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The Big Short und Margin Call – ARD legt die Finanzkrise ins Nachtprogramm

Claudio Kummerfeld

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am

Wall Street U-Bahn Station - Finanzkrise mit Ausgangspunkt New York

Was darf der deutsche Michel am kommenden Sonntag um 20:15 Uhr direkt nach der Tagesschau in ARD konsumieren? Den guten alten Tatort mit einem „allseits beliebten“ Till Schweiger. Und um 21:45 Uhr folgt ein gewisser Kommissar Wisting aus Norwegen. Sicherlich ein Schmankerl, welches man dem TV-Zuschauer nicht zu einem späteren Zeitpunkt zumuten kann? Daher bleibt dem ARD-Zuschauer, der sich freuen würde vielleicht mehr Hintergründe über die Finanzkrise 2008 zu erfahren, mal wieder nur das Nachtprogramm. Kein Problem, denn der Otto-Normal-Arbeitnehmer kann sicherlich problemlos ab 23:35 Uhr einschalten, und den Film „Margin Call“ bis 1:18 Uhr Montag früh anschauen?

Nur zwei Filme zeigen die Zusammenhänge der Finanzkrise 2008

Genau so hatte sich die ARD schon vor Kurzem entschieden, als man den Film „The Big Short“ ins Nachtprogramm legte. Ebenfalls Start Sonntag 23:35 Uhr. Schon merkwürdig. Die einzigen beiden (leider) großen Hollywood-Filme, die sich wirklich ansehnlich und inhaltlich gut gemacht mit den Geschehnissen rund um die Finanzkrise 2008 beschäftigen, wurden von der ARD identisch auf den Sendeplatz Sonntag 23:35 Uhr gelegt, mit einer Woche Abstand.

Zufall? Nein, bitte, wir wollen hier keine Verschwörungstheorie aufmachen, dass die ARD dem Bürger die großen Zusammenhänge der Finanzkrise absichtlich verschweigen will, und deswegen sowas Nachts ausstrahlt. Wie schon bei „The Big Short“ vermuten wir auch jetzt bei „Margin Call“, dass die Programmplaner der ARD sich einfach sagen: Der Zuschauer interessiert sich in der Primetime für Silbereisen, Schweiger, Fröhliche Liederabende und Norwegen-Krimis, aber eben nicht für Finanzthemen. Das will der Bürger, der Abends in seinen TV-Sessel sinkt, einfach nicht sehen, sondern eher einfache, sanfte Kost? Aber warum laufen dann Formate wie „Hart aber Fair“ Montags um 21 Uhr, und nicht auch erst ab Mitternacht?

Es mag sein, dass der Bürger am Sonntag Abend lieber Silbereisen und Schweiger sehen will. Aber würden diese beiden Filme (The Big Short und Margin Call) sagen wir mal statt Till Schweiger um 20:15 Uhr laufen, dann könnten doch zahlreiche Zuschauer im Nachhinein sagen: „Hey… das habe ich ja noch gar nicht gewusst, interessanter Film. Jetzt habe ich die Zusammenhänge hinter der Finanzkrise etwas besser verstanden“. Aber wenn der Zuschauer, der spätestens um 23 Uhr die Glotze ausmacht, weil er nächsten Tag arbeiten muss, überhaupt nichts von diesen Filmen mitbekommt, dann weiß er/sie auch gar nicht, was er/sie da verpasst hat.

Margin Call jetzt am kommenden Sonntag Abend um 23:35 ist unserer Meinung nach genau so sehenswert wie The Big Short. Also, Decoder programmieren oder länger wach bleiben, es lohnt sich – auch wenn Margin Call nicht auf Zahlen-Details eingeht, und eher etwas allgemeiner gehalten ist. Tja, und die allermeisten ARD-Zuschauer werden dann Sonntag Abend wie üblich mit Schweiger und Norwegen-Krimi berieselt. Denn der deutsche Michel, der will ja nichts anderes vorgesetzt bekommen?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Lausi

    2. Januar 2020 19:31 at 19:31

    Also ich finde, dass dieser Hollywood-Streifen – und dabei folgende Szene – die Wall Street und das Finanzsystem am besten erklärt: https://youtu.be/gvUd7uBMRS8

    Das sollte als kurzer Spot gleich nach den 8-Uhr-Nachrichten gesendet werden! Das wäre noch Bildungsfernsehen und ein echter Erkenntnisgewinn für die Massen ;-)

    • Avatar

      Michael

      2. Januar 2020 23:39 at 23:39

      @Lausi, da bin ich voll bei Ihnen. Das ist umkompliziert, verständlich, geht in medias res und sollte eigentlich ab der 5. Klasse unterrichtet werden. Ich meine das ohne Ironie und Sarkasmus, in dieser Szene wird in 5 Minuten dem Joe Sixpack überspitzt, aber treffend erklärt, was die beiden anderen Filme stundenlang nicht schaffen. Bildung und Erkenntnis in wenigen Minuten, alles andere würde nur für Verwirrung und Verschleierung sorgen.

