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Thomas Jordan über den Schweizer Franken und die Bankenregulierung

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute ihre Hauptversammlung abgehalten. SNB-Präsident Thomas Jordan hat in dem Zusammenhang eine Rede gehalten, in der er mehrere Aspekte angesprochen hat – unter anderem die Geldpolitik. Wohin also mit dem Schweizer Franken…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat heute ihre Hauptversammlung abgehalten. SNB-Präsident Thomas Jordan hat in dem Zusammenhang eine Rede gehalten, in der er mehrere Aspekte angesprochen hat – unter anderem die Geldpolitik. Wohin also mit dem Schweizer Franken, lautet für viele Forex-Trader die große Frage. Wir zitieren hierzu Herrn Jordan:

Um für angemessene monetäre Bedingungen zu sorgen, setzen wir unsere expansive Geldpolitik fort. Sie beruht zum einen auf dem Negativzins, den wir auf den Sichtguthaben erheben, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer bei uns halten. Zum anderen sind wir weiterhin bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren. Beide Massnahmen sind unverändert notwendig, denn die Situation ist nach wie vor fragil. Zwar hat der Devisenmarkt eher wenig auf die jüngsten Börsenturbulenzen reagiert. Die Lage
an den Finanzmärkten und damit die monetären Bedingungen für die Wirtschaft können sich aber rasch wieder verschärfen. Eine solche Verschärfung ist im gegenwärtigen Umfeld nicht erwünscht. Zwar bewegt sich die Teuerung nun im Bereich, den die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit Preisstabilität gleichsetzt. Auch die Auslastung der Wirtschaft hat sich weiter erholt. Die Inflation ist aber immer noch tief und der Inflationsdruck trotz der expansiven Geldpolitik weiterhin gering. Eine Straffung der monetären Bedingungen zum jetzigen Zeitpunkt wäre verfrüht und würde die positive Wirtschaftsdynamik deshalb unnötig aufs Spiel setzen.

Also, es gibt erst einmal keine Änderung bei Zinsen und Interventionen am Devisenmarkt. Das hatte Jordan zuletzt schon klar gestellt, aber heute hat er es eben vor Publikum widerholt. Euro vs Schweizer Franken kratzt jetzt seit einigen Tagen an der 1,20-Marke und notiert aktuell bei 1,1955. Geht es bald nachhaltig über die 1,20? Dass die EZB derzeit ebenso wenig Anstalten für eine Zinswende macht, könnte dem entgegenstehen.

Schweizer Franken
Euro vs Schweizer Franken seit Oktober 2017

Bankenregulierung in der Schweiz

Jordan betonte in seiner Rede, dass die Schweizerische Bankenaufsicht in keinster Weise in die Interna oder Organisationsstruktur von systemrelevanten Banken eingreife. Das kann man als nette Formulierung für eine ziemlich lasche Bankenregulierung ansehen, so meinen wir. Von daher sei es ihm wichtig, dass die Banken stabil da stehen – wohl nach dem Motto: Solange ihr (die Banken) eine gesunde Kapitalbasis aufweist und eure Risiken im Griff habt, könnt ihr ansonsten machen was ihr wollt. Hauptsache ihr belastet die Steuerzahler nicht mit Rettungskosten. Das Schweizer Finanzsystem sei nun, 10 Jahre nach der Finanzkrise, deutlich widerstandsfähiger, so Jordan. Zitat auszugsweise:

In der Schweiz hat der Bankensektor eine grosse volkswirtschaftliche Bedeutung. Dabei spielen leistungsfähige und international aktive Banken eine wichtige Rolle. Eine Zerschlagung systemrelevanter Banken läge deshalb nicht im Gesamtinteresse der Schweiz. Umso wichtiger ist es, dass diese Banken genügend robust sind. Deshalb sieht die Schweizer Regulierung höhere Eigenkapitalpuffer für systemrelevante Banken vor als die im internationalen Regelwerk festgehaltenen Mindestanforderungen. Diese höheren Anforderungen dürfen aber nicht einseitig als Kostentreiber betrachtet werden. Ein robustes Bankensystem ist ein wesentlicher Standortvorteil im internationalen Wettbewerb, und damit nicht nur aus Sicht der Finanzstabilität wünschenswert, sondern auch aus Sicht der Banken selbst. Die Schweiz hat zudem einen schlanken Regulierungsansatz gewählt, der weder in das Geschäftsmodell noch in die Organisationsstruktur der Banken aktiv eingreift.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise hat die Widerstandskraft des Schweizer Bankensystems deutlich zugenommen. Nun gilt es, die Umsetzung der Regulierung konsequent abzuschliessen. Selbstverständlich müssen die Behörden auch in Zukunft die Regulierung immer wieder auf Wirksamkeit und Kosten überprüfen. Die neue Bankenregulierung verringert die Wahrscheinlichkeit und das Ausmass einer Finanzkrise deutlich. Gleichzeitig wird die Schweizer Regulierung auch das „Too big to fail“-Problem lösen. Alles in allem dürfte sich die so erhöhte Widerstandskraft des Bankensektors positiv auf die Wirtschaftsentwicklung und den Wohlstand auswirken.

