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„The Big Short“ verpasst? Pech gehabt – wen interessiert schon die Finanzkrise

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The Big Short - die Kulisse von Lower Manhattan

Schon mal was von „The Big Short“ gehört? Haben Sie jemals genau verstanden, wie die Finanzkrise 2008 überhaupt entstehen konnte? Selbst die „hohe deutsche Politik“ sprach ja davon, dass die Finanzkrise 2008 durch die Pleite von Lehman Brothers ausgelöst wurde. Was für ein Quatsch. Lehman war nicht Auslöser der Finanzkrise, Lehman war eines der Resultate der Finanzkrise, die schon Jahre vorher begonnen hatte. Durch die Lehman-Pleite wurde die Finanzkrise bloß erst für die breite Öffentlichkeit sichtbar.

„The Big Short“ – die Wette auf den Systemcrash

Einfachen Amerikanern mit schlechten Jobs oder sogar Arbeitslosen wurden Hauskredite mit horrenden Zinssätzen aufgeschwatzt. Wertlose Hypotheken wurden als gigantische Pakete kreuz und quer durch das Finanzsystem gejagt. Einige ganz wenige „relativ kleine“ Investoren erkannten, dass dieser Häusermarkt faul war, und baten die großen Banken darum, gegen den Häusermarkt wetten zu dürfen – wodurch Derivate geschaffen wurden, mit denen man auf den Crash am US-Immobilienmarkt wetten konnte.

Diese Spekulanten hatten mit der Krise selbst nichts zu tun. Sie hatten sie lediglich als Erste erkannt, und verdienten nach Ausbruch der Finanzkrise am Immobiliencrash Milliarden. Vereinfacht gesagt: Könnten Sie eine Feuerversicherung auf das Haus ihres Nachbarn abschließen, und dessen Haus brennt ab, verdienen sie gutes Geld damit, wenn die Versicherung bezahlt. So ungefähr lief das auch kurz vor dem öffentlich sichtbaren Ausbruch der Finanzkrise 2008 ab. In keinem anderen Film (meine Meinung) wurde diese Thematik jemals so einfach und anschaulich dargestellt wie im Film „The Big Short“ aus dem Jahr 2015.

The Big Short bedeutet auf dieses Thema bezogen sinngemäß übersetzt „Die große Wette auf den Crash“. Wäre es wichtig dem deutschen TV-Konsumenten dieses Thema mal begreiflich zu machen? Denn die breite Masse der Menschen hat wohl auch heute keine Ahnung, was damals überhaupt genau passierte. Kein Witz… so ein Film und dazu auch Filme wie „Margin Call“ mit Kevin Spacey und Demi Moore (zeigte den damaligen Ablauf in einer Investmentbank) könnten einer großen Masse an Menschen, die mit der Thematik gar nichts am Hut haben, die Abläufe einfach und anschaulich erklären.

Nächtliche Ausstrahlung in der ARD

Das wäre im Sinne des „Bildungsauftrags“ der ARD doch genau der richtige Film gewesen, um ihn sagen wir mal an einem Montag um 20:15 Uhr direkt nach der Tagesschau auszustrahlen? Aber nein… die ARD schaffte es den Film „The Big Short“ doch tatsächlich gestern um 23:35 Uhr auszustrahlen. Dazu gab es negative Kommentare von potenziellen Zuschauern. Dazu, dass die ARD den Film nicht online in ihrer Mediathek zur Verfügung stellt (Verleih-rechtliche Gründe?), sagt die ARD „Ein Angebot in der Mediathek ist leider nicht möglich.“

Tja, was lief denn gestern stattdessen um 20:15 Uhr in der ARD? Polizeiruf 110. Und heute am Montag 20:15 Uhr? Da beglückt die ARD die nach Bildung und Demokratie-Informationen gierenden Zuschauer mit der Sendung „2019 – das Quiz“. Amen und Halleluja, möchte man da sagen. Die ARD wird ihrem Bildungsauftrag wirklich gerecht! (Sarkasmus) Sicher haben heute Nacht Millionen von Menschen bis 2 Uhr in der Früh „The Big Short“ noch in der ARD geschaut? Verschwörungstheorie? Möchte eine böse dunkle Macht dem dummen deutschen Michel diese wichtige Sicht auf den Finanzmarkt vorenthalten? Nein, daran glaube ich natürlich nicht.

