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Tesla: Zwangsverkäufe und die Kehrseite der Optionsgeschäfte

Tesla und Elon Musk

Der Anstieg der Aktie des Elektropioniers Tesla ist atemberaubend: Von 2,80 Euro bei der Emission im Juni 2010 bis zum kürzlichen Hoch von 1032 Euro, Faktor 368, der den Aktiensplit vom August des Vorjahres sogar noch unterschlägt. Aber Unternehmensgründer Elon Musk wollte das ganz große Rad drehen, als Chef kein reguläres Gehalt fordern, sondern einen Optionsvertrag vorschlagen, der zur damaligen Zeit des Abschlusses reichlich utopisch erschien. Es trat das Unwahrscheinliche ein, die Optionsstufen werden nach und nach erreicht, mit ein paar Folgeproblemen, die derzeit sichtbar werden.

Tesla und Elon Musk: Ein Vertrag mit Zügen von Megalomanie

Es war natürlich klar, dass die Finanzwelt darauf achten würde, was ein derartig optimistischer Unternehmensvertrag für Auswirkungen zeitigen würde. Zumal der Kursanstieg von Tesla in einem Tempo vonstatten ging, der mit den Realitäten des Autogeschäfts nichts mehr zu tun haben scheint.

Zuletzt hatte ich in einem Artikel am 29. April diesen Jahres infolge des Erreichens der relevanten Kursziele (Titel – Tesla: Der Gehaltspoker von Elon Musk trägt Früchte) auf meinen Erstartikel vom 28. August 2020 (Tesla und die Kursphantasien) hingewiesen.

Hier noch einmal ein paar Zeiten zu den vereinbarten Optionsdetails, die gerade aktuell wieder voll in den Blickwinkel geraten – Stichwort Steuerpflicht.

„Hatte er nicht im Jahr 2018 mit dem Aufsichtsrat einen Vergütungsplan vereinbart, der selbst heute irgendwie noch surreal erscheint. Er wollte kein reguläres Gehalt als CEO, sondern einen Vertrag auf Optionsbasis für die Aktie, der sich in 12 Schritten anhand der Marktkapitalisierung der Aktie bis zu einer Höhe von astronomischen 650 Milliarden Dollar aufbaut. Damals befand sich der Titel im Bereich von 250 Dollar und einer MK in der Nähe von 50 Milliarden Dollar.

Ab 100 Milliarden MK Dolllar über ein halbes Jahr und jeweils in 50-er-Schritten sollte es Zuteilungen geben: Erste Tranche mit 1,7 Millionen Aktien, zugeteilt bei einem Kurs von 806 Dollar ist erfolgt, elf weitere Schritte bis zu den genannten 650 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung sind vereinbart. Was für ein irrer Plan. Die Aktie ist bereits bei über 380 Milliarden Dollar Börsenwert angekommen und sollte dieser Hype tatsächlich so weiter gehen, würde dies eine Vergütung in Milliardenhöhe bedeuten. Der Pferdefuß dabei ist, dass der Unternehmenschef die Aktien fünf Jahre halten muss. Aber eigentlich ist auch das hyperoptimistische Vertragswerk nur eine Nebeneinnahme, schließlich besitzt der Firmenchef bereits 22 Prozent der Aktien des Unternehmens.“

Das war zu einem Zeitpunkt, bevor die Aktie gesplittet wurde. Der Kursanstieg im Jahr 2020 betrug sagenhafte 612 Prozent auf Eurobasis. Das Kursziel aus dem Optionsvertrag wurde auch schon erreicht, nur nicht die zeitlichen Vorgaben. Und kürzlich pulverisierte das Unternehmen mit dem Erreichen der Schallmauer von einer Billion Dollar selbst das utopischste Vertragsziel um Längen.

Die Kehrseite der Medaille

Natürlich arbeitet die Zeit für den gebürtigen Südafrikaner, aber auch gegen ihn.

Elon Musk besitzt über 20 Prozent an Tesla. Zuletzt entsprechend einem Betrag von über 200 Milliarden Dollar. So schön Buchgewinne auch sein können, so lange diese nicht in (harte) Dollars getauscht sind, aber Steuern müssen auch irgendwann gezahlt werden.

Der Optionspreis der jetzt fälligen Optionen beträgt lächerliche sechs Dollar, bei einem Kurs von gestrigen 1165 Dollar, ergäbe dies einen steuerpflichtigen Gewinn von 28 Milliarden Dollar. Bundes- und Landessteuern (Kalifornien) von insgesamt 54 Prozent ergeben damit eine Steuerlast von 15 Milliarden Dollar.

Wie CNBC gestern berichtete, könnte Elon Musk 12 Millionen Aktien verkaufen, um die Steuerschuld zu begleichen. Bei einer derart großen Zahl an Aktien entsteht fortan ein großes Problem: Beim Verkauf könnte der Kurs kollabieren.

Nimmt Musk einen Kredit auf, entsteht das Risiko, wenn der Kurs deutlicher korrigieren sollte. Wie Elon Musk selbst feststellte, „Stocks donˋ t always go up.“

Fazit

Wie man es von Elon Musk gewohnt ist, geht er unglaubliche Risiken ein, wie kaum ein Unternehmenschef eines großen Unternehmens. Kein Gehalt zu vereinbaren, ein Vertrag auf Optionsbasis in vielen Tranchen und mit längerer Haltedauer. Es ist unglaublich gut gegangen, mit allerlei Marketingtricks, als Tesla vor ein paar Jahren das Wasser bis zum Hals stand. Jetzt zeigt sich aber die andere Seite der Medaille, wenn es zur Versteuerung von gigantischen Gewinnen kommt. Elon Musk ist gezwungen, größere Aktienpakete von Tesla auf den Markt zu werfen, auch wenn er es dieses Mal so schön mit der Reichtumsdebatte medial ausschlachtete.

Das Ganze wird den Reichtum von Elon Musk nicht wirklich gefährden – so viel Geld kann ein Mensch sowieso in seinem Leben nie ausgeben – aber Buchgewinne stehen eben nur auf dem Papier und bei der Realisierung schlägt auch in den USA der Staat zu sowie die Kurstafel. Und die dritte Bedrohung: Die Konkurrenz schläft nicht.



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