Thomas Jordan sieht den Schweizer Franken noch nicht schwach genug
SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: SNB/P. von Ah

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    Katja Wohmann

    27. April 2018 18:17 at 18:17

    Herr Jordan von der SNB wird immer öfter sehr heftig kritisiert. Die Massnahmen stossen bei vielen Fachleuten vermehrt auf unverständnis. Aber wer versteht schon auch die völlig perverse Situation der Problemverschleppung mit Nullzinsen und Billigstkrediten etc. in Europa, die durch die EZB zwangsweise über alle Länder Europas ungefragt durchgesetzt wird.

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Devisen

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

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EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkauf- und Liquiditätsprogramme (PEPP, APP und TLTRO III) laufen wie bisher weiter.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

(2) The Governing Council will continue its purchases under the pandemic emergency purchase programme (PEPP) with a total envelope of €1,350 billion. These purchases contribute to easing the overall monetary policy stance, thereby helping to offset the downward impact of the pandemic on the projected path of inflation. The purchases will continue to be conducted in a flexible manner over time, across asset classes and among jurisdictions. This allows the Governing Council to effectively stave off risks to the smooth transmission of monetary policy. The Governing Council will conduct net asset purchases under the PEPP until at least the end of June 2021 and, in any case, until it judges that the coronavirus crisis phase is over. The Governing Council will reinvest the principal payments from maturing securities purchased under the PEPP until at least the end of 2022. In any case, the future roll-off of the PEPP portfolio will be managed to avoid interference with the appropriate monetary policy stance.

(3) Net purchases under the asset purchase programme (APP) will continue at a monthly pace of €20 billion, together with the purchases under the additional €120 billion temporary envelope until the end of the year. The Governing Council continues to expect monthly net asset purchases under the APP to run for as long as necessary to reinforce the accommodative impact of its policy rates, and to end shortly before it starts raising the key ECB interest rates. The Governing Council intends to continue reinvesting, in full, the principal payments from maturing securities purchased under the APP for an extended period of time past the date when it starts raising the key ECB interest rates, and in any case for as long as necessary to maintain favourable liquidity conditions and an ample degree of monetary accommodation.

(4) The Governing Council will also continue to provide ample liquidity through its refinancing operations. In particular, the third series of targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) remains an attractive source of funding for banks, supporting bank lending to firms and households.

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Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt spürbar auf 1.878 Dollar

Claudio Kummerfeld

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Jetzt wo immer konkreter wird, dass Deutschland in Kürze die Corona-Restriktionen stark anzieht, verschärfen sich international die Ängste. Die Aktienkurse fallen weiter, und der US-Dollar als zentraler Fluchthafen zieht weiter an (wir berichteten vorhin bereits). Der Dollar steigt, und der Goldpreis rauscht aktuell runter auf 1.878 Dollar. Gold fällt aktuell gemeinsam mit den Aktienmärkten. Dies ist ein Phänomen, das man bereits im März beobachtete – auch damals funktionierte der US-Dollar kurzzeitig als Fluchthafen.

Goldpreis gegen US-Dollar-Verlauf im Chart

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Türkische Lira fällt erneut auf Rekordtief – die aktuelle Lage

Redaktion

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Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt immer weiter, heute früh auf ein neues Rekordtief. Die Lage ist dramatisch. Bereits letzte Woche Donnerstag rauschte die türkische Währung auf ein erneutes Rekordtief. US-Dollar vs Türkische Lira stieg von 7,80 auf 7,96. Heute früh springt der Wechselkurs erneut. Für einen US-Dollar muss man aktuell 8,03 Lira aufbringen. Der Chart zeigt den Kursverlauf des US-Dollar gegen die Lira in den letzten zwölf Monaten. Die Abwertung läuft immer weiter.

Türkische Lira immer noch enttäuscht nach Zinsentscheid

Erst letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank bei ihrer Zinsentscheidung den Leitzins unverändert belassen, obwohl der Devisenmarkt eine deutliche Zinsanhebung erwartet hatte, um die Lira-Abwertung zu bekämpfen. Aber nein, der Leitzins bleibt bei 10,25 Prozent. Und so fiel die türkische Währung wie gesagt schlagartig auf ein Rekordtief. Und die Abwertung läuft in diesem dramatischen Tempo nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern auch dem Euro. Für 1 Euro musste man Anfang letzter Woche noch 9,27 türkische Lira aufbringen – jetzt sind es 9,51 Lira.

Weitere Faktoren für Lira-Schwäche

Die Enttäuschung zum Leitzins wirkt heute noch nach. Zudem teilt Präsident Erdogan derzeit verbal aus gegen den französischen Präsidenten, der den Botschafter aus Ankara zurückrief (hier mehr Details dazu). Außerdem könnte der Raketenstreit der Türkei mit den USA erneut wieder aufflammen. Und da wäre noch der aktuelle Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, und nicht zu vergessen der Gas-Streit der Türkei mit Zypern. Alles zusammengenommen ein geopolitischer Mix, der dem Devisenmarkt Angst macht, mal ganz abgesehen von der Coronakrise.

Und was letzte Woche noch dazu kam, waren Berichte über die Analysen einer unabhängigen Expertengruppe in der Türkei. Sie will ermittelt haben, dass die tatsächliche Inflation in der Türkei vier Mal so hoch sein soll wie offiziell angegeben. Aber das muss aktuell nicht zu viel Auswirkung auf die türkische Lira haben, sondern wohl eher der Mix der vorher genannten Faktoren. Aktuell scheint keine Besserung in Sicht zu sein.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira

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