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„They just call it Trade Deficit Statistic“

Das hatten wir gestern total vergessen im aktuellen Brexit-Wahn: Auch in den USA tut sich noch was, auch wenn es nur eine relativ "langweilige" Statistik ist. Sie ist aber der in Zahlen gegossene Grund, warum viele Staaten einen sinkenden Lebensstandard...

FMW-Redaktion

Das hatten wir gestern total vergessen im aktuellen Brexit-Wahn: Auch in den USA tut sich noch was, auch wenn es nur eine relativ „langweilige“ Statistik ist. Sie ist aber der in Zahlen gegossene Grund, warum viele Staaten einen sinkenden Lebensstandard in der breiten Bevölkerung haben, und gleichzeitig konstant Geld aus dem Ausland ansaugen müssen, damit die Volkswirtschaft weiter funktioniert.

Wir sehen hier eine Datenreihe der offiziellen Statistik zur US-Handelsbilanz. Gestern wurde die aktuellste Zahl für Mai veröffentlicht mit einem Handelsbilanzdefizit für Waren von 60,5 Milliarden Dollar – wie gesagt, nur für Mai. In allen Monaten vorher sieht es unabhängig von Jahreszeiten nicht anders aus. Monat für Monat schwankt man immer um 60 Milliarden Dollar Defizit herum. Das heißt im Klartext: Die USA importieren deutlich mehr Waren als sie exportieren. Und der Überhang beträgt im Mai 60,5 Milliarden Dollar. Da das Defizit langfristig so hoch und konstant ist, sprechen die Marktbeobachter in den USA nicht mehr von der Handelsbilanzstatistik, sondern von der Handelsdefizit-Statistik! Ein Marktkommentator sagte gestern in den USA fragend, wann es denn überhaupt zuletzt einen Überschuss gegeben habe.

Also müssen die USA als Volkswirtschaft (Staat, Unternehmen, Konsumenten) pro Monat 60 Milliarden Dollar aufbringen um diesen Importüberschuss zu bezahlen. In 2015 waren es insgesamt 733 Milliarden Dollar, die netto ins Ausland flossen um den Importüberschuss zu bezahlen! Doch woher nehmen, wenn man es vorher nicht erwirtschaftet hat? Geld ansaugen aus dem Ausland! Der Staat tut das über Staatsanleihen, Unternehmen über ihre Unternehmensanleihen oder Kapitalerhöhungen, und die Konsumenten über höhere Bank- und Kreditkartenschulden. 2008 führte das zum Bankenkollaps. Viele Banken in den USA gingen pleite – Lehman war nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs – die Gläubiger der Banken, oftmals ausländische Anleiheinhaber (auch zahlreiche deutsche Banken), zahlten letztendlich den Preis für diese Entschuldung.

Seit 2008 geht dieses Spiel wieder von vorne los, und auf dem „Deckel“ der USA werden Monat für Monat Striche im Wert von 60 Milliarden Dollar gemacht. Irgendwann explodiert dieses Konstrukt erneut, und es folgt wieder eine Entschuldung. Ein ähnliches Problem wird Großbritannien nach dem Brexit haben. Auch die Briten produzieren Monat für Monat ein kräftiges Handelsbilanzdefizit. Durch das schwächere Pfund müssen sie die Waren im Ausland in Zukunft noch teurer bezahlen. Dadurch steigen die Kosten für die UK-Verbraucher. Und für die Briten wird es mangels Benutzung einer „globalen Leitwährung“ schwieriger sein konstant immer mehr Geld aus dem Ausland anzusaugen, damit die Party im Inland weitergehen kann.

US-Handelsbilanz
Grafik: census.gov



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