Es ist letztlich wohl viel einfacher. Die Entscheider über das TV-Programm bei der ARD werden sich wohl einfach gesagt haben, dass sich die Masse der TV-Zuschauer für diese Materie nicht interessiert. Also ab damit ins Nachtprogramm. Denn die Zuschauer möchten doch lieber mit sanften Quiz-Schows, Gesangssendungen und anderen lustigen und seichten Glücksformaten berieselt werden? Wer interessiert sich schon für die letzte oder die nächste Finanzkrise? Richtig, niemand. Wichtiger sind Promi-Shows, Helene Fischer, Silvester Galas und die große Glückseligkeit.

Sie wollen „The Big Short“ doch noch sehen? Dann müssen sie entweder hoffen, dass irgendwann in ferner Zukunft erneut zu Grusel-Zeiten eine Ausstrahlung in frei zugänglichen Sendern erfolgt, oder sie müssen sich in Pay TV-Formaten rumtreiben oder gleich die DVD kaufen. Aber wir sind hier nicht fürs Marketing zuständig. Wir wollen Sie natürlich nicht dazu animieren irgendetwas käuflich zu erwerben.

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    30. Dezember 2019 12:23 at 12:23

    Ich stelle mal einfach die dreiste und freche Behauptung auf, das 90 % der Bevölkerung dass sowieso nicht verstehen um was es da geht aufgrund eines mangelnden Intelligenzniveaus. Der Film ist genau wie Margin Call einer besten zu der Thematik Finanzkrise, kann ich nur bestätigen. Genau so kann ich jedem der sich dafür interessiert nur empfehlen dass Buch „The Big Short“ zu lesen, äußerst spannend!

    Das öffentlich rechtliche Fernsehen beschäftigt sich lieber damit Meinungsdiktatur im Sinne der Politik zu betreiben als sich wirklich um Bildung und aufklärung zu kümmern.

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      leftutti

      30. Dezember 2019 18:06 at 18:06

      @Marcus, es klingt leicht überheblich, wenn jemand 90% der Bevölkerung mangelnde Intelligenz unterstellt. Vielleicht eher mangelndes Fachwissen auf einem sehr speziellen und undurchsichtigen Gebiet, oder mangelndes Interesse?! Wer sich nicht andauernd mit dem Thema befasst, verzweifelt bei solchen Filmen schnell an den vielen unbekannten und seltsamen Fachbegriffen, die er zum ersten Mal in schneller Abfolge hört. Short, Derivate, Margin Call, gehebelt, Intrabankenmarkt, Repo… Vergleichbar mit dem Desinteresse sehr vieler Börsen- und Wirtschaftsmenschen gegenüber den komplexen Zusammenhängen von Wirtschaft, Umwelt und Klima oder bei Dokus über Physik, Mathematik, Geologie uvm.

      Und ob man Polizeiruf 110, das Quiz oder Helene Fischer als Meinungsdiktatur bezeichnen kann, steht auf einem anderen Blatt. Am Ende geht es um Quoten, um wirtschaftliches Denken und Handeln bei den Sendern. Um Gewinnmaximierung für die oberen paar Promille.
      Und um Berieselung, Verdrängung, Schönreden beim Zuschauer. SUV, Zweitwagen und drei Urlaubsreisen pro Jahr sind unantastbar, man will ja schließlich „leben“. Was kann man denn schon machen als Einzelner, damit rettet man doch nicht die Welt. Solange USA und China nicht beginnen, ist alles sinnlos.

      Also, wie gesagt, nicht fehlendes Intelligenzniveau, sondern fehlendes Interesse, andere Prioritäten, erfolgreiche Verdrängungsmechanismen, die Einsicht, dass Börsen und Wirtschaft nicht alles sind. Selbst das Verständnis vom ultimativen Kapitalismus im Land der maximalen globalen Ausbeuter würde wozu führen? Zu einer 3000%igen Steigerung empörter Kommentare im virtuellen Raum, zu 5 weiteren deutschen Gelbwesten auf der realen Straße, zu 10 Prostestwählern, die der Wahl fernbleiben?

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        Marcus

        30. Dezember 2019 20:34 at 20:34

        Sicher ist das leicht überheblich, stimme ich definitiv zu. Aber Tatsache ist ja nun mal das die übergroße Mehrheit für diese interessanten Dinge nichts übrig hat. Der Polizeiruf ein Quiz oder Helene Fischer meinte ich nicht mit Meinungsdiktatur, aber ich denke Sie wissen was ich damit meinte.

        Im Kern hat Herr Kummerfeld definitiv recht mit dem was er schreibt.

