnitt eines Quartals wahrscheinlicher. Übrigens: Auch als Tesla nach Aussage von Elon Musk wenige Wochen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt war, lag der Cashbestand laut Bilanz bei rund 3 Milliarden US-Dollar.“

Dass mit den Bilanzen von Tesla etwas nicht stimmt, ist einigen Hedgefunds aufgefallen – so zum Beispiel Greenlight Capital unter der Führung des durch das Platzen der US-Immobilienblase bekannt gewordenen David Einhorn. Letztere stellt Elon Musk unnachgiebig bohrende Fragen nach einzelnen Positionen in der Bilanz von Tesla und liefert sich mit Musk einen Schlagabtausch per Twitter:

Fragwürdig ist auch, warum Tesla stetig neue Fabriken baut, wo doch ein Kernproblem die fehlende Nachfrage ist, wie FMW kürzlich gezeigt hat:

„Denn Tesla mangelt es nicht nur an Kapital, sondern auch nach einer ausreichend großen Fahrzeugnachfrage, um in naher Zukunft gleich drei Fahrzeugfabriken unterhalten zu können. Es ist erst zwei Jahre her, dass Musk öffentlich verkündete, es solle keinerlei Zweifel, und er meine Null Zweifel, daran bestehen, dass er in seiner ersten Fabrik in Fremont bereits Ende 2018 10.000 Model 3 pro Woche fertigen werde. Nun, Ende 2018 waren es nicht einmal 5.000 pro Woche und auch heute liegt die Produktionsrate eher bei 7.000 als 10.000 pro Woche. Und obwohl er in Fremont seinem für vergangenes Jahr ausgegebenen Produktionsziel 30% hinterher hinkt, beträgt die Lieferzeit für ein neu bestelltes Auto in Europa nur wenige Wochen bis maximal drei Monate. Die Preise mussten seit vergangenem Jahr zudem drastisch gesenkt werden, um auch nur eine Nachfrage auf dem aktuellen Niveau zu generieren.“

Ist Tesla faktisch eine Art Ponzi-Schema, das von Elon Musk auf die Spitze getrieben wird? Die Zukunft wird es zeigen. Eines jedoch ist klar: Elon Musk hat ein großes Interesse, die nach wie vor hohen Short-Bestände bei Tesla zu crushen („storm in shortland“). Und ist dabei nicht zimperlich: so etwa mit der nicht eingelösten Aussage, Tesla zu einem extrem hohen Preis von der Börse nehmen zu wollen – der dadurch ausgelöste Short-Squeeze kostete viele Shorties viel Geld, Musk aber kam mit einer eher symbolischen Strafe durch die US-Börsenaufsicht SEC davon.

Dass Elon Musk mit seinen Jubel-Tweets durchaus einen Short-Squeeze herbeiführen kann, zeigt Jochen Stanzl in einer kurzen Analyse, die Sie hier sehen können!

Elon Musk und seine Versuche, Shortspekulanten auf Tesla zu "crushen"

 

 



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2 Kommentare

  1. Nach meinem Verstand sind solche produzierte Short-Squeezes reiner Betrug. Aber im Land der unbegrenzten Betrügereien ,wo die Notenbanken zur Aktienstütze das gleiche Rezept anwenden, sollte man nicht staunen. Ein Land mit Trump u.Musk als grösste Staats- u.Wirtschaftsführer kann nur untergehen.
    Zum Glück habe ich diese Aktie nie ernst genommen.

  2. Musk verkauft nur eine Story, wie jetzt dieses neue Auto wieder.
    Damals wollte er doch LKWs herstellen!
    Jedenfalls paßt er perfekt zur Wallstreet-Zockerei. Die Realität ist woanders.

    Irgendwann aber kommt diese Story in der Realität an und dann sind die Aktieninhaber die Deppen, die Letzten zumindest. Und deswegen ist Musk ein Verbrecher, weil er weiß, daß sein Ponzischema nicht zusammenbrechen darf und er nur durch frisches Geld oder ShortSqueeze überlebt. Sonst ist es aus.

    Andererseits, die Notenbanken machen seit vielen Jahren auch nix anderes, und stellen sich am Schluß als Retter da.

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