      Margin Call lief bereits gefühlte 100 Mal im öffentlichen TV und in den Mediatheken, und kaum einer ohne VWL- und BWL-Studium oder jahrelange Tradig-Erfahrung versteht das atemlose und übernervöse Brokergewäsch und interessiert sich in der Folge für den Film. Wer gerne in seiner persönlichen Prime-Time das glotzt, was er will, und zu geizig für Pay-TV ist, sollte einmal in der ZDF-Mediathek auf Bad Banks zappen. Internationaler Bankenkrimi im Stile des gewohnten Tatort, wenig Hollywood, nahe an der europäischen Realität, seit ewigen Zeiten in der Mediathek verfügbar.

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Sparquote explodiert – der deutsche Michel sorgt in der Krise vor!

Claudio Kummerfeld

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Stapel an Geldmünzen als Symbol für höhere Sparquote

Zur Sparquote kommen wir gleich noch. Aber erstmal eine Frage für Sie: Was macht man in Krisenzeiten, wenn extrem viel Unsicherheit herrscht? Das Konsumverhalten hat sich schon nachweislich geändert. Die Deutschen geben weniger für Bekleidung aus, dafür mehr für die Einrichtung ihrer vier Wände, was aktuelle Daten belegen. Aber wenn man nicht gerade arbeitslos geworden ist, und nun dank entfallender Events, Restaurantbesuche und Urlaubsbuchungen viel Geld übrig hat, was macht man? Während die Amerikaner wie die Geisteskranken seit Monaten ihr Geld in die Börse pumpen, macht der deutsche Michel was?

Ja, Sie haben richtig geraten. Der deutsche Michel pumpt sein Geld aufs Sparbuch – offensichtlich ist es egal, dass man real sogar Geld verliert. Gut, seit drei Monaten schwankt die Inflation in Deutschland an der Null-Linie und ist derzeit sogar negativ. Aber seit Jahren verzeichnen die Sparer bei Nullzinsen nach Abzug der Inflation reale Wertverluste. Nimmt man an, dass die Inflation wieder über die Null-Linie steigt, geht dieser Trend so weiter. Aber wie wir es schon mehrmals die letzten Jahre thematisiert hatten – was der Sparer am Zins verliert, gleicht er ganz einfach aus, in dem er Monat für Monat einfach mehr Geld zurücklegt!

Sparquote in Deutschland explodiert

Dieses Verhalten untermauert eine heute veröffentlichte Studie des Bundesverbands der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die Sparquote, also der Anteil vom verfügbaren Einkommen der Bürger, der auf die hohe Kante gelegt wird, lag von 2015-2019 immer im Bereich zwischen 10,1 und 10,8 Prozent. Jetzt soll dieser Anteil (die Sparquote) in 2020 aber laut BVR auf 15 Prozent hochspringen! Was sich auf das gesamte Einkommen bezogen nicht nach viel anhört, ist aber mal eben ein Plus von grob gesagt 50 Prozent in der Sparquote bei den privaten Haushalten.

Laut dem Bankenverband sei dieser massive Anstieg des Sparens ist ein Corona-Sondereffekt. Ausgefallene Urlaubsreisen und verschobene Autokäufe würden nur allmählich nachgeholt. Auch in 2021 dürfte die Sparquote noch erhöht bleiben und erst danach wieder auf rund 11 Prozent zurückgehen, so der BVR. Und der Verband bestätigt unsere These, dass die Menschen bei ausbleibenden Zinsen einfach mehr Geld auf die Hohe Kante packen, als Ausgleich. Zitat BVR:

Die Sparquote sei in Deutschland im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren vergleichsweise hoch und stabil geblieben, so der BVR. Martin: „Die Sparkultur ist in Deutschland fest verankert.“ Die historisch niedrigen Zinsen senkten die Sparanreize, erhöhten aber wegen des fehlenden Zinseszinseffekts das für ein Vorsorgeziel nötige Sparvolumen. Ein nachlassendes Sparen war in den vergangenen Jahren allerdings bei Sparern mit niedrigen Einkommen festzustellen.

Der deutsche Michel bleibt Sparbuch-Liebhaber, und kann mit der Börse nach wie vor kaum etwas anfangen. Dies kann man aus den folgenden Aussagen des BVR herauslesen:

Die Deutschen seien bei der Geldanlage weiterhin risikoscheu. Dies zeigten die vorliegenden Zahlen zur Geldvermögensbildung der Bundesbank. Im Zeitraum vom zweiten Quartal 2019 bis zum ersten Quartal 2020 hätten die privaten Haushalte 282 Milliarden Euro neues Geldvermögen gebildet. Dieser Betrag ergebe sich im Wesentlichen aus dem Sparen zuzüglich der Netto-Kreditaufnahme und abzüglich der Sachinvestitionen, hauptsächlich in Form des Wohnungsbaus. Mit 49 Prozent sei fast die Hälfte der Geldvermögensbildung in Form von Bargeld und Bankeinlagen geflossen, sehr hoch liege mit 28 Prozent auch der Anteil des Versicherungssparens.