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        herrmann meier

        31. Dezember 2019 09:58 at 09:58

        Was ist das für eine Logik, Kritik an Propaganda-TV gleich ein SUV-Fahrer😂 Es ergibt keinen Sinn.
        Sind irgendwie auf die ganze Menschheit sauer oder einfach nur mit Ihrem Leben unzufrieden?

        • Avatar

          leftutti

          31. Dezember 2019 11:59 at 11:59

          @herrmann meier, diese Logik konstruieren Sie sich selber zusammen, weil Sie offensichtlich meinen Text nicht oder nur sehr oberflächlich gelesen haben. Und das, obwohl ich meine Kernaussagen extra zweimal geschrieben habe, damit es auch der Dümmste versteht 😂

          Weder schreibe ich etwas über oder gegen eine Kritik an Propaganda-TV (die ich schon auch für gerechtfertigt halte), noch stelle ich einen Zusammenhang oder eine Gleichsetzung dieser Kritik zum SUV-Fahrer her. Ich schreibe lediglich auf die Unterstellung von @Marcus bezüglich eines fehlenden Intelligenzniveaus von 90% der Gesamtbevölkerung (evtl. alle Nicht-AfD-Wähler?), dass meiner Meinung nach nicht fehlende Intelligenz, sondern fehlendes Interesse und andere Prioritäten ursächlich sind. Prioritäten, wie eben SUV, Zweitwagen und drei Urlaube pro Jahr.

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            stina

            31. Dezember 2019 18:07 at 18:07

            @Michael
            Ich mache mit meinen vier Kindern fünf-sechs Urlaube pro Jahr und trotzdem finde ich AfD, SUV’s und fehlende Intelligenz ganz schlimm.

          • Avatar

            Michael

            1. Januar 2020 00:12 at 00:12

            @Forentroll, Sie müssen sich ob Ihrer fehlenden Intelligenz nicht grämen. Das ist auch kein Grund, sich laufend die Namen anderer anzueignen. Leben Sie damit, akzeptieren Sie es, man kann nicht alles im Leben haben 😉

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          Prof. Dr.Donald Marx

          31. Dezember 2019 14:03 at 14:03

          …ist doch ganz einfach, man nennt es Margin Call 😂😂😂

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    Quintus

    30. Dezember 2019 16:49 at 16:49

    Sorry, erzählen sie doch bitte einmal einem jemandem aus ihrem Bekanntenkreis wie die Geldvermehrung funktioniert und wer das Recht zur Geldschöpfung innehält. Die halten sie alle für verrückt, denn schließlich weiß doch jeder, daß die Hausbank nur das Geld, welches die Anleger bei ihr geparkt haben, verleiht….
    Soviel zur monetären Bildung dieser meist studierten Klientel.

    • Avatar

      Michael

      30. Dezember 2019 19:07 at 19:07

      @Quintus, was bitte genau ist denn eine monetäre Bildung?

      • Avatar

        Quintus

        31. Dezember 2019 07:49 at 07:49

        @Michael
        Laut Duden:
        monetär:„finanziell, das Geld betreffend“
        Bildung: von althochdeutsch bildunga ‚Schöpfung, Bildnis, Gestalt‘
        Meine Kritik richtet sich hauptsächlich an die Institution Schule und öffentliche Medien.
        Daraus ergebend muß ich leftutti zustimmen und komme zu dem Schluß, daß nicht „fehlendes Intelligenzniveau, sondern fehlendes Interesse, andere Prioritäten, erfolgreiche Verdrängungsmechanismen, die Einsicht, dass Börsen und Wirtschaft nicht alles sind“ ihre Ursache in der fehlenden Vermittlung grundlegender Zusammenhänge am Anfang zu suchen sind.
        Sollten noch grundsätzliche Fragen zum Geldwesen ihrerseits bestehen, so verweise ich sie gerne auf die Seiten der Bundesbank, welche sehr gut geeignet sind für ein umfassendes Verständnis des Geldwesens.
        https://www.bundesbank.de/resource/blob/614528/1fad6735c298fa9aed9b58f288219dc5/mL/haeufig-gestellte-fragen-geldschoepfung-data.pdf
        Ich hoffe ihre Frage damit ausreichend beantwortet zu haben.
        Mit freundlichen Grüßen
        Quintus

        • Avatar

          Michael

          31. Dezember 2019 14:37 at 14:37

          @Quintus, nach dieser Definition ließe sich „monetäre Bildung“ natürlich wunderbar mit „Geldschöpfung“ übersetzen. Das hätten Sie aber auch gleich so schreiben können, anstelle eines Begriffskonstruktes, das es so nicht gibt. Aber ggf. war es ein originelles Wortspiel 😉

          Im Zusammenhang mit der „studierten Klientel“ hatte ich es eher im Kontext zur anderen Bedeutung von „Bildung“ verstanden: Wissen, Verständnis, Erkenntnisgewinn. Und da mir der Begriff in dieser Kombination noch nie begegnet ist, habe ich eben nachgefragt. Was die fehlende Vermittlung grundlegender Zusammenhänge in den Institutionen Schule und öffentliche Medien angeht, könnten Sie recht haben.

