Konjunkturdaten

Thanksgiving Weekend Shopping-Orgie: Wer die Krise sehen will, kann sie hier erkennen

In den USA sind bei so ziemlich allen Statistiken die Vergleiche zwischem dem Ist-Zustand und den Erwartungen wichtiger als die Vergleiche zum Vorjahreswert. Das gilt in erster Linie bei den Quartalszahlen von Unternehmen, aber auch bei Konjunkturdaten. Auch kann man aktuell diese Beobachtung machen bei den ganz frisch veröffentlichten Daten für die Thanksgiving-Woche, wo die Amerikaner geshoppt haben „bis zum Erbrechen“.

Enthalten waren hier der Black Friday, Cyber Monday usw. Die Amerikaner haben fast gleich viel online wie stationär geshoppt. In den USA gilt: Einzelhandel ist gleich Konjunktur! Denn wo Deutschland seine Wertschöpfung aus dem Export zieht, lebt die US-Volkswirtschaft vom totalen Konsum, der massiv schuldenfinanziert wird. Also, schauen wir uns die Zahlen mal an.

Der US-Einzelhandelsverband „National Retail Federation“ hatte vorher eine Umfrage veröffentlicht, wonach 164 Millionen Amerikaner shoppen wollten. Heraus kamen 165 Millionen Konsumenten, die am Konsumrausch teilnahmen. Also ist doch alles gut, denn die Erwartungen wurden übertroffen!? Ansichtssache! Denn wir schauen mal auf das Vorjahr. Und dort waren es noch 174 Millionen Konsumenten. Also haben wir in nur einem Jahr einen Rückgang von 9 Millionen Amerikanern, welche nicht mehr mitgemacht haben.

Wer eine Krise in der US-Konjunktur sehen will, könnte nun vermuten, dass diese 9 Millionen Amerikaner inzwischen so hohe Schulden haben, dass sie nicht mehr weiter konsumieren können. Das ist durchaus wahrscheinlich, denn die Gesamt-Schuldenlast der Amerikaner ist inzwischen deutlich höher als auf dem letzten Höhepunkt kurz vor der Finanzkrise 2008. Auch das Volumen, dass jeder teilnehmende Konsument über dieses lange Wochenende ausgegeben hat, ist deutlich gesunken.

Waren es letztes Jahr noch 335,47 Dollar, so waren es dieses Jahr nur noch 313,29 Dollar. Auch das ist ein deutlicher Rückgang. Die Gruppe der 35-44-jährigen Konsumenten gab in den USA im Schnitt 413 Dollar aus. Der Einzelhandelsverband sagt eigentlich nichts zu den starken Rückgängen, sondern betont im Gegenteil, dass die Investitionen der Einzelhändler sich nun auszahlen würden, und dass doch alles bestens laufe. Zitat:

“This year’s research clearly shows that the investments made by retailers are paying off in a big way. Over the last couple of days, what I heard in discussions with retail CEOs across all categories and segments was very positive, driven by macro conditions of low unemployment and rising wages combined with the right mix of merchandise at great prices. This is a very strong emotional start to the holiday season and a positive indicator of where we are headed over the next month.”

Die folgende Grafik zeigt, dass die Amerikaner ungefähr gleich viel online wie offline eingekauft haben.

Thanksgiving Weekend
Eingang zur Mall of America. Foto: Joe Chill 2 CC BY-SA 3.0



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4 Kommentare

  1. Früher gab es nur den stationären Einzelhandel. Der hatte es mit seiner stationären Konkurrenz oft schon schwer genug, auf interessante Margen zu kommen. Nun kommt der immer stärker werdende Internethandel dazu, der Preisvergleiche in Sekundenschnelle erlaubt, was ebenfalls enorm auf die Margen drückt.
    In diesem Szenario gibt es derzeit nur einen Gewinner und das ist der Kunde. Für die Wirtschaft ist es eine Katastrophe. Der stationäre Einzelhandel wird den Kampf verlieren und das große Sterben hat gerade erst begonnen und wird unzählige Arbeitsplätze verschlingen.
    Wer aber glaubt, der Internethandel lebe auf der Sonnenseite, der sollte sich einmal mit den nackten Zahlen beschäftigen. Auch hier werden die Ergebnisse durch enorme Kosten belastet, insbesondere durch Personalkosten. Warum sonst sprudeln bei Amazon nur die Umsätze, aber nicht die Gewinne?
    Es ist ein ruinöser Wettbewerb der Systeme. Man muss nur 1 + 1 zusammenzählen. Wenn der Kauf einer Jeans früher ein System ernährte, so muss er inzwischen 2 Systeme ernähren, denn der Verkauf von Jeans verdoppelt sich nicht, nur weil sie jetzt von 2 Systemen angeboten werden. Auch wenn sich die Kosten für den Verkauf einer Jeans nicht verdoppeln, so sind sie doch rasant gestiegen.
    Nun könnte man glauben, dass bei Amazon spätestens dann die Gewinne in die Höhe schießen, wenn der stationäre Einzelhandel in weiten Teilen ausgestorben ist. Vermutlich träumt davon nicht einmal Jeff Bezos. Billionenschwere Konsortien können das Geschäftsmodell von Amazon innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden stampfen und in einen Wettbewerb gehen, den Amazon nicht gewinnen könnte. Sie stehen bereits in den Startlöchern.

    1. @Hesterberg, erstklassiger Kommentar!

    2. @Hesterberg. Neben der sehr guten Analyse darf man aber dabei nicht übersehen, dass dieser ganze Wahnsinn (Kosten runter, egal wie) beinahe immer zu Lasten von den Bevölkerungen in Entwicklungsländer geht in denen diese Konsumartikel zu füchterlichen Bedingungen produziert werden. Dann setzt man seitens der sog. zivilisierten, westlichen Welt noch ein Markenzeichen wie z.Bsp. „FAIR TRADE“ darunter und schon läuft die Sache. Alles was dieser zivilisierten, westlichen Welt dazu einfällt ist die Grenzen dicht zu machen um dieses Sklaventum weiter aufrecht zu erhalten und nur ja nichts von unserem Wohlstand abzugeben. Wenn hier nicht bald ein Umdenken eintritt wird es in einem Fiasko enden!

      1. @Kritisch
        Es wird in einem Fiasko enden, wenn die westliche Welt die Grenzen nicht dicht macht!

        Sklaventum??? Ich denke, Sie haben hier irgendetwas nicht richtig verstanden. Aus Ihrer Sicht sind dann auch die Chinesen alle Sklaven. Sie müssen zugeben, dass dem bevölkerungsreichsten Land der Erde die angebliche „Versklavung“ durch die westlichen Industrienationen derart gut bekommen ist, dass es sich nun anschickt, die Weltmacht Nr. 1 zu werden.

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