Der Anteil des Wertpapiersparens, wozu neben Investmentfonds, Aktien und an anderen Anteilsrechten auch Schuldverschreibungen zählen, habe bei 23 Prozent gelegen. Wertpapiere hätten als Anlageform zuletzt etwas an Bedeutung gewonnen, im internationalen Vergleich sei ihr Anteil aber ausbaufähig. Beispielsweise liege der Anteil der Wertpapieranlage in Schweden und Finnland bei rund 50 Prozent. Martin: „Mit einer stärkeren Geldanlage in Investmentfonds und Aktien können Sparer höhere Renditechancen bei überschaubaren Risiken erreichen, wenn grundlegende Anlageprinzipien eingehalten werden.“ Hierzu zählt eine breite Streuung der Investments, wie sie über Investmentfonds erreicht werden kann, eine langfristige Anlageperspektive und ausreichende Liquiditätspolster für den Fall unvorhergesehener Ausgabenotwendigkeiten.

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Einzelhandelsumsätze: Krise vorbei – nur Bekleidungsgeschäfte haben ein Problem

Claudio Kummerfeld

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Frau mit Einkaufstaschen

Erst vorgestern berichteten wir über das veränderte Konsumverhalten der Deutschen im Zuge der Coronakrise. Die Menschen würden den Rotstift zuerst bei Urlaub, Bekleidung oder Schmuck ansetzen. Und diese Erkenntnis, gewonnen aus Umfragedaten von Creditreform, erkennt man auch in den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen vom Statistischen Bundesamt für den Monat August. Noch nicht wieder auf dem Vorjahresniveau sind demnach nämlich die Einzelhandelsumsätze in den Bereichen Textilien, Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, sowie der Einzelhandel mit Waren verschiedener Art (zum Beispiel Waren- und Kaufhäuser) mit real -10,1 % und -2,5 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Aber abgesehen davon sind die gesamten Einzelhandelsumsätze im Vergleich zu Februar und auch im Jahresvergleich zu August 2019 inzwischen wieder höher! Damit kann man also sagen: Die Menschen konsumieren wieder mehr als vor der Krise, von daher ist die Konsum-Angst offenbar verflogen – nur das Konsumverhalten hat sich verschoben, zum Beispiel von Bekleidung hin zu Wohnungseinrichtung. Deutlich zugenommen hat auch der Handel mit Einrichtungsgegenständen, Haushaltsgeräten und Baubedarf mit einem realen Plus von 8,1 Prozent.

Die gesamten Einzelhandelsumsätze sind im August im Jahresvergleich um 3,7 Prozent gestiegen (der August 2019 hatte sogar einen Verkaufstag mehr), und im Monatsvergleich um 3,1 Prozent. Hier weitere Details der Statistiker im Wortlaut:

Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte im August 2020 real 2,6 % und nominal 5,4 % mehr um als im August 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 2,9 % und nominal 5,6 % über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 0,3 % und nominal 3,7 % mehr um. Im Einzelhandel mit Nicht-Lebensmitteln stiegen die Umsätze im August 2020 im Vergleich zum Vorjahresmonat real um 4,5 % und nominal um 5,4 %. Das größte Umsatzplus zum Vorjahresmonat mit real 23,0 % und nominal 24,4 % erzielte der Internet- und Versandhandel.

Grafik zeigt Details der Einzelhandelsumsätze im August

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Das ist die erfolgreichste deutsche Anlegerin – Werbung

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Lieber Börsianer,

vorgestern ist Beate Sander mit 82 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Hierzulande wurde sie bekannt als die „Börsen-Oma“, die in den 90er-Jahren völlig unbeleckt an die Börse startete und aus 60.000 DM weit über 2 Millionen Euro machte. Sie gilt zu Recht als die erfolgreichste Privatanlegerin Deutschlands.

Dabei war ihr der Börsenerfolg definitiv nicht in die Wiege gelegt. Sie wuchs in Rostock auf und hat im Arbeiter- und Bauernstaat sicherlich nicht viel über den freien Markt gelernt. Als Jugendliche kam sie nach Süddeutschland und schlug dort eine Laufbahn als Realschullehrerin ein.

Im Alter von 60 Jahren hat sie dann ihrem Leben eine Wende gegeben und wurde Börsianerin, ohne dabei ihre Aufgaben als Pädagogin zu vernachlässigen. Ich wiederhole mich, ihrem Sohn hinterlässt sie nun ein Depotvermögen von weit über 2 Millionen Euro. Daneben setzte sie sich erfolgreich für die Aktienkultur in Deutschland ein, schrieb einige Börsenratgeber und verfasste regelmäßig Börsen-Kolumnen etwa in der Bild-Zeitung.

Ihre Erfolgsformel: Kaufen, wenn die Welt vermeintlich untergeht

Was war ihr Erfolgsrezept? Frau Sander pflegte einen offensiven Anlagestil und war in besonderem Maße an Technologie und Innovation interessiert. Gewissermaßen war das Silicon Valley ihre zweite Heimat. Daneben zeichnete sie sich durch einen streng antizyklischen Ansatz aus. So nutzte sie die Finanzkrise bzw. den Börsen-Crash von 2008, um ihr Depot nochmals auszubauen. Sie hat damals, als viele Anleger…..

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