          Den Themenkomplex Geldwesen, Bankbilanz und Geldschöpfung habe ich inzwischen einigermaßen begriffen und intus, nachdem ich von @barthez72 vor etwa 3 Wochen einen super Video-Link erhalten habe. Danke nochmal dafür @barthez72 !!!

    • Avatar

      Stina

      30. Dezember 2019 20:48 at 20:48

      Ist wie erzählen im Bekanntenkreis, wenn es um CO2-Zertifikate geht. Mit jedem SUV-Kilometer In Deutschland wird ein Baumschößling in der Sahara gepflanzt. So funktioniert CO2-Reduktion an der Börse, alle halten Sie für verrückt. Fehlende monetäre und marktwirtschaftliche Bildung, die Märkte regeln doch alles. Fragt sich nur, für wen?!

      • Avatar

        claudia

        31. Dezember 2019 10:04 at 10:04

        @Michael
        Was ist denn aus Ihrer Sicht monitäre und marktwirtschaftliche Bildung?

        • Avatar

          Michael

          31. Dezember 2019 14:40 at 14:40

          @claudia, monitäre Bildung kenne ich nicht, hat das was mit Moni zu tun? 🙂

  3. Avatar

    Lis

    30. Dezember 2019 19:46 at 19:46

    Danke für den Artikel. Ich habe mich genau so aufgeregt, als ich feststellen musste, dass der Super-Film nicht einmal mehr in der ARD Mediathek zu finden ist. Was soll das denn?

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Exporte der deutschen Industrie mit mauen Aussichten

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Viele deutsche Exporte laufen über den Hamburger Hafen

Kurzzeitig sah es in den letzten Monaten so aus, als würde die deutsche Konjunktur gerade eben so an der Rezession vorbei schrammen. Die Industrie ist längst in einer heftigen Rezession, aber Bau und Dienstleistungen haben das aufgefangen, sodass die gesamte Wirtschaftsleistung derzeit glatt bei 0,0% liegt. Auch die Exporte schienen sich ganz vorsichtig zu erholen. Aber gerade erst letzte Woche meldet das Institut ZEW schwache Exporterwartungen. Und heute folgt das ifo-Institut mit seinem Index für die Exporterwartungen. Der Chart zeigt die Entwicklung der Erwartungen seit 2014. Der Index ist für den Monat Februar von +0,8 auf -0,7 Indexpunkte gefallen, was man am Endes des Chart sehen kann. Die ifo Exporterwartungen basieren auf 2.300 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes. Sie können angeben, ob sie für die nächsten drei Monate die Exporte erwarten mit „zunehmen“, „gleich bleiben“ oder „abnehmen“. Aus allen Antworten wird dann dieser Index errechnet. Hier noch einige Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

Die Entwicklungen rund um das Corona-Virus lassen kurzfristig kaum auf Besserung hoffen. Die Autobranche befürchtet einen verstärkten Rückgang ihrer Exporte in den kommenden Monaten. Auch in der Chemischen Industrie ist die Skepsis zurück, nach einem zuletzt leicht optimistischen Ausblick. Im Maschinenbau gehen die Unternehmen ebenfalls tendenziell von einem leicht rückläufigen Auslandsgeschäft aus. Lichtblicke in diesem Monat waren die Hersteller von Nahrungs- und Genussmitteln sowie die Getränkehersteller. Sie erwarten deutliche Zuwächse bei ihren Exporten in den kommenden Monaten.

ifo-Chart für die Erwartungen der Exporte

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Hochglanz-Staatsüberschuss 50 Milliarden Euro mit zwei Schönheitsfehlern

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Deutschland-Flagge vor Bundestag - 50 Milliarden Euro Staatsüberschuss

Der deutsche Staatsüberschuss für das Jahr 2019 betrug 49,8 Milliarden Euro nach 62,4 Milliarden Euro in 2018. Die Einnahmen des Staates lagen bei 1.608,6 Milliarden Euro, und die Ausgaben bei 1.558,8 Milliarden Euro. Jede Menge tolle Hochglanzzahlen kann das Statistische Bundesamt heute präsentieren. Zum achten Mal in Folge gab es einen Staatsüberschuss in Deutschland! Die Überschussquote in Relation zum Bruttoinlandsprodukt lag im letzten Jahr bei +1,4 % nach 1,9% in 2018. Davon können andere Staaten in der Eurozone nur träumen!

Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherungen profitierten damit weiterhin insbesondere von einer günstigen Beschäftigungsentwicklung, so die Statistiker. Alle staatlichen Ebenen trugen laut dem Bericht zum deutschen Staatsüberschuss bei. Der Bund hatte mit 20,1 Milliarden Euro den höchsten Überschuss. Die Länder erzielten ein Plus von 13,6 Milliarden Euro, die Sozialversicherungen schlossen das Jahr mit einem positiven Saldo von 9,9 Milliarden Euro ab, und die Kommunen erzielten einen Überschuss von 6,2 Milliarden Euro, so die Statistiker. Auch sonstige Details geben Anlass zum Jubeln. Hier im Wortlaut vom Statistischen Bundesamt:

Auf der Einnahmeseite stiegen vor allem die Sozialbeiträge überdurchschnittlich um 4,4 % auf 597,8 Milliarden Euro. Die weiterhin gute Beschäftigung trug maßgeblich zu dieser Entwicklung und den weiter steigenden Lohnsteuerzahlungen bei (+4,1 %). Die Steuereinnahmen des Staates insgesamt stiegen um 3,1 % auf 825,8 Milliarden Euro. Auf der Ausgabenseite prägten überdurchschnittliche Steigerungen bei den Bruttoinvestitionen (+8,8 %) und Vorleistungen (+6,1 %) die Entwicklung. Der deutliche Anstieg der Bruttoinvestitionen ist vor allem auf höhere staatliche Bauinvestitionen zurückzuführen.

Zwei Schönheitsfehler bei den Hochglanzzahlen zum Staatsüberschuss

Ja, im großen Bild kann man kaum zufriedener sein. Und dann müssen wir von FMW noch kommen und selbst hier noch rum nörgeln? Erstens kann man anmerken, dass laut den Statistikern in 2019 die staatlichen Ausgaben mit 4,6% stärker gestiegen sind als die Einnahmen, die um 3,6% stiegen. Das wird vor allem dann ein Problem, wenn in einer Rezession oder in einem normalen Abschwung die Einnahmen rückläufig sind, und aufgrund höherer Arbeitslosigkeit die Ausgaben noch schneller steigen als ohnehin schon. Auch komisch ist: Vor allem sinkende Sozialausgaben müssten doch die Ausgaben insgesamt runterziehen in einer so prächtigen Lage einer fast erreichten Vollbeschäftigung. Aber nein, die Gesamtausgaben steigen, und wie gesagt… sogar noch schneller als die Einnahmen. Das ist nicht gut!

Und zweitens möchten wir auch als Schönheitsfehler benennen, dass der deutsche Staatsüberschuss vor allem deswegen für Olaf Scholz und seine Beamten im Finanzministerium so einfach zu erzielen war, weil die Zinskosten für die Staatsschuld quasi entfallen. Denn die EZB hat die Zinsen abgeschafft, und Deutschland verdient sogar Geld, wenn man neue Schulden aufnimmt. Leichter war der Schuldenabbau für einen Finanzminister noch nie! So sagen die Statistiker heute, dass wegen des „weiterhin sehr niedrigen Zinsniveaus und eines gesunkenen Schuldenstandes“ die Zinsausgaben erneut zurückgegangen sind, nämlich um 13,2%.

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Goldpreis fällt um 52 Dollar in nur 24 Stunden – was ist da los?

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Gold Barren Beispielfoto

Der Goldpreis legte tagelang eine phantastische Rally hin. Die Gründe waren bekannt. Das Negativzinsumfeld scheint sich auszuweiten, was Gold attraktiver macht. Dazu eskalierte die Angst um das Coronavirus. Die Aktienkurse sackten vor allem gestern übel in den Keller, weshalb der Goldpreis von Freitag auf gestern früh kräftig ansteigen konnte. In der Spitze notierte der Goldpreis gestern früh bei 1.689 Dollar. Heute früh notiert er 52 Dollar tiefer bei 1.637 Dollar. Was ist da passiert?

Goldpreis mit deutlichem Einbruch innerhalb von 24 Stunden

Nun, der erste Grund ist relativ schnell zu finden. Es ist die einfache simple Marktlogik. Gold war zu schnell so stark gestiegen. Von 1.575 Dollar am 14. Februar bis gestern auf 1.689 Dollar – ja, das war wohl zu schnell, zu viel. Da musste es eine technische Reaktion nach unten geben, wo viele Trader Gewinne mitgenommen haben. Aber gleich so ein massiver Absturz? Das Portal Zerohedge hat dazu gestern Abend eine Theorie veröffentlicht. Sie kann zwar nicht bewiesen werden, aber man kann der Annahme durchaus folgen. Um kurz nach 20 Uhr deutscher Zeit gestern Abend (siehe großer roter Abwärtsbalken mittig im folgenden Chart) ist der Goldpreis sehr schnell von 1.671 auf 1.651 Dollar gefallen.

Laut ZeroHedge wurden zu dem Zeitpunkt Gold-Futures für einen Nominalwert von 3 Milliarden Dollar verkauft – und das zu einer Zeit, wo Broker in den USA ihre Margin Calls an Kunden ausgeben. Damit ist gemeint, dass Spekulanten, die auf Kredit zum Beispiel Aktienpositionen halten, bei plötzlichen Verlusten von ihren Brokern Forderungen zu höheren Sicherheitsleistungen erhalten, weil die Broker die Positionen ansonsten zwangsweise liquidieren. Da könnte was dran sein, denn die Kursverluste bei Aktien vor allem in den USA waren gestern extrem heftig. Mussten zum Beispiel große Hedgefonds massiv Gewinne in Gold in Cash umwandeln (daher Gold-Futures glattstellen), um damit ihre gehebelten Long-Positionen in Aktien aufrecht erhalten zu können? Gut möglich, dass genau das der Auslöser des größten Abwärts-Candle-Balken im Gold-Chart war.

Goldpreis Verlauf seit gestern früh um 9 Uhr

Wie geht es weiter, und was sagen die Analysten?

Es ist durchaus vorstellbar, dass der Anstieg im Goldpreis der letzten Tage nun weitergehen kann, nachdem gestern jede Menge heiße Luft aus dem Ballon entweichen konnte? Was sagen die Analysten dazu? Zum Beispiel Naeem Aslam von Avatrade meint, dass man beim jüngsten starken Anstieg im Goldpreis keine große Stärke in der Preisaktion sehen konnte. Tatsächlich könne man auf einem täglichen Zeitrahmen sehen, dass das Kerzendiagramm eine rückläufige Kerze bildet. Was bedeuten würde, dass das Momentum überhaupt nicht vorhanden war und der gestrige Schlusskurs bei Gold sehr nahe am Eröffnungspreis lag. Der Goldpreis sei zu schnell gestiegen. Dies sei kein gutes Zeichen. Daher sehe man heute keine Aufwärtsbewegung. Er halte es für wahrscheinlich, dass der Goldpreis ein wenig zurückgehen oder sich konsolidieren werde, bevor das Aufwärtsmomentum wieder zunehme.

Laut Ipek Ozkardeskaya von Swissquote sei es schwer zu sagen, ob und in welchem Umfang sich der tatsächliche Aktienausverkauf vertiefen werde. Sobald die Anleger (nach dem gestrigen brutalen Absturz) das Licht am Ende des Tunnels in den Aktienindizes sehen, könne es daher zu einem starken Ausverkauf bis zum Niveau von 1.600 Dollar im Goldpreis und darunter kommen, da die spekulativen Positionen in Gold ein Rekordhoch erreicht hätten, welches abgewickelt werden könnte. Also, so möchten wir zum Abschluss fragen: Ist die spekulative Übertreibungsblase komplett zerstört worden mit dem starken Absturz im Goldpreis in den letzten 24 Stunden? Kann der Goldpreis nun wieder „in Ruhe“ weiter ansteigen? Es dürfte auch davon abhängen, wie die Aktienmärkte nach ihrem gestrigen Schock reagieren. Kommt heute eine technische Reaktion nach oben? Das könnte Gold schwächen, weil das Edelmetall als der „sichere“ Gegenpart zum „riskanten“ Aktienmarkt gilt (Risk Off Risk On Game). Gold könnte aber auch eine eigenständige Reaktion nach oben zeigen, weil -52 Dollar binnen 24 Stunden doch sehr viel sind.

Goldpreis in US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage

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