Folgen Sie uns

Aktien

Tesla und Apple: Der obszöne Kursanstieg – und der große Unterschied

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Derzeit häufen sich in diversen Medien die Superlative. Die Apple-Aktie ist jetzt mehr Wert als die gesamte Wirtschaftsleistung in diesem und jenem Land. Die Tesla-Aktie ist jetzt mehr Wert als die Aktien von allen deutschen Autoherstellern usw. Man könnte endlos viele Vergleiche anstellen. Die großen Tech-Schwergewichte treiben die Indizes nach oben, während die Mehrzahl der Aktien in den USA fallen (hier der heutige Kommentar dazu von Markus Fugmann). Aber die Frage ist ja immer abseits dieser Superlativ-Meldungen: Wie steht denn der Aktienkurs in Relation zur Ertragskraft des Unternehmens? Denn wenn die Gewinne eines Unternehmens in Relation zum Aktienkurs gut ansteigen, dann kann auch eine Marktkapitalisierung bei Apple von 5 oder 10 Billionen Dollar gerechtfertigt sein (aktuell liegt sie bei „nur“ 2,02 Billionen Dollar).

Apple

Apple macht enorme Umsätze und hat seit der Einführung des iPhone satte Gewinnmargen! Das Unternehmen ertrinkt in Cash-Beständen. Die guten Gewinne des Unternehmens zeigen sich auch bei der Relation von Aktienkurs zu Gewinn pro Aktie. Das simple Betrachtungskriterium KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) zeigt, wie lange man beim derzeitigen Kauf eine Aktie halten muss, um über die jährlichen Gewinne theoretisch den Kaufpreis wieder reinzuholen.

Natürlich wäre dies nur dann der Fall, wenn eine Aktiengesellschaft jedes Jahr ihre gesamten Gewinne als Dividende ausschütten würde – was natürlich nicht realistisch ist. Das KGV ist eine Anhaltspunkt, wie teuer eine Aktie ist. Je höher das KGV, desto teurer die Aktie. Ein Wert von 15 oder 20 gilt noch als normal. Aber natürlich sehen die Börsianer bei Tech-Werten auch etwas höhere KGVs als noch in Ordnung an. Und siehe da. Bei Apple sehen wir mit dem aktuellen Aktienkurs für das Jahr 2019 ein KGV von 39,8, und als Erwartung für 2020 ein KGV von 36,6, und für 2021 einen Wert von 29,6. Da kann man immerhin noch einen halbwegs gesunden Bezug zwischen Aktienkurs und Ertrag erkennen!

Tesla

Tja, und dann schauen wir mal auf die Tesla-Aktie. Laut Börsenwert ist Tesla jetzt 373 Milliarden Dollar wert. Halleluja, möchte man da sagen. All die Trader, die seit Monaten dabei sind, können ihr Glück wohl kaum fassen. Was soll man dazu noch sagen? Möchte Tesla vielleicht mal eben zwischen Frühstück und Mittagspause eine Daimler oder Volkswagen „inhalieren“ per Bezahlung mit eigenen Aktien? Die beiden wären ja schon für 45 und 71 Milliarden Euro zu haben. Aber gut, an weiß ja nie, wie lange diese Mega-Hausse bei Tesla anhält, und ob die Aktie im September vielleicht schon wieder unter 1.000 Dollar notiert? Bei diesem Wahnsinn scheint ja alles möglich zu sein. Wo hier noch fundamentale Analyse-Maßstäbe für diese Aktie anzusetzen sind, kann man wohl nicht mehr beurteilen.

Wir „Kleingeistigen“ Spießer von FMW schauen aber auch hier mal kurz auf das KGV. Und siehe da, die Tesla-Aktie weist mit einem Wert von 1036 oder 770 für 2020 und 215 für 2021 doch eine recht gesunde Relation auf (Satire). Aber mal ehrlich. Eine 2020er-KGV-Schätzung bei 770 – anhand dieser KGV-Betrachtung hat das überhaupt nichts mehr mit irgendeiner realistischen Bewertung zu tun! Natürlich ist die Aktie getrieben von einer obszönen Spekulationsgier. Die Hausse nährt die Hausse. Gibt es da auch noch Anleger, die auf diesem Kursniveau eine fundamentale Begründung für die Bewertung liefern können? Ist es die Phantasie, dass Tesla wie im Rausch den globalen Automarkt erobern und beherrschen wird? Basierend auf dem KGV unterscheiden sich die Bewertungen von Tesla und Apple extrem deutlich!

Tesla-Chef Elon Musk
Tesla-Chef Elon Musk. Ausschnitt aus Originalfoto. Foto: Duncan.Hull CC BY-SA 4.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Pingback: Tesla und Apple: Der obszöne Kursanstieg – und der große Unterschied – finanzmarktwelt.de | apfeleimer

  2. Avatar

    Scheer

    22. August 2020 15:21 at 15:21

    Ich frage mich nur wann Tesla in der Bild Zeitung als grundsolides Unternehmen angepriesen wird. Das wird ja langsam Zeit….

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – TINA is back!

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die Alternativlosigkeit zu Aktien sei zurück, sowie die Angst bei der Rallye Gewinne zu verpassen.

weiterlesen

Aktien

Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

weiterlesen

Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

Avatar

Veröffentlicht

am

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen